Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig

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Karte
Karte der Evangelische-lutherischen Landeskirche in Braunschweig
Basisdaten
Fläche:  ? km²
Leitender Geistlicher: Landesbischof
Christoph Meyns
Mitgliedschaft: VELKD, EKD,
Konf. ev. Kirchen in Nds.,
LWB und ÖRK
Propsteien: 13
Kirchengemeinden: 406 (2012)[1]
Kirchen und Kapellen: 394 (2012)[1]
Gemeindeglieder: 370.007 (2012)[1]
Pfarrer: 297 (2012)[1]
Ev. in % der Bev.: 46,0% (31. Dezember 2010)[2]
Offizielle Website: www.landeskirche-braunschweig.de/

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig (bis 1970 Braunschweigische evangelisch-lutherische Landeskirche) ist eine von 20 Gliedkirchen (Landeskirchen) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Wie alle Landeskirchen ist sie eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie hat ihren Sitz in Wolfenbüttel.

Der Kirche gehören 370.007 Gemeindeglieder (Stand: 2012) in 406 Kirchengemeinden an, die in 13 Propsteien zusammengefasst sind. Sie ist ferner Mitglied der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), des Lutherischen Weltbundes und des Ökumenischen Rates der Kirchen. Auf regionaler Ebene gehört sie zur Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Hauptkirche der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig ist als Hauptpredigtstätte des Landesbischofs und als selbständige Stiftung der Landeskirche der Braunschweiger Dom St. Blasii (Art. 72 Kirchenverfassung). Eine weitere bedeutende Kirche ist die Wolfenbütteler Marienkirche, die in früheren Jahrhunderten als Sitz des Obersten Generalsuperintendenten („Generalissimus Superintendens“) die wichtigste Kirche des Herzogtums war. Insgesamt unterhält die Landeskirche rund 480 Kirchen und Kapellen.

Gebiet der Landeskirche[Bearbeiten]

Das Gebiet der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig umfasst Teile des ehemaligen Freistaates Braunschweig, der bis 1946 bestand und danach zum Großteil im Land Niedersachsen aufging. Lediglich Teile um Blankenburg im Harz sowie das Gebiet um Calvörde wurden seinerzeit dem Land Sachsen-Anhalt und damit später der DDR zugeordnet. 1992 wurden die Exklaven in Sachsen-Anhalt wieder Teil der Landeskirche Braunschweigs.

Bereits 1942 war das Gebiet des Landes Braunschweig und damit auch das Gebiet der Landeskirche Braunschweig verändert worden: Durch Gebietstausch mit der preußischen Provinz Hannover wurde die braunschweigische Stadt Salzgitter gegründet, und dem Land Braunschweig wurden die Stadt Goslar mit ihrer Umgebung im Vorharz zugeschlagen. Der Provinz Hannover hingegen wurde der zuvor braunschweigische Weserkreis um Holzminden zugeschlagen. Die bis 1972 zum Landkreis Braunschweig zählende Gemeinde Thedinghausen (heute im Landkreis Verden) gehört seit 1942 zur Landeskirche Hannover.

Auf die heutige Verwaltungsgliederung in den Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bezogen, umfasst die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig folgende Gebiete:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Landeskirche ist untrennbar mit der Geschichte des Landes Braunschweig verbunden, das mehrmals in verschiedene Linien aufgeteilt, dann wieder zusammengeführt wurde und dadurch seine Grenzen mehrmals veränderte. Auch seine Bezeichnung wechselte mehrmals zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel, wobei sich erst im 19. Jahrhundert die Bezeichnung Herzogtum Braunschweig durchsetzte.

Nach mehreren Versuchen hatte das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel 1568 endgültig die Reformation nach lutherischem Vorbild eingeführt und 1569 erhielt das Land eine erste Kirchenordnung. Zuvor gehörte das Gebiet kirchlich meist zu den Bistümern Hildesheim und Halberstadt. Große Bedeutung für das Land Braunschweig hatte die von Herzog Julius (1528−1589), Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, gegründete welfische Universität Helmstedt (Academia Julia oder Academia Julia Carolina oder academia helmstadiensis), die von 1576 bis 1810 bestand und zugleich die erste protestantische Neugründung einer Universität in Norddeutschland war.

Im 16. Jahrhundert wurde das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel erweitert um Teile des Hochstifts Hildesheim, sowie um die Fürstentümer Göttingen und Calenberg sowie um die Grafschaft Blankenburg. Nach Aussterben der Wolfenbütteler Linie 1634 kamen die verbleibenden aus 3 getrennten Teilen bestehenden Lande an die Linie Lüneburg-Dannenberg. 1704 wurden auch andere Bekenntnisse, wie die inzwischen bestehende reformierte Gemeinde sowie wieder neu entstandene katholische Gemeinden toleriert. 1754 wurde die Residenz von Wolfenbüttel nach Braunschweig verlegt.

Nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde das Land nochmals vergrößert, dann kam es 1807 zum Königreich Westphalen bevor es 1813 als eigenständiges Land wiederhergestellt wurde. 1815 trat es dem Deutschen Bund bei, und 1871 wurde es ein Gliedstaat des Deutschen Reichs. Oberhaupt der Kirche im Herzogtum Braunschweig war der jeweilige Herzog als summus episcopus. Die Verwaltung der Kirche oblag dem Konsistorium in Wolfenbüttel. Geistlicher Leiter war ein Superintendent.

Nach dem Ersten Weltkrieg (Wegfall des Landesherrlichen Kirchenregiments) wurde die Braunschweigische Landeskirche selbständig und erhielt am 6. Januar 1922 eine neue Verfassung. Seither steht an der Spitze der Landeskirche nunmehr der Landesbischof. Das Konsistorium wurde zum Landeskirchenamt. Träger der Kirchengewalt ist der neu eingerichtete Landeskirchentag, der den Landesbischof, die Mitglieder der Kirchenregierung sowie die Mitglieder des Kollegiums des Landeskirchenamts wählt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig Gründungsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). 1971 schloss sie sich der neu gegründeten Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen an.

Seit 1976 gehören die ehemals braunschweigischen Gemeinden Lunsen und Thedinghausen nach fast 300 Jahren zur Landeskirche Hannover. Die Gemeinden waren 1679 von der bremischen Kirche an die braunschweigische Kirche gekommen. Bis heute wird gelegentlich eine Fusion der Landeskirchen auf niedersächsischem Gebiet zu einer gemeinsamen Landeskirche ins Gespräch gebracht.

Präsidenten des Landeskonsistoriums[Bearbeiten]

Leitender Geistlicher[Bearbeiten]

An der Spitze der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig steht der Landesbischof, der von der Landessynode gewählt wird. Nach Vollendung seines 65. Lebensjahres tritt der Bischof in der Regel in den Ruhestand.

Als Nachfolger für den im Mai 2014 in den Ruhestand getretenen Landesbischof Friedrich Weber wählte die Landessynode am 23. November 2013 den Theologen Christoph Meyns (* 1962).[3] Er trat das Amt am 1. Juni 2014 an.[4]

Landesbischöfe[Bearbeiten]

Altbischof Friedrich Weber (2002–2014)
Amtszeit Name Bemerkung
1923–1933 Alexander Bernewitz (1863−1935)
1933–1934 Wilhelm Beye (1903−1975) (wurde abgesetzt)
193400000 Oskar Evers (1889−1961) Bevollmächtigter der DEK
1934–1947 Helmuth Johnsen (1891−1947)
1947–1965 Martin Erdmann (1896−1977)
1965–1982 Gerhard Heintze (1912−2006)
1982–1994 Gerhard Müller (* 1929)
1994–2002 Christian Krause (* 1940)
2002– Mai 2014 Friedrich Weber (* 1949)
Juni 2014–… Christoph Meyns (* 1962)

Landessynode[Bearbeiten]

Als „Parlament“ hat die Landeskirche eine Landessynode. Deren Mitglieder, die Synodale, werden überwiegend von den Propsteien gewählt, einige auch von der Kirchenregierung berufen. Ihr Vorsitzender ist der Präsident der Synode, derzeit Gerhard Eckels. Die Synode tagt etwa zweimal im Jahr. Ihre Aufgaben ähneln denen politischer Parlamente.

Verwaltung der Landeskirche[Bearbeiten]

Die Kirchenregierung und das Landeskirchenamt[Bearbeiten]

Der Landesbischof hat seinen Amtssitz in Wolfenbüttel im Landeskirchenamt. Er ist Vorsitzender der Kirchenregierung. Ihr gehören neben dem Landesbischof ein nichtordiniertes Mitglied des Landeskirchenamts, drei nichtordinierte und zwei ordinierte Synodale an.

Die Kirchenregierung hat folgende Aufgaben:

  • Oberaufsicht über alle kirchlichen Stellen innerhalb der Landeskirche
  • Verkündigung der Kirchengesetze
  • Erlass von Kirchenverordnungen
  • Mitwirkung bei der Besetzung der Pfarrstellen
  • Berufung und Ernennung der Pfarrer, Pfarrverwalter und Beamten der Landeskirche
  • Erlass von Satzungen

Das Landeskirchenamt ist die Oberste Dienstbehörde der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Der Landesbischof ist Vorsitzender. Das Landeskirchenamt hat folgende Aufgaben:

  • Führung der Verwaltung der Landeskirche nach dem geltenden Recht, nach dem Haushaltsplan und den allgemeinen Verwaltungsvorschriften
  • Führung der Aufsicht über die Inhaber von kirchlichen Dienststellungen und das kirchliche Vermögen
  • Genehmigungsbehörde für Beschlüsse der Organe der Kirchengemeinden und Propsteien
  • kirchliche Stiftungsaufsicht

Das Landeskirchenamt ist wie folgt gegliedert:

