Führer

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Führer (Begriffsklärung) aufgeführt.

Der Begriff Führer wurde und wird für mehrere Politiker – insbesondere für durch Ausübung von Gewalt unumschränkt regierende Staatsoberhäupter – gebraucht. Ursprünglich eine rein pragmatische Bezeichnung, repräsentiert das Wort heute meist einen Personenkult.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Wortherkunft

Für zeitgenössische Ohren selbstverständlich war die Bezeichnung eines Herrschers als „Führer“ in der Antike, im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, häufig unter Verwendung des lateinischen Wortes dux (lat. „Führer“) als dem jeweiligen Herrschernamen nachgestellter Ehrentitel, beispielsweise Robert, dux Francorum, also „Robert, Führer der Franken“. Eine Übersetzung ist das sprachlich äquivalente deutsche Wort Fürst. Außerdem wurden die Oberbefehlshaber von Armeen als Heerführer (lat. dux belli, „Kriegsherr“, mhd. hervüerer)[1] bezeichnet, das entspricht dem deutschen Herzog aus ahd. herizogo, „der vor dem Heer zieht“.

Das Wort selbst, ahd. fôrari ist nach Grimm „nachweislich nur in dem sinne von lohnträger, lastträger, bajolus[2], und erst mhd. füerære, vüerære, füerer, vüerer in der Bedeutung „einer der führt“ erhalten[3], und erweitert sich erst neuzeitlich auf das heutige Bedeutungsfeld einschließlich „der ein Tier führt“, insbesondere „Fuhrmann[4] und „der eine Waffe, eine Insignie“ und ähnliches „führt“.

Die analoge Wortverwendung findet auch in anderen Sprachen statt, dann aber auch ohne den militärischen Kontext, im Sinne „Leiter“[5] mit „Führer“ ins Deutsche übersetzt:

  • In der Republik Venedig und anderen norditalienischen Stadtrepubliken wurden die Staatsoberhäupter mit dem norditalienischen Dialektwort Doge für „Führer“ benannt.
  • Der Oberste Rechtsgelehrte als höchsten Repräsentant der Islamischen Republik Iran wird als persisch ‏ولی فقیهwali-e faqih oder ‏رهبرrahbar, „Oberster Führer“, „Wegweiser“, bezeichnet.

[Bearbeiten] Soziologie

Der Soziologe Theodor Geiger machte Führertum zum Gegenstand einer soziologischen Untersuchung und fasste folgende Merkmale zusammen:

„Der Führer führt die Gruppe, nicht eine Herde Menschen; seine Macht als Führer erstreckt sich auch nicht auf den Menschen, welcher der Gruppe zugehört, im ganzen, sondern auf ihn nur insoweit, als er seelisch von der Gruppe erfaßt ist, also nur auf eine Partie seines Wesens. Er ist das Organ des von einer ihn selbst einschließenden Menschenmehrzahl getragenen Wir in der sichtbaren Welt.“[6]

[Bearbeiten] Der Begriff in Zusammenhang mit Adolf Hitler

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Diktator Adolf Hitler als „Führer und Reichskanzler des deutschen Volkes“ oder auch einfach nur kurz als „Der Führer“ oder „Unser Führer“ bezeichnet (siehe auch: Führererlass). Ursprünglich hatte sich auch der protofaschistische österreichische Politiker Georg von Schönerer zu jener Zeit als „Führer“ bezeichnen lassen. Viele weitere hohe Amtsträger im nationalsozialistischen Deutschland trugen das Wort „Führer“ ebenfalls in ihrem Titel, so etwa der „Reichsführer-SS“ und der „Reichsjugendführer“, daneben auch die höheren Dienstgrade der SS. Grundlage dieser Bezeichnungen war das Führerprinzip und Bezug auf mittelalterlich-feudalistische Hierarchien mutmaßlich „urgermanischer“ Herkunft (Lehnswesen).

Heute wird deswegen im deutschen Sprachraum die Verwendung des Wortes Führer vermieden, sofern im jeweiligen Kontext die Gefahr besteht, dass ein Zusammenhang mit Hitler und dem Nationalsozialismus hergestellt werden könnte. Dies gilt vor allem für die Verwendung des Wortes Führer ohne weitere Attribute oder Zusätze. Oft wird es durch andere Wörter, wie beispielsweise Leiter, Chef, Manager oder das englische Führer-Äquivalent leader, ersetzt. Einige Kritiker erheben in diesem Zusammenhang den Vorwurf „übertriebener politischer Korrektheit“. Trotzdem ist im Deutschen ohne jede Konnotation in diesem Sinne nicht unüblich, Parteichefs im Allgemeinen als Parteiführer oder Oppositionsführer zu bezeichnen; es ist auch im polizeilichen und militärischen Gebrauch (Polizeiführer, Abteilungsführer, Hundertschaftsführer, Zugführer, Gruppenführer, Truppführer, aber: Führungsperson) zu verwenden. Im Sprachgebrauch des Italienischen hat nach der historischen Zeit des Faschismus das englische Fremdwort leader das ursprüngliche Wort duce heute weitestgehend ersetzt.

Das deutsche Wort „Führer“ hat in diesem Zusammenhang als Lehnwort auch Eingang in andere Sprachen gefunden. In Ermangelung von Umlauten in vielen Zeichensätzen wird es dort oft „Fuehrer“ oder auch fälschlicherweise „Fuhrer“ geschrieben.[7][8]

[Bearbeiten] Andere „Führer“ genannte Persönlichkeiten

Weitere Machthaber, meist Diktatoren, die sich im Zuge eines übersteigerten Personenkultes in ihrer jeweiligen Landessprache selbst als „Führer“ bezeichnet haben oder noch so bezeichnet werden, waren oder sind:

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Eintrag HEERFÜHRER, m. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854–1960 (dwb.uni-trier.de)
  2. Eintrag FUHRER [furer], FÜHRER [fürer], m. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch. (dwb.uni-trier.de)
  3. Eintrag FÜHRER [fürer], m. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch. (dwb.uni-trier.de)
  4. Grimm: FÜHRER 4) und 6)
  5. Grimm: FÜHRER 2)
  6. Theodor Geiger: Führer und Genie, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1926/27 (6. Jg.), S. 233–247, hier S. 235.
  7. GermanEnglishWords.com
  8. DE Deutschland, l’Allemagne, Germany
  9. Manfred Hildermeier, Die Sowjetunion 1917–1991 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte), Oldenbourg Verlag, München 2007, S. 53
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