Evelyn Underhill

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Evelyn Underhill (* 6. Dezember 1875 in Wolverhampton, Staffordshire, England; † 15. Juni 1941 in London) war eine anglokatholische Mystikerin und Theologin. Die anglikanische Kirche von England und die Episcopalian Church der USA verehren sie in ihren Heiligenkalendern unter dem Datum vom 15. Juni. Underhill behielt ihren Ledigennamen auch nach der Heirat mit Hubert Stuart-Moore im Jahr 1907.

Leben und Bedeutung[Bearbeiten]

Evelyn Underhill blieb lebenslang ihrer anglikanischer Konfession und Kirchenmitgliedschaft treu (High Church). In ihrer Forschung zur Mystik ging sie aber mit gleichem Interesse auch außerchristlichen oder protestantischen Formen der Mystik nach. Sie behandelt dort – gut unterschieden – Geschichte, Systematik und Praxis der Mystik und bearbeitet einen sehr ähnlichen Corpus von Quellen wie Helena Petrovna Blavatsky, deren Namen sie allerdings nicht erwähnt. Zudem aber findet sie über Friedrich von Hügel und Rudolf Eucken zu einer wissenschaftlichen Arbeits- und Gestaltungsweise. In den Jahren 1929 bis 1932 war sie für die englische Zeitung The Spectator die theologische Redakteurin.

Friedrich Heiler stellte sie neben Baron von Hügel und über Albrecht Ritschl, Wilhelm Herrmann, Adolf von Harnack. Die Encyclopedia Britannica (1987) würdigt ihre Entwicklung: „By 1940 she had supplemented her earlier and more diffuse mystical attitudes with a greater understanding and acceptance of institutional and sacramental elements in traditional Christianity, and she had come to centre her theology on an experience of Christ.“ Dieses vertiefte Verständnis für die institutionellen und sakramentalen Elemente des traditionellen Christentums hatte sich allerdings bereits 1913 in ihrer wegweisenden mystischen Deutung des - lateinischen wie des ostkirchlich-orthodoxen - Messritus angedeutet, die sie in dem mit "The witness of the liturgy" betitelten Schlusskapitel ihres Buches "The Mystic Way" vorlegte. In einer bis heute unübertroffen konzisen Interpretation zeigte sie Punkt für Punkt auf, wie der in einer langen Tradition geformte Ritus der Messe in der Sprache von Handlungssymbolen die diskursiv nicht beschreibbare mystische Erfahrung in Form der Stufenabfolge des mystischen Weges zum Ausdruck bringt bis hin zu dem in der "Kommunion" symbolisierten Transzendenzerlebnis der seelischen Vereinigung mit dem Göttlichen ("unio mystica"), genauso wie beispielsweise die "Wandlung" von Brot und Wein nach Underhill die vom Mystiker erlebte transformative Wirkung des inneren Einigungserlebnisses symbolisch artikuliert und bezeugt. Eine weitere Bestätigung für ihre Interpretation der Heiligen Messe als rituelle Symbolisierung eines psychischen Geschehens religiösen Charakters fand Underhill in der traditionellen Aufteilung der Messe in eine auf die Katechumenen (Taufanwärter, hier: Nicht-Mystiker) ausgerichtete Vormesse, die als "Wortgottesdienst" auf eine verbal-diskursive Glaubensvermittlung setzt und eine - ursprünglich den Katechumenen nicht zugängliche - rituelle Hauptmesse, nämlich die "Eucharistische Liturgie"; in dieser traditionellen Trennung spiegelt sich ihrer Überzeugung nach die Einsicht wider, dass nur derjenige Christ, dessen Glauben kein bloßes Für-wahr-Halten mehr ist, sondern sich bereits auf ein mystisches Erfahrungsfundament gründet, die Sprache des Messritus als symbolischen Ausdruck des vom Mystiker erlebten und durchlebten Stufenweges der menschlichen Psyche zu Gott zu verstehen vermag und dadurch vor fundamentalistischen Missverständnissen des Messritus als eines rein äusserlichen Geschehens (z.B. als Überbleibsel magischer Zeremonien) gefeit ist.

Werk[Bearbeiten]

  • Mysticism. 1911. 2nd Edition 1930. E-Text, deutsch: Mystik. Eine Studie über Natur und Entwicklung des religiösen Bewusstseins im Menschen. Mit einem Nachwort von Friedrich Heiler. 1928
  • The Mystic Way. A psychological study of Christian origins (1914). Online
  • Immanence. 1913 (Gedichte)
  • The Mystics of the Church. London 1926.

Literatur[Bearbeiten]

  • M. B. Cropper: Evelyn Underhill (1958)
  • Dana Greene: Evelyn Underhill (1990)