Europäisch-Baptistische Föderation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Erster europäischer Baptistenkongress in Berlin (1908)

Die Europäisch-Baptistische Föderation (EBF) ist ein Zusammenschluss von nationalen Baptistenunionen Europas, West- und Mittelasiens.

Geschichte[Bearbeiten]

Rüschlikon - Gründungsort der Europäisch-Baptistischen Föderation

Vorläufer der Europäisch-Baptistischen Föderation, die 1949 in Rüschlikon (Schweiz) gegründet wurde, waren die europäischen Baptistenkongresse, von denen der erste 1908 in Berlin stattfand.

Die erste Ratstagung der EBF fand ein Jahr nach ihrer offiziellen Gründung 1950 ebenfalls in Rüschlikon statt. Einer der Hauptgründe des Zusammenschlusses waren die verheerenden Folgen des Zweiten Weltkrieges und die daraus resultierende Notwendigkeit, auch auf freikirchlicher Ebene einen Beitrag zur Völkerverständigung und zum Wiederaufbau Europas zu leisten. Die erste Ratstagung der EBF verabschiedete unter anderem folgende Ziele der baptistischen Zusammenarbeit:

  • Der Einsatz für die Menschenrechte, insbesondere der Gewissens- und Religionsfreiheit;
  • die Förderung von gemeinsamer Evangelisation und den Austausch von Missionaren;
  • die Organisation von materieller Hilfe für die vom Krieg besonders betroffenen Länder - als Hilfe zur Selbsthilfe
  • die Unterstützung von Projekten theologischer Aus- und Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeitern und Pastoren

Leitungsstruktur[Bearbeiten]

Alle Mitgliedsunionen entsenden jeweils zwei Vertreter ihrer Kirche in die Ratsversammlung der EBF, die einmal jährlich stattfindet. Sie ist das wichtigste Organ der EBF und wählt alle zwei Jahre den Ratspräsidenten der Föderation. Seit Juli 2011 hat dieses Amt der deutsche Baptistenpastor Hans Guderian inne.

Die Ratsversammlung beruft ebenfalls ein Leitungsgremium, an das sie eine Reihe von Entscheidungsbefugnissen delegiert. Auch der Generalsekretär wird durch die Ratsversammlung bestimmt. Er führt als Hauptamtlicher die laufenden Geschäfte und ist in Personalunion der Regionale Sekretär des Baptistischen Weltbundes.

Sitz der EBF ist Prag (Tschechien), wo sich auch die Theologische Hochschule der europäischen Baptisten befindet.

Die Mitgliedskirchen der Europäisch-Baptistischen Föderation[Bearbeiten]

