Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens

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Signet der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens
Karte
Karte der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens
Basisdaten
Fläche: 14.900 km²
Leitender Geistlicher: Landesbischof
Jochen Bohl
Präsident Landeskirchenamt: Johannes Kimme
Mitgliedschaften: VELKD, LWB, EKD
Regionen: 3
Kirchenkreise: 18
Kirchgemeinden: 770
Gemeindeglieder: 773.850 (31. Dezember 2010[1])
Ev. in % der Bev.: 20,5 % (31. Dezember 2010[2])
Offizielle Website: www.landeskirche-sachsen.de

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens (EvLKS) ist eine von 20 Gliedkirchen (Landeskirchen) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit Sitz in Dresden. Wie alle Landeskirchen ist sie eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Die Kirche hat 773.850 Gemeindeglieder (Stand: Dezember 2010) in 770 Kirchgemeinden. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens ist eine der lutherischen Kirchen innerhalb der EKD. Die Kirche ist auch Mitglied der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Die Hauptkirche des Landesbischofs ist der Dom zu Meißen. Die Landeskirche unterhält eine Evangelische Akademie in Meißen.

Inhaltsverzeichnis

Gebiet der Landeskirche [Bearbeiten]

Das Gebiet der „Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens“ umfasst das ehemalige Königreich bzw. den ehemaligen Freistaat Sachsen, in den Grenzen bis 1945 ohne das Gebiet um Bogatynia (Reichenauer Zipfel). Heute umfasst dieses Gebiet einen Großteil des Landes Sachsen und einen geringen Teil Thüringens.[3]

Geschichte [Bearbeiten]

Die Reformation wurde im albertinischen Sachsen 1539 offiziell eingeführt. Grundlage des Kirchenwesens war die Kirchenordnung von 1580. Die Leitung der Landeskirche lag beim Kirchenrat, dem Oberkonsistorium und mehreren Konsistorien. Der Landesherr fungierte als summus episcopus (landesherrliches Kirchenregiment). Da der Kurfürst 1697 katholisch wurde, übertrug er seine bischöflichen Rechte den in evangelicis beauftragten Geheimen Räten. Höchster Geistlicher Sachsens war der Oberhofprediger, der zugleich Vizepräsident des Oberkonsistoriums war.

Nach dem Wiener Kongress 1815 musste das Königreich einige seiner Gebiete an Preußen abgeben, das hiervon unter Einbeziehung anderer Gebiete die Provinz Sachsen bildete (siehe Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen).

1835 wurde ein Organisationsedikt erlassen, wonach die kirchliche Verwaltung auf die staatlichen Mittelbehörden (Kreisdirektionen) übertragen wurde. An der Spitze der Landeskirche stand das Kultusministerium, das in dieser Eigenschaft nur dem Kollegium der in evangelicius beauftragten Staatsminister verantwortlich war. Dieses Gremium nahm die Stellung des Bischofs ein, die der katholische Landesherr nicht ausfüllen konnte. Außerdem bestand in Dresden ein Landeskonsistorium als Mittelbehörde, die nur aus nebenamtlichen Beisitzern (unter einem juristischen Präsidenten) bestand und nur für kirchliche und pädagogische Examina zuständig war.

1868 erhielt die Landeskirche eine Kirchenvorstands- und Synodalordnung und 1871 wurde auf dieser Grundlage eine erste Landessynode gewählt. Im Zusammenhang mit einer umfassenden verfassungs- und Verwaltungsreform des Königreichs Sachsen wurde 1874 die kirchliche Verwaltung von der staatlichen Verwaltung getrennt. Oberste Kirchenbehörde war nun das Evangelisch-Lutherische Landeskonsistorium (nicht zu verwechseln mit dem eben erwähnten Landeskonsistorium), das weiter den in evangelicis beauftragen Staatsministern unterstand. Jedoch lagen „die Konsistorialgeschäfte der luther.[ischen] Kirche in der Oberlausitz […] der Kreishauptmannschaft Bautzen ob“.[4] Das Kultusministerium übte über die Landeskirche nur noch solche Aufsichtsrechte aus, die es auch über andere Religionsgemeinschaften hatte.

Nach dem Wegfall des landesherrlichen Kirchenregiments (1918) erhielt die Landeskirche 1922 eine überarbeitete Verfassung, die 1926 in Kraft trat. 1926 entfiel dann auch die separate Kirchenverwaltung der Kreishauptmannschaft Bautzen. Gemäß der neuen Kirchenordnung nannte sich die Kirche nunmehr Evangelisch-lutherische Landeskirche des Freistaats Sachsen. Dem leitenden Geistlichen, der bislang den Titel eines Oberhofpredigers getragen hatte, wurde die Amtsbezeichnung „Landesbischof“ beigelegt.

