European Extremely Large Telescope

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Der Hauptspiegel und die Nachführmechanik des E-ELT
Die geöffnete Kuppel des E-ELT
Aufbau des Hauptspiegels aus vielen sechseckigen Elementen

Das European Extremely Large Telescope (E-ELT), kurz Extremely Large Telescope (ELT), ist ein im Bau befindliches optisches Teleskop der nächsten Generation für die Europäische Südsternwarte (ESO). Es erhält einen Hauptspiegel mit 39 Metern Durchmesser, der aus 798 sechseckigen Spiegelelementen zusammengesetzt sein wird.[1]

Die Planungen wurden in einer dreijährigen Studie (Phase B) durchgeführt, die im Dezember 2006 vom ESO genehmigt wurde. Ein wesentlicher Bestandteil der Phase ist die Arbeit an einem Basis-Design für das Teleskop (Baseline Reference Design), dessen dritte Version Ende 2008 in Arbeit war. Die Phase ist mit 57,3 Mio € finanziert. Die Begutachtung des endgültigen Designs fand vom 21.–24. September 2010 statt.[2]

Die ESO hat ihre Planungen zugunsten dieses Teleskops geändert, da das ursprünglich geplante Overwhelmingly Large Telescope (OWL mit 100 Metern, etwa 2030) gemäß einer Studie über eine Milliarde Euro gekostet hätte und für die derzeitigen technischen Möglichkeiten zu komplex wäre. Eine andere, weiter in die Zukunft reichende Vorstudie betrifft das 50-m-Spiegelteleskop EURO 50, dessen Verwirklichung ebenfalls zu Gunsten des E-ELT zunächst aufgegeben wurde.

Am 9. Dezember 2011 fiel die Entscheidung zum Bau des Teleskops in der chilenischen Atacamawüste, obwohl nicht alle 15 Mitgliedsstaaten der Europäischen Südsternwarte den zusätzlichen Finanzierungsbedarf des Geräts sichergestellt hatten. Die Kosten wurden Ende 2011 auf 1,1 Milliarden Euro beziffert.[3] Bei einem Treffen des ESO-Rates am 11. Juni 2012 im ESO-Hauptsitz Garching wurde mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit der ESO-Mitglieder der endgültige Beschluss zum Bau getroffen. Dabei wurde festgelegt, dass bis zur Bewilligung von mindestens 90 Prozent der Baukosten durch die Mitgliedsstaaten zunächst nur Mittel für vorbereitende Arbeiten am Standort des Teleskops freigegeben werden.[4]

Am 3. März 2013 war das Projekt von allen teilnehmenden Ländern ratifiziert[5], der Straßenbau begann im März 2014[6], offizieller Baustart des Teleskops war der 19. Juni 2014[7].

Standort[Bearbeiten]

Nächtliches Panoramabild des Cerro Armazones (Chile), des im April 2010 erwählten Standorts für das European Extremely Large Telescope

Als Standort wurden unter anderem Argentinien, Chile, Marokko, Spanien (La Palma), Südafrika, Tibet, Grönland und die Antarktis in Betracht gezogen. Intensiv untersucht wurden vor allem die ersten vier Möglichkeiten.[8] Am 26. April 2010 wurde Cerro Armazones, ein Berg mit 3060 m Höhe, als Standort für das E-ELT fixiert.[9] Cerro Armazones liegt in der chilenischen Atacamawüste, ca. 130 km südlich der Stadt Antofagasta und nur 20 km entfernt von Cerro Paranal, dem Standort des Very Large Telescope (VLT). Eine Vereinbarung zwischen der ESO und dem Staat Chile, in der 189 km² Land um den Cerro Armazones für den Bau des Teleskopes an die ESO übertragen und weitere 362 km² in der Umgebung des Geländes für 50 Jahre zum Schutzgebiet erklärt wurde, um Beeinträchtigungen des E-ELT durch Lichtverschmutzung oder Bergbauarbeiten zu verhindern, wurde am 13. Oktober 2011 in Santiago de Chile unterzeichnet. Insgesamt wurde die Schutzzone des Paranal-Armazones-Komplexes somit auf 1270 km² ausgeweitet. Durch die unmittelbare Nähe zum VLT kann ein großer Teil der zum Betrieb der Teleskope notwendigen Infrastruktur gemeinsam genutzt werden.[10]

Ausstattung[Bearbeiten]

Das Teleskop in Nasmyth-Montierung wird mit etlichen Instrumenten ausgerüstet werden, zwischen denen man innerhalb von Minuten umschalten können soll. Auch die Positionierung des Teleskops und der Kuppel auf unterschiedliche Himmelsorte wird ohne große Zeitverzögerung möglich sein.

