Europa-Center

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Europa-Center
Blick auf den Büroturm

Blick auf den Büroturm

Daten
Ort Berlin-Charlottenburg
Baumeister Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg
Baujahr 1963–1965
Höhe 103 m
Grundfläche 80.000 m²
Koordinaten 52° 30′ 16″ N, 13° 20′ 20″ O52.50444444444413.338888888889Koordinaten: 52° 30′ 16″ N, 13° 20′ 20″ O
Besonderheiten
drehbarer Mercedes-Stern,
mehrfacher Um- und Ausbau

Das Europa-Center ist ein Gebäudekomplex mit einem markanten Hochhaus am Breitscheidplatz im Berliner Ortsteil Charlottenburg. Von 1963 bis 1965 errichtet, wurde es neben der Gedächtniskirche bald zu einem Wahrzeichen West-Berlins. Es steht unter Denkmalschutz.

Die Vorgeschichte[Bearbeiten]

Auf dem Gelände des heutigen Europa-Centers im Neuen Westen Berlins befand sich im zweiten Romanischen Haus seit 1916 das Romanische Café – unter anderem ein Treffpunkt von Schriftstellern, Malern und Theaterleuten. Nach einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg am 21. November 1943 lag das Haus in Trümmern. Nach dem Ende des Krieges wurden die Ruinen beseitigt und die Fläche eingeebnet. Fast zwei Jahrzehnte lang wurde das Grundstück nur provisorisch genutzt: Catcher, Zirkusleute und Missionare wechselten sich ab in behelfsmäßigen Bauten, dazu kamen Imbissbuden und vorübergehend ein Kino mit sogenannten Sittenfilmen (erotische Unterhaltungsfilme). Eine Lokalzeitung sah in dem Gelände einen „Schandfleck auf Berlins Visitenkarte“.

Das Bauwerk[Bearbeiten]

Das Europa-Center

Bald nach der Teilung der Stadt durch den Bau der Berliner Mauer 1961 änderte sich das Bild. Neubauten waren politisch erwünscht und wurden gefördert – als Symbole für den Lebenswillen und die Lebensfähigkeit West-Berlins. Der Breitscheidplatz, ein zentraler Platz der westlichen Halbstadt, bedurfte neben der gerade fertiggestellten Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche weiterer Aufwertung. Als Bauherr fand sich der Berliner Kaufmann und Investor Karl Heinz Pepper. Er beauftragte Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg damit, ein Büro- und Einkaufszentrum nach amerikanischem Vorbild zu planen und zu errichten. Als künstlerischer Berater war der Architekt des Neubaus der Gedächtniskirche, Egon Eiermann, beteiligt.

Die Bauarbeiten am Europa-Center begannen im November 1963 und fanden mit der Einweihung durch den damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt am 2. April 1965 ihren Abschluss. Entstanden war ein Gebäudekomplex aus Glas und Stahl von 80.000 m² Gesamtfläche mit unterschiedlichen Baukörpern: einem zweigeschossigen Sockelbau mit Untergeschoss und zwei Innenhöfen, einem Kinogebäude, einem Hotel, einem Appartementhaus und dem schlanken kastenförmigen Büroturm (Office-Tower) mit 86 Meter Höhe (Gesamthöhe: 103,0 Meter),[1] 21 Etagen und 13.000 m² Bürofläche. Dieses städtebaulich dominante und viel zitierte Bauwerk war bis zur Fertigstellung des Wohnhochhaus Ideal im Jahr 1969 das höchste Hochhaus in Berlin und das zweite Bürohochhaus in Deutschland nach Düsseldorf mit seinem Thyssen-Hochhaus. Der Bau kostete insgesamt 72 Millionen Mark.[2]

Seit seinem Bestehen haben am Europa-Center zahlreiche Umbauten und Modernisierungen dem Zweck gedient, die Attraktivität und damit den kommerziellen Erfolg zu steigern. So erhielten die Innenhöfe Überdachungen, die Kunsteisbahn in einem der Höfe wurde 1974 aufgegeben.[3] Die Betreiber nannten für das Jahr 2005 folgende Zahlen: etwa 100 Ladengeschäfte und gastronomische Betriebe, täglich zwischen 20.000 und 40.000 Besucher. Im Jahr 2007 wurde nach umfangreichen Umbauarbeiten die mit 10.000 m² Verkaufsfläche größte Berliner Filiale der Elektronikkette Saturn im Bereich des früheren Kinos Royal Palast eröffnet. Der gleichzeitig mit dem Europa-Center 1965 eröffnete Royal Palast, in dem sich eine der weltweit größten Breitbild-Leinwände (32 × 13 Meter) befand, musste 2004 aufgrund der sich veränderten Lichtspieltheater-Landschaft durch große Kino-Center schließen.

In Analogie zum Europa-Center entstand in Bonn 1968/1969 das Bonn-Center, ebenfalls mit einem Mercedes-Stern versehen.

Einige Besonderheiten[Bearbeiten]

Ein Wahrzeichen des Europa-Centers ist der weithin sichtbare Mercedes-Stern auf dem Dach des Büro-Turms. Er ist drei Tonnen schwer, hat einen Außendurchmesser von zehn Metern und dreht sich etwa zweimal je Minute um sich selbst, bei Sturm jedoch automatisch in den Wind. Nachts wird der Stern mit Hilfe einer Spezialanfertigung aus 681 Leuchtstoffröhren mit jeweils einem Meter Länge bei 6000 Volt Hochspannung angestrahlt.[4] Für Wartungsarbeiten kann der Stern umgelegt werden.

Die Stachelschweine, ein Berliner Kabarett-Ensemble, haben seit 1965 im Europa-Center ihre Spielstätte.

Am 26. Februar 1973 wurde der Sockelbau durch einen bei Dacharbeiten entstandenen Großbrand schwer beschädigt.

Die Uhr der fließenden Zeit im westlichen Innenhof stellt den Ablauf von Minuten und Stunden im Zwölf-Stunden-Takt dar. In einem System gläserner, zu Türmen angeordneter Kugeln und kommunizierender Röhren fließt farbiges Wasser und ermöglicht mittelbar die Anzeige der jeweiligen Uhrzeit. Immer um 1 Uhr nachts und um 13 Uhr leert sich das gesamte System – nur die Stundenanzeige bleibt sichtbar – und der Zyklus beginnt von neuem.

In einem Wasserbecken im zweiten Innenhof stand der Lotus-Brunnen der Pariser Künstler Bernard und François Baschet, ein Wasserspiel mit optischen und akustischen Elementen. Er war eine Auftragsarbeit für die Treppenhalle der Neuen Nationalgalerie und wurde dort 1975 aufgestellt. Schon 1981 galt er dort als entbehrlich, 1982 überließ das Museum ihn dem Europa-Center als kostenlose Dauerleihgabe. Bei Umbauarbeiten im Jahr 2012 wurde er entfernt. An seiner Stelle entstand ein Café.

Im Inneren boten neben zahlreichen Geschäften auch ein Schuhputzer und ein Porträtzeichner ihre Dienste an.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Europa-Center-Berlin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Europa-Center bei CTBUH
  2. Peppers Traum für die City west. In: Berliner Zeitung vom 26. November 2013; abgerufen am 30. August 2014
  3. Berlin.de – Eintrag zum Europa-Center
  4. europa-center-berlin.de (27. März 2011)