Eurabien

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Eurabien (Eurabia) ist ein politischer Begriff, der von der britischen Autorin Gisèle Littman unter ihrem Pseudonym Bat Ye'or geprägt wurde. Er beschreibt eine als bedrohlich empfundene Zukunftsvision, wonach Europa unter muslimischer Fremdherrschaft stehen werde und dass dies eine unausweichliche Folge der Einwanderung muslimischer Menschen in die europäischen Staaten sei.

Herkunft des Ausdrucks in Europa und den USA[Bearbeiten]

Der Neologismus „Eurabia“, im englischen Original zusammengesetzt aus den Wörtern europe und arabia, war in den 1970ern der Titel eines Mitteilungsblattes über europäisch-arabische Beziehungen, das vom „Europäischen Komitee für die Koordination von freundschaftlichen Verbindungen mit der arabischen Welt“ („Comité Européen de Coordination des Associations d'Amitié avec le Monde Arabe“, Paris) herausgegeben wurde. Es wurde in Zusammenarbeit mit Middle East International (London), France-Pays Arabes (Paris) und der Groupe d’Etudes sur le Moyen-Orient (Genf) veröffentlicht.

Der Titel des Mitteilungsblattes war nach Angaben von Bat Ye'or Vorbild für ihr Buch Eurabia: The Euro-Arab Axis. Dort zeichnet die Autorin den demografischen Wandel als Ergebnis einer ihrer Ansicht nach seit dreißig Jahren von Frankreich forcierten EU-Politik. Die Franzosen würden sich laut Ye'or dem in Frankreich bald herrschenden Islam ergeben und unterwerfen. Dies treffe auch auf Europa zu und die Zukunft Europas sei somit Eurabien, in dem Christen Bürger zweiter Klasse seien.[1] Kirchen und Kathedralen würden durch Moscheen ersetzt[2] und der europäische Anschluss an die USA und Israel untergraben werden.[3][4] Diese Entwicklung sei dabei kein Zufall, sondern von europäischen und arabischen Politikern gewollt.[5] Der Begriff wird oftmals von Autoren wie Oriana Fallaci, Robert Spencer, Daniel Pipes, Hans-Peter Raddatz (siehe auch die Literaturliste), Bruce Bawer und Bloggern wie Fjordman benutzt. Er wird auch häufig von Rechtsextremisten verwendet.[6] Anders Behring Breivik, der Täter hinter den Anschlägen in Norwegen 2011, begründete seine Morde damit, „Eurabien“ aufhalten zu wollen.[7][8]

In diesem Zusammenhang dient Eurabia auch als polemische Bezeichnung für das unter anderem vom ehemaligen Bundesaußenminister Joschka Fischer angeregte Konzept der Schaffung einer euro-mediterranen Freihandelszone ("EUROMED"), das jedoch nicht umgesetzt wurde. Im erklärten Gegensatz zu Gisèle Littman [9] sieht Georg Meggle das von ihr beschworene Szenario Eurabien als „eine Vision“ zur Stärkung arabischer und europäischer Identität und als Ausweg aus der gegenwärtigen Krise dieser Räume.[10]

Kritik[Bearbeiten]

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Wegen seiner politischen und gesellschaftlichen Überspitzung wird der Begriff Eurabien als polemisch kritisiert. Thorsten Gerald Schneiders zum Beispiel betrachtet ihn als ein Mittel, um islamfeindliche Angstszenarien zu zeichnen.[11] Laut anderen Einschätzungen ist aus dem Begriff ein neuer "Schlachtruf gegen den Islam und die Muslime" geworden.[12]

Die These einer europäisch-arabischen Achse gilt als anti-arabische und anti-islamische Verschwörungstheorie, die den demokratischen Regierungen Europas außen- und innenpolitische Täuschungsabsichten unterstellt. Auch wird darauf hingewiesen, dass beispielsweise nicht Europa, sondern die USA zu den engsten, wirtschaftlichen wie militärischen Verbündeten Saudi-Arabiens gehören – von einer pauschalen Achsenbildung Muslime-EU gegen die USA mithin keine Rede sein könne.

