Europäische Nationale Front

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Die Europäische Nationale Front (ENF; engl.: European National Front) ist ein Zusammenschluss mehrerer nationalistischer, rechtsextremer Parteien und Organisationen in Europa, der 2004 begründet wurde. Geplant ist die Formierung einer europäischen Wahlplattform für die Europawahlen. Auch die Gründung einer europäischen Rechtspartei wird ins Auge gefasst. Als ideologische Vorbilder bezieht sich die ENF laut ihrer Homepage auf Corneliu Zelea Codreanu und José Antonio Primo de Rivera.

Mitglieder[Bearbeiten]

Mitglieder der ENF sind:

Beobachter:

Ehemalige Mitglieder: Die ukrainische Allukrainische Vereinigung Swoboda trat 2009 zur Allianz der europäischen nationalen Bewegungen über. Die niederländische Nationale Alliantie, die Beobachterstatus hatte, wurde 2007 aufgelöst.

Struktur[Bearbeiten]

Die ENF wird von einem Generalsekretär geführt. Der derzeitige Generalsekretär ist der Italiener Roberto Fiore (Forza Nuova), der 1985 wegen Verwicklungen in den Bombenanschlag 1980 in Bologna zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden war.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Eine erste Tagung der ENF fand am 23. und 24. Oktober 2004 in Polen statt, wobei die NPD noch nicht teilnahm.

Der Gründung der ENF gingen verschiedene bilaterale Zusammenschlüsse zwischen nationalistischen Parteien und Organisationen voraus bzw. werden weiter verstärkt. So unterzeichnete beispielsweise der damalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt am 20. November 2004, dem 29. Todestag Francisco Francos, am „historischen Schreibtisch“ des Falange-Gründers José Antonio Primo de Rivera eine „Kooperationsvereinbarung“ mit dem Vorsitzenden der Falange, José Fernando Cantalapiedra. Von dem Abkommen, das laut NPD einen „bedeutenden Meilenstein der deutsch-spanischen Beziehungen“ darstelle, gehe „eine Signalwirkung an andere europäische Nationalisten aus, sich der Achse Madrid–Berlin anzuschließen“. Als Ziel wurde die Schaffung einer nationalistischen Wahlplattform für die Europawahlen genannt, verbunden mit dem Aufruf an andere faschistische und nationalistische Parteien Europas, diesem Bündnis beizutreten. In Spanien trat die „Nationale Europäische Front“ erstmals am 18. Februar 2005 in der Form einer Demonstration unter dem Motto „Nein zur EU-Verfassung“ mit ca. 300 bis 500 Teilnehmern in Madrid in der Öffentlichkeit auf. Dabei nahmen beispielsweise auch Vertreter der NPD (Udo Voigt), der Noua Dreaptă, der Fuorza Nuova und Chrysi Avgi teil.

Form der Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Zur Vernetzung und Abstimmung untereinander finden häufig Aktionen und Treffen verschiedener Organisationen statt. So traten beispielsweise bei dem Rechtsrock-Festival Fest der Völker am 11. Juni 2005 in Jena mehrere Abgesandte aus verschiedenen europäischen Ländern als Redner auf. Sehr häufig werden auch Parteiveranstaltungen oder Kundgebungen von Delegationen anderer Organisationen besucht.

Grundsatzerklärung[Bearbeiten]

In einer Grundsatzerklärung wendet sich die ENF gegen „ein Europa der Globalisierungsfanatiker, der Geschäftemacher und des zerstörenden Separatismus“. „Für den Schutz der Souveränität, der Würde und der Unabhängigkeit Europas und jede seiner einzelnen Nationen“ soll diesem ein „Europa der Vaterländer“ entgegengesetzt werden. Konkret agitieren sie gegen eine angebliche „kulturelle Globalisierung, die massive illegale Einwanderung und die Mitgliedschaft Israels und der Türkei in der Europäischen Union“, um „den Schutz unserer Kultur, unserer Traditionen und unserer christlichen Wurzeln“ gewährleisten zu können. „Für den Schutz des Lebens und die traditionelle Familie“ stellen sie sich gegen Schwangerschaftsabbruch, die Homosexuellen-Ehe und gegen Adoptionen von Kindern durch homosexuelle Paare. Im „Gegensatz zu den globalistisch-kapitalistischen oder marxistischen Wirtschaftssystemen“ plädieren sie „für den Aufbau eines Wirtschaftssystems, das auf sozialer Gerechtigkeit basiert“, wobei im Kontext weitere Äußerungen dahinter ohne Zweifel ein "nationaler Sozialismus" steht. Ziel ist der „Aufbau einer neuen Weltordnung gegen den US-amerikanischen Imperialismus“. Die Erklärung endet mit dem Aufruf: „Schließt Euch den nationalen Organisationen Europas an und kämpft für ein unabhängiges, würdiges, christliches, nationales und revolutionäres Europa!“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ciaran Byrne and Matthew Kalman: High street charity shops 'fund neo-fascist village'. In: Telegraph.co.uk. 23. November 1997, abgerufen am 3. August 2008 (engl.).