Eunice aphroditois

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Eunice aphroditois
Eunice aphroditois.jpg

Eunice aphroditois

Systematik
Stamm: Ringelwürmer (Annelida)
Klasse: Vielborster (Polychaeta)
Ordnung: Eunicida
Familie: Eunicidae
Gattung: Eunice
Art: Eunice aphroditois
Wissenschaftlicher Name
Eunice aphroditois
(Pallas, 1788)

Der Meereswurm Eunice aphroditois gehört zur Gruppe der Ringelwürmer aus der Klasse der Vielborster und findet sich hauptsächlich in tropischen Gewässern. Der nachtaktive Wurm kann eine Länge von bis zu drei Metern erreichen, wobei nur ein kleiner Teil aus dem Sand am Meeresgrund herausragt. Üblicherweise findet sich das Tier in zehn bis fünfzehn Metern Tiefe. Eunice aphroditois lauert am Meeresgrund auf Beute. Erst bei der Berührung von einem oder mehreren der fünf ausgestreckten Fühler schießt er aus seinem Versteck, ergreift die Beute und zieht sie unter die Sandoberfläche, wo der im Durchmesser etwa zwei Zentimeter messende Wurm die Beute im Anschluss auffrisst.

Merkmale[Bearbeiten]

Es handelt sich um einen langgestreckten, relativ schlanken Polychäten. Die Art erreicht üblicherweise etwa einen Meter Körperlänge, Rekordexemplare erreichen aber bis zu drei Meter[1] und fast 700 Segmente. Damit gehört die Art zu den größten Polychäten.

Der Körper ist im Leben dunkelpurpurn gefärbt, manchmal grünlich irisierend, mit einem grauen Fleckenmuster und einem weißgrauen Querband nahe dem Vorderende. Die Segmente tragen seitlich kurze Anhänge (Parapodien), deren Form sich entlang der Körperlängsachse graduell, ohne scharfe Übergänge, ändert. Der Körper ist nahe dem Vorderende (etwa in Höhe des zehnten Segments) am breitesten und verengt sich nach hinten hin merklich. Das Vorderende ist sehr muskulös, es dient zur Bewegung des großen, vorstreckbaren Kieferapparats. Der Körper ist im vorderen Abschnitt fast rund, an der Oberseite rinnenförmig eingesenkt, auf der Unterseite flach, im weniger muskulösen mittleren Abschnitt etwas abgeflacht. Der langgestreckte Hinterabschnitt zeigt vereinfachten Bau der Segmente. Das bei der Art recht kurze Prostomium ist zweilappig und trägt fünf lange Tastfortsätze (Antennen oder Palpen) und um die Mundöffnung kürzere Zirren, diese sind bei der Art basal abgeflacht. Auf dem Prostomium sitzt seitlich nahe dem Hinterende ein Paar runder, dunkel gefärbter Augen. Das Peristomium ist breiter und bedeckt die Basis des Prostomiums auf der Oberseite. Das Peristomium ist zweigeteilt, der hintere Ring trägt zwei Fortsätze (Cirren). Der Kieferapparat ist komplex gebaut, er besteht aus einem Paar Mandibeln mit einer scharfen Schneidekante und vier Paaren grob gezähnter Maxillen. Die Kraft der Kiefer reicht aus, die menschliche Haut zu durchdringen. Zwischen den Kiefern sitzt ein muskulöser, vorstreckbarer Pharynx. Die Körpersegmente tragen Parapodien und an allen Segmenten bis nahe zum Hinterende kammförmige Schlauchkiemen (Branchiae). Die Parapodien sind zweiästig, deren Äste fadenförmige Zirren tragen, die im Inneren durch skelettartige Nadeln (Aciculae) unterstützt werden, zusätzlich sind in den unteren Neuropodien zweispitzige subaciculäre Haken vorhanden. Bei der Art sind die Aciculae zur Spitze hin dunkel gefärbt, die Zirren nehmen zum Hinterende hin nicht an Größe ab. Da der Körper hier insgesamt schmaler wird, werden sie deshalb im Verhältnis immer größer und auffälliger. Der zweite Ast (Neuropodium) ist im mehrere Lappen gegliedert.

Lebensweise[Bearbeiten]

Die Art ist räuberisch, als Beute werden andere Anneliden, Pfeilwürmer, Ostrakoden, Ruderfußkrebse und Muscheln angegeben[2]; möglicherweise grasen sie außerdem die Sedimentoberfläche ab. Sie lebt normalerweise innerhalb von Hohlräumen von marinen Hartsubstraten, zum Beispiel Korallenkalk, werden aber auch gelegentlich von Weichsubstraten wie Sand angegeben.

Die Art wird gelegentlich mit „lebenden Steinen“ in Meerwasser-Aquarien eingeschleppt, wo sie aufgrund der räuberischen Ernährung schweren Schaden anrichten kann.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Art ist in warmen Meeresgebieten weltweit verbreitet. Sie wird nördlich bis Japan Hokkaidō, bis zur Karibik und bis zum Mittelmeer (Nordadria)[3] angegeben.

Taxonomie[Bearbeiten]

Die Gattung Eunice umfasst etwa 220 meist schwer unterscheidbare Arten und ist weltweit verbreitet.[4] Die Art wurde von Peter Simon Pallas 1788 als Nereis aphroditois erstbeschrieben, Typuslokalität ist ein Korallenriff bei Sri Lanka. Die Art ist Typusart der Gattung Eunice (sensu stricto). Ein verbreitetes Synonym ist Leodice gigantea. Der bisher verwendete Artname umfasst möglicherweise tatsächlich mehrere Arten, die bisher nicht unterschieden wurden.[5]

Quellen[Bearbeiten]

  • Kristian Fauchald (1992): A Review of the Genus Eunice (Polychaeta: Eunicidae) Based upon Type Material. Smithsononian Contributions to Zoology Number 523.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hiroomi Uchida, Hidetomo Tanase, Shin Kubota (2009): An extraordinarily large specimen of the polychaete worm Eunice aphroditois (Pallas) (Order Eunicea) from Shirahama, Wakayama, central Japan. Kuroshio Biosphere 5: 9–15.
  2. Kristian Fauchald & Peter A. Jumars (1979): The diet of worms: a study of polychaete feeding guilds. Oceanography and marine biology: an annual review 17: 193–284.
  3. Sandra Casellato & Antonio Stefanon (2008): Coralligenous habitat in the northern Adriatic Sea: an overview. Marine Ecology 29: 321–341.
  4. Joana Zanol, Kristian Fauchald, Paulo C. Paiva (2007): A phylogenetic analysis of the genus Eunice (Eunicidae, polychaete, Annelida). Zoological Journal of the Linnean Society 150: 413–434.
  5. Sergio I. Salazar-Vallejo, Luis F. Carrera-Parra, J. Angel de León-González (2011): Giant Eunicid Polychaetes (Annelida) in shallow tropical and temperate seas. Revista de Biología Tropical vol. 59, n.4: 1463–1474.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eunice aphroditois – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien