ExxonMobil

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Exxon Mobil Corporation
Logo der Exxon Mobil Corporation
Rechtsform Corporation
ISIN US30231G1022
Gründung 30. November 1999
Sitz Irving, Texas
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Leitung Rex Tillerson, Chief Executive Officer und Chairman
Mitarbeiter 76.900 (2012)[1]
Umsatz 438,25 Mrd. US-Dollar (2013)[2]
Gewinn 32,6 Mrd. US-Dollar (2013)[2]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Branche Öl und Gas
Website www.exxonmobil.com

Die Exxon Mobil Corporation ist ein US-amerikanischer Mineralölkonzern, der 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon (Standard Oil of New Jersey) und Mobil Oil (Standard Oil Company of New York) entstanden ist. ExxonMobil gilt als ein direkter Nachfolger der Standard Oil Company.

Geschichte[Bearbeiten]

ExxonMobil-Building in Houston, Texas
Größte Unternehmen der Welt 2012 nach Umsatz
Struktur der Großkonzerne in der Erdölbranche

Exxon und Mobil waren im Jahr 1882 Teile eines einzigen Unternehmens – John D. Rockefellers Standard Oil Trust.

1911 ordnete der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Auflösung von Standard Oil an. Als neue Unternehmen entstanden dadurch unter anderem die Standard Oil Company of New York (Socony), die später über die Socony-Vacuum Oil zur Mobil Oil wurde, und die Standard Oil of New Jersey, abgekürzt SO, gesprochen EssO, die spätere Exxon. Beide wuchsen somit in den darauffolgenden Jahrzehnten rechtlich unabhängig voneinander weiter.

Am 30. November 1999 konnten sich die beiden nunmehr großen Konzerne aufgrund von geänderten gesetzlichen Bestimmungen wieder vereinigen.

Geschichte in Deutschland[Bearbeiten]

Die Standard Oil of New Jersey wurde unter anderem bekannt durch ihre Zusammenarbeit mit der I.G. Farben bei der Erzeugung von Synthetischem Öl sowie der gemeinsamen Beteiligung bei der Deutschen Gasolin. Ihre deutsche Tochtergesellschaft war die Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft (DAPG, später Deutsche Esso GmbH aufgegangen in ExxonMobil GmbH). Die Esso Tankschiff Reederei GmbH ETR war zu 100 Prozent eine Tochtergesellschaft der Esso AG. (1994 Schifffahrt eingestellt)

Mobil in Deutschland wurde 1899 als Deutsche Vacuum Oil Company in Hamburg gegründet.

Derzeit (Stand: 30. Dezember 2012) gibt es in Deutschland noch 1076 ESSO-Tankstellen, nachdem ESSO über die vergangenen Jahre beständig Stationen geschlossen oder veräußert hat. Der komplette Verkauf des deutschen Tankstellennetzes ist geplant[3], das österreichische Tankstellennetz wurde bereits an die italienische ENI/Agip verkauft.

Wirtschaftsdaten[Bearbeiten]

ExxonMobil erzielt seit mehreren Jahren hohe Gewinne und gehört deshalb laut der Liste Financial Times Global 500 regelmäßig, gemessen an der Marktkapitalisierung, zu den wertvollsten Unternehmen der Welt.

Der Umsatz des Unternehmens schwankt stark, abhängig von den jeweiligen Ölpreisen. Er entsprach 2007, gerechnet nach der Kaufkraft, dem BIP von Belgien. Im Geschäftsjahr 2008 erzielte ExxonMobil mit 45,22 Milliarden US-Dollar den höchsten Gewinn, den bis dato ein nichtstaatliches Unternehmen jemals erzielt hat.[4]

Aktionärsstruktur: Hauptaktionäre des Unternehmens sind Fonds und institutionelle Investoren, von denen jedoch keiner mehr als 4 % besitzt.

Globale Konkurrenten sind Mineralölkonzerne wie BP (Großbritannien), Total (Frankreich), Chevron Corporation (USA), ConocoPhillips (USA), ENI (Italien) und Royal Dutch Shell (Niederlande/Großbritannien). In Skandinavien der Konzern Statoil (Norwegen), sowie Lukoil und Gazprom in Russland. Hinzu kommen Staatskonzerne wie Saudi Aramco oder China National Petroleum Corporation.

Mit einer Jahresproduktion von über neun Millionen Tonnen Polyolefinen ist das Unternehmen Weltmarktführer auf diesem Gebiet.[5]

Konzernstruktur/Unternehmensbeteiligungen[Bearbeiten]

Das Logo von Esso
Das Logo von Mobil

Exxon Mobil Corporation

  • ExxonMobil Central Europe Holding GmbH, Hamburg (100 %)
    • ESSO Deutschland GmbH, Hamburg
      • Mehrere osteuropäische Gesellschaften und diverse Vertriebsgesellschaften
    • Mobil Erdgas-Erdöl GmbH, Hamburg
      • ExxonMobil Gas Marketing Deutschland GmbH, Hannover
    • ExxonMobil Production Deutschland GmbH, Hannover

ExxonMobil ist funktionell in drei Bereiche mit Unterabteilungen gegliedert:

  • Upstream (Houston, TX)
    • ExxonMobil Exploration Company
    • ExxonMobil Development Company
    • ExxonMobil Production Company
    • ExxonMobil Aftermath Entertainment
    • ExxonMobil Gas and Power Marketing Company
    • ExxonMobil Upstream Research Company
  • Downstream (Fairfax, VA)
    • ExxonMobil Refining and Supply Company
    • ExxonMobil Fuels Marketing Company
    • ExxonMobil Lubricants & Specialties Company
    • ExxonMobil Research and Engineering Company
    • ExxonMobil Global Services Company
  • Chemical (Houston, TX)
    • ExxonMobil Chemical Company
Raffinerie der ExxonMobil in Baton Rouge

Hurrikans und die Konsequenzen[Bearbeiten]

Eine Raffinerie von Exxon in der Gegend um Houston wurde in der Nacht vom 24. auf den 25. September 2005 vom Hurrikan Rita überschwemmt und war bis zum Frühjahr 2006 außer Betrieb. Nachdem durch diesen etwa 16 % der U.S. Inlands-Raffineriekapazität ausfiel, wollte sich Präsident Bush, bekannt für seine Kontakte zur Ölindustrie, für eine Erweiterung der Kapazitäten und Dezentralisierung in den Staaten, sowie für eine Freigabe von neuen Offshore-Bohrplänen, z. B. vor Floridas Küste einsetzen.

Der hohe Erdölpreis hatte dem Konzern im dritten Quartal 2005 einen Rekordgewinn um 75 % auf 8,2 Milliarden Euro gebracht. Konzernchef Lee R. Raymond verwahrte sich dabei gegen Vorwürfe der Preistreiberei im Gefolge der Hurrikans.

Zukunft[Bearbeiten]

Laut Exxon-Chef Rex. W. Tillerson reichen die Ölvorräte der Erde bei gleichbleibendem Anstieg des Verbrauchs noch für weitere 160 Jahre. Noch unentdeckte Vorkommen machen allerdings die Hälfte dieser Rechnung aus.

Exxon Chef Tillerson bezeichnete den Klimawandel als ingenieurstechnisches Problem. Er schlug vor, dass Landwirte sich neue Gebiete für den Getreideanbau suchen müssten.[6][7]

Kritik[Bearbeiten]

Sinkende Ölplattform „Thunder Horse“
Säubern der mit Öl verschmutzten Felsen nach der Havarie der Exxon Valdez

Im Schwarzbuch Markenfirmen wird dem US-Konzern unter anderem die Finanzierung von Bürgerkriegen und dem damit verbundenen Waffenhandel, sowie auch die Zerstörung der Lebensgrundlagen in Ölfördergebieten vorgeworfen.[8]

Nach Ansicht von Greenpeace missbraucht ExxonMobil seine geballte Wirtschaftsmacht gegen den Klimaschutz, Umweltinteressen und Menschenrechte. Dem Ölkonzern wird vorgeworfen, den internationalen Klimaschutz massiv zu behindern, was unter anderem von der Union of Concerned Scientists (UCS), einem Wissenschaftsverband mit 200.000 Mitgliedern in den USA, bestätigt wird.[9]

Im März 2013 verursachte ExxonMobil eine Umweltkatastrophe im US-Bundesstaat Arkansas, versuchte aber, diese zu vertuschen. Journalisten, die über den Fall berichten wollten, wurden bedroht.[10]

Lobbyarbeit[Bearbeiten]

Laut UCS hatte ExxonMobil bis 2007 fast 16 Millionen Dollar investiert, um Skeptiker des Klimawandels zu unterstützen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu verschleiern sowie Politiker und Medien zu manipulieren.[11] Laut Greenpeace investierte ExxonMobil seit 1998 über 22 Millionen Dollar zu diesem Zweck in entsprechende Lobbyarbeit.[12] In den Jahren 1998 bis 2005 gingen davon 1,6 Millionen Dollar an das American Enterprise Institute. Dieses biete Wissenschaftlern 10.000 Dollar zuzüglich Spesen für Berichte, die den Klimabericht der UNO in Frage stellen. Das berichtete die britische Zeitung The Guardian.[13]

Exxon Mobil und die Generaldirektion Binnenmarkt gewannen den Worst EU Lobby Award 2006. Der Ölkonzern wurde damit für sein beharrliches Bemühen ausgezeichnet, eine faire öffentliche und politische Debatte zum Klimaschutz im Sinne eigener Geschäftsinteressen zu verhindern.

Fracking[Bearbeiten]

ExxonMobil ist einer der grössten Betreiber der Fracking-Methode in den USA und immer mehr in Europa. Anfang 2014 wurde bekannt, dass Rex Tillerson, Vorstandsvorsitzender von ExxonMobil, sich einer Klage angeschlossen hat gegen ein Fracking-Projekt in der Nähe seiner Ranch in Bartonville (Texas). Er gab an, dass dies den Wert seines Grundstücks beeinträchtigen könnte.[14][15] Daraufhin wurden Tillerson und ExxonMobil im US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes kritisiert: „Manchmal ist die Heuchelei, die im wirklichen Leben zum Ausdruck kommt so überragend ergiebig, dass man niemals hätte hoffen können, ein ähnliches Szenario aus reiner Phantasie zu erschaffen. Treffen Sie Rex Tillerson, der CEO von Öl-und Gas-Konzern-Superstar ExxonMobil der größte Erdgasproduzent in diesen Vereinigten Staaten von Amerika und ein neu entstehender Gigant in der Welt der exquisiten Heuchelei.“ (Sometimes, the hypocrisy expressed in real life is so sublimely rich that one could never hope to construct a similar scenario out of pure imagination. Meet Rex Tillerson, the CEO of oil and gas superstar ExxonMobile Corporation — the largest natural gas producer in these United States of America—and a newly emerging giant in the world of exquisite hypocrisy.)[16]

Methanaustritt in der Nordsee[Bearbeiten]

Seit dem 20. November 1990 strömt Methan in größeren Mengen aus einem Vorkommen rund 400 Meter unter der Nordsee, rund 140 Kilometer vor der Küste Schottlands (siehe Erdgas-Leck in der Nordsee). Es entstand, als die Stena Drilling Company im Auftrag der Exxon-Tochter Mobil North Sea auf der Suche nach Erdöl mit der Plattform High Seas Driller ein Bohrloch setzte und damit versehentlich einen Blowout auslöste.[17][18]

Exxons Schuld am Umwelt-Desaster in New York[Bearbeiten]

Auf Grund undichter Rohrleitungen, rostender Öltanks und fehlender Maßnahmen zum Grundwasserschutz sind im Januar 2007 weite Teile des Newtown Creek bei New York mit giftigen Chemikalien und Öl verseucht worden, unter anderem mit Blei, Benzol und Kerosin. Auf Exxons altem Brooklyner Firmengelände war jahrzehntelang Öl in den Grund gesickert und hatte sich dort zu einer Giftschicht ausgebreitet. Diese Schicht befindet sich direkt unter einem Wohnviertel. Dämpfe der Giftschlacke steigen aus den Kellern und der Kanalisation und führen zu schweren Gesundheitsschäden unter den Einwohnern. Der ExxonMobil-Konzern musste sich zu der Zeit – auf Grund von Sammelklagen der New Yorker Bevölkerung – vor Gericht verantworten. Auch die Stadt New York hat eine Umweltstudie eingeleitet, nachdem gütliche Verhandlungen mit dem Konzern gescheitert waren. Sogar das US-Justizministerium erwog eine Klage. Zwar hat Exxon bereits mit dem Abpumpen der Giftschicht begonnen, steht nun aber wegen fragwürdiger Beseitigungsmaßnahmen in der Kritik.[19]

