Euro Banking Association

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Die Euro Banking Association (EBA, nicht zu verwechseln mit der European Banking Authority (EBA) oder Europäischen Bankaufsichtsbehörde) ist ein Verband von knapp 200 europäischen Banken und spielt heute eine maßgebliche Rolle in der Finanzindustrie, vor allem als Initiator neuer europäischer Zahlungsverkehrssysteme und als Entwickler ihrer Infrastruktur. Ziel der EBA war und ist die Schaffung eines einheitlichen europäischen Binnenmarktes auf diesem Gebiet.

Geschichte und Aufbau[Bearbeiten]

Bei ihrer Gründung 1985 in Paris bestand die Euro Banking Association (EBA) aus 19 Mitgliedern: 18 kommerziellen Banken und der Europäischen Investitionsbank. Die Europäische Kommission unterstützte diese Gründung ebenso wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Seitdem ist die Mitgliederzahl auf knapp 200 gestiegen: die Institute kommen aus allen Ländern der Europäischen Union sowie aus Norwegen, der Schweiz, Australien, China, Indien, Japan, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zuerst verstand sich die EBA vor allem als Diskussionsforum für Zahlungsverkehrsspezialisten. Auf der Agenda standen die Förderung der Europäischen Währungseinheit und die Entwicklung und das Management eines Clearingsystems innerhalb Europas. Bis heute besprechen die Entscheidungsträger der europäischen Finanzindustrie auf regelmäßigen EBA-Veranstaltungen aktuelle Fragestellungen. Der Verband spricht dann eine Meinung aus, die an nationale, europäische oder internationale Autoritäten gerichtet sein kann. Im Kommunikationsprozess mit regulatorischen und industriellen Institutionen beteiligt sich die EBA ebenso wie an der Formulierung von Geschäftsusancen für den Zahlungsverkehr auf Wirtschaftszweigebene. Dadurch trägt die EBA maßgeblich zur Vereinheitlichung der Zahlungsverkehrsmethoden der Banken in den einzelnen Ländern bei. Auch an der problemlosen Einführung des europäischen Zahlungsmittels Euro war die EBA grundlegend beteiligt. Einmal jährlich organisiert die EBA eine große Zahlungsverkehrskonferenz, den EBAday. Der Sitz des Verbands befindet sich in Paris.

EBA Clearing[Bearbeiten]

EBA Clearing wurde im Juni 1998 von 52 europäischen und internationalen Banken gegründet. Die ursprüngliche Aufgabe der EBA Clearing war das Betreiben des privaten Großbetragszahlungssystems EURO1, das die EBA an die EBA Clearing übergeben hatte. Inzwischen hat sich ihr Aufgabenspektrum auch auf die zwei Plattformen STEP1 und STEP2 ausgeweitet. Die EBA Clearing bietet damit Services im Zahlungsverkehr innerhalb Europas und vor allem der Europäischen Union an. Inzwischen hat das Unternehmen 62 Anteilseignerbanken. Die Akzeptanz des Marktes hat dazu geführt, dass sich die EBA Clearing, neben TARGET2, als vollwertiger Clearing- und Settlement-Dienstleister nicht nur für kommerzielle Zahlungen etabliert hat. Im März 2013 startete EBA Clearing zudem MyBank, eine elektronische Autorisierungslösung für Online-Zahlungen, die das E-Commerce-Wachstum in Europa unterstützen soll.

Der Hauptsitz der EBA Clearing befindet sich in Paris, mit weiteren Büros in Brüssel, Frankfurt am Main und Mailand.

EURO1[Bearbeiten]

EURO1 ist ein Zahlungssystem für Großgeldbeträge, das von der EBA Clearing betrieben wird. Kunden sind europäische Banken. Jeden Tag verarbeitet EURO1 durchschnittlich über 250.000 Zahlungen mit einem Gesamtwert von circa 210 Milliarden Euro. Das System zählt heute 62 Teilnehmer und 48 Sub-Teilnehmer, größtenteils europäische Banken. Es unterliegt deutschem Recht (Kontokorrent-Prinzip/Single Obligation Structure).

STEP1[Bearbeiten]

Für Kleinbetragstransaktionen bietet EBA Clearing seit 2000 mit STEP1 ein Zahlungssystem in Euro an, das täglich knapp 20.000 Transaktionen abwickelt. STEP1 ist ein Einzelzahlungsservice für kommerzielle Transaktionen. STEP1 umfasst 79 Teilnehmer und 24 Sub-Teilnehmer; es sind meist kleine oder mittelständische europäische Banken. Die technische Infrastruktur von STEP1 ist die gleiche wie die des EURO1-Systems: beide nutzen die Nachrichten- und IT Infrastruktur von SWIFT.

STEP2[Bearbeiten]

Zusammen mit SIA als technologischem Partner verwaltet und betreibt EBA Clearing die STEP2-Plattform seit April 2003. STEP2 ist ein paneuropäisches Automated Clearing House (PE-ACH) für Massenzahlungen in Euro. Die Plattform ist neben EURO1 und STEP1 die dritte Säule der EBA Clearing für den europäischen Zahlungsverkehr und erfüllt die vom European Payments Council (EPC) verabschiedeten Grundsätze für ein PE-ACH.

Seit dem Start des Einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums (SEPA) am 28. Januar 2008 bietet STEP2 den europäischen Banken auch den STEP2 SEPA Credit Transfer (SCT) Service an, der eine einheitliche Infrastruktur zur Abwicklung von SEPA-Überweisungen darstellt. Seit der Einführung des SEPA-Lastschriftverfahrens am 2. November 2009 bietet EBA Clearing zudem die Abwicklung von SEPA-Lastschriften (SEPA Direct Debits) über die STEP2 SEPA Direct Debit (SDD) Services an. Voraussetzung für die Abwicklung über die STEP2 SCT- und SDD-Services ist, dass Zahlungen die international standardisierte Kontonummer des Empfängers (IBAN) sowie den international normierten Bankcode (Bank Identifier Code BIC) der Empfängerbank aufweisen.

Mit den SCT- und SDD-Angeboten bietet STEP2 Banken in ganz Europa einen einzigen Kanal mit dem sie sowohl SEPA-Überweisungen als auch SEPA-Lastschriften senden und empfangen können. Heute erreicht die PE-ACH-Plattform von EBA Clearing nahezu 100 Prozent aller Banken, die die SCT und SDD Scheme Adherence Agreements des European Payments Council (EPC) unterzeichnet haben, und ermöglicht Banken damit ihren Kunden SEPA-konforme Dienstleistungen in allen 33 SEPA-Ländern anzubieten.

MyBank[Bearbeiten]

MyBank ist eine elektronische Autorisierungslösung für Online-Zahlungen. MyBank ermöglicht es Kunden, ihre Online-Einkäufe in ganz Europa über ihre vertraute Online Banking-Umgebung zu bezahlen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann die Lösung für die Autorisierung von SEPA-Überweisungen genutzt werden; ab 2014 wird auch die Erstellung von SDD E-Mandaten unterstützt.

Die EBA und die deutschen Banken[Bearbeiten]

Die deutschen Banken nehmen bei der Nutzung der drei EBA Clearing-Services EURO1, STEP1 und STEP2 Spitzenpositionen ein. Die Kontakte zu Banken im deutschsprachigen Raum wurden durch die Eröffnung des Frankfurter Büros der EBA Clearing im Jahr 2005 noch weiter gefestigt.

Weblinks und Quellen[Bearbeiten]