Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden

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Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden
Logo der reformierten Landeskirche Graubünden
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Allgemeines
Glaubensrichtung evangelisch-reformiert
Verbreitung Graubünden
Gründung
Gründungsdatum 1537
Zahlen
Mitglieder ca. 70.000[1]
Gemeinden 114[1]
Sonstiges
Website www.gr-ref.ch

Die Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden ist die reformierte Landeskirche im Schweizer Kanton Graubünden und gehört zum Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund. Sie umfasst alle Bürger im Kantonsgebiet reformierter, evangelischer oder protestantischer Konfession, die von Geburt bzw. Taufe an hinzugehören und nicht ihren Austritt erklärt haben.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche St. Cassian in Sils im Domleschg, seit 1525/30 reformiert

Die Ursprünge der Landeskirche liegen in der Reformationszeit. Die Ideen von Martin Luther und Huldrych Zwingli fanden ihren Weg bis ins Bünderland und gewannen dort Anhänger. Die einzelnen Gemeinden im Bündnerland konnten ihre Konfession seit dem Ilanzer Religionsgespräch 1526 und den unter Federführung von Johannes Comander verfassten Ilanzer Artikeln selbst bestimmen, so dass das Bekenntnis von Gemeinde zu Gemeinde variieren konnte.[2] Je nach dem, für welches Bekenntnis sich die Mehrheit der Bürger entschied, wechselte das Gotteshaus den Besitz, kam also in reformierte Hand oder blieb römisch-katholisch.

Die ersten Vorläufer einer Bündner Landeskirche liegen im Jahre 1537, dem Gründungsjahr der Bündner Synode.[3] Diese Versammlung der Bündner Pfarrschaft besteht bis heute und hat die Aufgabe, Kandidatinnen und Kandidaten, die ein Pfarramt übernehmen wollen, zu prüfen.

Im 18. Jahrhundert wurde die Bündnerkirche von zwei Auseinandersetzungen erschüttert, dem Bündner Prädikantenstreik von 1790 und dem Bündner Herrnhuterstreit.

Organisation[Bearbeiten]

Die reformierte Bündnerkirche als die einzige dreisprachige evangelische Landeskirche der Schweiz
Verwaltungsgebäude der Landeskirche in Chur

Aufbau und Struktur[Bearbeiten]

Derzeit (Stand: 2013) zählt sie ca. 70'000 Mitglieder in ungefähr 90 Bündner Kirchgemeinden. Der Verwaltungssitz der Landeskirche befindet sich in der Loestrasse 60 in Chur.

Gegliedert ist die flächenmässig grösste Schweizer Kantonalkirche in zehn regionale Kolloquien, welche Vernehmlassungsorgane der kirchlichen Gesetzgebung sind.

Höchstes Organ der Landeskirche ist der Evangelische Grosse Rat, dem sowohl die Abgeordneten der Kolloquien angehören als auch die reformierten Politiker des (politischen) Grossen Rates, die sich zur Mitarbeit bereiterklärt haben.

Leitungsgremium (Exekutive) der Landeskirche ist der siebenköpfige Kirchenrat und wird zur Zeit von Andreas Thöny präsidiert, der von Lini Sutter-Ambühl das Amt übernahm.[4]

Synode[Bearbeiten]

Ein Bündner Unikum ist die jährlich um das letzte Juni-Wochenende an wechselnden Orten im Kanton stattfindende Synode, die seit 1537 besteht. Dieser gehören nicht – wie sonst im Protestantismus üblich – „Laien“ an, sondern sie umfasst alle Geistlichen, die im Kanton wohnen, sowohl die Amtsinhaber in den Gemeinden als auch die Pensionierten. Der Synode obliegt es, von den Gemeinden gewählte neue Geistliche zu prüfen und über ihre definitive Wählbarkeit zu befinden. Geleitet wird die Synode von einem dreiköpfigen Dekanat (Dekan und zwei Vize-Dekane). Derzeitiger Dekan ist Thomas Gottschall aus Trimmis. Bei der Synode 2014 wurde Cornelia Camichel Bromeis aus Davos zu seiner Nachfolgerin gewählt. Sie wird ihr Amt zum 1. Januar 2015 antreten.[5]

Neustrukturierung und Verfassungsrevision[Bearbeiten]

Zum 1. Januar 2008 trat in der Bündner Kirche eine grössere Neustrukturierung in Kraft, die im Wesentlichen auf eine verstärkte regionale Zusammenarbeit kleinerer Gemeinden abzielte, um Ressourcen zu bündeln. Dadurch entstanden zahlreiche neue Pastorationsgemeinschaften, Gemeindefusionen und übergemeindliche Zweckverbände wie z.B. Il Binsaun im Oberengadin.

