Eupen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Eupen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Eupen
Eupen wappen.jpg Flag-eupen.png
Eupen (Belgien)
Eupen
Eupen
Staat Belgien
Region Wallonien
Provinz Lüttich
Bezirk Verviers
Koordinaten 50° 38′ N, 6° 2′ O50.6305555555566.0319444444444260Koordinaten: 50° 38′ N, 6° 2′ O
Fläche 103,74 km²
Einwohner (Stand) 18.878 Einw. (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 182 Einw./km²
Höhe 260 m
Postleitzahl 4700 (Eupen)
4701 (Kettenis)
Vorwahl 087
Bürgermeister Karl Heinz Klinkenberg (PFF
Adresse der
Stadtverwaltung
Rathausplatz 14
4700 Eupen
Webseite www.eupen.be

lblels

Eupen (veraltet französisch Néau) ist eine Stadt in Belgien. In Eupen befindet sich der Regierungssitz der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und der Verwaltungssitz der Euregio Maas-Rhein. Eupen liegt an der Weser etwa 16 km südlich von Aachen sowie 45 km von Lüttich und Maastricht entfernt. Seine knapp 20.000 Einwohner sind zu etwa 90 % deutschsprachig.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

St. Nikolaus-Kirche

Der Ort Eupen und die Nikolauskapelle im Herzogtum Limburg wurden 1213 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Durch die Schlacht von Worringen fiel das Herzogtum Limburg unter Johann I. 1288 an Brabant. 1387 gingen Brabant und Limburg an das Haus Burgund. Im Krieg gegen das Herzogtum Geldern wurde Eupen niedergebrannt.

1445 wurden in Eupen 156 Haushalte („Feuerstätten“) gezählt, im angrenzenden Weiler Nispert 25 und in Stockem 16. 1477 kam Eupen mit Brabant und Limburg an die österreichischen Habsburger. 1544 verlieh Kaiser Karl V. dem Ort das Recht, zwei freie Jahrmärkte abzuhalten. 1554 wurde Eupen wegen seines Handels mit Tuchen und Nägeln bekannt. 1555 gelangte Eupen mit Brabant und Limburg an die spanischen Habsburger.

Von 1565 stammt die erste Erwähnung der protestantischen Bewegung in Eupen. 1582 wurde Eupen in der Nacht von niederländischen Söldnern zu 50 Prozent niedergebrannt. 1627 bestanden in Eupen 700 Haushalte und über 2.000 erwachsene Gläubige. 1635 dezimierte eine Pestepidemie die Bevölkerung. 1648 wurde Eupen freie Herrschaft mit einem eigenen Gericht und erhielt 1674 durch Siegelverleihung die Stadtrechte.

1680 wurde eine erste Feintuchmanufaktur in Eupen errichtet. Zum Beginn der Blütezeit erhielt Eupen 1688 das Recht, fünf freie Jahrmärkte abzuhalten. 1695 wurde Eupen auf Initiative des Abtes von Rolduc Johann Bock und mit Genehmigung des Kölner Erzbischofs Joseph Clemens von Bayern, seit 1694 auch Fürstbischof von Lüttich, zur eigenständigen Pfarre erhoben und der bisherige Rektor Nikolaus Heyendal zum ersten Pfarrer ernannt.

1713 fiel die Stadt nach dem Frieden von Utrecht mit Brabant und Limburg an die österreichischen Habsburger zurück. 1783 erfolgte die Einrichtung eines Kaufmannskollegiums, einer Art Handelskammer, und 1787 die Errichtung eines Gerichts erster Instanz.

1794 kam die Stadt unter französische Herrschaft und gehörte zum Département Ourthe, Präfektur Lüttich, Unterpräfektur Malmedy. 1815 wurde Eupen durch den Wiener Kongress der Rheinprovinz des Königreiches Preußen zugeordnet, 1827 erschien die Eupener Zeitung als erste Zeitung in Eupen. 1864 wurde der Stadt Eupen ein Stadtwappen verliehen.