Acht verschiedene Instrumente und zwei fokale Module befinden sich in Konzipierung mit dem Ziel, dass mindestens zwei oder drei zum Zeitpunkt des Ersten Lichts, die anderen in der anschließenden Dekade fertiggestellt werden sollen. [11]

Folgende Instrumente sind vorgeschlagen:

Die beiden fokalen Module, die sich in Untersuchung befinden:

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: European Extremely Large Telescope – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Ähnliche Projekte[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Preparing a Revolution. Abgerufen am 29. März 2012.
  2. Projektseiten der ESO. Abgerufen am 5. März 2011.
  3. http://news.sciencemag.org/scienceinsider/2011/12/europes-extremely-large-telescop.html
  4. Pressemitteilung: ESO beschließt Bau des weltgrößten optischen Teleskops Abgerufen am 12. Juni 2012.
  5. http://www.eso.org/public/announcements/ann13019/ Großbritannien bestätigt die Teilnahme am E-ELT
  6. Road to Armazones Started. ESO, 14. März 2014, abgerufen am 23. März 2014 (englisch).
  7. Offizieller Baubeginn mit Bergsprengung. AstroNews, 20. Juni 2014, abgerufen am 23. Juni 2014 (deutsch).
  8. http://www.eso.org/public/astronomy/teles-instr/e-elt_sit.html
  9. http://www.eso.org/public/news/eso1018/
  10. ESO und Chile unterzeichnen Abkommen über das E-ELT. Abgerufen am 29. März 2012.
  11. E-ELT Instrumentation. Abgerufen am 29. Oktober 2009.
  12. Luca Pasquini, et al.: Proceedings of SPIE. 7014, 2008, S. 70141I–70141I–9. doi:10.1117/12.787936.
  13. CODEX – An ultra-stable, high-resolution optical spectrograph for the E-ELT. IAC. Abgerufen am 29. November 2012.
  14. Jean-Gabriel Cuby, et al.: Proceedings of SPIE. 7735, 2010, S. 77352D–77352D–15. Bibcode: 2010SPIE.7735E..80C. doi:10.1117/12.856820. Abgerufen am 29 November 2012.
  15. EAGLE: the Extremely Large Telescope Adaptive Optics for Galaxy Evolution instrument. Abgerufen am 29. Oktober 2009.
  16. Markus E. Kasper, et al.: EPICS: the exoplanet imager for the E-ELT. SPIE. S. 70151S–70151S-12. 2008. doi:10.1117/12.789047. Abgerufen am 12. April 2013.
  17. Niranjan Thatte: HARMONI. University of Oxford. Abgerufen am 30. November 2012.
  18. Bernhard Brandl: METIS – The Mid-infrared E-ELT Imager and Spectrograph. METIS consortium. Abgerufen am 30. November 2012.
  19. Bernhard R. Brandl, et al.: METIS: the mid-infrared E-ELT imager and spectrograph. In: Proceedings of the SPIE. 7014, August 2008, S. 70141N–70141N–15. Bibcode: 2008SPIE.7014E..55B. doi:10.1117/12.789241.
  20. MICADO – Multi-AO Imaging Camera for Deep Observations. MICADO team. Abgerufen am 30. November 2012.
  21. Richard Davies, et al.: MICADO: the E-ELT adaptive optics imaging camera. In: Proceedings of the SPIE. 7735, Juli 2010, S. 77352A–77352A–12. arXiv:1005.5009. Bibcode: 2010SPIE.7735E..77D. doi:10.1117/12.856379.
  22. E-ELT Optical Multi Object Spectrograph. OPTIMOS Consortium. Abgerufen am 30. November 2012.
  23. SIMPLE - A high resolution near-IR spectrograph for the E-ELT. SIMPLE Consortium. Abgerufen am 30. November 2012.
  24. E. Oliva, Origlia, L.: High-resolution near-IR spectroscopy: from 4m to 40m class telescopes. In: Proceedings of the SPIE. 7014, August 2008, S. 70141O–70141O–7. Bibcode: 2008SPIE.7014E..56O. doi:10.1117/12.788821. Abgerufen am 30 November 2012.

-24.589007-70.192262Koordinaten: 24° 35′ 20″ S, 70° 11′ 32″ W