Evangelische Volkspartei

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Evangelische Volkspartei

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Gründungsdatum: 10. Mai 1919
Gründungsort: Brugg
Präsidium: Marianne Streiff
Generalsekretär: Joel Blunier
Mitglieder: 4'600[1]
(Stand: 2014)
Frauenanteil: im Nationalrat 100 %,
in der Partei 42 %
Wähleranteil: 2,4 %
(Stand: NR-Wahlen 2007)
Nationalrat: 2 Sitze (1,0 %)
Ständerat: 0 Sitze
Fraktion (BV): CVP/EVP-Fraktion
Kantonale Parlamente: 40 Sitze (1,5 %)[2]
(Stand: März 2014)
Kantonale Regierungen: 0 Sitze[3]
(Stand: März 2014)
Parteigliederung: 16 Kantonalparteien
Gruppierungen: *jevp
Europapartei: Europäische Christliche Politische Bewegung
Website: www.evppev.ch

Die Evangelische Volkspartei der Schweiz (französisch Parti Evangelique Suisse, italienisch Partito Evangelico Svizzero) ist eine evangelisch-christliche Schweizer Partei. Sie gehört zur politischen Mitte.

Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2007 erreichte die EVP einen Stimmenanteil von 2,4 Prozent, verlor im Nationalrat einen Sitz und verfügt seither wieder nur über zwei Sitze.[4] Sie schloss sich mit den Grünliberalen und der CVP zu einer Fraktion zusammen. Als Grundlage hierfür wurde eine Stärkung der politischen Mitte angeführt. Seit 2011 bilden die EVP und die CVP eine gemeinsame Fraktion, da die Grünliberalen eine eigene Fraktion gebildet haben.

Stimmenanteile der EVP

Mitgliederbasis und politische Positionen[Bearbeiten]

Ihre Mitglieder bezeichnen sich als überzeugte Christen. Rund 60 Prozent kommen aus der reformierten Landeskirche, weitere 10 Prozent aus der Evangelisch-methodistischen Kirche, die übrigen aus weiteren Freikirchen, es gibt jedoch auch einige Katholiken. Bei Fragen der Umverteilung und der Bildung sowie bei Umweltthemen, Ausländer- und Asylpolitik steht die EVP eher links; bei Themen wie Sterbehilfe, Abtreibung oder Partnerschaftsgesetz ist sie eher konservativ. In wirtschafts- und finanzpolitischen Sachfragen vertritt die EVP Positionen der politischen Mitte.

Organisation und Mandatsträger[Bearbeiten]

Die EVP hat sechzehn Kantonalparteien und ist in elf Kantonsparlamenten vertreten.

Die EVP stellt zwei Vertreter im Nationalrat, welche der CVP/EVP/glp-Fraktion angehören.

Parteipräsidentin seit 2014 ist Marianne Streiff. Generalsekretär ist seit 2002 Joel Blunier. Die Partei ist Mitglied der Parteien-Vereinigung Europäische Christliche Politische Bewegung.

Im Mai 2004 wurde im Waadtland die erste rein französischsprachige Kantonalpartei gegründet. Seit August 2004 existiert die Junge EVP mit dem Namen *jevp, die bisher aber erst wenige hundert Mitglieder hat. Präsidenten der Jungen EVP sind seit 2009 Sara Fritz und Roman Rutz.

Geschichte[Bearbeiten]

1917 wurde in der Freien Kirche Uster die «Protestantisch-christliche Partei» gegründet, und 1918 in Bern die «Politische Vereinigung christlicher Bürger». Auf Initiative der Berner wurde vor den Nationalratswahlen 1919 die Evangelische Volkspartei der Schweiz in Brugg gegründet. Bei diesen Wahlen gelang der EVP der Gewinn eines Nationalrats-Sitzes im Kanton Zürich. Diesen Sitz behielt die EVP bis zu ihrem vorübergehenden Ausscheiden aus dem nationalen Parlament 1939. Vier Jahre später gelang ihr bereits der Rückgewinn, 1959 gewann sie einen zweiten, 1963 einen dritten Sitz. Diese Anzahl von 3 Sitzen blieb unverändert, bis die EVP 1995 einen Sitzverlust verzeichnen musste, den sie aber schon bei den Wahlen 1999 wieder ausgleichen konnte.

Seit 1951 bildete die EVP im Nationalrat eine gemeinsame Fraktion mit den Demokraten, danach zwischen 1971 und 1979 mit der Liberalen Partei, anschliessend ab 1979 bis zu dessen Auflösung 1999 mit dem Landesring der Unabhängigen. Zwischen 2003 und 2007 existierte eine Fraktion der drei EVP-Vertreter mit den zwei Nationalräten der evangelikal-konservativen EDU.

Ende 1989 hatte die EVP Schweiz rund 4000 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von etwas über 50 Jahren. Davon gehörten 85 Prozent zur reformierten Kirche, 6 Prozent zur methodistischen Kirche, gefolgt von den Chrischona-Gemeinden und den Freien Evangelischen Gemeinden. Mehr als 5 Prozent der Mitglieder waren zu diesem Zeitpunkt selbständig erwerbend. Mehr als 40 Prozent aller Mitglieder der EVP Schweiz wohnten 1989 im Kanton Zürich, gefolgt von Bern mit mehr als 20 Prozent Anteil. Die durchschnittliche Dauer einer Mitgliedschaft betrug zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre.[5]

 Zürich[Bearbeiten]

Bereits 1917 errang die «Protestantisch-christliche Partei» zwei Kantonsratsmandate. 1922 sandte die EVP den ersten Vertreter in den Grossen Gemeinderat der Stadt Zürich, in welchem sie von 1954 bis 2014 ohne Unterbruch vertreten war. Den Höchststand an Wählern erreichte sie in den 1970er-Jahren mit 8.3% Stimmen und der Wahl Ruedi Aeschbachers 1978 in den Stadtrat von Zürich. Später pendelte der Wähleranteil zwischen drei und sechs Prozenten, bis sie 2014 in der Stadt Zürich an der zwischenzeitlich eingeführten Fünfprozenthürde knapp scheiterte.[6] Auch im Kantonsrat hat sich die Anzahl der Mandate seit Mitte der 1970er- und Anfangs der 1980er-Jahre halbiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Bund kurz erklärt 2014. Schweizerische Bundeskanzlei, 28. Februar 2014, abgerufen am 22. April 2014 (PDF; 14821 kB).
  2. Mandatsverteilung. Bundesamt für Statistik, 30. März 2014, abgerufen am 22. April 2014 (html).
  3. Kantonale Regierungen. Bundesamt für Statistik, 30. März 2014, abgerufen am 22. April 2014 (html).
  4. Nationalrat 2007
  5. Evangelische Volkspartei der Schweiz: Pressedienst vom 3. Januar 1990. Zürich 1990.
  6. NZZ, 15. Februar 2014.

Weblinks[Bearbeiten]