Land Name der Baptistenunion in deutscher Übersetzung Geschichte und Gegenwart
Ägypten Ägyptischer Baptistenbund  
Albanien Albanische Baptistenunion  
Armenien Union der Evangeliumschristen-Baptisten Armeniens  
Aserbaidschan Union der Evangeliumschristen-Baptisten Aserbaidschans  
Belgien Union der belgischen Baptisten Die erste belgische Baptistengemeinde wurde 1892 in Lüttich gegründet. Heute gehören 13 Gemeinden zur Union.
Bosnien und Herzegowina Baptistische Kirche in Bosnien und Herzegowina  
Bulgarien Union der Baptisten in Bulgarien  
Dänemark Dänischer Baptistenbund  
Deutschland Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland Mit mehr als 100.000 Mitgliedern sind die deutschen Baptisten das Zentrum dieser freikirchlichen Missionsarbeit in Kontinentaleuropa. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden zählt ca. 84.000 Mitglieder. Eine weitere Gruppe der Baptisten in Deutschland bilden verschiedene Bünde russlanddeutscher Rückwanderer, die jedoch nicht zur EBF gehören.
Estland Union der Evangeliumschristen und Baptistengemeinden Estlands  
Finnland Finnische Baptistenunion (Finnisch sprechend); Finnland-schwedische Baptistenunion (Schwedisch sprechend)  
Frankreich Föderation der evangelischen Baptistengemeinden Frankreichs  
Georgien Evangelische Baptistenkirche Georgiens  
Israel Assoziation von baptistischen Kirchen in Israel Erste Gemeindegründung vor 1920 in Nazareth; heute insgesamt 22 Gemeinden mit rund 2000 Mitglieder (ohne Kinder und Freunde)
Italien Christlich-Evangelische Baptistenunion Italiens  
Jordanien Jordanischer Baptistenbund  
Kosovo Gemeinschaft der Baptistengemeinden im Kosovo  
Kroatien Baptistenunion Kroatiens Baptisten in Kroatien gibt es seit 1883. Die kroatische Baptistenunion wurde 1991 gegründet - nach dem Zerfall Jugoslawiens.
Lettland Union der Baptistenkirchen in Lettland  
Libanon Libanesischer Baptistenbund Die erste baptistische Gemeinde des Libanons war die 1895 von Said Jureidini gegründete Gemeinde in Beirut.
Litauen Die Baptistenunion Litauens  
Mazedonien Union der baptistischen Christen in der Republik Mazedonien  
Moldawien Union der christlichen evangelischen Baptistenkirchen Moldawiens (und Transnistriens) Die Baptisten des nicht anerkannten Staates Transnistrien bilden innerhalb dieser Union einen von neun Landesverbänden.
Niederlande Union der Baptistengemeinden in den Niederlanden Die baptistische Bewegung der Niederlande begann um 1845 und ist eng mit dem Namen Julius Köbner verbunden. Heute gehören zur Baptistenunion der Niederlande 12.000 Mitglieder in 89 Gemeinden. Drei weitere baptistische Gruppen verzeichnen 15.000 Mitglieder in insgesamt 130 Gemeinden.
Norwegen Baptistische Union Norwegens  
Österreich Bund der Baptistengemeinden in Österreich Die baptistische Missionsarbeit in Österreich begann 1846. Zu ihren Mitbegründern gehört der Jeveraner Johann Ludwig Hinrichs. Heute gehören ca. 1.130 Mitglieder zum österreichischen Baptistenbund, die sich in 19 Gemeinden zusammengeschlossen haben.
Polen Christlich-Baptistischer Bund in der polnischen Republik Die erste polnische Baptistengemeinde wurde 1861 gegründet. 1922 entstand ein polnischsprachiger, 1928 ein deutschsprachiger Baptistenbund auf polnischem Boden. Der heutige Christlich-baptistische Bund wurde 1947 gegründet.  
Portugal Portugiesischer Baptistenbund  
Rumänien Baptistenunion Rumäniens; Bund der ungarischen Baptistenkirchen Rumäniens  
Russland Union der Evangeliumschristen-Baptisten Russlands Die Evangeliumschristen-Baptisten entstanden 1944 aus der Vereinigung der Evangeliums-Christen und Baptisten. Späten kamen auch Teile der sowjetischen Pfingstler und Mennoniten hinzu. Gemeindeverbände der Evangeliumschristen-Baptisten bestehen bis heute in vielen ehemals zur Sowjetunion gehörenden Ländern.
Schweden Baptistische Union Schwedens und die Evangeliska Frikyrkan (≈Evangelische Freikirche)  
Schweiz Bund Schweizer Baptistengemeinden Baptistengemeinden in der Schweiz gibt es seit 1847. Der deutschsprachigen Vereinigung gehören ca. 1.300 Mitglieder an, die sich in 15 Gemeinden versammeln.
Serbien Union der Baptistengemeinden in Serbien

Union der Evangeliumschristen-Baptisten Serbiens

 
Slowakei Brüderliche Vereinigung der Baptisten in der Slowakei  
Slowenien Union der Baptistengemeinden in der Republik Slowenien  
Spanien Union der evangelischen Baptisten Spaniens  
Syrien Baptistenunion Syriens  
Tadschikistan Union der Evangeliumschristen-Baptistengemeinden Tadschikistans  
Tschechien Tschechische Baptistenunion Die Geschichte der tschechischen Baptisten geht auf die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. 1919 wurde der tschechische Baptistenbund gegründet. Circa 2.300 Mitglieder gehören den tschechischen Baptisten an. Sie versammeln sich in 26 Gemeinden.
Ungarn Baptistenunion Ungarns Baptisten in Ungarn gibt es seit 1846.
Ukraine Die panukrainische Union der Vereinigungen von Evangeliumschristen-Baptisten; Bruderschaft Ukraine (Bruderschaft der unabhängigen Baptistengemeinden und Dienste der Ukraine)  
Vereinigtes Königreich Baptistische Union von Großbritannien und Irland

Baptistische Union von Schottland
Baptistische Union von Wales

Die Baptistische Union von Großbritannien und Irland ist, was ihre geschichtlichen Wurzeln angeht, die älteste Baptistenkirche Europas. Zu ihren Mitbegründern zählt Thomas Helwys.
Weißrussland Union der Evangeliumschristen-Baptisten der Republik Weißrussland  
Europa / international International Baptist Convention - Zusammenschluss internationaler Baptistengemeinden in Europa  

Statistik[Bearbeiten]

Die Europäisch-Baptistische Föderation vereinigt ungefähr 800.000 getaufte Mitglieder in etwa 12.000 Gemeinden. Der ukrainische Baptistenbund ist unter den Gliedkirchen der EBF der größte; er umfasst 140.000 Mitglieder und 2.029 Gemeinden.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]


Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]