Evelyn Waugh

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Evelyn Waugh 1940, Fotografie von Carl van Vechten
Waughs Grab

Arthur Evelyn St. John Waugh [wɔː] (* 28. Oktober 1903 in London; † 10. April 1966 in Taunton) war ein britischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Verlegers studierte in Oxford Geschichte. Er verfasste zeitkritische, z. T. satirische, sprachlich stets brillante Romane.

Waugh heiratete 1928 Evelyn Gardner, jüngste Tochter des Lord Burghclere. Da er und seine Frau denselben Vornamen trugen, nannten Freunde sie He-Evelyn und She-Evelyn (Er-Evelyn und Sie-Evelyn). Die Ehe wurde als kurz und unglücklich bezeichnet, 1930 wurde sie geschieden. Nachdem Waugh zum Katholizismus konvertierte, stellte die Kirche auf seinen Antrag fest, dass seine Ehe von Anfang an null und nichtig gewesen war, was ihm ermöglichte, die ebenfalls katholische Laura Herbert kirchlich zu heiraten. Diese Ehe dauerte bis zu seinem Tod; aus ihr gingen sieben Kinder hervor, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten.

Nach dem Ende seines Zusammenlebens mit Evelyn Gardner, das er in A Handful of Dust (1934) beschrieb, und seiner Konversion zum Katholizismus wurde Waugh zunehmend isoliert. Einer seiner wenigen Freunde war der Schriftsteller Graham Greene, auch er ein Konvertit zum Katholizismus, dessen vermeintliche Ehe auf seinen Antrag ebenfalls von der Kirche für null und nichtig gewesen erklärt wurde. Waugh befürwortete die Politik von Franco und Mussolini und lehnte die innerkirchlichen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ebenso ab wie die sozialen Reformen in England nach dem Zweiten Weltkrieg.

Waughs älterer Bruder Alec Waugh (1898–1981) war ebenfalls Schriftsteller und sein Sohn Auberon Waugh (1939–2001) ein bissiger Kolumnist.

Werk[Bearbeiten]

Waugh war als schnell erfolgreicher Schriftsteller Mitglied der jungen, verwöhnten Upper Class in den 1920er Jahren. Er hatte ein besonderes Interesse an Bildender Kunst (sein erstes Buch war eine Biographie Dante Gabriel Rossettis, und seine Novelle Love Among the Ruins illustrierte er selbst).

Waugh hatte ein besonderes Gespür für Dialoge, von denen sich manche über zwei Seiten hinziehen. Geschätzt war sein makabrer Humor. In Black Mischief verzehrt der Anti-Held aus Versehen seine Geliebte und The Loved One spielt in der US-amerikanischen Bestattungsindustrie. Waugh beeinflusste zahlreiche Schriftsteller wie Muriel Spark sowie den späteren Literaturnobelpreisträger V. S. Naipaul, der als junger Mann schreiben wollte wie Waugh. Der britische Regisseur Stephen Fry verfilmte unter dem Titel Bright young things Waughs Roman Vile Bodies.

Internationale Popularität erlangte Waugh durch die Verfilmung seines Romans Wiedersehen mit Brideshead. Die Miniserie des britischen Fernsehens mit Jeremy Irons und Laurence Olivier von 1981 wurde ein Welterfolg. Seither wurden auch Vile Bodies und A Handful of Dust verfilmt – letzterer mit Alec Guinness, der Waugh bewunderte. Bereits früher gab es eine Filmfassung von The Loved One mit Rod Steiger und John Gielgud unter der Regie von Tony Richardson.

Im Lexikon der Weltliteratur wird er als radikalkonservativer Zyniker und Kulturpessimist beschrieben, der „in kühler, kunstvoller Prosa mit Witz und oft überdeutlicher, farcenhafter Satire die Kuriositäten des modernen Lebens enthüllt. Waugh möchte den modernen Menschen hinweisen auf die Sinnlosigkeit seines Tuns, die Fragwürdigkeit eines absurd-phantastischen und chaotischen Daseins.“[1]

