Europoolpalette

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Stapel von Europoolpaletten
Maße von Europoolpaletten
Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN EN 13698
Bereich Transportwesen
Titel Produktspezifikation für Paletten – Teil 1: Herstellung von 800 mm × 1200 mm-Flachpaletten aus Holz; Teil 2: Herstellung von 1000 mm × 1200 mm-Flachpaletten aus Holz
Letzte Ausgabe 2004-01, 2009-10
ISO -

Eine Europoolpalette (umgangssprachlich: Europalette) ist eine Flachpalette (FP) aus dem Tauschsystem des Europools. Typischerweise (wie im Nachfolgenden) ist die durch EN 13698-1 genormte, mehrwegfähige Transportpalette mit einer Grundfläche von 0,96 Quadratmeter und den Maßen 1200 × 800 × 144 mm (Länge × Breite × Höhe) sowie einem Eigengewicht von 20–24 kg (je nach Holzfeuchte) gemeint. Sie wird von 78 Spezialnägeln zusammengehalten (gelegentlich auch 81 Nägel). Die Europalette ist UIC-genormt und entspricht den Bestimmungen der European Pallet Association e. V. (EPAL).[1]

Eine Europalette ist eine sogenannte Vierwegpalette, d. h., sie kann von allen vier Seiten mit einem automatischen Flurfördergerät, z. B. mit einem Gabelstapler oder einem Hubwagen, aufgenommen und befördert werden.

Geschichte der Europalette

Anfang 1961 und in den darauf folgenden Jahren unterzeichneten einige europäische Eisenbahnen, die in der Vereinigung der Internationalen Eisenbahnen (UIC) (Union Internationale des chemins de fer) organisiert sind, einen Vertrag über eine tauschbare Palette, mit dem Namen Europalette.

Ende 1968 wurde von einigen Bahnen ein weiterer Vertrag über eine tauschbare Boxpalette mit dem Namen Eurogitterbox unterschrieben.

Die unterzeichnenden Eisenbahnen waren zur Einhaltung der Normen, der Herstellung und zur Reparatur der Europaletten sowie der Eurogitterboxen verpflichtet. Die Überwachung bzw. die Gewährleistung zum störungsfreien Tausch im EPP (Europäischer Palettenpool) wurde vertraglich vereinbart.

Mitte der 1970er Jahre hat die Deutsche Bundesbahn ihre Rechte der Zeichen DB, RAL-RG 993, ovales EUR und EPAL an den Europaletten und Eurogitterboxen „Gütegemeinschaft Paletten“ dem heutigen Europäischen Dachverband des EPAL übertragen und die Zeichen wurden somit markenrechtlich geschützt.[2]

Mittlerweile gibt es vier verschiedene Marken (WORLD, EPAL, CHEP, LPR), die rechtsverbindlich eingetragen sind und unter denen Europaletten hergestellt werden. Bei allen handelt es sich um Holzpaletten, bei denen der konstruktive Aufbau die vom Anwender landläufig als „Europalette“ bezeichnete Palettenbauform ist. Der Stand der Technik wurde unter anderem in der Gebrauchsmusterschrift von Julius Hofer (Erbach (Odenwald)) vom Deutschen Patentamt unter der Nummer DE 1 935 973 U1 (Anlage 1) am 31. März 1966 veröffentlicht.

Heute wird diese oben genannte Palettenbauform unter verschiedenen Markennamen in standardisierten Baugrößen nach EN 13698-1 gefertigt und zumeist in dem vom Verbraucher als „Europalette“ bezeichneten Palettenformat 800 mm × 1200 mm am Markt angeboten.

Die Marke WORLD ist hierbei die jüngste der eingetragenen Marken für Holz-, Mehrweg- sowie Tauschpaletten.

Benutzung

Da Europaletten genormte Maße haben und in der Regel auf einer Wechselbrücke, einem Wechselaufbaubehälter oder einem Sattelzug geladen werden, kann man immer zwei Europaletten quer oder drei Europaletten längs verladen. Europaletten finden überall im Transportgewerbe Verwendung. In vielen Industriebetrieben sind die Verpackungsmaschinen auf Europaletten genormt.

Einschränkungen

Europaletten werden normalerweise nicht in ISO-Containern eingesetzt, da die Maße der Europalette nicht zu denen des ISO-Containers passen. Dies ist durch unterschiedliche Einheitensysteme in Amerika (Herkunft des Containers) und Europa (Herkunft der Europoolpalette) begründet. Wertvolles und teures Transportvolumen im Container würde so nicht optimal genutzt werden. Seit einiger Zeit hat sich eine Kunststoffpalette mit den für Containermaße optimierten Maßen 1140 × 1140 mm auf dem Markt durchgesetzt. Um herkömmliche Europaletten (1.200 x 800 mm) ohne Laderaumverlust in Containern transportieren zu können wurden für den europäischen Binnenverkehr an die Maße der ISO-Container angepasste, aber etwas breitere Binnencontainer eingeführt.

