Exit-Bag

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Als Exit-Bag (engl. sinngemäß „Ausstiegs-Beutel“) wird ein als Hilfsmittel zur Durchführung eines Suizides oder einer Tötung auf Verlangen verwendeter Plastikbeutel bezeichnet, der in der Regel mit Inertgas gefüllt ist.

Anwendungsweise[Bearbeiten]

Materiell handelt es sich bei einem Exit-Bag normalerweise um einen handelsüblichen, aus luftdichtem Plastik gefertigten Beutel, den der „Sterbewillige“ sich selbst über den Kopf zieht oder gestülpt bekommt, um seine Sauerstoffzufuhr abzuschneiden und den Erstickungstod herbeizuführen. Um ein Eindringen von Sauerstoff durch die den Kopf umgebende Öffnung zu verhindern, wird meistens ein Gummiband über Kopf und Tüte gestreift, so dass diese möglichst eng (und damit luftundurchlässig) um den Hals anliegt.

Neben „hausgemachten“, von Privatpersonen selbst angefertigten Exit-Bags existieren zudem „professionelle“, von aktivistischen Sterbehilfe-Gruppen „sachgerecht“ produzierte und verteilte Modelle. Als Erfinder dieser fachmännischen Exit-Bags gilt der australische Arzt Philip Nitschke, der 2001 erstmals den von ihm entwickelten Exit-Bag vorstellte, wie er seither von Sterbehilfegruppen wie der Right to Die Society of Canada oder Exit International an Interessierte ausgehändigt wird. Der Unterschied zwischen professionellen Exit-Bags wie der von Nitschke (sogenannte „Aussie Exit Bag“) und einem selbstgemachten Exit-Bag besteht darin, dass die professionellen Exit-Bags über einen speziellen Verschlussmechanismus verfügen: Durch elastische Beschaffenheit der Öffnung der Beutel sind diese einerseits dehnbar, so dass der Betroffene seinen Kopf in den Beutel einführen kann, andererseits zieht er sich nach dem Eindringen des Kopfes aufgrund seiner Elastizität automatisch zusammen, so dass er auch ohne das Überstreifen eines zusätzlichen Gummibandes direkt am Hals anliegt.[1]

Politisch-gesellschaftliche Kontroverse[Bearbeiten]

Insbesondere die Vorstellung des Aussie Exit Bag 2001 rief ein breites mediales Echo hervor und führte in zahlreichen Ländern – insbesondere in Australien, Kanada und Großbritannien – zu öffentlichen Debatten um die ethische Zulässigkeit der Herstellung und/oder Anwendung eines solchen Produktes.

So verurteilte die kanadische Zeitschrift Abilities, ein Fachblatt für Behinderte und Invaliden, in seiner Ausgabe vom Herbst 2002 den Exit-Bag als eine Gefahr für das Leben von pflegebedürftigen Personen: „Die Herstellung und Ausgabe von 'Exit Bags' bedroht direkt das Leben von Menschen mit Behinderungen […], die von ihren 'Pflegern' dazu gedrängt werden, Selbstmord zu begehen, oder ohne ihre Zustimmung getötet werden, weil sie als eine Belastung angesehen werden.“ (Englischer Originaltext: „The production and distribution of the Exit Bag directly threatens people with disabilities […] who are pressured by 'caregivers' to commit suicide, or killed without their consent, because they are considered a burden.“) [2] Peter Beattie, der Premierminister des australischen Territoriums Queensland, verurteilte das Produkt öffentlich, lehnte ein Verbot jedoch als praktisch undurchführbar ab, da man sonst auch andere Alltagsgegenstände wie „Messer, Ziegelsteine oder Rasierklingen“ verbieten müsste, die bei entsprechender Anwendung den Tod herbeiführen könnten. In Irland ist die Verwendung bzw. die Zugänglichmachung von (professionellen) Exit-Bags demgegenüber strafbewehrt. So berichtete die britische Zeitung Guardian 2003 vom Ersuchen der irischen Behörden an die Vereinigten Staaten, einen amerikanischen Staatsbürger an Irland auszuliefern, der einer Irin durch die Beschaffung eines Exit-Bag den Suizid ermöglicht hatte.[3]

Nitschke und andere Sterbehilfe- bzw. Suizid-Befürworter halten dem entgegen, dass der Exit-Bag eine besonders humane Methode sei, seinem Leben ein Ende zu machen, da er den betreffenden Personen einen schmerzfreien, „weder brutalen noch traumatischen“ Tod ermögliche. Dem widersprechen die Autoren des WOZZ-Buches, die diese Methode allein als sehr unzuverlässig und den Erstickungskampf als qualvoll und würdelos einstufen. Zudem besteht die Gefahr, dass anwesende Personen dabei traumatisiert oder sogar kriminalisiert werden.[4]

In Deutschland widmeten unter anderem die Süddeutsche Zeitung[5] und das Magazin Focus dem Thema umfangreiche Artikel.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BBC-Artikel „Suicide Bags launched in Australia“ vom 20. August 2002. Siehe [1]
  2. Abilities Ausgabe 52, Herbst 2002, S. 9.
  3. http://www.guardian.co.uk/world/2003/jan/26/health.healthandwellbeing.
  4. Stiftung WOZZ: Wege zu einem humanen selbstbestimmten Sterben. Amsterdam, 2008, S. 127f
  5. Süddeutsche vom 8. Januar 2003.

Weblinks[Bearbeiten]