Europäischer Filmpreis 2007

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der britische Filmregisseur Stephen Frears (Die Queen)

Der 20. Europäische Filmpreis wurde am 1. Dezember 2007 verliehen. Die Verleihung fand das zehnte Mal in Berlin statt. Die Moderation in der Arena Berlin übernahmen der deutsche Schauspieler Jan Josef Liefers und die französische Aktrice Emmanuelle Béart, 2002 selbst mit dem Europäischen Filmpreis als Beste Darstellerin ausgezeichnet.[1] Die Gala wurde weltweit in 61 Ländern im Fernsehen ausgestrahlt, in Deutschland einen Tag später durch den deutsch-französischen Sender ARTE.[2]

Die Nominierungen wurden von der Europäischen Filmakademie (EFA) am 3. November 2007 auf dem Filmfestival von Sevilla bekannt gegeben. Als Favoriten galten die Dramen Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht und Die Queen der britischen Regisseure Kevin Macdonald und Stephen Frears. Die beiden Oscar-prämierten Filme kamen auf insgesamt fünf Nominierungen, hatten aber in den wichtigen Kategorien Film und Regie gegenüber Cristian Mungius 4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage das Nachsehen. Mungius Drama, das schon einige Monate zuvor bei den Filmfestspielen von Cannes den Hauptpreis gewonnen hatte, erzählt die Geschichte zweier rumänischer Studentinnen, die im kommunistischen Rumänien unter Diktator Nicolae Ceaușescu planen, dass ungeborene Kind der einen abtreiben zu lassen. Ebenfalls mit zwei Auszeichnungen waren Frears' Die Queen (Beste Hauptdarstellerin, Beste Filmmusik), Eran Kolirins israelischer Beitrag Die Band von nebenan (Bester Hauptdarsteller, Bester Nachwuchsfilm) und Tom Tykwers Bestseller-Verfilmung Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders (Beste Kamera, Prix D'Exellence) die in den technischen Kategorien punkten konnte. Der mitfavorisierte deutsche Beitrag Auf der anderen Seite von Fatih Akın wurde wie schon bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Drehbuchpreis gewürdigt. Aus österreichischer und Schweizer Sicht unberücksichtigt blieben Ulrich Seidls Drama Import Export und Bettina Oberlis Komödie Die Herbstzeitlosen, die ihr Land bei der Oscarverleihung 2008 vertreten werden.

Über die Gewinner der einzelnen Kategorien stimmten bis zur Verleihung die 1800 Mitglieder der Europäischen Filmakademie ab. Bereits im Vorfeld als Sieger fest standen der kambodschanische Filmemacher Rithy Panh, der deutsche Kameramann Michael Ballhaus und die französischen Regisseure Alain Resnais und Jean-Luc Godard. Panh erhielt für seinen Dokumentarfilm Le papier ne peut pas envelopper la braise, der das Leben von jungen Prostituierten in Phnom Penh dokumentiert, den Prix Arte; Resnais für Herzen den Fipresci-Preis. Ballhaus und Godard wurden für ihre Verdienste um den Film mit Ehrenpreisen gewürdigt. Letzterer blieb aber der Veranstaltung fern. Zu den weiteren Gästen der 20. Filmpreis-Verleihung zählten die Gründungsmitglieder Jeanne Moreau und Liv Ullmann, während als Laudatoren und Gastredner unter anderem Alicja Bachleda-Curuś, Jean-Marc Barr, Maria Grazia Cucinotta, Mehmet Kurtuluș, Virginie Ledoyen, Sergi López, Mads Mikkelsen, Maia Morgenstern, Johanna ter Steege und Maciej Stuhr auftraten. Musikalisch durch den Abend führte die finnische Band Leningrad Cowboys, die durch die Filme Aki Kaurismäkis internationale Bekanntheit erlangte.[2][3]

Gewinner und Nominierte[Bearbeiten]

Bester europäischer Film[Bearbeiten]

4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage (4 luni, 3 săptămâni și 2 zile) – Regie: Cristian Mungiu

Auf der anderen Seite – Regie: Fatih Akın
Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht (The Last King of Scotland) – Regie: Kevin Macdonald
La vie en rose (La Môme) – Regie: Olivier Dahan
Persepolis – Regie: Vincent Paronnaud und Marjane Satrapi
Die Queen (The Queen) – Regie: Stephen Frears

Beste Regie[Bearbeiten]

Cristian Mungiu4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage (4 luni, 3 săptămâni și 2 zile)

Fatih AkınAuf der anderen Seite
Roy AnderssonDas jüngste Gewitter (Du levande)
Stephen FrearsDie Queen (The Queen)
Kevin MacdonaldDer letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht (The Last King of Scotland)
Giuseppe TornatoreDie Unbekannte (La sconosciuta)

Bester Darsteller[Bearbeiten]

Sasson GabaiDie Band von nebenan (Bikur Ha-Tizmoret)

Elio GermanoMein Bruder ist ein Einzelkind (Mio fratello è figlio unico)
James McAvoyDer letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht (The Last King of Scotland)
Miki ManojlovićIrina Palm
Michel PiccoliBelle toujours
Ben WhishawDas Parfum – Die Geschichte eines Mörders