Kennzeichnung

Eine Europoolpalette des EPAL-Systems muss folgende Kennzeichnungen aufweisen, um als solche behandelt zu werden:[3]

  • Die Kennzeichnung EPAL am linken Eckklotz. Sie ist nicht zwingend notwendig, sondern nur ein Qualitätszeichen, wird aber oft verlangt; in Italien fast ausschließlich
  • Den Hersteller-Code, eine Signierklammer der Prüfer und eine Kennzeichnung der zur Herstellung zugelassenen Bahn (z. B. „CH“ für die Schweiz)
  • Bei reparierten Europaletten einen runden Prüfnagel am mittleren Klotz auf einer der beiden Längsseiten
  • Das Zeichen des Europäischen Paletten-Pools EUR am rechten Eckklotz
Linker Klotz
  • EPAL mit ovaler Umrandung (EPAL = European Pallet Association e. V.)
Mittlerer Klotz
  • Kennzeichen des Unternehmens mit Umrandung z. B. „DB“ für die Deutsche Bahn AG
  • Herstellungsland z. B. „D“ für Deutschland
  • Güteprüfklammer (unter dem D) und ggf. Reparaturnagel
  • Ziffern: Nummer des Herstellers – Herstellungsjahr – Herstellungsmonat
  • IPPC-Kennzeichnung für schädlingsfreies Holz
Rechter Klotz
  • EUR-Markenzeichen mit ovaler Umrandung

Gewichtsbelastungen einer Europalette

Die EUR-Flachpalette kann höchstens 1000 kg auf einem Punkt sowie maximal 2000 kg bei gleichmäßiger Verteilung tragen. Beschädigte und damit nicht tauschfähige Paletten haben oft eine wesentlich geringere Belastbarkeit.

Qualitätsunterschiede

Beschädigtes Deckbrett einer Europalette
Inoffiziell reparierte Europoolpalette

Man unterscheidet beim Europaletten-Tausch verschiedene Arten der Qualität, die für den jeweiligen Versender ausschlaggebend sind:

Neue Europalette
Direkt vom Hersteller an den Kunden geliefert. Üblich in der Lebensmittelindustrie sowie bei Arzneimitteln und sonstigen gegen Verschmutzung empfindliche Waren.
Neuwertige Europalette
Europalette, die in höchstens zwei Tauschvorgänge involviert war. Üblich bei Industriebetrieben, die ihre Verpackungsmaschinen auf Europaletten genormt haben. Unter anderem dürfen hier keine Holzsplitter von der Europalette abstehen oder fehlen.
Gebraucht/tauschfähige Europalette
Europalette, die aufgrund häufiger Benutzung bereits einige Mängel aufweist, etwa dunklere Holzfärbung oder kleine Absplitterungen. Diese Art wird bei den meisten Firmen und Speditionen benutzt.
Verbrauchte/nicht mehr tauschfähige Europalette
Bezieht sich auf eine verfaulte oder kaputte Europalette.
Reparierte Europaletten
Nicht mehr tauschfähige Europaletten werden von eingetragenen und von der EPAL lizenzierten Betrieben repariert. Solche Europaletten fallen wiederum in die Kategorie gebraucht/tauschfähig. Erkennen kann man reparierte Europaletten an einem runden Nagelsiegel im Mittelklotz, der ausschließlich von der EPAL vergeben wird.

In der Praxis weichen die Bewertungen insbesondere zwischen „tauschfähig“ und „nicht tauschfähig“ trotz einfacher Unterscheidungsregeln[4] voneinander ab.

Tauschkriterien

Ob Paletten „tauschfähig“ sind, ist definiert. Nicht tauschfähig sind Paletten laut EPAL, wenn[5]

  • die Palette nicht von einem lizenzierten Betrieb nach EPAL-Kriterien hergestellt wurde,
  • die EUR- oder andere Markierungen auf den Klötzen fehlen,
  • ein Brett fehlt,
  • Bretter so beschädigt sind, dass mehrere Nagelschäfte sichtbar sind,
  • ein Klotz fehlt oder so beschädigt ist, dass mehr als ein Nagelschaft sichtbar ist,
  • der Allgemeinzustand sehr schlecht ist (morsch, verschmutzt usw.),
  • die Palette von einem nicht lizenzierten Betrieb repariert wurde.

Die Bestimmungen zur Herstellung und Reparatur von EPAL-Europaletten sind bis hin zur Position der einzelnen Nägel umfangreich, und Verstöße werden regelmäßig straf- und zivilrechtlich verfolgt. Es befinden sich zahlreiche gefälschte Europaletten in Umlauf.

