Exportweltmeister

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Deutsche Import- und Exportzahlen

Das SchlagwortExportweltmeister“ wird zumeist verwendet, um den derzeit hohen Gesamtwert der Warenexporte Deutschlands zu beschreiben. Deutsche Unternehmen exportieren (in einer einheitlichen Währung gerechnet) insgesamt mehr Waren als irgendein anderes Land der Welt.

Mit einem Exportwert von 969 Milliarden Euro und einem Handelsüberschuss in Höhe von 199 Milliarden Euro war Deutschland 2007 wieder das Land mit dem größten Weltmarktanteil (preisbereinigt gemessen an den Exporten).[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Internationaler Vergleich

Exporte und Exportüberschüsse im Verhältnis zum BIP

In der Abbildung sind für die Triadenländer, also die drei größten Volkswirtschaften der Welt, die Exporte im Verhältnis zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP) dargestellt, außerdem der Nettoexport im Verhältnis zum BIP. Steigende Exportquoten deuten auf eine zunehmende Handelsverflechtung der Welt hin (Globalisierung).

Demnach ist Deutschland bei den Exporten (Waren und Dienstleistungen insgesamt), gemessen am BIP, tatsächlich "Exportweltmeister". Auch erzielt Deutschland einen beachtlichen Exportüberschuss, während die USA mehr importieren als exportieren. Ob 2009 die Volksrepublik China überholen kann, hängt vom Dollar-Kurs ab. [2]

Insgesamt wurden 2008 Waren im Wert von 994,87 Mrd. Euro exportiert und für 818,62 Mrd. importiert. Dies bedeutet im Vergleich zum Jahr 2006 einen Anstieg der Exporte um 11,3 Prozent und einen Anstieg der Importe um 11,9 Prozent. Die Außenhandelsbilanz schloss im Jahr 2008 mit einem Überschuss von 176,25 Mrd. Euro ab (2006: 162,1 Mrd. Euro).

[Bearbeiten] Bewertung

[Bearbeiten] Allgemeine Bewertungen

Von Ökonomen und Politikern werden sehr unterschiedliche Bewertungen zu den ansteigenden Warenexporten vorgenommen. Während insbesondere Regierungspolitiker in den Zahlen eine Bestätigung für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik sehen, relativieren Oppositionspolitiker und manche Ökonomen die Daten. Korrekterweise müsse die Handelsbilanz beziehungsweise die Leistungsbilanz im Zusammenhang mit der Kapitalbilanz gesehen werden.

Einerseits suggerieren die starken Exportzuwachsraten der letzten Jahre, dass insbesondere die großen deutschen Unternehmen ihre Produkte erfolgreich auf dem Weltmarkt absetzen können. Die deutsche Bundesregierung führt dies nicht zuletzt auf die von ihr durchgeführten Gesetzesänderungen zurück (z. B. die Ökosteuer oder die Reform der Unternehmensbesteuerung), die zu einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen geführt habe.

Kritiker entgegnen dem, die Außenhandelsbilanz dürfe nicht als alleiniger Erfolgsmesser für eine Volkswirtschaft angesehen werden. Zum einen, da Deutschland mit seiner Exportorientierung stark von der Entwicklung im Ausland abhängig ist.[3] Zum Anderen wird kritisiert, dass die deutsche Wirtschaft durch dieses Leistungsbilanzungleichgewicht eine nachhaltige Entwicklung in Europa verhindere. Deutschland profitiert mit seinem Handelsüberschuss mit Lohnsenkungen davon wenn europäische Nachbarländer ihre Binnenwirtschaft stärken, aber umgedreht können die Nachbarn nicht vermehrt nach Deutschland exportieren.[4]

Als wesentliche Einflussfaktoren auf den Export lassen sich aber auch einige triviale Umstände nennen:

  • Die geografische Lage: Deutschland ist regelrecht von Handelspartnern umringt. Über 95% des Staatsgebietes liegen nicht mehr als 200km von einer Staatsgrenze entfernt. Das macht einen Vergleich mit Inselstaaten (Japan, GB) oder großen Staatsgebieten (USA, Kanada) schwierig.
  • Innerhalb der EU gibt es kaum noch Handelshemmnisse. In vielen Fällen gibt es sogar Handelsförderungen.
  • Ein Mangel an Inlandsnachfrage „erzwinge“ quasi den Export.

[Bearbeiten] Leistungsbilanz und Kapitalbilanz

Investitionsquoten in der Triade
Kapitalbilanzsaldo Deutschlands

Im Rahmen des magischen Vierecks stelle es ein Ziel der Wirtschaftspolitik dar, ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht, das heißt eine ungefähr gleiche Höhe von Ein- und Ausfuhren, zu erreichen.

Der Grund hierfür ist, dass ständige Exportüberschüsse mit einem dauerhaften Kapitalabfluss eingehen. 2006 betrug dieser laut Deutscher Bundesbank 151 Mrd. Euro. Im Jahr 2007 steigerte sich der Fehlbetrag auf 236 Mrd. Euro.[5] Entsprechend nimmt das Auslandsvermögen der deutschen Volkswirtschaft laufend zu.

Gemäß der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung besteht folgender Zusammenhang: Zahlungsbilanzsaldo = 0 = Leistungsbilanzsaldo + Kapitalbilanzsaldo + Devisenbilanzsaldo. Sofern also die Notenbank Differenzen zwischen Leistungsbilanzsaldo und Kapitalbilanzsaldo nicht durch Devisentransaktionen ausgleicht, sind Leistungs- und Kapitalbilanzsaldo gegengleich. Daher bedeutet ein hoher Nettoexport (die Differenz zwischen Export und Import) zugleich einen starken Kapitalabfluss. Solche „Nettoexporterfolge“ deuten daher unter Umständen auf einen unattraktiven Investitionsstandort hin. Die Nettoinvestitionen Deutschlands, welche die Grundlage wirtschaftlichen Wachstums bilden, sind bereits 2004 auf ein historisches Tief von 2 bis 3 % gefallen (siehe Grafik). Allerdings liegt die Nettoinvestitionsquote auch in den USA, ein Land, das seit längerem einen negativen Außenbeitrag aufweist, niedrig.

Folgendes Beispiel möge den Zusammenhang darstellen: Nehmen wir vereinfachend an, die Kapitalbilanz (KB) sei gegengleich zur Leistungsbilanz (LB) (stimmt nur bedingt da die Devisenbilanz berücksichtigt werden müsste). Außerdem gilt S (Sparen) = I (Investition) und des weiteren gilt für Nettoinvestitionen (NI) = Bruttoinvestitionen (BI) − Abschreibungen (D) + Kapitalbilanzsaldo (KB). Wird Kapital exportiert, so sinken - bei gegebenen Ersparnissen S - die Nettoinvestitionen. Wenn aber LB = -KB, dann kann man auch schreiben: NI = BI − D − LB. In Worten formuliert heißt das, ein Leistungsbilanzüberschuss senkt ceteris paribus die Nettoinvestitionen. Die Höhe der Nettoinvestitionen bestimmt aber zum Wesentlichen den eingeschlagenen Wachstumspfad.

Bewertet man nun die Frage der Kausalität zwischen Leistungsbilanz und Kapitalbilanz im Sinne einer „Huhn-Ei“-Problematik, so stellen sich zwei mögliche Sichtweisen dar:

Exporterfolge führen zu einer negativen Kapitalbilanz, niedrigen Nettoinvestitionen und in Folge dessen zu schwachem Wachstum.

Oder entgegengesetzt:

Der Abzug von Kapital führt zu geringer Inlandsnachfrage und zugleich erhöhter Auslandsnachfrage. Der Absatz folgt der Nachfrage was zu Exportüberschüssen führt. Die Nettoinvestitionen sind gering, ebenso wie das Wachstum.

Die zugrunde liegende Problematik wurde schon von Eugen Böhm von Bawerk vor über 100 Jahren analysiert: Die Kapitalbilanz regiert die Handelsbilanz. Bawerk war als Finanzminister wegen einer negativen Handelsbilanz besorgt - weniger wegen eines Verlustes an Devisen, sondern wegen einer steigenden Auslandsverschuldung.

[Bearbeiten] Sonstige Anmerkungen

Es sei außerdem bemerkt, dass Deutschland bei den Dienstleistungen per Saldo importiert, allerdings ist Deutschland inzwischen auch unter Einbeziehung der Dienstleistungen, also nach Abzug der Nettodienstleistungsimporte laut Internationalem Währungsfonds (IWF) Exportweltmeister.

Bei dem global zunehmenden Handel kommt es zu nicht nur zu einem Zuwachs von Exporten, sondern auch von Importen bzw. importieren Vorleistungen. Einige Ökonomen, wie z.B. Hans-Werner Sinn, sind wegen dieses Zuwachses der importierten Vorleistungen der Ansicht, dass Deutschland zu einer Basarökonomie verkommt, was den Exporterfolg relativiere. Allerdings wird von anderen Ökonomen ein steigender Anteil importierter Vorleistungen an den Exporten auf die zunehmende weltwirtschaftliche Verflechtung zurückgeführt (verstärkte internationale Arbeitsteilung), etwa von Lester Thurow, der eine ähnliche Beobachtung für die USA macht. Außerdem bleibt natürlich die Tatsache, dass die Exporte insgesamt größer sind als die Importe (im Gegensatz zu den USA), bestehen.

Empirisch lässt sich bestätigen, dass der Anteil der Importe an den deutschen Exporten in den letzten Jahren zugenommen hat; allerdings liegt er nach wie vor unter dem vergleichbarer Länder, so dass derzeit entweder (noch) nicht von einer Basarökonomie gesprochen werden kann, oder dies auf die im Zuge der Globalisierung zunehmende Handelsverflechtung als weltweite Erscheinung hinzunehmen ist.

[Bearbeiten] Literatur

  • Alexander Loschky, Liane Ritter: Konjunkturmotor Export (PDF). In: Wirtschaft und Statistik 05/2007, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2007.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. tagesschau: Rekorde bei Ausfuhren und Bilanzüberschuss 08. Februar 2008
  2. „Noch einmal Exportweltmeister“
  3. vgl. zur Finanzkrise tagesschau: Der Exportweltmeister spürt die Krise, 09. Oktober 2008
  4. Financial Times Deutschland, David Milleker: Die Defizite der einen sind die Überschüsse der anderen 21. Januar 2009
  5. Zahlungsbilanzstatistik der DB

[Bearbeiten] Siehe auch

Wirtschaft Deutschlands - Außenhandel

[Bearbeiten] Weblinks

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