Euterhaarentferner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Leicht behaartes Euter einer Milchkuh

Bei einem Euterhaarentferner handelt es sich um ein Gerät, welches bei der Haltung von Milchkühen zur Entfernung von Euterhaaren eingesetzt wird. Häufig ist wegen der reduzierten Temperatur der Begriff Kalte Flamme im Gebrauch.[1]

Inhaltsverzeichnis

Verfahren [Bearbeiten]

Bei einem Euterhaarentferner handelt es sich um einen modifizierten Gasbrenner, bei der mit einer temperaturreduzierten Gasflamme die Haare am Euter von Milchkühen abgeflämmt werden.Nach veterinärmedizinischen Studien besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Depilation der Euterhaare und der Reinlichkeit der Zitzen.[2][3] Behaarte Euter sind schwieriger zu melken und zu reinigen und bleiben länger feucht. Insbesondere bei Melkrobotern wird zur besseren Zitzenerkennung eine Enthaarung empfohlen.[4] Zudem können Krankheitskeime oder Verunreinigungen mit den Haaren beim automatischen Melken mit in die Stutzen geraten und so die Milch mit Keimen versehen. Gerade im Winter besteht dadurch eine höhere Verschmutzungsgefahr.[5] Die Entfernung der Euterhaare dient so auch der Desinfektion und soll weitverbreitete Krankheiten wie Mastitis[6] und die Johnesche Krankheit vermindern.

Technische Umsetzung [Bearbeiten]

Bei einem Euterbrenner handelt sich um einen Gasbrenner, mit dem die Euterhaare durch Absengen mit einer maximal 200 Grad Celsius warmen, gelben Gasflamme aus einer gebogenen Lanze entfernt werden. Die Flamme hat eine weit größere Ausdehnung als bei den handelsüblichen Unkrautvernichtungsgeräten. Dabei wird die Sauerstoffzufuhr reduziert, um Temperaturspitzen zu vermeiden. Das Absengen der Haare geschieht zumeist alle 4-5 Wochen und benötigt nur wenige Sekunden pro Kuh.[5] Es wird unter anderem empfohlen, die Zitzen vor dem Sengen anzufeuchten.[4]

Nach Abschluss des Sengens wird empfohlen, die veraschten Haare von Hand oder mit einer Bürste zu entfernen und die Kuheuter einzucremen.[7] Solange die Kühe die Flamme nicht sehen, kommt es kaum zu Erschreckensreaktionen beim Flämmen.[5] Bei dem früher gebräuchlichen Rasieren der Euter mit elektrischen Haarschneidern wurden die Kühe erheblich stärker in Unruhe versetzt.[5] Zudem war es bei manchen Herden zu schwierig oder risikoreich, sich mit den Schermessern den Tieren zu nähern und die Haare mechanisch zu kürzen.

Geschichte [Bearbeiten]

Die regelmäßige Entfernung der Euterhaare wurde parallel zu der Mode der Körperhaarentfernung beim Menschen bereits Mitte des 20. Jahrhunderts in den USA empfohlen und kam von dort aus nach Mitteleuropa.[8]

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Boehringer Ingelheim (PDF; 126 kB)
  2. A. S. Silk, L. K. Fox, D. D. Hancock: Removal of Hair Surrounding the Teat and Associated Bacterial Counts on Teat Skin Surface, in Milk, and Intramammary Infections. In: Journal of Veterinary Medicine, Series B. 50, Nr. 9, 1. November 2003, S. 447-450. doi:10.1046/j.0931-1793.2003.00707.x.
  3. A. M. Elmoslemany, G. P. Keefe, I. R. Dohoo, B. M. Jayarao: Risk factors for bacteriological quality of bulk tank milk in Prince Edward Island dairy herds. Part 1: Overall risk factors. In: Journal of Dairy Science. 92, Nr. 6, 2009, S. 2634–2643. doi:10.3168/jds.2008-1812.
  4. a b Leitfaden „Einzug in das AMS“ Barbara Reitz, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten AELF Amberg (PDF; 32 kB), 10. August 2011
  5. a b c d Flame-clipping Udders on Dairy Cows. M. Gamroth, T. Downing, and A. Peters Ruddell, Oregon University, April 2000 (PDF; 316 kB)
  6. Jeffrey K. Reneau, DVM, MS, Milker Training Workshops: Udder preparation for quality milk production (PDF; 152 kB).
  7. Use good milking technique & consistent routine Dairy Autralia
  8. Der Lebensmitteltierarzt, Band 2 Autor Deutsche Tierarztliche Wochenschrift 1951