Nach dem Tod des ersten Landesbischofs der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, D. Ludwig Ihmels, am 7. Juni 1933 nutzte der sächsische Innenminister Fritsch die entstandene Vakanz, um am 30. Juni 1933 die Befugnisse sämtlicher kirchenleitender Organe (Landesbischof, Landeskirchenamt, ständiger Synodalausschuss) auf den Führer der Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer Pfarrer, Friedrich Coch, zu übertragen. Die Geheimräte im Landeskonsistorium, 7 Superintendenten und 14 Pfarrer wurden beurlaubt. Am 7. Dezember 1933 kamen die Pfarrer des „Pfarrernotbundes“, aus dem die „Bekennende Kirche“ hervorging, in der Dresdner Zionskirche zusammen. Indem sie Friedrich Coch als Irrlehrer die geistliche Führung absprachen, begann innerhalb der sächsischen Landeskirche der Kirchenkampf.

1945-1947 stand die Landeskirche unter der Leitung des Landessuperintendenten Franz Lau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei und war Mitbegründerin der VELKD. 1950 gab sie sich eine neue Verfassung, die mit Wirkung zum 1. Januar 2008 geändert wurde. Von 1974 bis 1981 war der sächsischen Landeskirche der ehemals hannoversche Konsistorialbezirk Ilfeld im Harz angegliedert.

In den Jahren 1954 und 1997 war sie Gastgeberin der Deutschen Evangelischen Kirchentage in Leipzig. Der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag fand vom 1. bis 5. Juni 2011 in Dresden statt.

Leitung der Landeskirche [Bearbeiten]

Landesbischof Jochen Bohl

An der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens steht der Landesbischof, der geistliche Leiter der Kirche. Er wird von der Landessynode gewählt und ist Vorsitzender der ebenfalls von der Synode gewählten Kirchenleitung.

Landesbischöfe seit 1922 [Bearbeiten]

Landessynode [Bearbeiten]

Als „Parlament“ hat die Landeskirche eine Landessynode. Deren Mitglieder, die Synodale, werden einerseits von den Kirchenvorständen auf 6 Jahre gewählt, andererseits von der Kirchenleitung berufen. Die Aufgabe der Synode ist ähnlich wie die von politischen Parlamenten. Die Landessynode wurde 1871 eingeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Synode 1948 wieder ihre Arbeit auf. Sie tagt in der Regel zweimal jährlich. Vorsitzender der 26. Legislaturperiode (2008 - 2014) ist der Präsident der Synode Otto Guse. Seine Vorgängerin war Präsidentin Gudrun Lindner.

Präsidenten der Synode [Bearbeiten]

Verwaltung der Landeskirche [Bearbeiten]

Landeskirchenamt

Landeskirchenamt und Verwaltungshierarchie [Bearbeiten]

Als konsistoriales Verfassungsorgan und oberste Verwaltungsbehörde der Landeskirche besteht in Dresden das Landeskirchenamt mit dem Präsidenten an der Spitze. Er vertritt die Landeskirche rechtlich. Das Landeskirchenamt ist grundsätzlich für die Verwaltung aller Angelegenheiten der Landeskirche zuständig. Die Behörde ist in Acht Dezernate und zugeordnete Bereiche; drei Regionalkirchenämter, Pressestelle u.a. gegliedert. Der Landesbischof, der Präsident und die acht Oberlandeskirchenräte (Mitglieder des Landeskirchenamtes) als Leiter der Dezernate bilden das Kollegium.

Das Landeskirchenamt ist Sitz der Kirchenleitung, die aus dem Landesbischof als Vorsitzender, dem Präsidenten und sechs Mitgliedern des Landeskirchenamtes, dem Präsidenten der Landessynode und neun weiteren durch die Landessynode gewählten Mitgliedern besteht.

Präsidenten des Ev.-Luth. Landeskonsistoriums (bis 1933) bzw. des Landeskirchenamts [Bearbeiten]

Ab 2008 wurde eine Verwaltungsstrukturreform durchgeführt. Mit Wirkung vom 1. Januar 2008 ist die Landeskirche in der Verwaltungshierarchie von unten nach oben wie folgt aufgebaut:[5]

An der Basis stehen die Kirchgemeinden als Körperschaften des öffentlichen Rechts. Sie werden von gewählten und berufenen Kirchenvorstehern und dem Pfarrer bzw. der Pfarrerin verwaltet. Einige Kirchgemeinden haben sich zu Kirchspielen zusammengeschlossen.

