Evi Sachenbacher-Stehle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Evi Sachenbacher-Stehle Skilanglauf Biathlon
Evi Sachenbacher-Stehle, Tour de Ski 2010, Oberhof
Nation DeutschlandDeutschland Deutschland
Geburtstag 27. November 1980
Geburtsort Traunstein, Deutschland
Karriere
Disziplin Skilanglauf
Biathlon
Verein WSV Reit im Winkl
Status gesperrt
Medaillenspiegel
Olympische Medaillen 2 × Gold 3 × Silber 0 × Bronze
WM-Medaillen 1 × Gold 4 × Silber 1 × Bronze
JWM-Medaillen 1 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Biathlon-DM-Medaillen 1 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Winterspiele
Gold 2002 Salt Lake City 4 x 5 km
Silber 2002 Salt Lake City Sprint
Silber 2006 Turin 4 x 5 km
Gold 2010 Vancouver Teamsprint
Silber 2010 Vancouver 4 x 5 km
FIS Nordische Skiweltmeisterschaften
Bronze 1999 Ramsau 4 x 5 km
Gold 2003 Val di Fiemme 4 x 5 km
Silber 2003 Val di Fiemme Verfolgung
Silber 2007 Sapporo 4 x 5 km
Silber 2007 Sapporo Teamsprint
Silber 2009 Liberec 4 x 5 km
Deutscher Skiverband Deutsche Meisterschaften
Gold 2012 Altenberg Mixed-Staffel
Silber 2013 Langdorf Sprint
Platzierungen im Langlauf-Weltcup
Debüt im Weltcup 27. Dezember 1998
Weltcupsiege 10 (3 Einzelsiege)
Gesamtweltcup 4. (2002/03, 2005/06)
Sprintweltcup 4. (2001/02)
Distanzweltcup 5. (2005/06)
Tour de Ski 8. (2006/07, 2007/08)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
 Sprintrennen 1 2 1
 Distanzrennen 2 2 4
 Team 4 10 4
 Teamsprint 3 3 0
Platzierungen im Biathlon-Weltcup
Debüt im Weltcup 14. Dezember 2012
Weltcupsiege 1 (0 Einzelsiege)
Gesamtweltcup 46. (2012/13)
Sprintweltcup 41. (2012/13)
Verfolgungsweltcup 44. (2012/13)
Massenstartweltcup
Einzelweltcup 52. (2012/13)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
 Staffel 1 1 0
letzte Änderung: 8. Januar 2014

Evi Sachenbacher-Stehle (* 27. November 1980 in Traunstein) ist eine deutsche Skilangläuferin und Biathletin. Sie ist als Hauptfeldwebel in der Sportfördergruppe der Bundeswehr in der Jägerkaserne in Bischofswiesen angestellt.[1]

Karriere[Bearbeiten]

Skilanglauf[Bearbeiten]

Ihren ersten Einsatz im Skilanglauf-Weltcup hatte Evi Sachenbacher 1998 beim Sprint in Garmisch-Partenkirchen, in dem sie den 14. Platz belegte. Bei der Weltmeisterschaft 1999 in der Ramsau gewann sie mit der Staffel die Bronzemedaille. Ihr erstes Weltcup-Podium war zugleich ihr erster Weltcupsieg, den sie 2001 beim Sprint in Garmisch-Partenkirchen errang. Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann sie die Goldmedaille mit der Staffel und die Silbermedaille im Sprint. Ihren zweiten Weltcupsieg erreichte Sachenbacher im November 2002 im schwedischen Kiruna beim 5 Kilometer Freistilrennen. Nach Gold in der Staffel und Silber in der Verfolgung bei der Weltmeisterschaft 2003 im Fleimstal folgten zwei schwächere Jahre. Die Wende schaffte Sachenbacher mit dem privat finanzierten Langlauftrainer Wolfgang Pichler, der sie wieder in die Weltspitze zurückführte.

Bei der obligatorischen Blutprobe im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin wurde bei Sachenbacher-Stehle ein erhöhter Hämoglobinwert von 16,4 g/dl[2] (einige Quellen schreiben auch 16,3 g/dl[3]) festgestellt, erlaubt ist bei Frauen aber nur ein Wert von maximal 16,0 g/dl. Der Internationale Skiverband (FIS) verhängte daraufhin eine Schutzsperre von fünf Tagen. Dadurch verpasste Sachenbacher-Stehle das 15-km-Jagdrennen. Der Deutsche Skiverband reichte gegen die Sperre Klage beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ein, der die Klage ablehnte.[4] Nach einem weiteren Test lag der Hämoglobinwert wieder unter dem Grenzwert, so dass sie an den Olympischen Spielen 2006 wieder teilnehmen durfte. Dort errang sie bei der 4x5-km-Staffel der Damen am 18. Februar 2006 die Silbermedaille.

Nach den Olympischen Spielen zeigte Sachenbacher-Stehle eine hervorragende Form. So konnte sie das Verfolgungsrennen in Falun für sich entscheiden und beim traditionellen 30-km-Rennen am Holmenkollen den dritten Platz belegen. Im Gesamtweltcup wurde sie letztendlich als beste Deutsche Vierte und holte abschließend noch bei der Langlauf-DM in Balderschwang mit der bayerischen Staffel den Titel.

