Euronotruf

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Euronotruf

Der Euronotruf ist eine gebührenfreie, in Europa länderübergreifende Notrufnummer, welche unter der Rufnummer 112 erreichbar ist.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Unter dieser Rufnummer ist eine Leitstelle zu erreichen, die je nach Notfall die zuständigen Organisationen wie Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr alarmiert. Die Leitstellen sollen in der Lage sein, Notrufe in verschiedenen Sprachen bearbeiten zu können.

Länder[Bearbeiten]

Euronotruflogo auf Fahrzeug der Stuttgarter Feuerwehr
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, wirbt für den europaweiten Notruf 112 (6. März 2013)
Euronotruf 112 deutlich sichtbar auf der Front und der Seite eines deutschen Rettungswagens

In Europa gilt der Euronotruf in allen Mitgliedsstaaten der EU,[1] in Andorra,[2] Bosnien und Herzegowina,[3] Island, Kasachstan,[4] Liechtenstein, Mazedonien, Monaco,[5] Montenegro, Norwegen, Russland,[6] San Marino,[2] der Schweiz, Serbien, der Türkei,[2] der Ukraine und in der Vatikanstadt.[2] Weiter findet die Notrufnummer in einigen asiatischen Ländern wie Israel und afrikanischen Ländern wie Simbabwe und teilweise in Südafrika Anwendung. In Kanada und den Vereinigten Staaten wird beim Wählen der 112 der Anruf auf 911 weitergeleitet. Auch einige lateinamerikanische Länder kennen die 112, zum Beispiel Costa Rica. Darüber hinaus wird sie auch in Ländern des pazifischen Raumes verwendet, wie beispielsweise in Vanuatu und in Neuseeland.

Neben dem Euronotruf können nationale Notrufnummern weiterhin gültig sein.

Besonderheiten bei der Handybenutzung[Bearbeiten]

Anfangs war bei einem Mobiltelefon der Euronotruf meist ohne eingelegte SIM-Karte, Eingabe des PIN-Codes oder Aufhebung der Tastensperre wählbar. Wegen häufigen Notrufmissbrauchs muss in den GSM-Netzen von Belgien, teilw. Italien, Rumänien, der Schweiz, Großbritannien und Zypern eine SIM-Karte eingelegt sein. Auch in Deutschland ist durch die Verordnung über Notrufverbindungen[7] das Herstellen von Notrufverbindungen ohne betriebsbereite SIM-Karte seit dem 1. Juli 2009 nicht mehr möglich.[8] Hat das Mobiltelefon keinen Empfang im Netz der eigenen SIM-Karte, wird automatisch über ein fremdes Netz vermittelt. Ein solcher Notruf hat im Mobilfunknetz Priorität, nötigenfalls wird eine andere Verbindung getrennt.[9] Diese Priorisierung gilt für andere Notrufnummern meist nicht, wie beispielsweise für die Polizeirufnummer 110 in Deutschland.

Bekanntheitsgrad des Notrufs 112 als europaweite Notrufnummer[Bearbeiten]

Das Europäische Parlament hat bereits im Jahr 2007 festgestellt, dass der Euronotruf als europaweit gültige Notrufnummer viel zu wenig bekannt sei und deshalb aufgefordert, die Vorteile der einheitlichen Notrufnummer sichtbarer zu machen.[10] Diese Feststellung wurde durch das seit 2008 regelmäßig erstellte Eurobarometer zum Euronotruf 112 bestätigt: Im EU-Durchschnitt war im Jahr 2008 demnach nur 22 % der Bevölkerung bekannt, dass die 112 EU-weit gilt. In Deutschland waren dies nur 12 %.[11] Der niedrige Bekanntheitsgrad der europaweiten Gültigkeit der 112 bestätigte sich 2009 (EU-Durchschnitt 24 %, Deutschland 16 %)[12] und 2010 (EU-Durchschnitt 25 %, Deutschland 18 %) bei einem geringen absoluten Anstieg.[13] Der Bekanntheitsgrad als EU-weite Notrufnummer nahm bis zum Februar 2013 im EU-Durchschnitt auf 27 % zu und betrug in Deutschland 17 %.[14] Deutschland lag damit für 2013 auf dem viertletzten Platz in der EU vor Großbritannien (13 %), Griechenland (7 %) und Italien (5 %). Der Bekanntheitsgrad als EU-weite Notrufnummer ist in Polen (57 %), der Slowakei (55 %) und Finnland (54 %) am höchsten. In Österreich ist er mehr als doppelt hoch (37 %) wie in Deutschland.

