Europäische Bewegung International
| European Movement International | |
|---|---|
| Gründer | Duncan Sandys |
| Typ | gemeinnütziger eingetragener Verein |
| Gründung | 1948 |
| Sitz | Brüssel |
| Personen |
Jo Leinen, Róża Gräfin von Thun und Hohenstein, Bernadette Ségol, Olivier Hinnekens, Christof-Sebastian Klitz, Jessica Chamba, Ksenija Milenković, Diogo Pinto |
| Aktionsraum | Länder des Europarates |
| Schwerpunkt | Europapolitik, Politische Kommunikation, Zivilgesellschaft |
| Methode | Kooperation |
| Angestellte | ca. 7 |
| Mitglieder | 31 Internationale Organisationen, 42 nationale Räte |
| Motto | Making Europe Move! |
| Website | europeanmovement.eu |
Die Europäische Bewegung International (engl. European Movement International) ist ein europaweiter Zusammenschluss von Organisationen mit dem Ziel, ein vereintes, föderales Europa zu fördern, das auf den Grundrechten, auf Frieden, Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Solidarität und auf die Beteiligung der Bürger gegründet ist. Sie wurde am 25. Oktober 1948 in Brüssel gegründet und ist heute in 42 europäischen Ländern vertreten.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte[Bearbeiten]
Vorbereitung[Bearbeiten]
Die Ursprünge der „Europäischen Bewegung“ ging im Juli 1947 auf Initiative von Winston Churchill und Duncan Sandys (beide damals a.D.) und anderen französischen und britischen Organisationen aus, welche die Idee eines vereinten Europas verfolgten und sich zu einem Kongress des Committee for the Co-ordination of the European Movements in Paris trafen.
Nach einem zwischenzeitlichen weiteren Treffen, beteiligten sich die fünf großen europäischen Dachverbände, die Ligue Européenne de Coopération Economique (LECE), die Union européenne des Fédéralistes (UEF), die Mouvement Socialiste pour les États-Unis d’Europe (MSEUE), die United Europe Movement (UEM) und die Nouvelles Equipes Internationales (NEI). Die Europäische Parlamentarier-Union (EPU), die von Richard Graf Coudenhove-Kalergi geführt wurde, verhielt sich zunächst distanziert.
Das Komitee gab sich den Namen Joint International Committee for European Unity. Auf dem Haager Europa-Kongress vom 7. bis 11. Mai 1948 in Den Haag, an dem unter dem Vorsitz Churchills über 700 Delegierte aus ganz Europa und Beobachter aus den USA und Kanada teilnahmen, gelang die entscheidende Weichenstellung für die Gründung der Europäischen Bewegung. Deutsche Teilnehmer waren u. a. Konrad Adenauer und Eugen Kogon.[2][3][4] Auf dem Kongress wurden drei Resolutionen erarbeitet und verabschiedet: Politik, Wirtschaft und Soziales sowie Kultur.[5] Die Delegierten forderten eine „Europäische beratende Versammlung“, einen „Europäischen Sonderrat“ zur Vorbereitung für eine Europäische Politische Union und eine Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, eine „Europäische Menschenrechtscharta“ und einen „Gerichtshof“.[6][2][4][7][8][9][10][11][12][3][5]
Gründung[Bearbeiten]
Die Europäische Bewegung (EB) wurde am 25. Oktober 1948 auf dem „Europa-Kongress“ in Brüssel gegründet. Das „Internationale Komitee zur Koordinierung der Bewegungen“ hatte die fünf großen europäischen Verbände eingeladen. Beim Kongress waren auch federführende aktive Mitglieder der Union parlementaire européenne (EPU) anwesend. Unter gemeinsamer Ehrenpräsidentschaft von Winston Churchill, Léon Blum, Alcide de Gasperi und Paul-Henri Spaak fand der Kongress statt. Den „Unterbau“ der Bewegung sollten die fünf großen Verbände mit den nationalen Sektionen bilden. Die EPU wollte als Organisation mit