European Energy Exchange

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European Energy Exchange AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2002
Sitz Leipzig
Leitung Peter Reitz (Chief Executive Officer),
Steffen Köhler
(Chief Operating Officer),
Iris Weidinger (Chief Financial Officer),
Dr. Thomas Siegl (Chief Risk Officer)
Mitarbeiter 150 (2014)
Umsatz 47,9 Mio. Euro (2012)
Branche Börsen, Energie
Website www.eex.com

Die European Energy Exchange (EEX) ist ein Marktplatz für Energie und energienahe Produkte. Die EEX (bzw. die Börse selbst) unterliegt als öffentlich-rechtliche Institution dem deutschen Börsengesetz.[1] Der Träger der Börse hingegen agiert als Aktiengesellschaft privat-rechtlich. Die EEX ist mit über 240 Börsenteilnehmern aus derzeit 24 Ländern die führende Energiebörse in Kontinentaleuropa. An der EEX werden Strom, Erdgas, CO2-Emissionsrechte, Kohle sowie Herkunftsnachweise für Grünstrom gehandelt. Außerdem bietet die EEX den Service der Trade Registration Servie an, bei dem außerbörslich abgeschlossene Geschäfte zum Clearing an der Börse registriert werden. Die EEX befindet sich im City-Hochhaus am Augustusplatz in Leipzig. Betreibergesellschaft der Börse EEX ist die EEX AG mit Sitz in Leipzig.

Geschichte[Bearbeiten]

Hervorgegangen ist die EEX aus einer Fusion der LPX (Leipzig Power Exchange) und der EEX (European Energy Exchange) mit Sitz in Frankfurt am Main im Jahre 2002.

EEX AG[Bearbeiten]

Die EEX AG mit Hauptsitz in Leipzig sowie Büros in London und Brüssel ist die Betreibergesellschaft der Börse. Sie befindet sich mehrheitlich im Besitz der Eurex Zürich AG (62,57 %).[2] Die restlichen Anteile befinden sich im Streubesitz von insbesondere diversen Energieunternehmen, Banken und Ländern.

Die European Energy Exchange AG ist an folgenden Unternehmen beteiligt:[3]

  • EPEX SPOT SE (50  %)
  • EEX Power Derivatives GmbH (80 %)
  • European Commodity Clearing AG (98,5 %)
  • Storage Capacity Exchange GmbH (12 %)
  • Global Environmental Exchange GmbH (100 %)
  • European Market Coupling Company GmbH (20 %)
  • Cleartrade Exchange Pte Ltd. (52 %)[4]
  • EGEX European Gas Exchange GmbH (100 %)

EPEX-Spotmarkt[Bearbeiten]

Der EEX-Spotmarkt für Strom (EEX Power Spot) wurde 2009 in das neue Unternehmen EPEX SPOT SE mit Sitz in Paris überführt. Dieses gehört zu jeweils 50 % der französischen Powernext SA und der EEX AG.[5] Am Spotmarkt kann Strom für Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz gehandelt werden. Dabei dient der Spotmarkt der kurzfristigen Portfoliooptimierung. Die EPEX SPOT bietet folgende Handelsmodelle an:

Intraday-Handel von Strom
Im Intraday-Handel der EPEX werden Stromkontrakte mit Lieferung am selben oder folgenden Tag gehandelt. Börsenteilnehmer kaufen aufgrund eines erhöhten Bedarfs zusätzliche Strommengen ein oder veräußern überschüssige Mengen. Auf diese Weise ist es möglich, noch kurzfristig Abweichungen von Verbrauchsprognosen zu berücksichtigen und Fahrplanabweichungen zu vermeiden.
Auktionshandel
Am Day-ahead-Markt wird der Strom für den nächsten Tag gehandelt. An der EPEX SPOT finden täglich drei Stundenauktionen für drei Marktgebiete statt: Deutschland/Österreich, Frankreich und Schweiz. Die Gebote der Stundenauktion ermöglichen die simultane Platzierung von unterschiedlichen Kauf- und Verkaufsmengen zu jeweils verschiedenen Preisen in der Auktion. Die ausgeführte Menge richtet sich dann nach dem ermittelten Auktionspreis.

