Exportweltmeister

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Deutsche Import- und Exportzahlen bis 2004

Mit dem SchlagwortExportweltmeister“ wird allgemein der Staat bezeichnet, der innerhalb eines Jahres weltweit den höchsten Gesamtwert an Waren exportiert. Die Ermittlung des Exportweltmeisters erfolgt üblicherweise in US-Dollar, in Euro oder in zu Kaufkraftparitäten umgerechneten Wechselkursen.

In der Währung Euro wurde im Jahr 2009 erstmals die Volksrepublik China mit Exporten im Wert von 840 Milliarden Euro Exportweltmeister, während Deutschland an zweiter Stelle mit Exporten im Wert von 816 Milliarden Euro folgte[1][2].

Inhaltsverzeichnis

Begriff[Bearbeiten]

Der oft umgangssprachlich und unscharf verwendete Begriff Exportweltmeister stellt in Wirklichkeit auf zwei unterschiedliche Phänomene ab:

Einerseits wird bei der Begriffsverwendung auf das tatsächliche Volumen an Exporten einer Volkswirtschaft oder einer Region von Volkswirtschaften abgestellt und somit der formal richtige Begriff verwendet.

Andererseits wird manchmal implizit auch der Exportüberschuss oder Leistungsbilanzüberschuss thematisiert. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn zugleich ein Zusammenhang zwischen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität oder Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft und dem Export hergestellt wird. Denn der reine Export von Waren und Leistungen - ohne Berücksichtigung der im gleichen Zeitraum getätigten Importe - trifft so gut wie keine Aussagekraft über die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Im Extremfall verfügt ein Staat allein aufgrund seiner Bevölkerungsgröße über ein im Vergleich zu vielen anderen Staaten größeres Exportvolumen, muss aber zugleich aufgrund unterdurchschnittlicher internationaler Wettbewerbsfähigkeit ein noch höheres Importvolumen gegenrechnen und hat dabei erhebliche Leistungsbilanzdefizite.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 20. Jahrhundert bis 2002 waren die USA mit wenigen Ausnahmen (Deutschland 1986, 1987, 1988 und 1990) der unumstrittene Exportweltmeister. Von 2003 bis 2008 hat Deutschland diese erste Position übernommen. Seit 2009 hat China die erste Position inne.

Die vormals führenden USA wurden von 2003 bis 2010 nur noch Zweiter oder Dritter. Großbritannien verlor schon 1960 seine langjährige zweite Position an Deutschland und 1971 seine dritte Position an Japan. Japan war 1971 bis 2003 kontinuierlich Dritter nach den USA und Deutschland, wurde dann aber 2004 von China aus dieser dritten Position verdrängt. China stieg 2007 und 2008 zum Zweiten auf und ist seit 2009 Erster in dieser Wertung (siehe auch Welthandel/Tabellen und Grafiken).[3]

Exporte und Exportüberschüsse im Verhältnis zum BIP

In der Abbildung sind für die Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland die Exporte im Verhältnis zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt (BIP) dargestellt, außerdem der Nettoexport im Verhältnis zum BIP.

Ursachen und Bewertung[Bearbeiten]

Allgemeine Ursachen und Bewertungen[Bearbeiten]

Lange Jahre dominierte die USA den Welthandel als Exportweltmeister aufgrund der überdurchschnittlich hohen internationalen Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft bei einem zusätzlich bevölkerungsmäßig großen Land. Dadurch erzielte die USA nicht nur hohe Exporte, sondern auch hohe Leistungsbilanzüberschüsse. Die relative Wettbewerbsfähigkeit der USA nahm mit der Zeit ab, so dass sich zunächst trotz der hohen Exporte die Leistungsbilanzüberschüsse zusammenschmolzen und sich in die weltweit größten Leistungsbilanzdefizite verwandelten. Seit 2003 ist die USA auch nicht mehr Exportweltmeister, führt jedoch international die höchsten Defizite.