1872 wurde die St.-Josephs-Pfarre in der Unterstadt als zweite Eupener Pfarre errichtet. Durch den Vertrag von Versailles kam Eupen 1920 zu Belgien und war bis 1925 Teil des dem General Herman Baltia unterstellten General-Gouvernements Eupen-Malmedy.

Am 18. Mai 1940 wurde das Gebiet um Eupen vom Deutschen Reich annektiert. Die Befreiung erfolgte im September 1944 durch amerikanische Truppen.

Der 300. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte wurde 1974 gefeiert. 1975 begann die Städtepartnerschaft mit Temse.

1977 kam durch Gemeindefusion die Gemeinde Kettenis zu Eupen. Die Verleihung eines neuen Wappens durch den belgischen König erfolgte 1983. Im selben Jahre wurde die Stadt Sitz der ersten Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]

In den Achtziger Jahren verzeichnete Eupen bei damals rund 17.000 Einwohnern noch einen leichten Bevölkerungsrückgang.[1] Seit Mitte der Neunziger Jahre wächst Eupens Bevölkerung sehr kontinuierlich und überschritt 2012 die Zahl von 19.000 Einwohnern.

Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1980 17.072 1999 17.429
1985 17.042 2000 17.516
1986 17.000 2001 17.551
1987 16.967 2002 17.606
1988 16.958 2003 17.750
1989 16.959 2004 17.788
1990 17.026 2005 18.038
1991 17.123 2006 18.248
1992 17.293 2007 18.313
1993 17.247 2008 18.408
1994 17.211 2009 18.483
1995 17.238 2010 18.717
1996 17.283 2011 18.878
1997 17.304 2012 18.949
1998 17.346 2013 19.254

Stichtag jeweils 1. Januar.

Politik [Bearbeiten]

Seit der Umwandlung Belgiens in einen Föderalstaat ist Eupen Parlaments- und Regierungssitz der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) und somit politisches Zentrum der rund 75.000 Einwohner umfassenden deutschsprachigen Minderheit in Belgien, gehört jedoch weiterhin zur wallonischen Provinz Lüttich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]

Blick auf die Unterstadt
Gospertstraße, vorne der Verwaltungssitz der Euregio Maas-Rhein
Paveestraße

Museen [Bearbeiten]

  • IKOB: Museum für zeitgenössische Kunst
  • Städtisches Museum Gospertstrasse
  • Permanente Gemäldeausstellung der Christian-Silvain-Stiftung im Bergfried der Burg Stockem (Sonntagsnachmittags geöffnet).

Beschreibung [Bearbeiten]

Eupen liegt am Rande des Naturparks Hohes Venn-Eifel, ist im Osten und Süden von Wäldern und im Westen von weitläufigen heckenumsäumten Wiesenlandschaften umgeben.

Die Innenstadt weist zahlreiche Patrizierhäuser aus dem 18. Jahrhundert auf; dahinter liegen die Tuchschererwinkel. Die St.-Nikolaus-Kirche auf dem historischen Marktplatz wurde 1722 nach Plänen des Aachener Baumeisters Laurenz Mefferdatis errichtet, der von 1744 stammende Hochaltar ist ein Entwurf von Johann Josef Couven. Drei Jahre später erbaute er im Stadtteil Nispert als Anbau zum seit 1623 bestehenden Haus Nispert die Kapelle Enthauptung Johannes des Täufers (Eupen). Noch heute erinnert hier die Adresse: Coevenplatz 1 an den Aachener Architekten.

Auf dem historischen Werthplatz befinden sich das Kriegerdenkmal aus der preußischen Zeit, welches an die Gefallenen im Deutsch-Französischen Krieg erinnert, und die Werthkapelle von 1699 mit ihrem klassizistischen Vorbau, sowie weitere Patrizier- und Bürgerhäuser aus der Zeit zwischen 1650 und 1800. Von Letzteren ragt das Tuchmacherhaus Werthplatz 1–3 heraus, welches laut Inschrift im Keilstein des Mittelportals im Jahr 1744 im Auftrag des Bauherrn Johann Gilles Grand Ry entstand[2]. Dieses wohl größte Eupener Tuchhaus wechselte häufig den Eigentümer und gehörte zwischen 1786 und 1803 zeitweise auch Mitgliedern der Familie Scheibler. Sehenswert sind das Stadtmuseum in der historischen Gospertstraße und ein Schokoladenmuseum in der Industriezone. Ein Fabrikgebäude des großen Barockbaumeisters Johann Conrad Schlaun, das er für seinen Schwager ausführte, befindet sich in der Unterstadt. Von der Aussichtsplattform Moorenhöhe hat man einen wunderbaren Ausblick auf diesen Stadtteil, das Wesertal und den Hertogenwald.