2011 begann eine Vernehmlassung im Blick auf eine umfassende Verfassungsrevision[6], die die alte unter Dekan Martin Accola erarbeitete Verfassung von 1978 ersetzen soll.

Gebräuche und Traditionen[Bearbeiten]

Amtstracht[Bearbeiten]

Die traditionelle Amtskleidung der Bündner Pfarrschaft ist der Scaletta-Mantel.

Gesangbücher[Bearbeiten]

Als Gesangbücher sind in den einzelnen Gemeinden jeweils in Gebrauch:

Bibeln[Bearbeiten]

Die engadinerromanische Soncha Scrittüra

Bibeln werden folgende verwendet:

Kirchenmusik[Bearbeiten]

Die Pflege der Kirchenmusik und die Ausbildung der Fachpersonen obliegt dem kantonalkirchlichen Verband Vogra.

Medien[Bearbeiten]

reformiert.[Bearbeiten]

Monatlich erscheinendes Publikationsorgan ist die Zeitschrift reformiert., die 2008 den früheren „Bündner Kirchenboten“ ablöste. In Verantwortung einer eigenen Redaktion liegt die Engadiner Beilage Nossa baselgia.

Pastoralbibliothek[Bearbeiten]

Die Landeskirche unterhält eine eigene Pastoralbibliothek. Diese ist seit 1910 in den Räumlichkeiten der Kantonsbibliothek Graubünden untergebracht und wird von Pfarrer Daniel Bolliger (Waltensburg-Schnaus) betreut.[7]

Kirchliche Mediothek[Bearbeiten]

Am Obertor in Chur ist die reformierte Bündnerkirche an der Kirchlichen Mediothek beteiligt, die von der katholischen Landeskirche Graubünden betrieben wird.[8]

Wikipedia[Bearbeiten]

Pfarrer David Last, Sagogn / Laax / Falera

Die Bündner Landeskirche war die schweizweit erste, die sämtliche ihrer fast 200 Kirchengebäude in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia dokumentiert hat, was zu einem grossen Medienecho führte. Für den Grossteil der Beiträge in deutscher Sprache und in den rätoromanischen Idiomen Vallader und Puter zeichnete der Sagogner, ehemals Pontresiner Pfarrer David Last (* 1969) verantwortlich.[9][10][11][12][13][14] Daneben steuerte der Zollikoner Primarlehrer Adrian Michael Artikel und Fotografien bei.

Literatur[Bearbeiten]

  • Evangelischer Kirchenrat Graubünden (Hrsg. im Auftrag der Evangelisch-reformierten Synode des Kantons Graubünden): Bündner Kirchengeschichte. Bischofberger, Chur.
    • Teil 1: Vom Rätischen Heidentum bis zur Reformation. 1982.
    • Teil 2: Die Reformation. 1986.
    • Teil 3: Die Gegenreformation. 1986, ISBN 3-905174-01-4.
    • Teil 4: Die letzten drei Jahrhunderte. Bewahrung und Wandlung. 1987, ISBN 3-905174-02-2.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Amtsbericht 2011. Kennzahlen. Behörden, Kommissionen und Beauftragte. Stand vom 31. Dezember 2011. Evangelischer Kirchenrat Graubünden, Kurt Bosshard, Kirchenratsaktuar, 2012, abgerufen am 18. Oktober 2012.
  2. Bündner Kirchengeschichte. 2. Teil. S. 51.
  3. Bündner Kirchengeschichte. 2. Teil. S. 73.
  4. [1]
  5. «Ein historischer Moment» auf www.gr-ref.ch
  6. http://www.verfassungsrevision.ch/
  7. http://gr-ref.ch/pastoralbibliothek
  8. http://www.gr.kath.ch/index.php?idcat=6
  9. http://www.ref.ch/index.php?id=426
  10. http://www.reformiert.info/artikel_6807.html
  11. http://www.reformiert.info/artikel_8307.html
  12. Zehn Jahre Wikipedia – diese Schweizer haben sich der Enzyklopädie verschrieben, in: SonntagsZeitung vom 16. Januar 2011, S. 74
  13. Das Schanfigg in der Wikipedia, in: Aroser Zeitung vom 10. September 2010, S. 15
  14. Barbara Schellenberg: Der Kampf mit dem eigenen Ego, in: Engadiner Wochenzeitung vom 6. Oktober 2010, S. 21

46.8572049.537664Koordinaten: 46° 51′ 26″ N, 9° 32′ 16″ O; CH1903: 760051 / 191704