ihren anderen Vorstellungen nicht mitmachen. Geleitet wurde der Kongress von Duncan Sandys und Józef Hieronim Retinger. Um einen Einfluss auf die politischen Persönlichkeiten der offiziellen Politik der Regierungen zu nehmen, sollte dieser Zusammenschluss letztendlich ein Erfolg verbuchen, indem der Weg zur „Vorbereitung der Europäischen Integration“ beginnen konnte. Eine Reihe von wichtigen Sachverständigen- und Fachkonferenzen, sowie Aktionsprogrammen konnten in der darauffolgenden Zeit konkretisiert werden und in jedem Land konnte eine nationale Sektion gegründet werden. Der Deutsche Rat der Europäischen Bewegung wurde am 13. Juni 1949 in Wiesbaden gegründet. In einem nachfolgenden Kongress in Brüssel, der vom 25. - 28. Februar 1949 stattfand, wurden die Vorschläge der EB präzisiert und die Gründung zum Europa-Rat vorbereitet. Bei der Wirtschafts-Konferenz der EB, vom 19. - 25. April 1949 in Westminster, wurde die europäische Wirtschafts-Union mit einer freien Währungskonvertibilität und einem freien Personen,- Kapital, -und Güterverkehr beschlossen. Unter Federführung der EB fand vom 8. - 12. Dezember 1949 eine Kulturkonferenz in Lausanne statt und im Juli 1950 wurde eine EB-Konferenz für die Leitlinien der europäischen Sozialpolitik in Rom abgehalten.[1][8][13][14][15][2]
Nach einer britischen Quelle wurde die „Bewegung“ anfangs zu 50 % über das American Committee for a United Europe (ACUE) finanziert, welches vom US-Geheimdienst Office of Strategic Services (OSS) gesteuert worden war.[16]
Präsidenten[Bearbeiten]
| Name | Zeitraum |
|---|---|
| Jo Leinen | seit 2011 |
| Pat Cox | 2005–2011 |
| José María Gil-Robles | 1999–2005 |
| Mario Soares | 1997–1999 |
| Valéry Giscard d'Estaing | 1989–1997 |
| Enrique Barón Crespo | 1987–1989 |
| Giuseppe Petrilli | 1981–1987 |
| Georges Berthoin | 1978–1981 |
| Jean Rey | 1974–1978 |
| Walter Hallstein | 1968–1974 |
| Maurice Faure | 1961–1968 |
| Robert Schuman | 1955–1961 |
| Paul-Henri Spaak | 1950–1955 |
| Duncan Sandys | 1948–1950 |
Generalsekretäre[Bearbeiten]
| Name | Zeitraum |
|---|---|
| Diogo Pinto | 2009 bis heute |
| Hendrik Kröner | 2002–2009 |
| Pier Virgilio Dastoli | 1995–2001 |
| Giampiero Orsello | 1993–1995 |
| Bob Molenaar | 1987–1993 |
| Luigi Vittorio Majocchi | 1985–1987 |
| Sjouke Jonker | 1984 |
| Thomas Jansen | 1981–1983 |
| Robert Van Schendel | 1955–1980 |
| Georges Rebattet (London office) | 1948–1955 |
| Józef Retinger (Paris office, from 11/1951 Brussel office) | 1948–1950 |
Flagge[Bearbeiten]
Die Flagge der Europäischen Bewegung (grünes, ursprünglich rotes E auf weißem Grund) wurde von Duncan Sandys entworfen. Mittlerweile wird dieses Zeichen lediglich von den Europäischen Föderalisten (in Deutschland Europa-Union Deutschland) verwandt. Die Europäische Bewegung nutzt eine wehende Europa-Fahne.
Im Jahr 1984 beschlossen der französische Staatspräsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl eine Lockerung der Grenzkontrollen für Fahrzeuge mit einer inversen Version dieser Flagge in der Windschutzscheibe des Fahrzeugs. Das Symbol signalisierte, dass sich nur EG-Bürger und keine deklarationspflichtigen Güter im Fahrzeug befanden.[17]
Ziele und Aktivitäten[Bearbeiten]
Die internationale Organisation Europäische Bewegung ist offen für alle politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bewegungen der Zivilgesellschaft. Sie strebt ein vereinigtes, föderales Europa unter Achtung der Menschenrechte, Frieden und der demokratischen Prinzipien von Freiheit, Solidarität und Bürgerbeteiligung an.
Auf die Aktivitäten der Europäischen Bewegung gehen die Gründung des Collège d'Europe / College of Europe in Brügge und des European Centre of Culture in Genf zurück.
Struktur und Mitglieder[Bearbeiten]
Derzeit hat die Europäische Bewegung 42 nationale Räte und 32 Internationale Mitgliedsorganisationen. Internationale Mitglieder sind:
- Association of European Journalists - AEJ
- Association of Women of Southern Europe - AFEM
- Association of Local Democracy Agencies - ALDA
- Association des Etats Généraux des Etudiants de l'Europe - AEGEE
- International Association of Former Officials of the European Communities - AIACE
- Centre International de Formation Européenne - CIFE
- Council of European Dentists - CED
- Council of the Notariats of the European Union - CNUE
- Conférence des Régions Périphériques Maritimes d'Europe - CRPM
- Confédération Européene des Syndicats Indépendants - CESI
- Direct Selling Europe - DSE
- European Association of Teachers - AEDE
- Europäischer Gewerkschaftsbund - EGB
- Europäische Volkspartei - EVP
- European League of Economic Cooperation - ELEC
- Europäische Liberale, Demokratische und Reformpartei - ELDR
- European Centre for Culture - ECC | European Citizens' Action Service - ECAS
- European Federation of Building Societies - EFBS
- European Association of Railway Personnel - AEC
- European Association of Retirement Schemes for Liberal Professions - EurelPro
- European Confederation of Veterans
- Europeans Throughout the World - ETTW
- Foundation Euractiv
- Junge Europäische Föderalisten - JEF
- Permanent Forum of the European Civil Society
- Rat der Gemeinden und Regionen Europas - CEMR
- Rurality Environment Development - R.E.D.
- Sozialdemokratische Partei Europas - SPE
- Union Europäischer Föderalisten - UEF
- Union Syndicale Fédérale
Unterstützendes Mitglied ("Supporting Member") ist das College of Europe.
Die über 40 Nationalen Räte können prinzipiell in jedem Land des Europarates gegründet werden. Naturgemäß unterscheiden sich die Räte in Zielsetzung, Struktur und Form zum Teil erheblich. In der Frühzeit wurden die Räte wurden „von oben nach unten“ von Dancan Sandys gegründet. In den frühen Jahren sprach man dem Zeitgeist entsprechend Honoratioren an, die auch Organisationen repräsentierten. Vor allem in Italien, Deutschland und Österreich entstanden Verbändeverbände ohne individuelle Mitglieder (In Deutschland konnten bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts bis zu 50 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Mitglied werden). In anderen Ländern hat man von Anfang Organisationen und Individuen aufgenommen (so in Spanien, Dänemark, Frankreich). In einigen Ländern ist lediglich eine individuelle Mitgliedschaft möglich (Armenien, Vereinigtes Königreich).
Die Abgrenzung von Mitgliedern der Union Europäischer Föderalisten fällt in einzelnen Ländern schwer. Der UEF-Jugendverband JEF ist z.B. vielfach auf nationaler Ebene Jugendverband der jeweiligen nationalen Räte der Europäischen Bewegung (so in Frankreich, Vereinigtes Königreich, Dänemark).
Vorstand[Bearbeiten]
Seit 2011 ist Jo Leinen Präsident der Europäischen Bewegung International.[18]
In seiner Arbeit unterstützen ihn sechs Vizepräsidenten.[19]
| Name | Nationaler Rat / Internationale Organisation |
|---|---|
| Róża Gräfin von Thun und Hohenstein | Europäisches Parlament, Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) |
| Bernadette Ségol | Europäischer Gewerkschaftsbund – ETUC |
| Ksenija Milenković | Europäische Bewegung Serbien |
| Jessica Chamba | Europäische Bewegung Frankreich |
| Olivier Hinnekens | Europäische Bewegung Belgien |
| Christof-Sebastian Klitz | Volkswagen AG |
Der Vorstand wird komplettiert von 12 weiteren Mitgliedern.