In dem Weiler Stockem befindet sich die gleichnamige Burg, ehemals Wohnsitz der Herren von Eupen und in Teilen ältestes Gebäude Eupens. Sie beherbergt jetzt eine Ausstellung, sowie Privatwohnungen.

In der näheren Umgebung befindet sich die Wesertalsperre, Belgiens größtes Trinkwasserreservoir. Eupen befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Hohen Venn, mit dem Naturparkzentrum Botrange und dem Haus Ternell, sowie den dort vorhandenen vielfältigen Wander- und Skilanglaufmöglichkeiten. 10 Kilometer westlich der Stadt befindet sich die Gileppe-Talsperre, die bei ihrer Einweihung 1878 Europas größte Betonstaumauer war.

Eupen war vom 17. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhundert ein Zentrum der Tuchproduktion. Zahlreiche repräsentative Tuchmacherbauten vor allem aus dem späten 18. Jahrhundert sind inzwischen umgenutzt. Das Werkgebäude, das sich der Tuchmacher Nikolaus Joseph Grand Ry 1761-63 von Johann Joseph Couven erbauen ließ (Klötzerbahn 34)[3], ist heute Regierungsgebäude der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Gegenüber residiert heute ein Gericht in dem 1757 ebenfalls für die Familie Grand Ry erbauten Tuchmacherhof mit einem rückwärtigen Schererwinkel (Klötzerbahn 27). Das von Laurenz Mefferdatis am Kaperberg 2-4 1724 erbaute Tuchmachergebäude, ursprünglich mit zwei geschlossenen Innenhöfen, beherbergt heute das Staatsarchiv. Das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft tagt in einem ehemaligen Tuchmachergebäude von 1812 (Kaperberg 8). Eupen ist Bestandteil der Wollroute, die das kulturelle Erbe der Tuchmacherei in der Dreiländerregion rund um Aachen vernetzt.

Folklore [Bearbeiten]

  • Rheinischer Karneval mit Rosenmontagszug.

Sport [Bearbeiten]

Der K.A.S. Eupen spielte in der Saison 2010/11 in der höchsten belgischen Fußballliga, der Jupiler Pro League. Er war damit als erster Verein der Deutschsprachigen Gemeinschaft in dieser Spielklasse vertreten.

Wirtschaft [Bearbeiten]

  • Kabelherstellung im Kabelwerk Eupen
  • Kunststoffverarbeitende Betriebe
  • Herstellung von Trockenfilzen für die Papierherstellung
  • Schokoladenherstellung
  • Präzisionsmechanische Betriebe
  • Belgischer Rundfunk (BRF): Deutschsprachiger öffentlich-rechtlicher Radio- und Fernsehsender.
  • Ein ausgeprägtes Transportwesen durch eine zentrale Lage zu großen Wirtschaftszentren.

Bildung [Bearbeiten]

Verkehr [Bearbeiten]

Eisenbahnverkehr [Bearbeiten]

Bahnhof Eupen

Der Bahnhof Eupen ist der östlichste Endpunkt der stündlichen InterCity-A-Züge der SNCB, die Eupen – über die Wesertalstrecke, sowie die Hochgeschwindigkeitstrasse 2 – via Lüttich und Brüssel mit Ostende verbindet. Bei dieser Linie handelt es sich um die wichtigste innerbelgische Ost-West-Eisenbahnverbindung.

Straßenverkehr [Bearbeiten]

Ferner besteht Autobahnanschluss über die A 3 bzw. E 40 in Nähe der Industriegebiete.

Flugverkehr [Bearbeiten]

Die nächstgelegenen Regionalflughäfen sind in Lüttich und Maastricht. Die nächstgelegenen Großflughäfen sind die Flughäfen Brüssel, Köln/Bonn und Düsseldorf.