Werke[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • 1928 Decline and Fall
    • Auf der schiefen Ebene, dt. von Hermen von Kleeborn. Verlag die Arche, Zürich 1953.
    • Neuübersetzung: Auf der schiefen Ebene. dt. von Ulrike Simon. Diogenes-Verlag, Zürich 1984, ISBN 3-257-21173-2.
    • zweite Neuübersetzung: Verfall und Untergang. dt. von Andrea Ott. Diogenes-Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-257-06895-5.
  • 1930 Vile Bodies
    • ...aber das Fleisch ist schwach, dt. von Hermen von Kleeborn. Verlag Herold, Wien 1951.
    • Neuübersetzung: Lust und Laster. dt. von Ulrike Simon. Diogenes Verlag, Zürich 1984, ISBN 3-257-21174-0.
  • 1932 Black Mischief
    • Schwarzes Unheil, dt. von Lucy von Wangenheim. Bastei-Verlag, Berlin, Wien 1938.
    • Die schwarze Majestät, gleiche Übersetzung; Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 1954.
    • Neuübersetzung: Schwarzes Unheil. dt. von Irmgard Andrae. Diogenes-Verlag, Zürich 1986, ISBN 3-257-21402-2.
  • 1934 A Handful of Dust
    • Eine Handvoll Staub, dt. von Lucy von Wangenheim. Bondi-Verlag, Berlin 1936.
    • Neuübersetzung: Eine Handvoll Staub. dt. von Matthias Fienbork. Diogenes-Verlag, Zürich 1986, ISBN 3-257-21348-4.
    • zweite Neuübersetzung: Eine Handvoll Staub. dt. von pociao. Diogenes-Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-257-06913-6.
  • 1938 Scoop. A Novel About Journalism
    • Die große Meldung, dt. von Elisabeth Schnack. Verlag die Arche, Zürich 1953.
    • Der Knüller, gleiche Übersetzung. Diogenes Verlag, Zürich 1988, ISBN 3-257-21176-7.
    • Scoop, gleiche Übersetzung. Diogenes Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-257-24274-4.
  • 1942 Put Out More Flags
    • Mit Glanz und Gloria, dt. von Matthias Fienbork. Diogenes Verlag, Zürich 1987, ISBN 3-257-21465-0.
  • 1945 Brideshead Revisited
    • Wiedersehen mit Brideshead. Die heiligen und profanen Erinnerungen des Hauptmanns Charles Ryder, dt. von Franz Fein, 1948.
    • Neuübersetzung: Wiedersehen mit Brideshead. Die heiligen und profanen Erinnerungen des Captain Charles Ryder, dt. von Pociao. Mit einem Nachwort von Daniel Kampa. Diogenes-Verlag, Zürich 2014.
  • 1946 Scott King´s Modern Europe (auch als: A Sojourn in Neutralia)
    • Ferien in Europa, dt. von Ossip Kalenter. Verlag die Arche, Zürich 1950.
    • Neuübersetzung: Scott-Kings moderne Welt. Erzählungen, dt. von Otto Bayer, Diogenes-Verlag, Zürich 2014.
  • 1947 Wine in Peace and War
  • 1948 The Loved One
    • Tod in Hollywood, dt. von Peter Gan, Verlag die Arche, Zürich 1950.
  • 1950 Helena
    • Helena, dt. von Peter Gan. Verlag die Arche, Zürich 1951.
  • 1952–1961 Sword of Honour – Trilogie über den Zweiten Weltkrieg: Men At Arms (1952) Officers and Gentlemen (1955) und Unconditional Surrender (1961).
    • Ohne Furcht und Tadel, dt. von Werner Peterich. Knaus-Verlag, Hamburg 1979, ISBN 3-8135-0680-0.
  • 1953 Love Among the Ruins. A Romance of the Near Future
    • ...und neues Leben blüht aus den Ruinen. Eine Liebesgeschichte aus der nahen Zukunft, dt. von Elisabeth Schnack. Verlag die Arche, Zürich 1955.
  • 1957 The Ordeal of Gilbert Pinfold
    • Gilbert Pinfolds Höllenfahrt. Ein Genrebild, dt. von Helmut Hilzheimer. Desch-Verlag, Wien, München, Basel 1958.

Reiseliteratur[Bearbeiten]

  • 1930 Labels. A Mediterranean Journal
  • 1931 Remote People
    • Befremdliche Völker, seltsame Sitten, dt. von Matthias Fienbork. Eichborn-Verlag Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-8218-4761-0.
  • 1934 Ninety-Two Days. The Account of a Tropical Journey Through British Guiana and Part of Brazil
  • 1936 Waugh in Abyssinia
  • 1939 Robbery Under Law (US-Titel: Mexico: an Object-Lesson)
  • 1946 When the Going Was Good
    • Als das Reisen noch schön war, dt. von Rose Grässel. Claassen & Goverts, Hamburg 1949.
  • 1952 The Holy Places
  • 1960 A Tourist in Africa

Biografisches und Autobiografisches[Bearbeiten]

  • 1928 Rosetti: His Life and Works
  • 1953 Edmund Campion. Jesuit and Martyr
    • Saat im Sturm. Lebensbild des Edmund Campion aus der Zeit Elisabeths von England, dt. von H. H. von Vogt, Kösel-Pustet-Verlag München 1938.
    • Edmund Campion. Jesuit und Blutzeuge, dt. von Heinrich Fischer. Kösel-Verlag München 1954.
  • 1959 The Life of the Right Reverend Ronald Knox
    • Ronald Knox. Biographie, dt. von Hugo Maria Kellner. Echter-Verlag Würzburg 1965.
  • 1964 A Little Learning. The First Volume of an Autobiography
  • 1979 The Diaries of Evelyn Waugh 1919–1965
  • 1980 The Letters of Evelyn Waugh 1914–1966

deutschsprachige Sammlungen der Erzählungen[Bearbeiten]

  • Kleiner Abendspaziergang. Erzählungen, dt. von Elisabeth Schnack und Ursula von Wiese. Sanssouci-Verlag, Zürich 1959.
  • Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, dt. von Otto Bayer. Diogenes-Verlag Zürich 1985, ISBN 3-257-21277-1.
  • Charles Ryders Tage vor Brideshead, dt. von Otto Bayer. Diogenes-Verlag Zürich 1985, ISBN 3-257-21276-3.
  • Ausflug ins wirkliche Leben und andere Meistererzählungen, Diogenes-Verlag Zürich 2013, ISBN 978-3-257-06875-7.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Selina Hastings: Evelyn Waugh. A biography. Sinclair-Stevenson, London 1994, ISBN 1-85619-223-7.
  • Douglas Lane Patey: The life of Evelyn Waugh. A critical biography. Blackwell, Oxford 1998, ISBN 0-631-18933-5.
  • David Wykes: Evelyn Waugh. A literary life. Macmillan, Basingstoke 1999, ISBN 0-333-61138-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gero v. Wilpert (Hrsg.): Lexikon der Weltliteratur. Band 2. dtv, München 1997, ISBN 3-423-59050-5, S. 1608.