| Name | Organisation |
|---|---|
| Michalis Angelopoulos | Europäische Bewegung Griechenland |
| Pauline Guessant | Junge Europäische Föderalisten – JEF |
| Nataša Owens | Europäische Bewegung Kroatien |
| Christian Wenning | Union Europäischer Föderalisten – UEF |
| Bernd Hüttemann | Europäische Bewegung Deutschland |
| Daniel Correa | Europäische Bewegung Spanien |
| Federica Sabbati | Europäische Liberale, Demokratische und Reformpartei |
| Antonio Moreira | Europäischer Gewerkschaftsbund – ETUC |
| Frédéric Vallier | Rat der Gemeinden und Regionen Europas |
| Erik Boel | Europäische Bewegung Dänemark |
| Eve Pakkanen | Europäische Bewegung Finnland |
| Chris Pelaghias | Europäische Bewegung Zypern |
Weblinks[Bearbeiten]
- Die Europäische Bewegung. European NAvigator. Étienne Deschamps. Übersetzt vom CVCE.
- Archiv der Europäischen Bewegung Deutschland bei der FES
- Frankfurter Allgemeine Zeitung Haager Kongress: Das Abendland will seine Erweiterung - Über die Gründung der Europäischen Bewegung
- Internationale Europäische Bewegung
- Europäische Bewegung Deutschland
- Europäische Bewegung Österreich
- Europäische Bewegung in der Schweiz
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ a b european navigator (ena.lu): Navigiere über: „HISTORISCHE EREIGNISSE“, dann „1945–1949 Die Ära der Wegbereiter“ (Flash-Animation leider nicht direkt verlinkbar) Achtung: Flash und Cookies zwingend erforderlich!
- ↑ a b c Die Einigung Europas - S. 45–48.
- ↑ a b Knaurs Handbuch Europa -, ISBN 3-426-77731-2, S. 15–16.
- ↑ a b Alexandra Kemmerer: Das Abendland will seine Erweiterung. Haager Konferenz. F.A.Z., 12. Juni 2008, abgerufen am 12. Februar 2011.
- ↑ a b Wortlaut der Resolutionen. (Englisch)
- ↑ european navigator (ena.lu): Alexandre Marc, Within man’s reach: the federalist revolution (englisch), Abgerufen am 12. Februar 2011. Achtung: Cookies zwingend erforderlich!
- ↑ european navigator (ena.lu): siehe: „Europa-Föderation ist lebensnotwendig“ Achtung: Cookies zwingend erforderlich!
- ↑ a b Nr. 16 Das unberechenbare Europa, S. 188.
- ↑ Frank Niess: Der Föderalismus baut sich seinen Staat. Haager Kongress. der Freitag, 9. Mai 2008, abgerufen am 15. Dezember 2012.
- ↑ Die Geschichte der europäischen Union; Das Jahr 1948
- ↑ european navigator (ena.lu): Ein Kurzfilm vom Haager Europa-Kongress Achtung: Cookies zwingend erforderlich!
- ↑ Deutsches Historisches Museum: Ausstellung Idee Europa - Entwürfe zum „Ewigen Frieden“ (Ordnungen und Utopien für die Gestaltung Europas von der pax romana zur Europäischen Union), darin: 4. Gleichgewicht und Konzert der Nationen: Europa in der Neuen Welt
- ↑ europaeische-bewegung.de: Die Entstehung der Europäischen Bewegung (PDF-Dokument; 2,8 MB)
- ↑ voltairenet.org: Histoire secrète de l’Union européenne (28. Juni 2004) von Thierry Meyssan (französisch), abgerufen am 12. Februar 2011
- ↑ ruhr-uni-bochum.de: „Les Nouvelles Equipes Internationales“
- ↑ The Telegraph: Euro-federalists financed by US spy chiefs, 19. November 2000, abgerufen am 12. Februar 2011. Vgl. auch http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8757194.html
- ↑ Sicher durch Gespür. In: DIE Zeit, Nr. 48/1984. 23. November 1984, abgerufen am 21. März 2013.
- ↑ Leinen neuer EMI-Präsident. Saarländischer Rundfunk, 26. November 2011, abgerufen am 27. November 2011.
- ↑ EMI: Jo Leinen & Team bringen das größte proeuropäische Netzwerk auf Kurs