  • Landesbischof: Vorsitzender des Landeskirchenamtes (seit 2014 Christoph Meyns)
  • Abteilung 1: Personal
  • Abteilung 2: Theologische Abteilung (Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer, Stellvertreter des Landesbischofs)
  • Abteilung 3: Recht
  • Abteilung 4: Finanzen

Verwaltungshierarchie[Bearbeiten]

In der Verwaltungshierarchie ist die Landeskirche von unten nach oben wie folgt aufgebaut:

  • An der Basis stehen die Kirchengemeinden als Körperschaften des öffentlichen Rechts mit gewählten Kirchenvorständen, den Kirchenverordneten und den Pfarrern. Die Kirchenverordneten werden von den Gemeindegliedern gewählt.
  • Mehrere Kirchengemeinden bilden zusammen eine Propstei (in der allgemeinen Verwaltung einem Landkreis vergleichbar), an dessen Spitze ein Propst steht. Die Propsteien sind ebenfalls Körperschaften des öffentlichen Rechts und haben als Gremium die Propsteisynode mit einem Propsteivorstand. Die Mitglieder der Propsteisynode werden von den jeweiligen Kirchenverordneten der Kirchengemeinden gewählt.
  • Die 13 Propsteien bilden die Landeskirche (in der allgemeinen Verwaltung dem Bundesland vergleichbar).

Eine mittlere Ebene (in der allgemeinen Verwaltung einem Regierungsbezirk vergleichbar) gibt es in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig nicht.

Propsteien[Bearbeiten]

Kirchengemeinden[Bearbeiten]

Die 13 Propsteien repräsentieren 406 Kirchengemeinden.

Gesangbücher[Bearbeiten]

Die Gemeinden der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig singen bzw. sangen in den letzten Jahrzehnten vor allem aus folgenden Gesangbüchern:

  • Das singende Zion oder das alte Goslar'sche Gesangbuch in einem Auszuge neu aufgelegt, nebst einigen anderen Gesängen, Goslar, 1853
  • Neues Braunschweigisches Gesangbuch nebst einem kurzen Gebetbuche zum öffentlichen und häuslichen Gottesdienste. Mit Hochfürstlich Braunschw. Lüneburg. gnädigstem Special-Privilegio, Braunschweig, mit Regulativ vom 22. Januar 1780 zu Ostern in der Stadt Braunschweig eingeführt
  • Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche des Herzogtums Braunschweig vom Jahre 1902, Wolfenbüttel, ab 1902
  • Evangelisches Kirchengesangbuch – Ausgabe für die evangelisch-lutherischen Kirchen Niedersachsens - Braunschweig - Hannover/Göttingen, mit Rundschreiben vom 10. November 1949 zur Konfirmation 1950 angekündigt
  • Evangelisches Gesangbuch – Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Niedersachsen und für die Bremische Evangelische Kirche, Hannover/Göttingen, eingeführt im Advent 1994

Mission[Bearbeiten]

Als gemeinsame Einrichtung der ev.-luth. Landeskirchen Hannovers, Braunschweigs und Schaumburg-Lippes pflegt das 1977 gegründete Evangelisch-lutherische Missionswerk in Niedersachsen (ELM) die partnerschaftlichen Beziehungen der braunschweigischen Landeskirche zur Tamil Evangelisch-Lutherischen Kirche in Indien. Sitz des ELM ist Hermannsburg in der Südheide.

Einrichtungen der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen[Bearbeiten]

Die ev.-luth. Landeskirche Braunschweig gehört zu den Trägern der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen (EEB Niedersachsen) und des Kirchlichen Dienstes in Polizei und Zoll der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Beide Einrichtungen sind dem Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannovers zugeordnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Erich Pollmann (Hrsg.): Der schwierige Weg in die Nachkriegszeit. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Braunschweig 1945–1950 (= Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens, 34). Im Auftrag der Kommission der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig für Braunschweiger Kirchliche Zeitgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995, ISBN 3-525-55239-4.
  • Klaus Erich Pollmann (Hrsg.): Kirche in den fünfziger Jahren. Die Braunschweigische Evangelisch-Lutherische Landeskirche. Im Auftrag der Kommission der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig für Braunschweiger Kirchliche Zeitgeschichte. Landeskirchliches Archiv, Braunschweig 1997, ISBN 3-00-002207-4.
  • Von der Taufe der Sachsen zur Kirche in Niedersachsen. Geschichte der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, hg. von Friedrich Weber, Birgit Hoffmann, Hans-Jürgen Engelking, Braunschweig 2010,
  • Friedrich Weber, Kirche in unserer Zeit. Quellen und Perspektiven, Wolfenbüttel 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Braunschweig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Website der Landeskirche in Braunschweig
  2. Quelle: http://www.ekd.de/download/Ber_Kirchenmitglieder_2010.pdf
  3. Meldung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig vom 23. November 2013, abgerufen am 24. November 2013
  4. Meldung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig vom 2. Juni 2014, abgerufen am 3. Juni 2014.

52.1600510.549581Koordinaten: 52° 9′ 36″ N, 10° 32′ 58″ O