Ewald Lienen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ewald Lienen

Lienen als Trainer vom TSV 1860 München am 4. Oktober 2009

Spielerinformationen
Geburtstag 28. November 1953
Geburtsort LiemkeDeutschland
Größe 176 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
1961–1971 VfB Schloß Holte
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1971–1974
1974–1977
1977–1981
1981–1983
1983–1987
1987–1992
VfB Schloß Holte
Arminia Bielefeld
Borussia Mönchengladbach
Arminia Bielefeld
Borussia Mönchengladbach
MSV Duisburg

96 (24)
115 (23)
60 (12)
126 (13)
154 (23)
Stationen als Trainer
1989–03/93
03/93–10/94
1995–1997
1997–02/99
1999–01/02
2002–01/03
03/03–09/03
03/04–11/05
2006–11/08
05/09–06/10
06/10–08/10
11/10–2011
10/12–04/13
11/13–
MSV Duisburg Amateure
MSV Duisburg
CD Teneriffa (Co-Trainer)
Hansa Rostock
1. FC Köln
CD Teneriffa
Borussia Mönchengladbach
Hannover 96
Panionios Athen
TSV 1860 München
Olympiakos Piräus
Arminia Bielefeld
AEK Athen
Oțelul Galați
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Ewald Lienen (* 28. November 1953 in Schloß Holte-Stukenbrock) ist ein deutscher Fußballtrainer und ehemaliger Fußballspieler.

Spieler[Bearbeiten]

Nach dem Abitur an der Hans-Ehrenberg-Schule in Bielefeld-Sennestadt spielte er von 1977 bis 1992 als Stürmer in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga. Von 1974 bis 1977 gehörte er zum Zweitligakader von Arminia Bielefeld, mit der er 1977 in der Relegation zur 1. Bundesliga scheiterte. Im Anschluss stand er bis 1981 im Erstliga-Kader von Borussia Mönchengladbach, mit dem er die größten Erfolge seiner aktiven Karriere erreichte: 1978 wurde er mit der Borussia Vizemeister, im folgenden Jahr UEFA-Pokalsieger. 1980 erreichte Lienen mit der Borussia erneut das Finale des UEFA-Pokals, sie mussten sich aber Eintracht Frankfurt geschlagen geben. Von 1981 bis 1983 spielte Lienen erneut für Bielefeld, ehe er 1983 nach Mönchengladbach zurückkehrte, wo er bis 1987 blieb. 1984 stand Lienen mit Gladbach im DFB-Pokal-Finale, in dem sich der FC Bayern München im Elfmeterschießen durchsetzte. 1987 schloss er sich dem Deutschen Amateurmeister und Nordrhein-Oberligisten MSV Duisburg an, mit dem er 1989 wieder in die zweite Bundesliga und 1991 in die erste Bundesliga aufstieg. Im Sommer 1992 beendete Lienen seine aktive Karriere.

Er bestritt 333 Spiele in der 1. Bundesliga, in denen er 49 Tore erzielte. In der 2. Bundesliga kam er 171-mal zum Einsatz (27 Treffer).

Am 14. August 1981 erlitt Lienen eine schwere Verletzung, als Norbert Siegmann von Werder Bremen ihm mit den Stollen den Oberschenkel aufschlitzte und eine 25 cm lange, tiefe Risswunde zufügte. Lienen rannte mit der klaffenden Wunde an den Spielfeldrand zum damaligen Trainer von Werder Bremen, Otto Rehhagel, den er für das Foul verantwortlich machte, indem er behauptete, Rehhagel habe Siegmann zu dem Foulspiel angestiftet. Die Wunde wurde mit 23 Stichen genäht, nach 17 Tagen begann Lienen wieder mit dem Training. In einem Interview im Jahre 2012 relativierte Lienen jene Situation, indem er sagte, dass die Verletzung zwar schlimm aussah, aber im Grunde vollkommen harmlos war. Rehhagel war er dagegen lediglich im Affekt angegangen.[1]

Erfolge[Bearbeiten]

Trainer[Bearbeiten]

1989 schloss Lienen die Ausbildung zum Fußballlehrer mit der Bestnote ab und trainierte die Amateure des MSV Duisburg, während er weiterhin in der ersten Mannschaft zum Einsatz kam. Am 24. März 1993 übernahm er den Trainerposten bei der ersten Mannschaft des MSV, den er bis 1. November 1994 innehatte. Zwischen 1995 und 1997 arbeitete Lienen als Co-Trainer unter Jupp Heynckes beim spanischen Erstligisten CD Teneriffa. Im Sommer 1997 wurde er dann Trainer bei Hansa Rostock. Mit Rostock verpasste er die Qualifikation für den UEFA-Cup um lediglich einen Punkt; am 1. März 1999 wurde Lienen durch Andreas Zachhuber ersetzt. Zum Saisonbeginn 1999/2000 wurde er Trainer beim Zweitligisten 1. FC Köln, den er zurück in die 1. Bundesliga führte. Am 28. Januar 2002 wurde Lienen in Köln entlassen. Im Sommer 2002 wurde er Trainer beim spanischen Zweitligisten CD Teneriffa, von dem er am 20. Januar 2003 entlassen wurde. Vom 2. März bis 21. September trainierte er Borussia Mönchengladbach. Am 9. März 2004 bis zum 9. November 2005 war er Trainer bei Hannover 96.

