Eulenburg (Adelsgeschlecht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stammwappen der zu Eulenburg

Die Herren, Grafen und Fürsten zu Eulenburg (früher von Ileburg) gehören zum obersächsischen Uradel, der mit Conradus de Ilburg 1170–1197 urkundlich[1] zuerst erscheint und mit Otto de Yleborch 1199 die ununterbrochene Stammfolge beginnt. Botho Herr von Ileburg (das heutige Eilenburg, Burg und Stadt in der Markgrafschaft Meißen), 1350 königlich böhmischer Landvogt der Niederlausitz ist der gemeinsame Stammvater des Grafen- und Fürstenhauses von Eulenburg in Preußen, sowie der erloschenen Freiherrn von Ilburg in Böhmen, die nach der ältesten Herrenstandordnung vom Jahre 1501 den 15. Rang einnahmen.

Die Eulenburger waren Nachfolger (keine Nachkommen) der im 12. Jahrhundert ausgestorbenen Grafen von Eilenburg (Heinrich I. von Eilenburg, Heinrich II. von Eilenburg, Dietrich von Landsberg und Eilenburg) aus dem Geschlecht der Wettiner.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprung[Bearbeiten]

Das Geschlecht, das urkundlich erstmals 1170–1197 mit Conradus de Illburg erscheint.[2] und mit demselben Conradus de Hilburch 1181 urkundlich bei Halle unter den Ministerialen der Markgrafen von Meißen auftritt,[3] beginnt die sichere Stammreihe 1199 mit Otto von Ileburg.

Das Wappen des Botho de Ileburg ist bereits auf einem um kurz nach 1209 gefertigten Wappenkasten des Quedlinburger Domschatzes zu finden, vermutlich als Vasall bzw. Ministrialer seines Lehnsherrn Dietrich von Meißen.[4] Anfang des 13. Jahrhunderts sind Mitglieder des Geschlechts Herren und Besitzer der Herrschaft Mühlberg und Vögte und Herren von Burg, Herrschaft und Stadt Ileburg (heute Eilenburg). Otto Wend von Ileburg (1319–1370) war markgräflich Brandenburgischer Rat.

Verbreitung[Bearbeiten]

Ende des 14. Jahrhunderts entledigten sich die Markgrafen von Meißen ihrer mächtigen Herren, teils durch Gewalt, teils durch Kauf. Nach Verlust der Herrschaft Eilenburg erwarb das Geschlecht Herrschaften in der Lausitz, darunter Forst und Pförten, sowie später in Böhmen, wo es bis 1538 zum böhmischen Herrenstand gehörte. Botho der Ältere (1379–1430) siedelte 1414 nach Sonnewalde über und erwarb die Herrschaft und die Burg Egerberk. Sein gleichnamiger Sohn (1430–1480) war ab 1450 Landvogt der (Nieder-)Lausitz. Von ihm stammen die späteren Grafen zu Eulenburg in Ostpreußen, sowie in Brandenburg und am Niederrhein ab.

Linie in Böhmen[Bearbeiten]

Botho der Jüngere (1379–1434) war Pfandherr und ab 1426 Burggraf in Elbogen. Sein Sohn Wilhelm I. († 11. September 1489), Unterkämmerer des Königreichs Böhmen, erwarb 1434 die Herrschaft Ronov im Leitmeritzer Kreis, ebenfalls die benachbarte Taboritenburg Kelch, später auch noch die Helfenburg sowie Budenice und Mscheno. Er war ein großer Anhänger des böhmischen Königs Georg von Podiebrad, wendete sich in späteren Jahren jedoch von ihm ab. Wilhelm I. Ileburg liegt in der Kirche zu Charvatce bei Mscheno begraben.

Mit seinem Tod gingen seine Besitzungen an seinen einzigen Sohn Wilhelm II. († 1538) über. Dieser wurde bereits 1508 Hauptmann des Leitmeritzer Kreises, später auch Landvogt der Oberlausitz (1517–1519). Er erwarb 1518 Schloss und Herrschaft Lämberg, das er zu seiner Residenz ausbaute, sowie Burg Woltarik. Ohne männliche Nachkommen ging das Erbe 1538 zunächst an dessen Witwe Agnes, geb. Gräfin von Helfenstein, später an die einzige Tochter Anna, verehelichte Kurzbach, und nach deren Tod 1554 an ihre Söhne Wilhelm und Heinrich II. Kurzbach von Trachenberg.

