Euro Interbank Offered Rate

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Tägliche 1 Wochen- (grün), 3-Monats- (blau), 1 Jahres- (rot) Euribor-Kurse von Einführung am 1. Januar 1999 bis April 2012

Euro InterBank Offered Rate (EURIBOR) ist ein Referenz-Zinssatz für Termingelder in Euro im Interbankengeschäft, seit 1. Januar 1999 an Bankarbeitstagen für die Laufzeiten 1 Woche, 2 und 3 Wochen und die 12 monatlichen Laufzeiten von 1 Monat bis 12 Monaten ermittelt. Seit dem 1. November 2013 werden nur noch die Werte für die Laufzeiten 1 Woche, 2 Wochen, 1 Monat, 2, 3, 6, 9 und 12 Monate veröffentlicht.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Januar 1998 haben die Verbände der Kreditwirtschaft in Brüssel mit dem „EURIBOR-Code of Conduct“ die Rechtsgrundlage für den gemeinsamen Referenzzinssatz EURIBOR geschaffen.[2] Danach löste der EURIBOR ab 1. Januar 1999 die national ermittelten Referenzzinssätze - wie den FIBOR (Frankfurt Interbank Offered Rate) - ab und wurde somit zum Interbankensatz der EWU-Zone. Zugleich war der EURIBOR vom ACI als Alternative zum LIBOR geplant.

Ermittlung[Bearbeiten]

Geschäftstäglich (es gelten die Bankarbeitstage des TARGET2-Systems) melden zurzeit 32 Kreditinstitute, darunter 3 deutsche Banken, bis 10:45 Uhr Brüsseler Zeit Angebotssätze (Briefsätze) an den Informationsanbieter Thomson Reuters. Dieser ermittelt Durchschnittssätze und veröffentlicht sie auf Reuters (früher Moneyline Telerate, davor Bridge Telerate Seite 248) um 11:00 Uhr mit drei Nachkommastellen. Dabei fließen die 15 % der höchsten und die 15 % der niedrigsten gemeldeten Zinssätze nicht in die EURIBOR-Berechnung ein.[3] Dies soll dazu führen, dass Zinsausreißer nicht den Markt verfälschen. Für die Zinsberechnung gilt die Zinsberechnungsmethode actual/360.

Im Wirtschaftsteil der Tageszeitungen wird der EURIBOR täglich veröffentlicht und steht online über Reuters zur Verfügung.

Verwendung[Bearbeiten]

Der EURIBOR ist einerseits eine wichtige Bezugsgröße für kurzfristige Kredite, andererseits auch für die Anlage von Festgeldern eine wichtige Information, um mit der Bank über die Höhe des Festgeldzinses sicher verhandeln zu können. Banken verleihen so genanntes Eurogeld für 1, 2, 3 bis 6 Monate zu EURIBOR zuzüglich einem Aufschlag (üblich sind zwischen 0,5 und 2 Prozentpunkte Aufschlag zum EURIBOR-Zinssatz).

Außerdem wird der EURIBOR häufig als Referenzzins bei variabel verzinslichen Anleihen und bei Swaps verwendet.

Manipulationsverdacht[Bearbeiten]

Im Oktober 2011 gab die Europäischen Kommission bekannt, wegen Manipulationsverdachts gegen mehrere europäische Großbanken zu ermitteln. Es besteht der Verdacht, dass es im Zusammenhang mit auf dem EURIBOR beruhenden derivativen Finanzprodukten zu einer Kartellbildung gekommen sei.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EBF Reduction in the number of Euribor tenors as of 1 November 2013, PDF
  2. Silke Schwirz, Der Euro, internationale Verträge und Finanzderivate, 1999, S. 202
  3. Euribor Technical Features, S. 1 (PDF; 71 kB)
  4. EU ermittelt wegen Zinsmanipulation. Börsenzeitung, 20. Oktober 2011, S. 3