Europäischer Tag des Notrufs 112[Bearbeiten]

Am 11. Februar 2009 haben das Europäische Parlament, der Rat der Europäischen Union und die Europäische Kommission gemeinsam die Einführung eines jährlichen „Europäischen Tags des Notrufs 112“ beschlossen, um den Euronotruf bekannter zu machen.[15] Der Euronotruftag wurde aufgrund der im Datum enthalten Notrufnummer auf den 11.2. (11. Februar) gelegt. Aufgrund der Erklärung des Europäischen Parlaments zu der Europäischen Notrufnummer 112 vom 25. September 2007[16] wurde der erste Tag des europaweiten Notrufs bereits am 11. Februar 2008 in Stuttgart durch verschiedene (Rettungs-)Organisationen begangen.

Die gemeinsame Notrufnummer hat eine mehrfach integrierende Funktion. Sie führt die Rettungsorganisationen (Rettungsdienste, Feuerwehren, polizeiliche Rettung) zusammen - in Deutschland in integrierten Leitstellen. Als gemeinsame Notrufnummer verbindet sie auch alle Rettungsorganisationen in der EU und ist dort ein Symbol für die Kultur des Helfens. Die zunehmende Bekanntheit des Euronotrufs als gemeinsame Notrufnummer macht die 112 zum Symbol für die Europäische Union. Dazu kann auch der Euronotruftag beitragen.

E112[Bearbeiten]

E112 (ergänzte 112-Nummer) beschreibt die, dem US-amerikanischen Vorbild des E911 folgende, Anruferortung bei Anwahl der Notrufnummer 112. Sie erleichtert den entsprechend ausgerüsteten Leitstellen die Ortung des Anrufenden (bei so genannten eCalls die Ortung des verunglückten Fahrzeugs).

Obwohl die EU-Verordnung festlegt, dass die Leitstellen automatisch Informationen über den Standort des Anrufers angezeigt bekommen sollen, funktioniert dies bislang nicht in Italien, Litauen, den Niederlanden, Polen, Rumänien. Ferner ist die Ortung aus technischen Gründen fehlerbehaftet (siehe GSM-Ortung).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Einführung der 112-Nummer wurde auf Vorschlag der Europäischen Kommission 1991 vom EU-Ministerrat beschlossen[17], und seitdem vom Europäischen Parlament und dem Ministerrat in zwei weiteren Gesetzgebungsverfahren konsolidiert. Inzwischen übernahmen viele Länder außerhalb der EU dieses Konzept.

In Deutschland ist der Euronotruf gesetzlich in § 108 Telekommunikationsgesetz geregelt. In Österreich läuft der Notruf 112 gemäß § 18 KEM-V ausschließlich bei der Polizei auf.

Ein mutwilliger Missbrauch des Euronotrufs ist wie auch bei anderen Notrufnummern in den meisten Ländern strafbar, vgl. Missbrauch.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. seit 30. September 2008 Pressemitteilung des bulgarischen Ministeriums für Katastrophenschutz vom 30. September 2008
  2. a b c d "Bei Brand in Bulgarien oder Verkehrsunfall im Vatikan - 112 funktioniert Europaweit". The European Circle, abgerufen am 4. Juli 2013
  3. "Notrufe in Europa". Feuerwehr Reutlingen, abgerufen am 4. Juli 2013
  4. rastlos.com: Wichtige Adressen in Kasachstan, abgerufen am 4. Juli 2013
  5. Internetseite der monegassischen Feuerwehr, abgerufen am 4. Juli 2013
  6. rastlos.com: Wichtige Adressen in Russland, abgerufen am 4. Juli 2013
  7. Verordnung über Notrufverbindungen (Gesetze im Internet)
  8. Golem.de, Meldung vom 13. Februar 2009: „Bald keine Handy-Notrufe ohne SIM-Karte mehr“
  9. c't 9/08, Kommunizieren im Dunkeln - Telefon und Internet bei Stromausfall
  10. Erklärung des Europäischen Parlaments zu der Europäischen Notrufnummer 112, vom 25. September 2007
  11. Flash Eurobarometer Nr. 228, The European Emergency Number 112 - Summary, vom 11. Februar 2008, S. 12 (PDF; 699 kB)
  12. Flash Eurobarometer Nr. 262, The European Emergency Number 112 - Summary, vom 11. Februar 2009, S. 11 (PDF; 560 kB)
  13. Flash Eurobarometer Nr. 285, The European Emergency Number 112 - Analytical report, vom 11. Februar 2010, S. 29 (PDF; 6,5 MB)
  14. Flash Eurobarometer Nr. 368, The European Emergency Number 112 - Summary, vom 11. Februar 2013, S. 7
  15. Gemeinsame Dreiererklärung über die Einführung eines "Europäischen Tag des Notrufs 112"
  16. Erklärung des Europäischen Parlament zu der Europäischen Notrufnummer 112
  17. 91/396/EWG: Entscheidung des Rates vom 29. Juli 1991 zur Einführung einer einheitlichen europäischen Notrufnummer