Mit Otto Freiherr von Ilburg (Otik z Ilburka), Herr der Veste Knöschitz (Knezice bei Poderam im Saazer Kreis), 1403 Burggraf des Bischofs von Prag zu Bischofteinitz und vor 1437 verstorben begann die Stammfolge der Ilburg in Böhmen. Sein Sohn Wenzel, 1422–1428 Burggraf zu Eger (Cheb), Herr der Burgen Hauenstein (im Bezirk Sankt Joachimsthal in Westböhmen) und Himmelstein verstarb 1442. Dessen Sohn Puta, Burggraf und Pfandherr von Ellbogen, Herr der Burgen Hauenstein und Himmelstein (auch „Wartburg“ genannt) im Bezirk Kaaden, verstarb um 1460. Dessen Sohn Wilhelm (der Ältere) Freiherr von Ilburg, auf Hauenstein, Himmelstein und Helfenstein (bei Auscha), 1496 Landes-Unterkämmerer im Königreich Böhmen, verstarb 1489, wurde in Charwatetz zu Grabe gelegt und war mit Magdalena Frein von Kolditz, Tochter des Thimo Freiherrn von Kolditz, königlich böhmischer Landvogt der Oberlausitz, verehelicht und hatte drei Kinder; die zwei Töchter: Katharina, war in 1. Ehe verehelicht mit Albrecht Biwowsky Freiherr von Leuchtenburg, auf Vöttau; in 2. Ehe, vor 1464 geschlossen mit Bohuslaw Merzircziczky Freiherr von Lomnicz auf Meseritz, und Anna ehelichte Albrecht dem Jüngeren Freiherr Berka von Dub und Leipa (aus dem Haus Hinstein). Mit seinem Sohn Wilhelm (der Jüngere) Freiherr von Ilburg und Ronow (Romburg) († 1538), Herr der Burg Lämberg in Nordböhmen, königlich böhmischer Landvogt der Oberlausitz, verehelicht mit Agnes Gräfin von Helfenstein († vor 1533) erloschen die Ilburg in Böhmen im Mannesstamm. Er wurde in Charwatetz bei Libochovice zu Grabe gelegt. Die Tochter Anna, auf Lämberg, Helfenburg und Ronow, war in erster Ehe verheiratet mit Johann Freiherr von Kurzbach und Trachenberg und Miltitz, Freier Standesherr in Schlesien, und in zweiter Ehe mit Ludwig Freiherr von Kolowrat-Bezdruziczky auf Kornhaus. Ihre Söhne Wilhelm und Heinrich der Ältere Freiherrn von Kurzbach zu Trachenberg und Miltitz erbten Ronow, Helfenburg und Lämberg.

Linien in Ostpreußen[Bearbeiten]

Die ostpreußische Linie geht auf Botho VIII. von Ileburg (1430–1480), seit 1450 Landvogt der (Nieder-)Lausitz, zurück. Dessen Sohn Wend V. von Ileburg (vor 1454–1488) zieht mit dem Hilfsheer seines Vaters nach Ostpreußen und verbleibt dort zur Geltendmachung seiner Ansprüche gegenüber dem Deutschen Orden. 1468 wird Wend V. mit dem Besitz Gallingen belehnt. Er vermählt sich mit Anna von Königsegg a.d.H. Skandau. Die Skandauer Güter dieser Ehe tauscht sein Enkel Botho XI. 1547 gegen den Besitz Prassen ein. Die beiden Söhne der Ehe Wend V. mit Anna von Königsegg, Botho X. (1469–1564) und Wend VI. von Ileburg bilden die Häuser Häuser Leuneburg-Prassen-Tolksdorf sowie Gallingen-Kinkheim. Der Enkel Wend VI. zu Eylenburg (1549–1629), vermählt mit Elisabeth Erbtruchsess Freiin zu Waldburg a.d.H. Wildenhof (†1611), erbaut 1589 das Schloss zu Gallingen. Deren Sohn Gottfried bekleidet seit 1653 die Würde des Oberburggrafen und seit 1654 die des preußischen Landhofmeisters. Mit Gottfried zu Eylenburg (1598–1669) stirbt die Linie Gallingen erstmals aus, sodass Gallingen an Botho Heinrich zu Eylenburg auf Tolksdorf fällt. Gottfrieds Vetter Freiherr Jonas Casimir von Eulenburg (1614–1667) auf Prassen-Leuneburg und Schönberg ist Landesoberst über die preußischen Milizen und die preußischen Münzen, Generalmajor, sowie Landratsdirektor und kurfürstlicher Kammerherr.