EEX-Spotmarkt[Bearbeiten]

Die EEX bietet den Spothandel für Erdgas in den deutschen Marktgebieten GASPOOL (vormals GUD und BEB) und NCG (Net Connect Germany, vormals EGT) an sowie seit Ende Mai 2011 auch für die Lieferung in das niederländische Marktgebiet TTF (Title Transfer Facility). Seit 30. Mai 2011 ist der kurzfristige Börsenhandel mit Erdgas rund um die Uhr geöffnet. Am 24/7-Spotmarkt können Unternehmen Erdgas kontinuierlich für den aktuellen Tag (Within-Day), einen Tag und zwei Tage im Voraus sowie für das folgende Wochenende (Day-Ahead) handeln. [6]

Am 29. Mai 2013 haben die deutsche European Energy Exchange (EEX) und die französische Powernext ihre Gasmärktezu einem Pan-Europäischen Angebot für Gasprodukte (PEGAS) verbunden. Im Rahmen von PEGAS können Handelsteilnehmer die Gasprodukte beider Börsen auf einer gemeinsamen Handelsplattform, dem Trayport® Exchange Trading System, handeln. Mitglieder haben über diese gemeinsame Handelsplattform Zugang zu allen Spot- und Terminmarktprodukten, die die beiden Börsen für die Marktgebiete Deutschland, Frankreich und die Niederlande anbieten. Darüber hinaus sind auch Spread-Produkte zwischen diesen Marktgebieten auf der Plattform handelbar.

Seit 2005 können am EEX-Spotmarkt CO2-Zertifikate im Rahmen des europäischen Emissionshandelssystems (EU ETS) gehandelt werden. Zusätzlich zum Sekundärmarkt, das heißt dem Handel von Zertifikaten, die sich schon im Markt befinden, führt die EEX seit Januar 2010 auch Primärmarktauktionen von europäischen Emissionsberechtigungen (EUA) durch. [7]

Zusätzlich zu den Primärmarktautkionen bietet die EEX den Spothandel für EU-Emissionsberechtigungen für die zweite und dritte EU ETS-Handelsphase an. Darüber hinaus startete sie 2012 den Spotmarkt für EU Aviation (EUAA). EUAA sind spezielle Emissionsberechtigungen, die ausschließlich von Luftfahrtunternehmen zu Compliance-Zwecken genutzt werden können. Seit Dezember 2012 bietet die EEX zudem den Handel mit Certified Emission Reductions (CER) am Spotmarkt an.

Neben den Primärmarktauktionen im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland führt die EEX zusätzlich EUA-Auktionen im Auftrag anderer Länder (beispielsweise Litauen, Niederlande, Ungarn, Polen) durch. Zudem agiert die EEX als deutsche transitorische Auktionsplattform für die dritte Emissionshandelsphase. Weiterhin fungiert die EEX als Kooperationsbörse der Europäischen Investitionsbank (EIB) bei der Vermarktung im Rahmen des NER300-Programms. Hierbei kann die EIB die EEX als Auktionsplattform nutzen und sowohl Emissionsrechte direkt über den Sekundärhandel der EEX veräußern als auch über Trade Registration außerbörsliche Geschäfte zum Clearing registrieren.

EEX-Terminmarkt[Bearbeiten]

Im EEX-Terminmarkt können Geschäfte auf bis zu sechs Jahre in die Zukunft abgesichert werden. Die Energiebörse bietet Futures für das Marktgebiet Deutschland/Österreich und Frankreich auf Wochen-, Monats-, Quartals- und Jahresfutures an. Die an der EEX gehandelten Strom-Futures sind finanziell erfüllte Termingeschäfte, die optional auch physisch über den Strom-Spotmarkt geliefert werden können. Außerdem werden Optionen auf deutsche Strom-Futures gehandelt. Physisch erfüllte Handelsgeschäfte werden für die Marktgebiete Frankreich, Belgien, Niederlande und zukünftig auch Italien angeboten.

Am Terminmarkt können die Marktteilnehmer weiterhin Futures auf EU-Emissionsberechtigungen (sogenannte EUA Futures) und Futures auf Certified Emission Reductions (CER-Futures) handeln. Mit Blick auf die dritte EU-ETS-Handelsperiode, die 2013 begonnen hat, hat die EEX vier neue Emissionsfutures gestartet: Am 30. April startete der Terminmarkt mit EU Aviation Allowances (EUAA). Parallel dazu startete der Handel mit Futures auf Emission Reduction Units (ERU). [8]

Die EEX bietet seit Juli 2007 den Handel mit physisch erfüllten Erdgasfutures (Marktgebiete GASPOOL und NCG) an. Die Teilnehmer können Monats-, Quartals-, Season- und Jahresfutures auf Erdgas handeln.

