Eugen Lemberg
Eugen Lemberg (* 27. Dezember 1903 in Pilsen; † 25. Dezember 1976 in Mainz) war ein deutschböhmischer Soziologe.
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Leben [Bearbeiten]
Eugen Lemberg gehörte der völkisch-katholischen Jugendbewegung an und studierte, u.a. bei Erich Gierach Germanistik, Slawistik und Geschichte, an der Karls-Universität Prag. Nach seiner Promotion zum Dr. phil., im Jahre 1927, war er wissenschaftlicher Assistent, in Münster (Westf.). 1937 habilitierte er sich in Prag. Im Sommer 1938 wurde er in der Propagandaabteilung des Sudetendeutschen Freikorps in Dresden aktiv. Im selben Jahr leitete er nach der deutschen Besetzung des Sudetenlandes die Anstalt für Lehrerausbildung im nordböhmischen Reichenberg (tschechisch: Liberec). Während des Zweiten Weltkriegs trat er aus der katholischen Kirche aus und wurde von der NSDAP ausgeschlossen.
Lemberg engagierte sich für die Ostforschung. Er gründete 1956 das Collegium Carolinum in München und war von 1959 bis 1963 Präsident des Johann Gottfried Herder-Forschungsrates. 1957 wurde er Professor für Soziologie des Bildungswesens, an der Hochschule für Internationale Pädagogische Forschung (HIPF) in Frankfurt am Main, dem späteren Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung.
Sein wissenschaftliches Interesse galt den Problemen des Zusammenlebens von Völkern, vor allem der Nationalitätenfrage, den Integrations- und Desintegrationsprozessen. Lemberg hatte unter dem Klischee eines nationalistischen Ideologen der Vertriebenen zu leiden. Die Vertreibung und deren Folgen "...veranlaßte Studien zur Soziologie und Ideologie der Massenzwangswanderungen, der davon betroffenen Gruppen, ihrer Eingliederung und Wirkung.[1]Tatsächlich galten ihm die Sudetendeutschen als eine Volksgruppe. Er machte sich bei deren Organisationen zusehends unbeliebt, weil er den Blick von der Vergangenheit in die Zukunft richtete; Auf eine Integration in Deutschland ohne Revisionsansprüche. Noch 1964 legte Lemberg eine Theorie des Nationalismus vor. Wobei er Nationalismus "...in seinem ursprünglichen, im Wort schon angelegten Sinn[e]...verstand, um mit diesem Wort die Bindekraft zu bezeichnen, die nationale oder quasinationale Großgruppen integriert.[2] Dessen Erscheinungsformen und deren Auswüchse, differenzierte er in seinen Werken.
Eugen Lemberg arbeitete eng mit Ernst Lehmann, einem Mitbegründer des Witikobundes und Herausgeber ostkundlicher Zeitschriften, zusammen. Er war von 1960 bis 1975 Mitherausgeber der Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung. Er war der Vater des Historikers Hans Lemberg.[3]
Publikationen [Bearbeiten]
- Grundlagen des nationalen Erwachens in Böhmen: Reichenberg 1932, Gebrüder Stiepel ges.m.b.h., 1932 - 181 Seiten
- Wege und Wandlungen des Nationalbewußtseins; Studien zur Geschichte und Volkwerdung in den Niederlanden und Böhmen; Münster (Westf.) 1934
- Die Ausweisung als Schicksal und Aufgabe. Zur Soziologie und Ideologie der Ostvertriebenen; München 1949
- Die Entstehung eines neuen Volkes aus Binnendeutschen und Ostvertriebenen: Untersuchungen zum Strukturwandel von Land und Leuten unter dem Einfluss des Vertriebenen-Zustromes; Marburg/Lahn 1950, u.a. erschienen in: Nationalismus I und II, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 1964
- Geschichte des Nationalismus in Europa; Stuttgart 1950. U.a. enthalten in Nationalismus I; Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1964
- Osteuropa und die Sowjetunion; Stuttgart 1950, zweite Auflage Salzburg 1956
- Völker und Volksgruppen im Exil; München 1953
- Umdenken in der Verbannung; Bonn 1954, 4. Auflage 1957
- Die Vertriebenen in Westdeutschland; (Hrsg.), mit F. Edding u.a.) 3 Bde, Kiel, 1959
- Beiträge zur Soziologie des Bildungswesens; (Hrsg.), Heidelberg, 1960
Literatur [Bearbeiten]
- Karin Pohl: Die Soziologen Eugen Lemberg und Emerich K. Francis. Wissenschaftsgeschichtliche Überlegungen zu den Biographien zweier „Staffelsteiner“ im „Volkstumskampf“ und im Nachkriegsdeutschland. In: Bohemia 45 (2004), S. 24-76.
- Ernst Nittner: Zum Ideologiebegriff Eugen Lembergs, in: Ferdinand Seibt (Hrsg.): Eugen Lemberg 1903-1976[4]
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur über Eugen Lemberg im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Geschichtsschreibung zu den böhmischen Ländern im 20. Jh. - Wissenschaftstraditionen - Institutionen - Diskurse, Teil I (1900-1952)
- Miroslav Hroch: Eugen Lembergs „Nationalismustheorie“
- Ariane Afsari: Die „Volksdeutschen“ in Polen, Frankreich, Ungarn und der Tschechoslowakei
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Nationalismus I, Eugen Lemberg; Rowohlts Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, S. 332, 1964
- ↑ Nationalismus I, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, 1964, S.20
- ↑ Vgl. Hans Lemberg: Kommentar zu den Beiträgen über Hans Lemberg. In: Bohemia. 1. 2004.
- ↑ „Zum Ideologiebegriff Eugen Lembergs“, Google Books: „Ferdinand Seibt (Hrsg.): Eugen Lemberg 1903-1976“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lemberg, Eugen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Soziologe, tschechischer Herkunft |
| GEBURTSDATUM | 27. Dezember 1903 |
| GEBURTSORT | Pilsen |
| STERBEDATUM | 25. Dezember 1976 |
| STERBEORT | Mainz |