Europa (Schiff, 1928)

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Europa
Vierschrauben-Schnelldampfer Europa, 1932

Vierschrauben-Schnelldampfer Europa, 1932

p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Handelsflagge) Deutsches Reich
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
FrankreichFrankreich (Nationalflagge zur See) Frankreich
andere Schiffsnamen

Liberté

Schiffstyp Passagierdampfer
Bauwerft Blohm & Voss, Hamburg
Stapellauf 15. August 1928
Streichung aus dem Schiffsregister 1961
Verbleib 1962 in La Spezia abgewrackt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
282,77 m (Lüa)
Breite 30,65 m
Tiefgang max. 6,5 m
Vermessung 49.746 BRT
 
Besatzung 965
Maschine
Maschine 24 Dampfkessel
4 Dampfturbinen
Maschinen-
leistung
130.000 PS (95.615 kW)
Geschwindigkeit max. 27,9 kn (52 km/h)
Propeller 4

Die Europa war ein turbinengetriebenes Passagierschiff des Norddeutschen Lloyds.

Geschichte[Bearbeiten]

Bauphase[Bearbeiten]

Die Europa war nach dem 1929 gebauten Schwesterschiff Bremen, von dem es sich aber in einer Reihe von Details deutlich unterschied, der zweite 50.000-Tonner des Norddeutschen Lloyd. Mit beiden Schiffen wollte der NDL die Rückkehr in die Spitzenklasse des Transatlantikverkehrs erreichen.

Der Stapellauf auf der Werft von Blohm & Voss (Hamburg) erfolgte am 15. August 1928. Im Frühjahr 1929 sollte die Europa in Dienst gestellt werden. Noch am Ausrüstungskai der Werft brach in den Morgenstunden des 26. März 1929 ein Feuer aus, dem das fast fertige Schiff beinahe zum Opfer fiel. Der Brand wütete den ganzen Tag und konnte erst am Abend unter Kontrolle gebracht werden. Es war aber so viel Löschwasser in das Schiff gelaufen, dass es auf Grund gesackt war. Die Turbinenanlage wurde schwer beschädigt und auch der Rest des Schiffes war stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Nach langen Gesprächen zwischen der Bauwerft und der Reederei wurde beschlossen, das Schiff zu reparieren. Innerhalb von nur elf Monaten konnte das Schiff fertiggestellt werden und absolvierte am 22. Februar 1930 schließlich seine erste Probefahrt. Die Ursache des Brandes konnte nie ganz geklärt werden.

Blaues Band[Bearbeiten]

Schon auf der Jungfernfahrt nach New York, die am 19. März 1930 in Bremerhaven begann, nahm die Europa ihrem Schwesterschiff Bremen das Blaue Band ab, die dieses wenige Monate vorher erst geholt hatte. Die Europa erreichte auf der Transatlantikroute von Europa nach New York ab Cherbourg vom 21. März an bei einer Fahrt von vier Tagen, 16 Stunden und 48 Minuten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,91 Knoten gegenüber 27,72 Knoten der Bremen. Deshalb wählte der deutsche Olympiakader von 1932 die Europa, um zum Austragungsort der Spiele in Los Angeles zu kommen.

Aussehen[Bearbeiten]

Wie das Schwesterschiff Bremen hatte auch die Europa auf dem oberen Deck zwischen den beiden Schornsteinen ein Katapult mit einem Schwimmerflugzeug, hier vom Typ Heinkel HE 58, das von 1932 bis 1935 dann durch eine Junkers Ju 46 ersetzt wurde. Das Flugzeug diente der schnelleren Postbeförderung; es wurde in der Regel 800 bis 1.000 km vor dem Zielhafen von Bord gestartet und landete, von Amerika kommend, eine Zeitlang am Wasserflughafen in Blexen, hatte dann aber in der Regel schon einen anderen Flughafen in Europa angeflogen (Southampton, Amsterdam). Die Piloten und Techniker sammelten darüber hinaus Erfahrungen, die später bei der Ausrüstung deutscher Kriegsschiffe mit Bordflugzeugen genutzt wurden. Die eingesetzten Piloten der Lufthansa gehörten später alle zu den erfahrensten Langstreckenpiloten der Gesellschaft, zum Teil mit einer erheblichen Anzahl von Transatlantikflügen.

Die Katapultvorrichtung wurde am Ende der Saison 1935 entfernt, weil es zu teuer und aufwendig war. Auf der Europa wurden, wie auf der Bremen, die vor allem aus Gründen des harmonischen Erscheinungsbilds flach gehaltenen Schornsteine erhöht, um den Rauchabzug zu verbessern.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges wohnten ab 1939 deutsche Marinesoldaten auf dem Luxusdampfer. 1940 wurde die Europa von einer britischen Fliegerbombe getroffen und der Kommandant Georg Enoch Freiherr von und zu Guttenberg verwundet. Er verstarb kurze Zeit später. [1] 1940 wurden in Hamburg an der Europa und ihrem Schwesterschiff Bremen Umbauten für den Einsatz als Truppentransporter für das Unternehmen Seelöwe, die geplante Landung in England, durchgeführt. Pläne von 1942, den Schnelldampfer zum Flugzeugträger umzubauen, wurden nicht verwirklicht. Ab Februar 1945 wurde des Schiff Kasernenschiff der Standortverwaltung Wesermünde. Im März 1945 wurde die Europa als Flüchtlingsschiff von Swinemünde nach Kiel eingesetzt, wobei sie einen Teil der Flüchtlinge in der Lübecker Bucht absetzte. Die Europa überstand den Krieg fast unversehrt. Sie wurde durch die Vereinigten Staaten beschlagnahmt und als Truppentransporter USS Europa (AP 177) eingesetzt. Später wurde die Europa als Reparationsleistung Frankreich zugesprochen und im Mai 1946 übernommen.

Liberté[Bearbeiten]

In Frankreich wurde das Schiff umgebaut. Während dieser Zeit riss sich das Schiff in einem Sturm los und kollidierte mit dem Wrack der Paris und geriet durch Wassereinbruch auf Grund. Es wurde im April 1947 gehoben und der Umbau wurde beendet. 1950 erfolgte die Umbenennung in Liberté. Bis 1961 fuhr die ehemalige Europa für die französische Reederei CGT von Le Havre nach New York.

1961 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und ab Januar 1962 in La Spezia abgewrackt.

Regelmäßige Liniendienste[Bearbeiten]

  • Bremerhaven – New York (als Europa)
  • Le Havre – New York (ab 1950 als Liberté)

Passagierkapazität[Bearbeiten]

1930 (als „Europa“) 1950 (als „Liberté“)
Art der Kabine Anzahl der Passagiere Art der Kabine Anzahl der Passagiere
1. Klasse 687 1. Klasse 549
2. Klasse 524 Kabinenklasse 562
Touristenklasse 306 Touristenklasse 382
3. Klasse 507    

Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Europa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Elisabeth zu Guttenberg: Beim Namen gerufen – Erinnerungen. Ullstein Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-548-23260-4, Seite 149f.