Mehrere Kirchgemeinden bilden zusammen einen Kirchenbezirk (auch „Ephorie“ genannt, in der staatlichen Verwaltung einem Landkreis vergleichbar), an dessen Spitze ein Superintendent steht. Derzeit existieren 18 Kirchenbezirke.[6] Die Kirchenbezirke haben als Leitungsorgane die Kirchenbezirkssynode und einen Kirchenbezirksvorstand. Die Mitglieder der Kirchenbezirkssynode werden von den jeweiligen Kirchenvorstehern gewählt. Die Kirchenbezirke sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und haben als solche das Recht der Selbstverwaltung. Zugleich sind sie Verwaltungsgliederungen der Landeskirche (Doppelnatur des Kirchenbezirks). Rechtlich werden die Bezirke durch den Kirchenbezirksvorstand vertreten.

Die Kirchenbezirke sind einem der drei Regionalkirchenämter zugeordnet (in der staatlichen Verwaltung den ehemaligen Landesdirektionen vergleichbar).

Regionalkirchenämter und Kirchenbezirke [Bearbeiten]

  • Regionalkirchenamt Chemnitz
    • Kirchenbezirk Annaberg[7]
    • Kirchenbezirk Aue[8]
    • Kirchenbezirk Auerbach[9]
    • Kirchenbezirk Chemnitz[10]
    • Kirchenbezirk Marienberg[11]
    • Kirchenbezirk Plauen[12]
    • Kirchenbezirk Zwickau[13]
  • Regionalkirchenamt Dresden
  • Regionalkirchenamt Leipzig
    • Kirchenbezirk Leipziger Land[21]
    • Kirchenbezirk Leipzig[22]
    • Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz[23]
    • Kirchenbezirk Glauchau-Rochlitz[24]

Kirchgemeinden [Bearbeiten]

Die 18 Kirchenbezirke sind in 770 Kirchgemeinden und Kirchspiele unterteilt.[25]

Gesangbücher [Bearbeiten]

Die Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens singen bzw. sangen in den letzten Jahrzeiten vor allem aus folgenden Gesangbüchern:

  • Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Landeskirche des Königreichs Sachsen; eingeführt 1883 (späterer neuer Titel des Gesangbuchs: Gesangbuch für die evang.-lutherische Landeskirche Sachsens)
  • Evangelisches Kirchengesangbuch (EKG) – Ausgabe für die Evang.-Lutherische Landeskirche Sachsens; eingeführt 1950
  • Evangelisches Kirchengesangbuch (EKG) – Ausgabe für die Evang.-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs, Evang.-luth. Landeskirche Sachsens, Evang.-lutherische Kirche in Thüringen, eingeführt in allen lutherischen Kirchen der DDR im Jahre 1975
  • Evangelisches Gesangbuch (EG) – Ausgabe für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens; eingeführt ca. 1994[26]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Evangelische Landeskirche Sachsen
  2. Quelle: http://www.ekd.de/download/Ber_Kirchenmitglieder_2010.pdf
  3. Das heutige Gebiet der Landeskirche
  4. Cf. Paul Langhans, Justus Perthes´ Staatsbürger-Atlas: 24 Kartenblätter mit über 60 Darstellungen zur Verfassung und Verwaltung des Deutschen Reichs und der Bundesstaaten (11896), Gotha: Perthes, 21896, p. 10. Hinzufügung und Auslassung in eckigen Klammern nicht im Original.
  5. Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens – Struktur
  6. Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens – Kirchenbezirke
  7. Kirchenbezirk Annaberg
  8. Kirchenbezirk Aue
  9. Kirchenbezirk Auerbach
  10. Kirchenbezirk Chemnitz
  11. Kirchenbezirk Marienberg
  12. Kirchenbezirk Plauen
  13. Kirchenbezirk Zwickau
  14. Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz
  15. Kirchenbezirk Dresden Mitte
  16. Kirchenbezirk Dresden Nord
  17. Kirchenbezirk Freiberg
  18. Kirchenbezirk Löbau-Zittau
  19. Kirchenbezirk Meißen-Großenhain
  20. Kirchenbezirk Pirna
  21. Kirchenbezirk Leipziger Land
  22. Kirchenbezirk Leipzig
  23. Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz
  24. Kirchenbezirk Glauchau-Rochlitz
  25. Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens – Kirchgemeinden
  26. Gesangbuchverlag

Quellen für Korrekturen Landeskonsistorium/Landeskirchenamt 30. März 2007: Landeskirchenarchiv der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Best. 2, Landeskirchenamt

Literatur [Bearbeiten]

  • Gerhard Graf; Markus Hein: Kleine Kirchengeschichte Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2007, ISBN 978-3-374-02283-0
  • Markus Hein: Die sächsische Landeskirche nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (1945–1948). Neubildung der Kirchenleitung und die Selbstreinigung der Pfarrerschaft. (Herbergen der Christenheit, Bd. 6, Sonderband), Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01918-8
  • Heinrich Herzog: Beitrag zur Geschichte des sächsischen Konsistorialgesetzes vom 15. April 1873. Herbergen der Christenheit 1969, S. 149–211