Gefälschte Europaletten. Besonders auffällig: die Paletten ganz ohne Kennzeichen am Klotz.

Oft wird von „einwandfreien Tauschpaletten“ geredet. Hierbei werden auch Paletten angenommen, die nicht zu 100 % den EPAL-Kriterien zur Tauschfähigkeit entsprechen.

Tauschvereinbarungen

Der Tausch bei Europaletten erfolgt nicht automatisch. Folgende Bedingungen sind für eine Tauschvereinbarung zwingend:

  • Es handelt sich um eine Europalette gemäß den Qualitätsunterschieden.
  • Der Versender weist bei Auftragsvergabe auf Europaletten hin.
  • Auf den Frachtpapieren ist die Anzahl der Europaletten vermerkt.
  • Der vom Spediteur beauftragte Frachtführer quittiert – in der Regel auf den Frachtpapieren/Lieferschein – die Anzahl der beim Kunden übernommenen Europaletten.

Ebenso ist zu beachten, dass ein Palettentausch nicht in allen Staaten üblich ist; selbst innerhalb der EU hat sich der Brauch, Paletten zu tauschen, nicht in allen Mitgliedsländern durchgesetzt. Die Schweizer Spediteure sind zum Jahresende 2007 aus dem Palettentausch ausgestiegen.[6] Der Palettentausch ist eine individuelle Vereinbarung zwischen Versender und Empfänger, eine Tauschverpflichtung (Gesetzesgrundlage) gibt es nicht. Eine kostengünstige Alternative zum Palettentausch ist Weiterverkauf der Paletten.

Verschleißfaktor

In Kontrakten zwischen Verladern und Spediteuren wird in der Regel ein Verschleißfaktor von 5 % zu Gunsten des Spediteurs in Ansatz gebracht.

Ausschluss

Vom Tausch können Europaletten nur ausgeschlossen werden, wenn

  • vom Absender Europaletten zur Verfügung gestellt werden, welche nicht den oben genannten Kriterien entsprechen,
  • beim Empfänger keine Europaletten in den oben genannten Kriterien vorhanden sind,
  • der Empfänger diese Europaletten mitgekauft hat.

Dies muss alles auf den Frachtpapieren vermerkt werden.

Tauschklauseln

Für den Ablauf des Tausches empfiehlt der Bundesverband Spedition und Logistik zwei verschiedene Klauseln:

Kölner Palettentausch

Die Europaletten werden Zug um Zug, das bedeutet bei der Beladestelle wie bei der Entladestelle, sofort getauscht. Der Verlader verpflichtet sich, dass die Anzahl der getauschten Europaletten auch beim Empfänger wieder zum Tausch bereitstehen. Diese Klausel findet meistens Anwendung im Direktverkehr.

Bonner Palettentausch

Die Europaletten werden vom Verlader bis zu einem gewissen Kontingent zur Verfügung gestellt und auch beim Empfänger nicht getauscht. Diese Klausel findet meistens Anwendung im Sammelgutverkehr.

Preis

Europoolpaletten werden zu Tagespreisen gehandelt. Der Preis hängt von Angebot und Nachfrage sowie Zustand und Behandlung der Palette ab (z. B. nach IPPC). Vom Verkaufspreis zu unterscheiden sind Mietpreise und Kautionen.

Im August 2011 betrug der Marktwert einer Europoolpalette ca. 8,50 €.[7]

Weblinks

 Commons: Europalette – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. EPAL Paletten-System auf: epal-pallets.de
  2. Kurze Geschichte der Europalette
  3.  Gerd Baumann et. al.: Logistische Prozesse für Berufe der Lagerlogistik. 16 Auflage. Bildungsverlag EINS, Köln 2010, ISBN 978-3441003601.
  4.  EPAL (Hrsg.): Tauschkriterien im Europäischen Paletten-Pool für EURO-Paletten. (http://www.gpal.de/userdata/File/Poster/Poster1_front_de.pdf, abgerufen am 1. Februar 2008).
  5.  GPAL (Hrsg.): Tauschkriterien im Europäischen Paletten-Pool. (http://www.gpal.de/index.php?&id=32, abgerufen am 1. Februar 2000).
  6.  ASTAG (Hrsg.): Ausstieg aus dem Palettentausch per 31. Dezember 2007. (http://static.23.nu/md/Pictures/ASTAGAusstiegPalettentausch.pdf, abgerufen am 1. Februar 2008).
  7. Godehard Weyerer: Das Maß aller Dinge in der Logistik. Der Siegeszug der Europalette. Deutschlandfunk, Sendung vom 26. August 2011