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland hat im Gegensatz zu den USA nicht abgenommen, sondern leicht zugenommen, während die internationale Wettbewerbsfähigkeit von zuerst Japan und dann China stark zugenommen hat. In China hat sich die zugenommen Wettbewerbsfähigkeit auch mit einem erheblichen Bevölkerungswachstum gepaart. Japan durchlebt seit mehreren Jahren eine strukturelle Krise und hat dadurch seine langjährige dritte Position wieder eingebüßt.

Ursachen und Bewertungen für Deutschland[Bearbeiten]

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Deutschland hat gegenüber den USA und Japan an relativer internationaler Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie durch das relative Zurückfallen der USA und Japans gewonnen, welches sehr unterschiedliche Ursachen in den USA und in Japan hat. Deutschland hat gegenüber China an relativer Wettbewerbsfähigkeit verloren, insbesondere weil China seine Wettbewerbsfähigkeit besonders stark gesteigert hat so wie auch bevölkerungsmäßig stark gewachsen ist.

Deutschland hat durch die Wiedervereinigung - stark vereinfacht dargestellt - seine weltweit überdurchschnittliche internationale Wettbewerbsfähigkeit in vielen Bereichen auf eine größere Bevölkerung übertragen können, die bisher unter dem Regime der DDR international unterdurchschnittlich wettbewerbsfähig war. Deutschland hat in einem zusammenwachsenden Europa gegen viele Staaten relativ an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen, weil diese selbst international zurückgefallen sind. Darunter sind einerseits die Staaten zu zählen, die bis 2009 so stark an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren haben, dass sie in eine Verschuldungskrise geraten sind. Darunter sind aber auch Staaten wie Großbritannien und Belgien zu zählen, die in einem geringeren Ausmaß an relativer internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren haben, ohne allerdings in eine Schuldenkrise zu geraten.

Durch seine bis 2008 führende - inzwischen allerdings von China verdrängte - internationale Exportposition ist Deutschland überdurchschnittlich abhängig vom internationalen Wirtschaftsgefüge.

Als wesentliche Einflussfaktoren auf den Export (nicht Exportüberschuss) von Deutschland lassen sich aber auch einige triviale Umstände nennen:

  • Die geografische Lage: Deutschland ist regelrecht von Handelspartnern umringt. Über 95 % des Staatsgebietes liegen nicht mehr als 200 km von einer Staatsgrenze entfernt. Das macht einen Vergleich mit Inselstaaten (Japan, GB) oder großen Staatsgebieten (USA, Kanada) schwierig.
  • Innerhalb der EU gibt es kaum noch Handelshemmnisse.

Leistungsbilanz und Kapitalbilanz[Bearbeiten]

Investitionsquoten in der Triade
Kapitalbilanzsaldo Deutschlands

Im Rahmen des magischen Vierecks stelle es ein Ziel der Wirtschaftspolitik dar, ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht, das heißt eine ungefähr gleiche Höhe von Ein- und Ausfuhren, zu erreichen.

Exportüberschüsse gehen mit einem gestiegenen Nettokapitalexport einher. 2007 betrug dieser laut Deutscher Bundesbank 236 Milliarden Euro.[4] Entsprechend nimmt das Auslandsvermögen der deutschen Volkswirtschaft laufend zu.

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Gemäß der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung besteht folgender Zusammenhang: Zahlungsbilanzsaldo = 0 = Leistungsbilanzsaldo + Kapitalbilanzsaldo + Devisenbilanzsaldo. Sofern also die Notenbank Differenzen zwischen Leistungsbilanzsaldo und Kapitalbilanzsaldo nicht durch Devisentransaktionen ausgleicht, sind Leistungs- und Kapitalbilanzsaldo gegengleich. Daher bedeutet ein hoher Nettoexport (die Differenz zwischen Export und Import) zugleich einen starken Kapitalabfluss. Solche „Nettoexporterfolge“ deuten daher unter Umständen auf einen unattraktiven Investitionsstandort hin. Die Nettoinvestitionen Deutschlands, welche die Grundlage wirtschaftlichen Wachstums bilden, sind bereits 2004 auf ein historisches Tief von 2 bis 3 % gefallen (siehe Grafik). Allerdings liegt die Nettoinvestitionsquote auch in den USA, ein Land, das seit längerem einen negativen Außenbeitrag aufweist, niedrig.

Folgendes Beispiel stellt den Zusammenhang dar: Nehmen wir vereinfachend an, die Kapitalbilanz (KB) sei gegengleich zur Leistungsbilanz (LB) (stimmt nur bedingt da die Devisenbilanz berücksichtigt werden müsste). Außerdem gilt S (Sparen) = I (Investition) und des Weiteren gilt für Nettoinvestitionen (NI) = Bruttoinvestitionen (BI) − Abschreibungen (D) + Kapitalbilanzsaldo (KB). Wird Kapital exportiert, so sinken - bei gegebenen Ersparnissen S - die Nettoinvestitionen. Wenn aber LB = -KB, dann kann man auch schreiben: NI = BI − D − LB. In Worten formuliert heißt das, ein Leistungsbilanzüberschuss senkt ceteris paribus die Nettoinvestitionen. Die Höhe der Nettoinvestitionen bestimmt aber zum Wesentlichen den eingeschlagenen Wachstumspfad.

Bewertet man nun die Frage der Kausalität zwischen Leistungsbilanz und Kapitalbilanz im Sinne einer Henne-Ei-Problematik, so stellen sich zwei mögliche Sichtweisen dar:

Exporterfolge führen zu einer negativen Kapitalbilanz, niedrigen Nettoinvestitionen und infolgedessen zu schwachem Wachstum.

Oder entgegengesetzt:

Der Abzug von Kapital führt zu geringer Inlandsnachfrage und zugleich erhöhter Auslandsnachfrage. Der Absatz folgt der Nachfrage was zu Exportüberschüssen führt. Die Nettoinvestitionen sind gering, ebenso wie das Wachstum.

Die zugrunde liegende Problematik wurde schon von Eugen Böhm von Bawerk vor über 100 Jahren analysiert: Die Kapitalbilanz regiert die Handelsbilanz. Bawerk war als Finanzminister wegen einer negativen Handelsbilanz besorgt - weniger wegen eines Verlustes an Devisen, sondern wegen einer steigenden Auslandsverschuldung.

Dienstleistungen[Bearbeiten]

Es sei außerdem bemerkt, dass das Schlagwort „Exportweltmeister“ Dienstleistungen unberücksichtigt lässt. Allerdings war Deutschland zwischenzeitlich auch unter Einbeziehung der Dienstleistungen laut Internationalem Währungsfonds (IWF) Exportweltmeister.

Vorprodukte[Bearbeiten]

Bei dem global zunehmenden Handel kommt es nicht nur zu einem Zuwachs von Exporten, sondern auch von Importen bzw. importieren Vorleistungen. Einige Ökonomen, wie zum Beispiel Hans-Werner Sinn, sind wegen dieses Zuwachses der importierten Vorleistungen der Ansicht, dass Deutschland zu einer Basarökonomie verkommt, was den Exporterfolg relativiere.

Dieser steigende Anteil importierter Vorleistungen an den Exporten lässt sich nach Lester C. Thurow über eine verstärkte internationale Arbeitsteilung auf die zunehmende weltwirtschaftliche Verflechtung zurückführen.

Empirisch lässt sich bestätigen, dass der Anteil der Importe an den deutschen Exporten in den letzten Jahren zugenommen hat; allerdings liegt er nach wie vor unter dem vergleichbarer Länder, so dass derzeit entweder (noch) nicht von einer Basarökonomie gesprochen werden kann, oder dies auf die im Zuge der Globalisierung zunehmende Handelsverflechtung als weltweite Erscheinung hinzunehmen ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Loschky, Liane Ritter: Konjunkturmotor Export (PDF). In: Wirtschaft und Statistik 05/2007, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2007.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. China ist Exportweltmeister – die tageszeitung, 11. Januar 2010
  2. Deutschland abgehängt - China ist neuer Exportweltmeister – Spiegel Online, 6. Januar 2010
  3. Exportweltmeister Deutschland – Titel auf Zeit? – PDF des Statistischen Bundesamtes
  4. Zahlungsbilanzstatistik der DB

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]