Europäische Agentur für Flugsicherheit

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Europäische Agentur für Flugsicherheit
EASA / AESA

Logo der EASA

Sitz der EASA im Kölntriangle in Köln
Englische Bezeichnung European Aviation Safety Agency
Französische Bezeichnung Agence européenne de la sécurité aérienne
Organisationsart Agentur der Europäischen Union
Status Einrichtung des europäischen öffentlichen Rechts mit eigener Rechtspersönlichkeit
Sitz der Organe

Köln, Deutschland

Vorsitz Patrick Ky (Exekutivdirektor)[1]
Gründung

28. September 2003[2]

EASA

Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA; englisch European Aviation Safety Agency) ist die Flugsicherheitsbehörde der Europäischen Union für die zivile Luftfahrt. Sie wurde am 15. Juli 2002 auf Beschluss (Verordnung (EG) Nr. 1592/2002[2], inzwischen ersetzt durch die Verordnung (EG) Nr. 216/2008)[3], des Europäischen Parlaments und des Rats der Europäischen Union gegründet und hat seit November 2004 ihren Sitz im Kölntriangle in Köln-Deutz. Der Betrieb startete am 28. September 2003,[4] sie ist seit dem Jahr 2006 voll einsatzfähig. Bevor die EASA nach Köln zog, hatte sie ihren Sitz in Brüssel. Die EASA hat momentan ungefähr 500 Mitarbeiter.[5]

Vorgänger[Bearbeiten]

Bevor die EASA im Jahre 2003 ihren Betrieb aufgenommen hat, waren alle europäischen Staaten für die Flugsicherheit selbst verantwortlich. Es wurden jedoch bereits Versuche unternommen, die Sicherheitsbestimmungen zu harmonisieren. Zu diesem Zweck wurde die Joint Aviation Authorities (JAA) gegründet. Mitglieder in der JAA waren 37 Staaten aus der ECAC (European Civil Aviation Conference), darunter alle Mitglieder der EU. Allerdings waren in der JAA verschiedene Interpretationen der Flugsicherheit möglich, was die Harmonisierung sehr erschwerte und die Kosten in die Höhe trieb. Des Weiteren brauchte die JAA für eine Entscheidung die Zustimmung aller Mitgliedstaaten, was den Prozess weiter erschwerte.

Organisationsstruktur[Bearbeiten]

Die EASA wird durch einen Exekutivdirektor geleitet, der die Sicherheitsentscheidungen der Behörde trifft.[6] Er wird vom Verwaltungsrat („Management Board“) der Behörde unterstützt, in den alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die Europäische Kommission sowie Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz Vertreter entsenden.[7] Dem Verwaltungsrat ist ein beratendes Gremium („EASA Advisory Board“) beigeordnet, das sich aus Organisationen zusammensetzt, die die Interessen des Flugpersonals, der Hersteller, von gewerblichen und allgemeinen Flugdienstbetreibern, von Schulungsorganisationen und flugbasierenden Sportarten vertreten. Exekutivdirektor der EASA ist seit dem 1. September 2013 Patrick Ky. Er übernahm den Posten von dem Franzosen Patrick Goudou, der diesen seit der Gründung der EASA im Jahr 2003 innehatte.

Auftrag[Bearbeiten]

Die EASA hat die Aufgabe, einheitliche und hohe Sicherheits- und Umweltstandards auf europäischer Ebene zu erstellen und zu überwachen. Des Weiteren gehören unzählige Vorschriften, Aktualisierungen, Inspektionen, Standardisierungen sowie viele Sprachen dazu.[8] Sie berät hierbei die Europäische Kommission mit ihrem Fachwissen auf den Gebieten Flugsicherheit und Abschluss internationaler Abkommen. Sie wird vom Europäischen Parlament kontrolliert.

Exekutive Aufgaben[Bearbeiten]

Die EASA ist berechtigt, verschiedene exekutive Aufgaben in den Bereichen Flugsicherheit, Zulassungen für zivile Flugzeuge, Hubschrauber etc. und bei der Zulassung von Konstruktions- und Produktionsbetrieben (z.B. Fluglinien) wahrzunehmen. Zu den exekutiven Aufgaben gehört auch eine regelmäßige Kontrolle der Konstruktions- und Produktionsbetriebe.