Die Premiere der Tour de Ski beendete Sachenbacher-Stehle 2007 auf Gesamtrang acht, den gleichen Gesamtrang erreichte sie auch 2008. Bei der Weltmeisterschaft 2007 holte Sachenbacher-Stehle gemeinsam mit Claudia Nystad Silber im Teamsprint und mit der deutschen Mannschaft Silber in der 4x5-km-Staffel. Bei der Weltmeisterschaft 2009 holte Sachenbacher-Stehle die Silbermedaille mit der deutschen Mannschaft.

Bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver wurde Sachenbacher-Stehle zusammen mit Claudia Nystad Olympiasiegerin im Teamsprint und gewann zusammen mit Katrin Zeller, Miriam Gössner und Claudia Nystad in der Staffel Silber. Die nacholympische Saison 2010/11 verlief für Sachenbacher-Stehle nicht erfolgreich, als beste Platzierung erreichte sie bei nur 10 Teilnahmen an Weltcuprennen einen neunten Platz bei der Verfolgung von Rybinsk. Als Grund dafür gibt Sachenbacher-Stehle verschiedene Nahrungsmittelunverträglichkeiten an.[5] Am Skilanglauf-Weltcup 2011/12 nahm sie nicht teil. Stattdessen fanden sporadisch Starts beim Alpencup statt. Dabei erreichte sie mit Rang zwei in Arvieux und Rang drei in Zwiesel Podestplatzierungen.

Biathlon[Bearbeiten]

Einstieg und erste Weltcup-Erfolge[Bearbeiten]

Im März 2012 gab Evi Sachenbacher-Stehle bekannt, die Vorbereitung für die Wintersaison 2012/13 mit den Biathleten zu absolvieren, um neue Trainingsreize zu setzen.[6] Am 16. Mai 2012 gab sie bekannt, ab der Saison 2012/13 im Biathlon zu starten. Ihren ersten offiziellen Wettkampf beendete sie am 14. September 2012 auf Skirollern in der bayerischen Mixed-Staffel, gemeinsam mit Florian Graf und Michael Greis mit der Deutschen Meisterschaft.[7] Bereits in ihrem ersten offiziellen Wettkampf sicherte sich Sachenbacher-Stehle ihren ersten deutschen Meistertitel im Biathlon.

Am 24. November 2012 debütierte Evi Sachenbacher-Stehle im IBU-Cup beim Sprint im schwedischen Idre auf Platz 24. Bei ihrem ersten Einzelwettkampf in dieser Rennserie am 30. November 2012 belegte sie Rang 23 im norwegischen Beitostølen. Am 6. Januar 2013 erreichte sie beim vierten IBU-Cup im estnischen Otepää mit einem zweiten Rang im Sprint hinter Jekaterina Jurjewa ihre erste Podiumsplatzierung im neuen Sport.

Durch ihre Leistungen bei den ersten vier Rennen im IBU-Cup qualifizierte sich Sachenbacher-Stehle für den Biathlon-Weltcup. Hier startete sie erstmals im Sprint von Pokljuka am 14. Dezember 2012 und kam auf Platz 59 ins Ziel, wodurch sie sich auch die Qualifikation für das anschließende Verfolgungsrennen sicherte, in welchem sie den 48. Rang erreichte. Nach längerer Pause im Weltcup erreichte sie in Oslo erstmals die Punkteränge und lief am 9. März 2013 im Sprint auf der zukünftigen Olympia-Strecke in Sotschi auf den sechsten Platz, ihr vorläufig bestes Resultat. Einen Tag später konnte sie bei ihrem ersten Staffeleinsatz den ersten Sieg im Biathlonweltcup feiern. Sie siegte zusammen mit Andrea Henkel, Miriam Gössner und Laura Dahlmeier.

Olympische Winterspiele 2014 und positiver Methylhexanamin-Befund[Bearbeiten]

Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi belegte Sachenbacher-Stehle im Sprint den elften Platz und fiel in der anschließenden Verfolgung am 11. Februar auf Platz 27 zurück. Am selben Tag musste sie zur Dopingkontrolle, die ohne Befund war.[8] Im Olympischen Einzelrennen in Sotschi erreichte sie mit drei Strafminuten Platz 20. Obwohl sie im Massenstart am 17. Februar 2014 erstmals in einem Biathlon-Rennen 20 Mal traf und somit keine Strafrunde absolvieren musste, belegte Sachenbacher-Stehle hinter den drei Medaillengewinnern Darja Domratschawa, Gabriela Soukalová und Tiril Eckhoff, die ihre Schießfehler mit einer stärkeren Laufleistung kompensieren konnten, am Ende den vierten Platz. Im direkten Anschluss an dieses Rennen absolvierte sie eine Dopingprobe, durch die in ihrem Urin Spuren von Methylhexanamin gefunden wurden. Der Deutsche Olympische Sportbund schloss Sachenbacher-Stehle aufgrund der positiven Dopingprobe am 21. Februar 2014 aus der deutschen Olympiamannschaft aus.[9] Am selben Tag wurde Sachenbacher-Stehles vierter Platz im Massenstart und der mit ihr anschließend erreichte vierte Platz der deutschen Mixed-Staffel durch die Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees aberkannt.[8] Sachenbacher-Stehle gab an, die Substanz unbewusst über ein Nahrungsergänzungsmittel, das sie von einem privaten Ernährungsberater erhielt, aufgenommen zu haben.[10]

