Europäischer Wasserbüffel

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Europäischer Wasserbüffel
Schädel eines Europäischen Wasserbüffels im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.

Schädel eines Europäischen Wasserbüffels im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.

Zeitliches Auftreten
Pleistozän bis ? frühes Holozän
0,126 Mio. Jahre bis ca. 10.000 Jahre
Systematik
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Tribus: Rinder (Bovini)
Gattung: Asiatische Büffel (Bubalus)
Art: Europäischer Wasserbüffel
Wissenschaftlicher Name
Bubalus murrensis
(Berckhemer, 1927)

Der Europäische Wasserbüffel (Bubalus murrensis), war eine in den Warmzeiten des Pleistozäns in Europa vorkommende Art der Hornträger (Bovidae) aus der Gattung der Asiatischen Büffel (Bubalus). Diese Art war mit dem Wasserbüffel (Bubalus arnee) und dem Tamarau (Bubalus mindorensis) verwandt, rezenten Vertretern der Gattung Bubalus. Das Art-Epitheton weist auf den Nachweis des Wasserbüffels nahe der Murr.

Morphologie[Bearbeiten]

Da das Postkranium morphologisch nur schwer von den beiden anderen im pleistozänen Europa vorkommenden Rindergattungen, Bos und Bison, zu unterscheiden ist, werden Bubalus murrensis vor allem Überreste des Schädels zugeordnet. Aus diesen lässt sich ableiten, dass sich der Europäische Wasserbüffel von seinem asiatischen Pendant insbesondere durch die Form und Stellung der Hörner unterschied. Diese wiesen bei der europäischen Art einen eher dreieckigen Querschnitt auf und waren stärker sichelartig nach hinten gerichtet,[1] außerdem ragt das Hinterhauptbein deutlich über die Hörner hinaus. Im Pleistozän Chinas existierten Bubalus-Arten, die B. murrensis näher standen als dem Wasserbüffel (B. arnee)[2].

Verbreitung und Habitat[Bearbeiten]

Der Europäische Wasserbüffel war ein typisches Tier der Warmzeit-Faunen in Europa. Diese Art ist vor allem von den der Eem-Warmzeit zugewiesenen Fundstellen in Deutschland und den Niederlanden dokumentiert[3]. Insbesondere aus dem Rheintal sind etliche Funde bekannt[4]. Vorsichtigerweise wurden spärliche Funde aus dem Neolithikum aus Donnerskirchen (Österreich) der Gattung Bubalus zugewiesen[5]. Auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR wurde der Europäische Wasserbüffel bislang nicht nachgewiesen, lediglich ein zweifelhafter Hornzapfen eines möglichen Wasserbüffels ist von der Taman-Halbinsel bekannt[3].

Der Europäische Wasserbüffel bevorzugte sehr wahrscheinlich die Nähe von großen Flüssen und setzte ähnliche Habitat- und Klimaansprüche mit milden Wintern wie das Flusspferd,[1] welches ebenfalls im Rheintal der Eem-Zeit nachgewiesen ist. Zum Warmzeit-Faunenkomplex gehörten des Weiteren der Europäische Waldelefant, das Waldnashorn und Steppennashorn, der Auerochse und andere Arten. Der Nachweis von waldbewohnenden Arten wie dem Siebenschläfer neben Bioindikatoren für offene Landschaften, wie Feldhamster oder Wildpferd, suggerieren ein Mosaik aus sich abwechselnden Waldzonen und offenen Flächen[6].

Europäische Wasserbüffel waren ihrer Zeit heimischen Raubtieren wie dem Höhlenlöwen, Braunbären und dem Wolf ausgesetzt[6][2].

Aussterben[Bearbeiten]

Bubalus murrensis verschwand im Zuge der Quartären Aussterbewelle im späten Pleistozän oder frühen Holozän. Aufgrund der spärlichen Fossildokumentation dieser Art ist nicht bekannt, ob sie dem Menschen als Jagdwild diente oder nicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wighart von Koenigswald: Lebendige Eiszeit. Klima und Tierwelt im Wandel. Stuttgart, 2002
  2. a b Wighart von Koenigswald: Exoten in der Großtierfauna des letzten Interglazials von Mitteleuropa. Eiszeitalter und Gegenwart 41, 1991, S. 70–84.
  3. a b Diana Pushkina: The pleistocene easternmost distribution in Eurasia of the species associated with the Eemian Palaeoloxodon antiquus assemblage. Mammal Review 37 (3), 2007, S. 224–245
  4. H. Dietrich Schreiber: Finds of Bubalus murrensis from the Upper Rhine Valley. Abstracts of the 18th International Senckenberg Conference 25. bis 30. April 2004 in Weimar
  5. Erich Pucher: Erstnachweis des Europäischen Wildesels (Equus hydruntinus, Regalia, 1907) im Holozän Österreichs. 1991.
  6. a b Theis van Kolschoten: The Eemian mammal fauna of central Europe. Geologie en Mijnbouw (Netherlands Journal of Geosciences) 79 (2/3), 2000, S. 269–281.

Weblinks[Bearbeiten]