2006 ging er in die griechische Super League und trainierte dort den Verein Panionios Athen, mit dem er 2007 in den UEFA-Cup einzog. Im Dezember wurde Lienen in Griechenland als Trainer des Jahres 2007 ausgezeichnet. Als Reaktion auf die Entlassung seines Co-Trainers und Schwiegersohnes Abder Ramdane löste Lienen am 13. November 2008 seinen Vertrag vorzeitig auf.[2]

Am 13. Mai 2009 übernahm er den Trainerposten beim Zweitligisten TSV 1860 München. In den beiden noch ausstehenden Spielen der Saison 2008/09 holte er mit der Mannschaft zwar nur einen Punkt, dieser reichte dem TSV 1860 jedoch zum Klassenerhalt. In der folgenden Spielzeit landete die Mannschaft nach einem sehr schwachen Start am Ende auf dem achten Tabellenplatz. Der zum 150. Gründungsjubiläum des TSV 1860 angestrebte Wiederaufstieg in die Bundesliga wurde aber deutlich verpasst. Am 17. Juni 2010 wurde der bis 2011 laufende Vertrag vorzeitig aufgelöst, damit Lienen ein Angebot des griechischen Erstligisten Olympiakos Piräus annehmen konnte.

Nach dem Ausscheiden in der Qualifikation zur UEFA Europa League 2010/11 gegen Maccabi Tel Aviv wurde Lienen nach nur zwei Monaten entlassen.[3]

Am 7. November 2010 wurde er Trainer bei Arminia Bielefeld als Nachfolger von Christian Ziege.[4] Zur Saison 2011/2012 wurde Ewald Lienen nach dem Abstieg der Arminia in die 3. Liga durch den ehemaligen Fußballprofi Markus von Ahlen ersetzt.

Anfang Oktober 2012 wurde Lienen Trainer und sportlicher Leiter von AEK Athen. Am 9. April 2013 wurde Lienen von seinen Aufgaben entbunden, nachdem der Verein durch zuletzt vier Niederlagen in Folge erneut in akute Abstiegsgefahr geraten war. Lienen bezeichnete seine Entlassung in der Presse als "absurdes Theater", da die finanzielle Situation beim Athener Club keinen geregelten sportlichen Betrieb zulasse. Sowohl die Spieler wie auch er selbst hätten zu keiner Zeit gewusst, ob der Club in der Lage sei, die Gehälter zu zahlen oder zumindest die Lebenskosten der Spieler zu decken.[5] Sein Nachfolger wurde Traianos Dellas, der zuletzt als Spieler für den Verein aktiv gewesen und zuvor noch nie als Trainer tätig war.

Anfang November 2013 wurde Lienen neuer Trainer des rumänischen Erstligisten Oțelul Galați.[6][7]

Trivia[Bearbeiten]

Ewald Lienen als Trainer von 1860 München, 2009
  • Sein akribisches Notieren von Beobachtungen auf Notizblöcke (technisch wäre das leichter mit einem Diktiergerät zu bewältigen) während laufender Spiele brachte ihm den Spitznamen Zettel-Ewald ein. Ein anderer Spitzname aus seiner Zeit als Fußballtrainer in Köln lautete Das Hemd, in Anspielung auf seine Angewohnheit, ein hellblaues Hemd, das er bei einem lang ersehnten Sieg der Mannschaft getragen hatte, auch bei späteren Spielen als Glücksbringer zu tragen.
  • Nachdem Lienen den 1. FC Köln in der Saison 1999/2000 zum Aufstieg von der 2. Bundesliga in die 1. Bundesliga geführt hatte, veröffentlichte die Kölner A-cappella-Gruppe Wise Guys das Lied "Die Heldensage vom heiligen Ewald"[8].
  • Friedhelm Funkel trat dreimal hintereinander die Trainernachfolge von Lienen an, nämlich beim MSV Duisburg, bei Hansa Rostock und beim 1. FC Köln.
  • Lienen galt als Studierter, als Linker und DKP-nah, denn er engagierte sich während der frühen 1980er Jahre in der Friedensbewegung und wirkte bei der Friedensliste mit, für die er 1985 bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen kandidierte. 1987 gründete er zusammen mit Spielerkollegen die Spielergewerkschaft Vereinigung der Vertragsfußballspieler e. V. (VdV).
  • Von Anfang Februar bis Ende April 2012 betrieb Lienen den Videoblog Kabinenpredigt auf YouTube. Dort äußerte er sich zu aktuellen Ereignissen aus dem nationalen und internationalen Fußball.[9] Im Zeitraum vom 20. bis 33. Spieltag der laufenden Bundesliga-Saison wurden 15 Episoden produziert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ewald Lienen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. 50 Jahre Bundesliga: Das böse Foul an Ewald Lienen. 28. Oktober 2012. 
  2. Ein blaues Auge zu viel für Lienen. In: nw-news.de, 13. November 2008. 
  3. Olympiakos Piräus trennt sich von Trainer Lienen
  4. Lienen neuer Arminia-Trainer. In: Arminia Bielefeld, 7. November 2010. 
  5. "Absurdes Theater!" AEK setzt Lienen vor die Tür, Kicker Online vom 9. April 2013
  6. Willkommne, Ewald Lienen ! otelul-galati.ro, abgerufen am 7. November 2013 (rumänisch)
  7. Otelul Galati: Doppelte Premiere für Ewald Lienen Kicker Online, 6. November 2013 (abgerufen am 6. November 2013)
  8. Liedtext zu 'Die Heldensage vom heiligen Ewald' auf wiseguys.de.
  9. Video-Blog Kabinenpredigt