Die Internationale Biathlon-Union sperrte Sachenbacher-Stehle am 16. Juli 2014 für einen Zeitraum von zwei Jahren, der rückwirkend mit dem 17. Februar 2014 begann.[11]

Privatleben[Bearbeiten]

Evi Sachenbacher heiratete am 2. Juli 2005 den alpinen Skirennläufer Johannes Stehle und trägt seitdem den Doppelnamen Sachenbacher-Stehle.

Weltcupsiege[Bearbeiten]

Alle Siege bei Weltcups, getrennt aufgelistet nach Einzel- und Staffelrennen. Durch Anklicken des Symbols im Tabellenkopf sind die Spalten sortierbar.

Skilanglauf[Bearbeiten]

Einzelrennen Staffelrennen
Nr. Datum Ort Disziplin
1. 27. Dez. 2001 DeutschlandDeutschland Garmisch-Partenkirchen 1,5 km Sprint Freistil
2. 23. Nov. 2002 SchwedenSchweden Kiruna 5 km Freistil
3. 08. Mär. 2006 SchwedenSchweden Falun 10km Doppelverfolgung
Nr. Datum Ort Disziplin
1. 19. Jan. 2003 TschechienTschechien Nové Město na Moravě Staffel
2. 14. Feb. 2003 ItalienItalien Asiago Teamsprint
3. 23. Mär. 2003 SchwedenSchweden Falun Staffel
4. 18. Mär. 2006 JapanJapan Sapporo Teamsprint
5. 17. Dez. 2006 FrankreichFrankreich La Clusaz Staffel
6. 25. Mär. 2007 SchwedenSchweden Falun Staffel
7. 24. Jan. 2010 RusslandRussland Rybinsk Teamsprint

Biathlon[Bearbeiten]

Staffelrennen  
Nr. Datum Ort Disziplin
1. 10. Mär. 2013 RusslandRussland Sotschi Staffel

Platzierungen in Biathlon-Weltcup[Bearbeiten]

Die Tabelle zeigt alle Platzierungen (je nach Austragungsjahr einschließlich Olympische Spiele und Weltmeisterschaften).

  • 1.–3. Platz: Anzahl der Podiumsplatzierungen
  • Top 10: Anzahl der Platzierungen unter den ersten zehn (einschließlich Podium)
  • Punkteränge: Anzahl der Platzierungen innerhalb der Punkteränge (einschließlich Podium und Top 10)
  • Starts: Anzahl gelaufener Rennen in der jeweiligen Disziplin
Platzierung Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Staffel Gesamt
1. Platz 1 1
2. Platz  
3. Platz  
Top 10 2 1 1 4
Punkteränge 2 6 4 1 1 14
Starts 2 9 5 1 1 18
Stand: 5. Januar 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Evi Sachenbacher-Stehle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.welt.de/politik/deutschland/article125084980/Sachenbacher-Stehle-droht-Aus-bei-Sportfoerderung.html
  2. Thomas Hahn, Thomas Kirstner: Eine Studie, die den Zweifel nicht zerstreut. süddeutsche.de, 22. Februar 2006, abgerufen am 8. März 2012.
  3. Spiegel.de: Schutzsperre: Sachenbacher-Stehle hofft auf Start im Teamwettbewerb. 11. Februar 2006, abgerufen am 8. März 2012.
  4. Siehe zu diesem Fall Grischka Petri: Das Instrument der „Schutzsperre“ und seine Legitimität, in: Zeitschrift für Sport und Recht (SpuRt) 13.3 (2006): S. 105–108.
  5. tz.de: Sachenbacher-Stehle: „Ich bin voll integriert!“. , 7. Dezember 2012, abgerufen am 8. März 2012.
  6. Sachenbacher-Stehle flirtet mit dem Biathlon (Version vom 14. März 2012 im Internet Archive). sportschau.de, 8. März 2012, abgerufen am 8. März 2012.
  7. Meistertitel für Sachenbacher-Stehle bei Biathlon-Debüt, Die Welt Online vom 14. September 2012
  8. a b Entscheidung der Disziplinarkommission des IOC vom 21. Februar 2014 auf olympic.org
  9. Statement des DOSB zu Evi Sachenbacher-Stehle vom 21. Februar 2014 auf dosb.de
  10. Protokoll Disziplinarausschuss Sachenbacher, Punkte 18 II, IV, VI, VII www.olympic.org, abgerufen am 23. Februar 2014
  11. IBU Press Release Internationale Biathlon-Union 16. Juli 2014