Exklusivismus

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Exklusivismus

Der Exklusivismus ist eine Form der theologischen Beurteilung anderer Religionen.

Er bezeichnet die Vorstellung, dass die eigene Religion die einzig wahre, richtige oder heilbringende sei und andere Religionen oder Glaubensrichtungen keinen Anteil an der Wahrheit oder zumindest an heilsentscheidenden Wahrheiten haben.

Im Christentum[Bearbeiten]

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Beispielhaft für diese Überzeugung ist die lange Zeit in der katholischen Kirche vorherrschende Lehre Extra ecclesiam nulla salus (Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil). Relativiert wurde diese Position in der katholischen Kirche durch die vom Zweiten Vatikanischen Konzil herausgegebene Erklärung Nostra Aetate, die eine inklusivistische Position im Verhältnis zu anderen Religionen widerspiegelt. Demnach liegt das Heil einzig in Jesus Christus, der jedoch gegebenenfalls auch Nicht-Christen erlösen und ihnen das Heil schenken kann.

Im Islam[Bearbeiten]

Im Islam sind exklusivistische Auffassungen vor allem im Rahmen der charidschitischen und wahhabitischen Lehre von der Loyalität und der Lossagung entwickelt worden. Die Wahhabiten spalteten sich schon Anfang des 19. Jahrhunderts in ein exklusivistisches und ein inklusivistisches Lager. Während die Exklusivisten alle Nicht-Muslime und auch diejenigen Muslime, die nicht ihrer Lehre folgten, als Ungläubige ansahen und zum Dschihad gegen sie aufriefen, meinten die Inklusivisten, dass die anderen Muslime nur in Sünde leben würden, so dass es nicht notwendig wäre, gegen sie zu kämpfen. In der Auseinandersetzung zwischen den beiden Gruppen erwiesen sich die Exklusivisten im 19. Jahrhundert als stärker. Um die Jahrhundertwende wurden exklusivistische Gelehrte zu den Beduinen des Nadschd gesandt, um sie zum Dschihad anzufeuern. Das Ergebnis ihrer Aktivität war die Bewegung der Ichwān, auf die sich König Abd al-Aziz ibn Saud bei der Expansion des saudischen Staates stützte. Der zunehmende Radikalismus dieser Gruppierung zwang den Herrscher allerdings 1929, mit britischer Hilfe gegen sie vorzugehen.[1] Die letzten Bastionen des exklusivistischen Wahhabitentum blieben die sogenannten Ichwān von Buraida und Scheich Hamūd at-Tuwairiqī. Ihre Ansichten wurden in den 1970er Jahren in Saudi-Arabien allerdings zunehmend durch die Strömung des "islamischen Erwachens" (as-sahwa al-islāmīya) herausgefordert.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhold Bernhardt: Ende des Dialogs? Die Begegnung der Religionen und ihre theologische Reflexion. (Beiträge zu einer Theologie der Religionen 2), Zürich 2006
  • John Hick et al.: Four Views on Salvation in a Pluralistic World, Zondervan Pub. House: Grand Rapids, 1996, ISBN 0-310-21276-6 Kontradiktorische Behandlung von exklusiver, inklusiver und pluralistischer Sicht.
  • Perry Schmidt-Leukel: Gott ohne Grenzen. Eine christliche und pluralistische Theologie der Religionen, Gütersloh 2005

Belege[Bearbeiten]

  1. Vgl. Stéphane Lacroix: Awakening Islam. The politics of religious dissent in contemporary Saudi Arabia. Cambridge: Harvard University Press 2011. S. 12-13.
  2. Vgl. Lacroix 103-109.

Siehe auch[Bearbeiten]