Weiterhin am EEX-Terminmarkt handelbar sind Herkunftsnachweise/Guarantees of Origin (GoOs). Diese sind Zertifikate, die nachweisen, dass eine Megawattstunde Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde. Sie werden ausschließlich für Kennzeichnungs- und Transparenzzwecke ausgegeben und nach Einsatz entwertet. Sie werden an einem Handelstag pro Woche gehandelt und können bis zu drei Jahre in die Zukunft gehandelt werden. Sämtliche Herkunftsnachweise verfügen über eine Gültigkeit von 12 Monaten. Folgende GoOs können an der EEX gehandelt werden:

  • Nordic Hydro: Grünstromzertifikate aus Wasserkraft aus der skandinavischen Region (Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden)
  • Alpine Hydro: Grünstromzertifikate aus Wasserkraft aus der alpinen Region (Deutschland, Österreich, Schweiz)
  • Central Northern European Wind: Zertifikate für Windkraft aus der Region Nordeuropa (Belgien, Dänemark, Deutschland und Niederlande)

Handelsvolumen[Bearbeiten]

Das Handelsvolumen am EEX-Terminmarkt für Strom belief sich im Jahr 2013 auf 1.263,9 TWh (Terawattstunden), 2012 waren es 931,4 TWh. An den Spotmärkten für Strom der EPEX SPOT wurden 2013 insgesamt 346 TWh (2012: 339 TWh) gehandelt. Das Handelsvolumen im Erdgasmarkt stieg um 46 Prozent auf 110 TWh (2012: 75,5 TWh). Am Emissionsrechtemarkt wurden im Jahr 2013 insgesamt 850,3 Mio. Tonnen CO2 gehandelt im Vergleich zu 254,6 Mio. Tonnen CO2 im Vorjahr. [9]

Clearing und Abwicklung[Bearbeiten]

Alle Geschäfte der EEX werden durch das Clearinghaus European Commodity Clearing AG (ECC) abgewickelt, die auch Clearing und Settlement fünf weitere europäische Börsen erbringt. Die ECC ist ein Clearinghaus, das sich auf die physische Lieferung von Energie und energienahen Produkten spezialisiert hat. EEX und ECC bieten gemeinsam den Service der Trade Registration an. Dieser Service ermöglicht es den Handelsteilnehmern, außerbörslich abgeschlossene Geschäfte zum Clearing an der Börse registrieren zu lassen.

Transparenz[Bearbeiten]

Seit 2009 betreibt die EEX eine Transparenzplattform als Website, auf der marktnah an zentraler und neutraler Stelle marktrelevante Erzeugungs- und Verbrauchsdaten veröffentlicht, um die Transparenz auf dem Großhandelsmarkt weiter zu erhöhen. Damit werden sowohl gesetzliche Veröffentlichungspflichten als auch freiwillige Selbstverpflichtungen der Branche umgesetzt.

Diese Daten werden von den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern 50Hertz (Ex-Vattenfall), Amprion (Ex-RWE), TransnetBW (Ex-EnBW Transportnetze) und Tennet (Ex-E.ON) an die EEX gemeldet. Seit 2010 meldet auch die Austrian Power Grid Daten für Österreich. Die Übertragungsnetzbetreiber kommen so ihren gesetzlichen Pflichten aus der EU-Leitlinie zum Engpassmanagement nach,[10] und erfüllen die Forderungen aus Kapitel 4.3 des Report on Transparency für die Region Nordeuropa, den die Energie-Regulierungsbehörden Deutschlands, Skandinaviens und Polens 2007 erarbeitet haben.[11] Seit Anfang 2012 nutzen einige Energieunternehmen die Plattform auch zur Erfüllung von Publizitätspflichten aus REMIT.

Derzeit werden sechs Marktgebiete in Deutschland, Österreich und Tschechien abgedeckt. Eine Implementierung von Bulgarien und der Schweiz ist in Zukunft geplant.

Die EEX als Betreiberin der Plattform nimmt bei der Verarbeitung der Daten insbesondere folgende Aufgaben wahr:

  • Plausibilisierung
  • Anonymisierung und Aggregierung
  • Veröffentlichung

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Handelsüberwachung wird durch das öffentliche Recht geregelt (Seite 47)
  2. Aktionäre der EEX
  3. http://www.eex.com/de/EEX/EEX%20AG/Unternehmensstruktur
  4. http://www.eex.com/de/Presse/Pressemitteilung%20Details/press/152604
  5. Unternehmenseigene Darstellung auf EPEX.com, letzter Abruf 7. Januar 2011
  6. EEX startet 24/7-Gashandel, Pressemitteilung vom 31. Mai 2011.
  7. EEX erhält Zuschlag für Auktion von CO2-Zertifikaten, Meldung vom 18. November 2009.
  8. EEX startet Terminmarkt für EUAA und ERU, Meldung vom 2. Mai 2012
  9. EEX-Jahresrückblick 2013, Meldung vom 14. Januar 2014
  10. Verordnung (EG) Nr. 714/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über die Netzzugangsbedingungen für den grenzüberschreitenden Stromhandel und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 1228/2003.
  11. Report on Transparency, 13. September 2007.

51.33786712.379081Koordinaten: 51° 20′ 16,3″ N, 12° 22′ 44,7″ O