Fehlende Antidiskriminierungs-Richtlinien[Bearbeiten]

Nach Angaben von Human Rights Campaign vom August 2007 war ExxonMobil zu jenem Zeitpunkt eines von nur zwei der einhundert größten US-amerikanischen Unternehmen, das über keine Antidiskriminierungs-Richtlinien zum Schutz ihrer homosexuellen Mitarbeiter verfügte.[20] So setzt ExxonMobil in Ländern in denen es verordnet ist zwar Antidiskriminierungs-Richtlinien um, wehrt sich aber insbesondere in den USA gegen eine solche Regelung. Zusätzlich setzte der Konzern bestehende Richtlinien der Firmen Mobil Oil und XTO zum Schutz ihrer homosexuellen Mitarbeiter und zur Unterstützung von gleichgeschlechtlichen Ehepartnern nach Übernahme der Firmen außer Kraft.[21]

Siehe auch[Bearbeiten]

Geschichte der Ölkonzerne:

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kategorie ExxonMobil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Kategorie:Exxon Mobil – in den Nachrichten
Kritische Weblinks zu Exxonmobil
  • Exxposeexxon.com – ExxonMobil Kampagne (Englisch)
  • Worldoutofbalance.org – Dokumentarfilm u. a. über ExxonMobils Einfluss auf die Klimaveränderung (Englisch)
  • ORF.at – Bericht über die Umweltkatastrophe in Arkansas im März 2013

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ExxonMobil Zusammenfassung Geschäftsbericht 2012
  2. a b Pressemitteilung Exxon Mobil Corporation Announces Estimated Fourth Quarter 2013 Results
  3. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mutterkonzern-fuehrt-verkaufsgespraeche-esso-tankstellen-for-sale-1.1402947
  4. Ölriese ExxonMobil macht 45 Milliarden Dollar Gewinn, Spiegel online, 1. Februar 2013
  5. Der Standard, 15. September 2006, S. 23, mit Verweis auf CMAI – Chemical Market Associates als Quelle
  6. Reuters, Exxon CEO calls climate change engineering problem, 27. Juni 2012
  7. Die Zeit, Klimawandel – Das Ende der Pasta, 18. Dezember 2012
  8. Klaus Werner, Hans Weiss: Das neue Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne, Ullstein, Berlin 2006 [1]
  9. Greenpeace.org, Pressemeldung veröffentlicht am 28. Mai 2003: Greenpeace gegen Klimaverbrecher Exxon Protestaktion an der Zentrale in Texas [2]
  10. orf.at, Bericht über die Umweltkatastrophe in Arkansas im März 2013 [3]
  11. Financial Times Deutschland: Wie Exxon die Welt verdunkelt (Version vom 14. Januar 2007 im Internet Archive), 11. Januar 2007
  12. exxonsecrets: How ExxonMobile funds climate change sceptics, Zugriff am 23. Januar 2009
  13. 20 Minuten: Prämie: Wer widerlegt die Klimaforscher?, 3. Februar 2007
  14. Exxon CEO Joins Suit Citing Fracking Concerns, The Wall Street Journal, 20. Februar 2014
  15. Exxon Mobil CEO Sues to Keep Fracking Project Away From His Property, But Supports Fracking Elsewhere, Seattle Post Intelligencer, 21. Februar 2014
  16. Exxon CEO Profits Huge As America's Largest Natural Gas Producer-But Frack In His Own Backyard And He Sues!, Forbes, 22. Februar 2014
  17. Das Desaster vor der Tür, Zeit Online, 29. Juli 2010
  18. Gasleck in der Nordsee: Sprudelnde Gefahr aus der Tiefe, Spiegel Online, 30. März 2012
  19. Spiegel-Online: New Yorks unsichtbare Ölpest, 4. Februar 2007
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format93 % der US-Firmen homofreundlich. queer.de, 27. August 2007, abgerufen am 22. Dezember 2009: „...schützen nur zwei Firmen schwule und lesbische Mitarbeiter nicht. Dabei handelt es sich um den Mineralölkonzern Exxon Mobil...“
  21. Exxon Defies Calls to Add Gays to Anti-Bias Policy. nytimes.com, abgerufen am 26. Mai 2013.