Burg Schönberg, Ostpreußen

Er reist 1656 als Bevollmächtigter des Großen Kurfürsten zum russischen Zaren und vermittelt dessen Waffenstillstand mit Schweden. Von 1660 bis 1663 präsidierte er dem dreijährigen Landtag. Sein Enkel, der Obermarschall und Wirkliche Geheime Etats- und Kriegsminister Freiherr Gottfried zu Eylenburg (1676–1742) auf Prassen und Romsdorf, vermählt mit Katharina Gräfin von Wallenrodt, wird 1734 außerdem Erbe der Gallinger Güter. Dessen Sohn Albrecht Wilhelm (1704–1772) gewinnt über seine Frau, Charlotte von Tettau 1766 den Besitz Wicken hinzu, 1769 außerdem von seinem kinderlosen Bruder Christoph Heinrich den Besitz Prassen. Damit sind alle Ostpreussischen Güter der Eulenburgs in einer Hand vereint. Der einzige Sohn, Ernst Christoph zu Eulenburg (1754–1796), verheiratet mit Hedwig Gräfin von der Groeben, wird 1786 in den Preußischen Grafenstand erhoben. Als Alleinerbe begründet er mittels seiner Söhne die heute noch existierenden vier Eulenburgschen Linien: Die Wilhelmsche, Heinrichsche, Ernstsche sowie die Friedrichsche Linie.

Wilhelmsche bzw. Prasser Linie[Bearbeiten]

Der Erbe des Majorates Prassen-Leuneburg, Botho Wilhelm Graf zu Eulenburg (1778–1865), vermählt sich mit Wilhelmine von Klüchtzner. Der einzige Sohn dieser Ehe, Elimar Graf zu Eulenburg (1608–1849) heiratet Bertha Burggräfin und Gräfin zu Dohna-Schlodien, deren Sohn Richard (1838–1909), Landhofmeister, Euphemie von Tschirschky-Reichell. Diese bringt den Besitz Schlanz in Niederschlesien mit in die Ehe ein. Nach dem Tod von Richards Sohn Friedrich (1874–1931), der zusätzlich das Gut Döhrings erworben hatte, bildet sich so neben dem Stammsitz Prassen, den Mortimer (1905–1994) übernimmt, mit Werner Graf zu Eulenburg (1908–1989) eine neue schlesische Linie der Eulenburgs.

Heinrichsche bzw. Wicker Linie[Bearbeiten]

Die Allodialgüter von Wicken gelangen von Wenzeslaus Heinrich Graf zu Eulenburg (1779–1842), vermählt mit Charlotte Reichsgräfin Finck von Finckenstein, an den einzigen Sohn, den Landhofmeister Botho Eulenburg (1804–1879), vermählt mit Therese Gräfin von Dönhoff-Friedrichstein. 1879 fällt das Erbe Wickens zunächst an alle drei Söhne, und zwar den preußischen Premierminister Botho (1831–1912), den Oberhofmarschall und Minister des kgl. Hauses August (1838–1921), sowie den General der Kavallerie Carl Graf zu Eulenburg (1843–1919). Letzterer Übernimmt das Gut Wicken in Alleinbesitz und gibt es nach seinem Tod an seinen Sohn Siegfried (1870–1960) weiter.