Beste Darstellerin[Bearbeiten]

Helen MirrenDie Queen (The Queen)

Marion CotillardLa vie en rose (La Môme)
Marianne FaithfullIrina Palm
Carice van HoutenBlack Book (Zwartboek)
Anamaria Marinca4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage (4 luni, 3 săptămâni și 2 zile)
Xenia RappoportDie Unbekannte (La sconosciuta)

Bestes Drehbuch[Bearbeiten]

Fatih AkınAuf der anderen Seite

Eran KolirinDie Band von nebenan (Bikur Ha-Tizmoret)
Peter MorganDie Queen (The Queen)
Cristian Mungiu4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage (4 luni, 3 săptămâni și 2 zile)

Beste Kamera[Bearbeiten]

Frank GriebeDas Parfum – Die Geschichte eines Mörders

Anthony Dod MantleDer letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht (The Last King of Scotland)
Mikhail KrichmanDie Verbannung (Изгнание; Isgnanije)
Fabio ZamarionDie Unbekannte (La sconosciuta)

Beste Filmmusik[Bearbeiten]

Alexandre DesplatDie Queen (The Queen)

Alex HeffesDer letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht (The Last King of Scotland)
Dejan Pejović - Gucha (Guca!)
Tom Tykwer, Johnny Klimek und Reinhold HeilDas Parfum – Die Geschichte eines Mörders

Prix D'Exellence[Bearbeiten]

Uli HanischSzenenbild in Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders

Annette Focks, Jörg Höhne, Robin Pohle und Andreas Ruft – Ton in Vier Minuten
Didier Lavergne – Make-Up in La vie en rose (La Môme)
Francesca Sartori – Kostüme in Alatriste

Bester Nachwuchsfilm[Bearbeiten]

Die Band von nebenan (Bikur Ha-Tizmoret) – Regie: Eran Kolirin

Control – Regie: Anton Corbijn
Gegenüber – Regie: Jan Bonny
Takva – Gottesfurcht (Takva) – Regie: Özer Kızıltan

Bester Dokumentarfilm (Prix Arte)[Bearbeiten]

Le papier ne peut pas envelopper la braise – Regie: Rithy Panh

Heimatklänge – Regie: Stefan Schwietert
Am Limit – Regie: Pepe Danquart
Belarusian Waltz – Regie: Andrzej Fidyk
Forever – Regie: Heddy Honigmann
Malon 9 Kohavim – Regie: Ido Haar
Ou est l'amour dans la palmeraie? – Regie: Jérôme Le Maire
Radzvod po Albanski – Regie: Adela Peeva
The Monastery – Regie: Pernille Rose Groenkjaer

Bester Kurzfilm (Prix UIP)[Bearbeiten]

Alumbramiento – Regie: Eduardo Chapero-Jackson

Adjustment – Regie: Ian Mackinnon
Amin – Regie: David Dusa
Dad – Regie: Daniel Mulloy
Le dinner – Regie: Cécile Vernant
Dreams and Desires: Family Ties – Regie: Joanna Quinn
Kwiz – Regie: Renaud Callebaut
Plot Point – Regie: Nicolas Provost
Rotten Apple – Regie: Ralitza Petrova
Salvador – Regie: Abdelatif Hwidar
Soft – Regie: Simon Ellis
Tokyo Jim – Regie: Jamie Rafn
Tommy – Regie: Ole Giæver

Europäischer Publikumspreis – Bester Film[Bearbeiten]

Die Unbekannte (La sconosciuta) – Regie: Giuseppe Tornatore

2 Tage Paris (Deux jours à Paris) – Regie: Julie Delpy
12:08 East of Bucharest (A fost sau n-a fost?) – Regie: Corneliu Porumboiu
Black Book (Zwartboek) – Regie: Paul Verhoeven
Alatriste – Regie: Agustín Díaz Yanes
Ich habe den englischen König bedient (Obsluhoval jsem anglického krále) – Regie: Jiří Menzel
Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht (The Last King of Scotland) – Regie: Kevin Macdonald
Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders – Regie: Tom Tykwer
Die Queen (The Queen) – Regie: Stephen Frears
Auf Anfang [: reprise] (Reprise) – Regie: Joachim Trier
La vie en rose (La Môme) – Regie: Olivier Dahan

Filmkritikerpreis Prix Fipresci[Bearbeiten]

Alain ResnaisHerzen (Cœurs)

Beste europäische Leistung im Weltkino[Bearbeiten]

Michael Ballhaus

Europäischer Filmpreis für ein Lebenswerk[Bearbeiten]

Jean-Luc Godard

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Europäischer Filmpreis mit Jeanne Moreau und Liv Ullmann bei welt.de (Newsticker, 20. November 2007)
  2. a b vgl. Europäischer Filmpreis wird in Berlin vergeben (Version vom 3. Juli 2007 im Internet Archive) bei morgenpost.de (21. November 2007)
  3. vgl. Europa feiert sein Kino bei tagesspiegel.de (21. November 2007)