Auch wird kritisiert, dass der Begriff Europas Muslime pauschal mit Arabien verknüpft. Die meisten in Europa lebenden Muslime stammen jedoch aus der Türkei und dem Balkan, tragen säkulare Staatsformen mit (Türkei, Bosnien-Herzegowina, Albanien) und legen auch Wert auf eine eigene, europäische Identität.

Der Zusammenhang von Religiosität und höherer Geburtenzahl entspringe ebenfalls keinem islamistischen Plan, sondern gelte ebenso für Anhänger anderer Religionen; auch religiöse Christen und Juden haben mehr Kinder als säkulare. Die Geburtenzahlen europäischer Muslime gleiche sich nach Meinung vieler Kritiker bei erfolgreicher Integration dem jeweiligen Umfeld durchaus an. Neben unbezweifelbaren Mängeln der Integrationspolitik gebe es in Europa auch eine Zahl von erfolgreich integrierten Muslimen. Gerade polemische Ausgrenzung, wie durch den Begriff nahegelegt, bekräftige dagegen Diskriminierung und Parallelgesellschaften.

Ferner weist Doug Saunders in seinem Buch Mythos Überfremdung. Eine Abrechnung darauf hin, dass Muslime in den meisten europäischen Ländern laut seriösen Umfragen auch bei ihren Ansichten zu konfliktträchtigen Themen (wie Frauenrechte, Homosexualität, Abtreibung oder Israel) sich prozentual immer weniger von den vorherrschenden Ansichten der Gesamtbevölkerung des jeweiligen Landes, in dem sie leben, unterscheiden. Außerdem seien früher (z. B. in den USA oder Großbritannien) gegen Katholiken und Juden ganz ähnliche Vorwürfe hinsichtlich angeblicher hoher Geburtenraten, Religionsfanatismus, Unterwanderung und Integrationsunwilligkeit erhoben worden.

Literatur[Bearbeiten]

Die These von Eurabien vertretende Artikel[Bearbeiten]

Bezug genommen wird dabei insbesondere auf: Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes.

Wissenschaftliche Literatur über Begriff und Thema[Bearbeiten]

Kritische Literatur zur These[Bearbeiten]

  • Jonathan Laurence and Justin Vaïsse, Integrating Islam Political and Religious Challenges in Contemporary France, Washington, DC, Brookings Institution Press, 2006, ISBN 0-8157-5151-6

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. David Aaronovitch: the latest disease: sensible people saying ridiculous things about Islam, The Times 2005
  2. Matt Carr: You are now entering Eurabia; In: Race & Class Copyright& 2006 Institute of Race Relations Vol. 48(1): 1–22 http://rac.sagepub.comS AGE Publications New Delhi, Thousand Oaks, London 2006
  3. Bat Ye'or (2005). Eurabia: The Euro-Arab Axis. New Jersey, USA: Fairleigh Dickinson University Press. ISBN 978-0838640777.
  4. Marján, Attila; André Sapir (2010). Europe's Destiny. Johns Hopkins University Press. p. 161. ISBN 0-8018-9547-2.
  5. Johann Hari, "Amid all this panic, we must remember one simple fact - Muslims are not all the same", The Independent, London, 2006
  6. Zúquete, José Pedro (October 2008). "The European Extreme Right and Islam: New directions?". Journal of Political Ideologies 13 (3): 321–344. Retrieved April 22, 2012.
  7. Nicolas Richter: Das Ende vom Anfang. In: Süddeutsche Zeitung, 26. Juli 2011, abgerufen am 28. Juli 2011
  8. Oriana Fallaci: Eurabien, Kolonie des Islam. In: Cicero, 23. November 2004.
  9. Lehre WS 2007/08, Universität Leipzig
  10. Meine Vision: EURABIA (PDF; 69 kB), Georg Meggle, 4. Februar 2003
  11.  Thorsten Gerald Schneiders: Islamfeindlichkeit: Wenn Die Grenzen Der Kritik Verschwimmen. Springer, Wiesbaden 2010, ISBN 9783531923857, S. 195.
  12.  Stefan Schreiner: Das „christliche Europa“– eine Fiktion. In: Jürgen Micksch (Hrsg.): Interkulturelle Beiträge. Band 24– Vom christlichen Abendland zum abrahamischen Europa, Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main 2008, ISBN 9783874765619, S. 143.