European Energy Exchange
| European Energy Exchange AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 2002 |
| Sitz | Leipzig |
| Leitung | Peter Reitz (Chief Executive Officer), Steffen Köhler (Chief Market Officer), Iris Weidinger (Chief Financial Officer), Thomas Siegl (Chief Risk Officer) |
| Mitarbeiter | 127 (Ende 2011) |
| Umsatz | 45,6 Mio. EUR (2011) |
| Branche | Börsen, Energie |
| Website | www.eex.com |
Die European Energy Exchange (EEX) ist ein Marktplatz für Energie und energienahe Produkte. Die EEX (bzw. die Börse selbst) unterliegt als öffentlich-rechtliche Institution dem deutschen Börsengesetz.[1] Der Träger der Börse hingegen agiert als Aktiengesellschaft privat-rechtlich. Die EEX ist mit über 200 Börsenteilnehmern aus derzeit 22 Ländern die führende Energiebörse in Kontinentaleuropa. An der EEX werden Strom-Futures und -Optionen (vgl. Strombörse), CO2-Zertifikate, Kohle sowie seit Juli 2007 auch Erdgas gehandelt. Außerdem wird die Registrierung von OTC-Geschäften zum Clearing angeboten. Die EEX befindet sich im City-Hochhaus am Augustusplatz in Leipzig. Betreibergesellschaft der Börse EEX ist die EEX AG mit Sitz in Leipzig.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Hervorgegangen ist die EEX aus einer Fusion der LPX (Leipzig Power Exchange) und der EEX (European Energy Exchange) mit Sitz in Frankfurt am Main im Jahre 2002.
EEX AG [Bearbeiten]
Die EEX AG mit Sitz in Leipzig ist die Betreibergesellschaft der Börse. Sie befindet sich mehrheitlich im Besitz der Eurex Zürich AG (56,14 %).[2] Die restlichen Anteile befinden sich im Streubesitz von insbesondere diversen Energieunternehmen, Banken und Ländern.
Unternehmensstruktur:[3]
European Energy Exchange AG
- EPEX SPOT SE (50 %)
- EEX Power Derivatives GmbH (80 %)
- European Commodity Clearing AG (98,5 %)
- Storage Capacity Exchange GmbH (12 %)
- Transport Capacity Exchange GmbH (9 %)
- European Market Coupling Company GmbH (20 %)
EPEX-Spotmarkt [Bearbeiten]
Der EEX-Spotmarkt für Strom (EEX Power Spot) wurde 2009 in das neue Unternehmen EPEX SPOT SE mit Sitz in Paris überführt. Dieses gehört zu jeweils 50 % der französischen Powernext SA und der EEX AG.[4] Am Spotmarkt kann Strom für Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz gehandelt werden. Dabei dient der Spotmarkt der kurzfristigen Portfoliooptimierung. Die EPEX bietet folgende Handelsmodelle an:
- Intraday-Handel von Strom
- Im Intraday-Handel der EPEX werden Stromkontrakte mit Lieferung am selben oder folgenden Tag gehandelt. Börsenteilnehmer kaufen aufgrund eines erhöhten Bedarfs zusätzliche Strommengen ein oder veräußern überschüssige Mengen. Auf diese Weise ist es möglich, noch kurzfristig Abweichungen von Verbrauchsprognosen zu berücksichtigen und Fahrplanabweichungen zu vermeiden. Dies trägt zur Minimierung der Regelenergiekosten bei. Im Intraday-Markt der EPEX können die Börsenteilnehmer die Einzelstunden des laufenden Tages bis 45 Minuten vor Lieferbeginn handeln. Es ist möglich, dass auch mehrere aufeinanderfolgende Stunden zu einem Block zusammengefasst werden. Ab 15.00 Uhr ist der Handel der Stunden des folgenden Tages möglich. Der Intraday-Handel findet an jedem Tag des Jahres rund um die Uhr statt.
- Auktionshandel
- Am Day-ahead-Markt wird der Strom für den nächsten Tag gehandelt. An der EPEX SPOT finden täglich drei Stundenauktionen für drei Marktgebiete statt: Deutschland/Österreich, Frankreich und Schweiz. Die Gebote der Stundenauktion ermöglichen die simultane Platzierung von unterschiedlichen Kauf- und Verkaufsmengen zu jeweils verschiedenen Preisen in der Auktion. Die ausgeführte Menge richtet sich dann nach dem ermittelten Auktionspreis. Die Auktionen für Deutschland/Österreich und Frankreich sind im Rahmen der zentralwesteuropäischen Marktkopplung (CWE Market Coupling) miteinander verbunden. Die Marktkopplung ermöglicht die Optimierung des Zuteilungsprozesses von Kapazitäten an Grenzkuppelstellen mithilfe eines koordinierten Preisfindungsmechanismus. Die an der Börse abgeschlossenen Geschäfte werden am Folgetag physisch in den entsprechenden Regelzonen geliefert. Für das Marktgebiet Deutschland/Österreich wird Strom in die Regelzone von Amprion, TenneT, 50Hertz und TransnetBW sowie in der österreichischen Regelzone APG geliefert (gemeinsames Marktgebiet). Die Lieferung des Stroms für Frankreich erfolgt in der Zone der RTE und für die Schweiz in der Regelzone der Swissgrid.
EEX-Spotmarkt [Bearbeiten]
Die EEX bietet den Spothandel für Erdgas in den deutschen Marktgebieten GASPOOL (vormals GUD und BEB) und NCG (Net Connect Germany, vormals EGT) an sowie seit Ende Mai 2011 auch für die Lieferung in das niederländische Marktgebiet TTF (Title Transfer Facility). Seit 30. Mai 2011 ist der kurzfristige Börsenhandel mit Erdgas rund um die Uhr geöffnet. Am 24/7-Spotmarkt können Unternehmen Erdgas kontinuierlich für den aktuellen Tag (Within-Day), einen Tag und zwei Tage im Voraus sowie für das folgende Wochenende (Day-Ahead) handeln. [5]
Seit 2005 können am EEX-Spotmarkt CO2-Zertifikate im Rahmen des europäischen Emissionshandelssystems (EU ETS) gehandelt werden. Zusätzlich zum Sekundärmarkt, das heißt dem Handel von Zertifikaten, die sich schon im Markt befinden, führt die EEX seit Januar 2010 auch Primärmarktauktionen von europäischen Emissionsberechtigungen (EUA) durch. [6]
Zusätzlich zu den Primärmarktauktionen im Auftrag des Bundesumweltministeriums führte die EEX 2011 auch EUA-Auktionen für die Niederlande und Litauen durch. Zudem wird die EEX als deutsche transitorische Auktionsplattform für die dritte Emissionshandelsphase bis zu 85 Millionen weitere EUA versteigern. [7] Weiterhin fungiert die EEX als Kooperationsbörse der Europäischen Investitionsbank (EIB) bei der Vermarktung im Rahmen des NER300-Programms. Hierbei kann die EIB die EEX als Auktionsplattform nutzen sowohl Emissionsrechte direkt über den Sekundärhandel der EEX veräußern als auch OTC-Geschäfte mit Clearing abwickeln.
EEX-Terminmarkt [Bearbeiten]
Im EEX-Terminmarkt können Geschäfte auf bis zu sechs Jahre in die Zukunft abgesichert werden. Die Energiebörse bietet Futures für das Marktgebiet Deutschland/Österreich und Frankreich auf Wochen-, Monats-, Quartals- und Jahresfutures an. Die an der EEX gehandelten Strom-Futures sind finanziell erfüllte Termingeschäfte, die optional auch physisch über den Strom-Spotmarkt geliefert werden können. Außerdem werden Optionen auf deutsche Strom-Futures gehandelt.
Am Terminmarkt können die Marktteilnehmer weiterhin Futures auf EU-Emissionsberechtigungen (sogenannte EUA Futures) und Futures auf Certified Emission Reductions (CER-Futures) handeln. Mit Blick auf die dritte EU-ETS-Handelsperiode, die 2013 beginnt, hat die EEX neue Emissionsfutures gestartet: Am 30. April startete der Terminmarkt mit EU Aviation Allowances (EUAA). Das sind Emissionsrechte, die von Luftfahrtunternehmen zu Compliance-Zwecken verwendet werden können. Parallel dazu startete der Handel mit Futures auf Emission Reduction Units (ERU). [8]
Die EEX bietet seit Juli 2007 den Handel mit physisch erfüllten Erdgasfutures (Marktgebiete GASPOOL und NCG) an. Die Teilnehmer können Monats-, Quartals-, Season- und Jahresfutures auf Erdgas handeln. Die 2006 eingeführten Kohle-Futures werden finanziell abgerechnet und beziehen sich auf Spotmarkt-Indizes in Europa (ARA) und Südafrika (Richards Bay).
Handelsvolumen [Bearbeiten]
Das Handelsvolumen am EEX-Terminmarkt für Strom belief sich im Jahr 2011 auf 1.075 TWh (Terawattstunden), 2010 waren es 1.208 TWh. An den Spotmärkten für Strom der EPEX SPOT wurden 2011 insgesamt 314 TWh (2010: 279 TWh) gehandelt. Das Handelsvolumen im Erdgasmarkt stieg um 25 Prozent auf 58,6 TWh (2010: 46,9 TWh). Am Emissionsrechtemarkt wurden im Jahr 2011 insgesamt 106,7 Mio. Tonnen CO2 gehandelt im Vergleich zu 152,4 Mio. Tonnen CO2 im Vorjahr. [9]
Clearing und Abwicklung [Bearbeiten]
Alle Geschäfte der EEX werden durch das Clearinghaus European Commodity Clearing AG (ECC) abgewickelt, die auch Clearing und Settlement fünf weitere europäische Börsen erbringt. Die ECC ist ein Clearinghaus, das sich auf die physische Lieferung von Energie und energienahen Produkten spezialisiert hat.
Transparenz [Bearbeiten]
Seit 2009 betreibt die EEX eine Transparenzplattform als Website, auf der marktrelevante Erzeugungs- und Verbrauchsdaten veröffentlicht werden. Diese Daten werden von den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern 50Hertz (Ex-Vattenfall), Amprion (Ex-RWE), TransnetBW (Ex-EnBW Transportnetze) und Tennet (Ex-E.ON) an die EEX gemeldet. Seit 2010 meldet auch die Austrian Power Grid Daten für Österreich. Die Übertragungsnetzbetreiber kommen so ihren gesetzlichen Pflichten aus der EU-Leitlinie zum Engpassmanagement nach,[10] und erfüllen die Forderungen aus Kapitel 4.3 des Report on Transparency für die Region Nordeuropa, den die Energie-Regulierungsbehörden Deutschlands, Skandinaviens und Polens 2007 erarbeitet haben.[11] Seit Anfang 2012 nutzen einige Energieunternehmen die Plattform auch zur Erfüllung von Publizitätspflichten aus REMIT.
Weblinks [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Die Handelsüberwachung wird durch das öffentliche Recht geregelt (Seite 47)
- ↑ Aktionäre der EEX
- ↑ http://www.eex.com/de/EEX/EEX%20AG/Unternehmensstruktur
- ↑ Unternehmenseigene Darstellung auf EPEX.com, letzter Abruf 7. Januar 2011
- ↑ EEX startet 24/7-Gashandel, Pressemitteilung vom 31. Mai 2011.
- ↑ EEX erhält Zuschlag für Auktion von CO2-Zertifikaten, Meldung vom 18. November 2009.
- ↑ EEX gewinnt Ausschreibung für transitorische Versteigerungsplattform der Bundesrepublik Deutschland, Meldung vom 29. Februar 2012
- ↑ EEX startet Terminmarkt für EUAA und ERU, Meldung vom 2. Mai 2012
- ↑ EEX-Jahresrückblick 2011, Meldung vom 12. Januar 2012
- ↑ Verordnung (EG) Nr. 714/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über die Netzzugangsbedingungen für den grenzüberschreitenden Stromhandel und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1228/2003.
- ↑ Report on Transparency, 13. September 2007.
51.33786712.379081Koordinaten: 51° 20′ 16,3″ N, 12° 22′ 44,7″ O