Busverkehr [Bearbeiten]

Im öffentlichen Personennahverkehr sind Eupen und Aachen mit der (Buslinie 14) zu erreichen. Andere Buslinien verbinden Eupen u.a. mit Vaals, Sankt Vith und Verviers. Betreiber des Busverkehrs in Eupen ist die TEC.

Verkehrsgeschichte [Bearbeiten]

Die Eupener Kaufleute planten und verwirklichten im 18. Jahrhundert den Bau einer befestigten Straße, die von Eupen über Welkenraedt, beim Orte "Weißes Haus" auf die Heeresstraße Aachen-Lüttich stieß. Diese wurde durch die Zeichnung von Aktien finanziert, die Kosten sollten durch einen Wegezoll wieder eingespielt werden. Nur zwei Jahre nach der Inbetriebnahme, erfolgte 1793 die französische Besatzungszeit, deren Gesetze keine Straßen in Privatbesitz mehr erlaubten.

Bis etwa 1945 gab es mit der Vennbahn Zugverbindungen Raeren nach Aachen, Stolberg (Rhld.) und über Monschau-Büllingen nach Luxemburg. Darüber hinaus bestand seit 1906 durch die Aachener Straßenbahn eine Straßenbahnverbindung, die 1920 von der SNCV übernommen wurde und bis nach Verviers ausgebaut wurde. Nach 1945 wurde der Verkehr in Richtung Aachen nur noch bis Eynatten und nicht mehr bis zur Grenzhaltestelle Köpfchen aufgenommen. Bis 1952 wurden die Straßenbahnstrecken nach Eynatten, Herbesthal und Bellmerin eingestellt. Die Strecke nach Verviers war noch bis 1956 in Betrieb.

Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]

Wappen [Bearbeiten]

Blasonierung: In Gold ein durchgehendes gedorntes rotes Kreuz. Der barocke Wappenschild (mit eingerollten Kanten) trägt als Stadtwappen eine gezinnte schwarzgefugte silberne Stadtmauer mit zwei gezinnten silbernen Seitenrundtürmen mit zwei Scharten und vorkragendem Zinnenrand und einem ähnlichen größeren zentralen Rundturm, darin zwei Scharten und ein schwarzes Tor. Die Flaggenfarben sind Rot und Gold, darin das Stadtwappen.

Literatur [Bearbeiten]

  • Wolfgang Trees/Paul Margraff: Geliebtes Eupen; Edition Doepgen, Eupen 1978
  • Eupen 1974. Ein Beitrag zum Stadtjubiläum, Grenz-Echo Verlag, Eupen 1974
  • Viktor Gielen: Aus Eupens Vergangenheit. Heimatbuch der Stadt Eupen, Das Bild der Heimat Band 3, Raeren 1966
  • Viktor Gielen: Eupen im Kaiserreich 1871-1918, Grenz-Echo Verlag, Eupen 1994
  • Eupen und Umgegend / von C. Rutsch. - Eupen : Mayer, 1879. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Christian Quix: Beiträge zu einer historisch-topographischen Beschreibung des Kreises Eupen; Aachen, 1835
  • August Tonnar, Wilhelm Evers, Wilhelm Altenburg: Wörterbuch der Eupener Sprache, Unveränd. Neudr. d. Ausg. von 1899, M. Sändig Reprint Verlag, Wiesbaden 1970
  • Ulrike Schwieren-Höger, Guido Bertemes: Eupen, GEV (Grenz-Echo Verlag), Eupen 2009. ISBN 978-3-86712017-3

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Eupen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Eupen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch [Bearbeiten]

Im etwa 30 Kilometer entfernten Eschweiler in Deutschland gibt es einen Stadtteil mit dem Namen „Klein Eupen“: Klee Oepe.

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Arbeitsmarktbeobachtungsstelle Ostbelgien (PDF; 7,6 MB)
  2. Tuchmacherhaus Werthplatz auf "Rheinische Industriekultur"
  3. Tuchmacherhaus Grand Ry auf "Rheinische Industriekultur"