Ernstsche bzw. Gallinger Linie[Bearbeiten]

Die Gallinger Lehensgüter gelangen von Alexander Ernst Graf zu Eulenburg (1781–1845), verheiratet mit Friederike von Rautter, an den einzigen Sohn Ludwig Botho (1811–1867), vermählt mit Malwine Burggräfin und Gräfin zu Dohna-Schlodien. Der einzige Sohn Arthur (1853–1905) heiratet Elisabeth Freiin von Esebeck. Sohn Botho Wendt (1883–1945) verheiratet mit Emily Staël von Holstein, adoptiert als letzter seiner Linie Udo Graf zu Eulenburg a.d.H. Prassen als Erbe, das er 1942 antritt.

Friedrichsche bzw. nachfolgend Liebenberger, heute Hertefeldsche Linie[Bearbeiten]

Friedrich-Leopold Graf zu Eulenburg (1787–1845) erbt das väterliche Eulenburg-Haus in Königsberg. Er heiratet Amalie von Kleist und übernimmt deren ostpreußischen Besitz Perkuiken, der bereits 1830 in Nachfolge der napoleonischen Kriege verloren geht.

Mit Ende des Zweiten Weltkriegs gehen alle Familienbesitze in Ostpreußen, Schlesien und Brandenburg verloren.

Linien in Brandenburg und am Niederrhein[Bearbeiten]

Die Söhne des Friedrich-Leopold Graf zu Eulenburg, des Begründers der Friedrichschen Linie, der Staatsminister Friedrich zu Eulenburg (1815 – 1881) sowie sein Bruder Philipp Conrad (1820–1889), verlassen Ostpreußen. Über das Erbe der Frau Philipp Conrads, Alexandrine Freiin v. Rothkirch-Panthen, die 1867 Alleinerbin ihres Großonkels Freiherr von und zu Hertefeld wird, bilden sich neue Eulenburgsche Sitze: In Brandenburg der Hauptsitz Liebenberg mit den weitern Gütern Häsen, Wulkow und Gühlen (die sämtlichst ebenfalls 1945 verloren gehen), sowie am Niederrhein Hertefeld und Kolk. Der Sohn Philipp Conrads, Philipp zu Eulenburg (1847–1921), wird 1900 als Fürst zu Eulenburg und Hertefeld in den erblichen Fürstenstand erhoben, zusätzlich erhält er den Titel seiner Frau, der letzten Gräfin von Sandels. Alleinerbe des Paares wird deren Sohn Friedrich Wend zu Eulenburg (1881– 1963), über dessen Frau Marie Freiin von Mayr-Melnhof 1921 das Jagdgut Hinterstoder in Oberösterreich in die Familie gelangt. In jüngster Zeit bilden sich am Niederrhein die ältere Linie der Grafen zu Eulenburg und Hertefeld auf Haus Hertefeld, sowie die Jüngere auf Haus Kolk.

Wappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen ist geteilt, oben in Gold ein rechtsgewendeter rot-gekrönter und rot-bewehrter schwarzer Löwe, unten in Blau drei (2:1) silberne – später auch goldene – sechsstrahlige Sterne. Auf dem gekrönten Helmmit schwarz-goldenen Decken der wachsende Löwe zwischen offenem, rechts goldenem, links schwarzem Flug.

Historische Wappenbilder[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. George Adalbert von Mülverstedt und F. Bernau: Diplomatarium Ilburgense. Magdeburg 1877
  2. Kopie des 15. Jahrhunderts im Staatsarchiv Magdeburg, Kop 398, Blatt 81 a, abgedruckt im Urkundenbuch der Stadt Halle, Teil 1, Magdeburg 1930, S. 72, Nr. 72
  3. Original im Haupt-Staatsarchiv Dresden, Kloster Petersberger Hand, Nr. 81, abgedruckt im Codex diplomaticus Saxoniae regiae, 1. Hauptteil, Band II, Leipzig 1989, S. 310, Nr. 446
  4. Natalie Kruppa: Neue Gedanken zum Quedlinburger Wappenkästchen. In: Concilium Medii Aevi. Band 4, 2001, S. 153–171 (PDF, 0,5 MB)
  5. Alfred Freiherr von Krane, Wappen- und Handbuch des in Schlesien (einschliesslich der Oberlausitz) landgesessenen Adels, 1901-1904

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eulenburg (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien