Kulturweg des Europarats

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Ein Kulturweg des Europarats ist eine reale oder virtuelle Verbindung zwischen Orten und Stätten, die vom Europarat offiziell als „Kulturweg“ zertifiziert wurde. Bis 2010 wurden Kulturwege als Europäische Kulturstraße bezeichnet. Ein Kulturweg des Europarats bezieht sich auf ein Land (eine Region) oder mehrere Länder (Regionen) und befasst sich mit Themen, die wegen ihres geschichtlichen, künstlerischen und sozialen Interesses europäischer Natur sind, sei es auf Grund der geographischen Wegführung oder des Inhaltes und der Bedeutung.[1]

Arten von Kulturwegen[Bearbeiten]

Nach Ausdehnung und beteiligten Gebieten[Bearbeiten]

Kulturwege können sein:

  • transnationale Projekte (mehrere Länder sind beteiligt)
  • transregionale (grenzüberschreitend oder nicht) oder
  • regionale Projekte (wenn das kulturhistorische, künstlerische und soziale Interesse der Projekte über die Grenzen der Region oder des Staates hinausgeht).

Nach Befahrbarkeit, Fixierung der Streckenführung und Begriffsbedeutung[Bearbeiten]

Hauptstrecke der Straße der Megalithkultur; zu vielen Stationen führen Stichwege, die von der Hauptstrecke abzweigen

Einige Kulturwege entsprechen den Anforderungen an eine Ferienstraße (nach deutschen Kriterien) bzw. an eine Erlebnisstraße (nach österreichischen Kriterien): Man kann sie mit Kraftfahrzeugen vom Anfangspunkt zum Endpunkt befahren bzw. einen Rundkurs abfahren. Ein Beispiel für den ersten Typ stellt die Schickhardt-Straße dar, ein Beispiel für den zweiten Typ der durch Sachsen-Anhalt verlaufende Teil der Transromanica (die Straße der Romanik). Solche Kulturstraßen sind in Straßenkarten eingezeichnet, dort als Ferien- bzw. Erlebnisstraßen markiert und in der realen Landschaft durch einheitliche Verkehrszeichen ausgeschildert. Eine Variante des ersten Typs besteht darin, dass immer wieder von der Hauptroute Nebenwege sackgassenartig abzweigen, an deren Ende sich Stationen der Route befinden (Beispiel: Die Straße der Megalithkultur als deutscher Teil der Europäischen Route der Megalithkultur).

Markierung des Pickerwegs mit der Jakobsmuschel, dem Kennzeichen des Jakobswegs

Daneben gibt es Kulturwege, die auf weiten Strecken nur zu Fuß abgelaufen oder mit dem Fahrrad (z. B. ein großer Teil der Jakobswege) bzw. mit Wasserfahrzeugen (z. B. die Routen der Wikinger) abgefahren werden können. Im Fall der Jakobswege muss darüber hinaus teilweise noch geklärt werden, auf welchen Wegen genau im Mittelalter Pilger etwa aus Skandinavien oder aus Osteuropa nach Santiago de Compostela gelangt sind. Wenn Historiker entdecken, dass eine bestimmte Strecke von Jakobspilgern benutzt wurde, müsste diese Strecke anschließend als Teil des Netzes der Jakobswege gelten. So gilt beispielsweise der Pickerweg, der bis ins frühe 21. Jahrhundert ausschließlich als Handelsweg angesehen wurde, nach neueren Forschungen als Jakobsweg.

Ferner gibt es Kulturwege, die keinen festen Verlauf haben, sondern in weiten Teilen nur als nicht amtlich festgelegte Verbindung zwischen zwei Stationen bzw. Regionen mit kultureller Bedeutung zu verstehen sind. Ein Beispiel hierfür ist die Verbindung zwischen dem deutschen und dem italienischen Teil der Transromanica: Jedem Touristen bleibt es selbst überlassen, wie er vom deutschen in den italienischen Teil dieses „Kulturwegs“ gelangen will. In diesem Sinne ist die Transromanica (wie auch viele andere europäische Kulturwege) eine „imaginäre Route“.[2]

Schließlich gibt es Interpretationen des Begriffs Kulturweg, in denen die durch den Begriff „Weg“ bzw. „Route“ implizierte Bedeutung Verbindungsstrecke zwischen Ort/Stätte A und Ort/Stätte B nicht unbedingt mitgedacht wird. So ist nach einer Definition der Mitgliedsstadt Wiesbaden die „Europäische Route historischer Thermalstädte“ ein „wachsende[s] Netzwerk“ im Sinne einer Organisation und letztlich mit dem Träger EHTTA ("European Historic Thermal Towns Association", deutsch: „Europäische Vereinigung historischer Thermalstädte“) identisch. Folgerichtig spricht die Stadt Wiesbaden davon, dass die „europäische Route historischer Thermalstädte […] das historische und kulturelle Erbe der Thermalstädte“ verbinde (und nicht etwa die Städte selbst).[3]

Ziele des Programms „Kulturwege des Europarats“[Bearbeiten]

Die Verwirklichung des Programms der Kulturwege des Europarates in den Mitgliedstaaten verfolgt ein dreifaches Ziel:

  1. Die gemeinsame kulturelle Identität der europäischen Bürger sichtbarer, wertvoller und im täglichen Leben lebendiger machen,
  2. das europäische Kultur-Erbe zu erhalten und aufzuwerten,
  3. im Interesse einer verbesserten Lebensqualität und im Interesse der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung den Bürgern Europas in ihrer Freizeit neue Möglichkeiten des Kulturtourismus anzubieten.

Grundlage des Programms ist seit 2007 die „Resolution CM/Res(2007)12 über die Kulturstraßen“ des Europarats, verabschiedet vom Ministerkomitee am 10. Oktober 2007 auf dem 1006. Treffen der Ständigen Vertreter der Außenminister (Ministers' Deputies).[4]

Existierende Kulturwege[Bearbeiten]

Bis zum Jahr 2013 sind die folgenden Routen vom Europarat als Kulturweg zertifiziert worden:[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Europäisches Kultur- und Informationszentrum in Thüringen: Via Regia – Kulturstraße des Europarates
  2. Martin Wein: Romanische Liaison. In: Die Zeit vom 17. Januar 2008
  3. Stadt Wiesbaden: European Historic Thermal Towns Association (EHTTA)
  4. Via Regia – Kulturstraßen des Europarates
  5. Institut Européen des Itineraires Culturels: List of elected themes
  6. Homepage der Schickhardt-Straße