Dazu werden zum Beispiel Bauvorschriften (Zulassungsvorschriften) herausgegeben:[9]

Die EASA war u. a. für die Zulassung des Airbus A380 im Dezember 2006 zuständig.[10]

Zu den Kontrollaufgaben im Bereich des Flugbetriebs gehört z.B. die Datensammlung und -aufbereitung zur Aktualisierung der Liste der Betriebsuntersagungen für den Luftraum der Europäischen Union („Schwarze Liste“ der in Europa nicht flugberechtigten Fluglinien) der Europäischen Kommission.

Sie ist hingegen nicht für die Prävention illegaler Handlungen (z. B. Flugzeugentführungen) verantwortlich. Dies obliegt den Mitgliedstaaten.

Zukünftige Aufgaben[Bearbeiten]

Es ist geplant, die EASA in Zukunft mit den oben genannten Kompetenzen, insbesondere mit der Zulassung des Flugpersonals, auszustatten. Bis die Erweiterung der Grundverordnung jedoch nicht bestätigt ist, sind die Mitgliedstaaten für die genannten Bereiche selbst verantwortlich. Mittlerweile werden die Prüfungen für Luftfahrzeugtechniker in Deutschland in zivilen Unternehmen nach Verordnungen der EU durchgeführt. Zuständig hierfür ist das Luftfahrt-Bundesamt (LBA).

Kritik[Bearbeiten]

Der Europäische Rechnungshof veröffentlichte 2012 einen Bericht zum Thema Behandlung von Interessenkonflikten in ausgewählten EU-Agenturen, im Rahmen dessen auch die EASA untersucht wurde. Dabei stellten die Prüfer fest, dass die EASA keinerlei Mechanismen eingerichtet hatte, die Einflussnahme und Interessenkonflikte verhindern oder zumindest reduzieren.

„Mit Ausnahme der für Genehmigungen und Normierung zuständigen Abteilung der EASA verfügt diese nicht über Interessenkonflikte betreffende interne Handlungsleitlinien und Verfahren.“

Europäischer Rechnungshof (EuRH): Sonderbericht Nr. 15/2012, Behandlung vom Interessenkonflikten in ausgewählten EU-Agenturen[11]

In den untersuchten vier Bereichen Sachverständige, Personal, Verwaltungsrat sowie der Widerspruchs-/Beschwerdekammer für von der EASA getroffenen Entscheidungen kam der EuRH zu dem Ergebnis, dass die Behandlung von Interessenkonflikten "nicht angemessen" seien, "da interne Handlungsleitlinien und Verfahren der Agentur fehlen."[11]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Europäische Agentur für Flugsicherheit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Europäische Agentur für Flugsicherheit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage EASA Press releases vom 13. März 2013 Patrick Ky appointed as new EASA Executive Director, abgerufen am 14. März 2013
  2. a b Verordnung (EG) Nr. 1592/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Juli 2002 zur Festlegung gemeinsamer Vorschriften für die Zivilluftfahrt und zur Errichtung einer Europäischen Agentur für Flugsicherheit. Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften, 7. September 2002, abgerufen am 22. Mai 2013 (PDF; 222,72 kB, deutsch).
  3. Verordnung (EG) Nr. 216/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Februar 2008 zur Festlegung gemeinsamer Vorschriften für die Zivilluftfahrt und ... Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften, 19. März 2008, abgerufen am 22. Mai 2013 (PDF; 257,91 kB, deutsch).
  4. Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) am Start. Pressemitteilung der EU, 2. Oktober 2003.
  5. Europäische Agentur für Flugsicherheit. auf: easa.europa.eu
  6. About EASA - Agency structure. Angaben zur Organisationsstruktur der EASA auf der offiziellen Website der Behörde (englisch)
  7. About EASA - Management Board. Liste der Vertreter im EASA-Verwaltungsrat auf der offiziellen Website der Behörde (englisch)
  8. EASA: Köln ist Europa-Zentrale für Flugsicherheit. auf: airliners.de, 28. Dezember 2006.
  9. Zulassungsübersicht auf der EASA-Website
  10. Pressemitteilung von EADS, abgerufen am 13. Dezember 2009.
  11. a b Behandlung vom Interessenkonflikten in ausgewählten EU-Agenturen. Sonderbericht Nr. 15/2012. Europäischer Rechnungshof, 2012, abgerufen am 26. September 2013 (PDF; 1,7 MB).

50.939966.97273Koordinaten: 50° 56′ 24″ N, 6° 58′ 22″ O