Expatriate
Ein Expatriate (Plural -en; auch -es; von engl. expatriate; Plural -s; von lat. ex aus, heraus; patria Vaterland), kurz Expat, wird in der Wirtschaft eine Fachkraft genannt, die von dem international tätigen Unternehmen, bei dem sie beschäftigt ist, vorübergehend – meist für ein bis drei Jahre – an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird.[1] Wenn die Initiative zum Auslandsaufenthalt nicht von einem Unternehmen, sondern von der jeweiligen Person ausgeht, spricht man wissenschaftlich von selbstinitiierter Expatriation.[2][3] Eine Sonderform sind Führungskräfte, die nicht von einem Unternehmen ihres Heimatlandes entsandt wurden, sondern in ihrem Gastland in lokalen Unternehmen arbeiten.[4]
Allgemein ist jedoch jeder ein Expatriat, der nicht in seiner Heimat lebt. Im Unterschied zu Migranten sind Expatriaten Menschen, die für eine gewisse Zeit in der Fremde leben, aber ihrer Heimat verbunden bleiben, ihren Aufenthalt in dem fremden Land als befristet ansehen und sich seiner Kultur nicht assimilieren und auch keine fremde Staatsbürgerschaft anstreben.
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Situation in Europa, besonders in Deutschland [Bearbeiten]
Es gibt zahlreiche westliche Expatriaten, die in anderen westlichen Ländern leben (etwa ein Brite, der in Spanien lebt), der Begriff bezeichnet allerdings primär westliche Bürger, die in osteuropäische, afrikanische oder asiatische Länder wechseln. Deutsche Expatriaten haben während ihres Auslandsaufenthaltes oft einen deutlich höheren Lebensstandard als in ihrer Heimat; bei der Rückkehr sind ein (umgekehrter) Kulturschock und berufliche Schwierigkeiten nicht selten.[5]
In Deutschland wurden die aus südeuropäischen oder islamischen Ländern wie der Türkei stammenden Arbeiter nicht als Expatriaten, sondern als Gastarbeiter bezeichnet. In der Fachsprache bezeichnet man diese auch als Impatriaten, also Mitarbeiter die von außerhalb, meist aus dem internationalen Umfeld, stammen.
Expat-Beratung [Bearbeiten]
Die seit den 1970er Jahren steigende Anzahl von Expats hat die Branche der Expat-Beratungen hervorgebracht. Diese bieten Dienstleistungen an, die den Aufenthalt im Ausland erleichtern sollen. Typischerweise sind dies:
- Erledigung von Einreiseformalitäten inklusive Übersetzung von Dokumenten
- Information über juristische Besonderheiten (z.B. Alkoholverbot in islamischen Ländern)
- Informationen über juristische Formalitäten („Brauche ich in der Türkei ein Impfzeugnis für die Katze?“)
Einzelne Expat-Beratungen bieten auch Vor-Ort-Dienstleistungen in den jeweiligen Ländern an:
- Hilfe bei Behördengängen („Wann muss ggf. Schmiergeld gezahlt werden?")
- Vermittlung von Dienstleistern (Dolmetscher, Fahrer, Hauspersonal)
- Wohnungsvermittlung
Eine seriöse Expat-Beratung bedingt tiefe Kenntnis des jeweiligen Landes, verbunden mit einer juristischen oder auch kaufmännischen Berufsausbildung. Ein einheitliches Berufsbild oder eine geregelte Ausbildung existiert nicht.
Bei dienstlichen Auslandsaufenthalten kann sich aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers der Anspruch auf eine Expat-Beratung ergeben.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Unternehmen werben um Expatriates; Grenzerfahrungen III – Arbeiten im Ausland Frankfurter Allgemeine
- ↑ Inkson, K., Arthur, M. B., Pringle, J., & Barry, S. (1997). Expatriate Assignment Versus Overseas Experience: Contrasting Models of International Human Resource Development. Journal of World Business, 32(4), 351-368.
- ↑ Suutari, V., & Brewster, C. (2000). Making Their Own Way: International Experience Through Self-Initiated Foreign Assignments. Journal of World Business, 35(4), 417-436.
- ↑ Foreign Executives in Local Organisations. FELOresearch.info. 2012. Abgerufen am 13. Juli 2012.
- ↑ Karrierefalle Auslandseinsatz – Harte Landung mit Kulturschock. Spiegel online, 18. Dezember 2008, abgerufen am 16. Februar 2009.
Weblinks [Bearbeiten]
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Friederike Groeger: Einfluss von Expatriates auf die Organisationsstrukturen deutscher Tochterunternehmen in Russland - eine Untersuchung des Institutionalisierungsprozesses von Personalmanagementpraktiken und Unternehmenskultur, in: CWG-Dialog, Zeitschrift der Chemnitzer Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft e.V., Ausgabe 02/2006, S. 1ff.
- Ruth Stock-Homburg: Personalmanagement: Theorien - Instrumente - Konzepte, 2. Auflage, Wiesbaden 2010.
- Alois Moosmüller: Lebenswelten von 'Expatriates', in: Jürgen Straub, Arne Weidemann und Doris Weidemann (Hrsg.): Handbuch interkulturelle Kommunikation und Kompetenz. Grundbegriffe - Theorien - Anwendungsfelder. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart; Weimar 2007.