Führereid

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Führereid oder Eid auf den Führer benennt einen Eid, der während der Zeit des Nationalsozialismus von verschiedenen Personengruppen verlangt wurde. Im militärischen Kontext wurde manchmal synonym von Fahneneid gesprochen.

Nach dem Tod des greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (* 2. Oktober 1847 in Posen; † 2. August 1934 auf Gut Neudeck, Ostpreußen) wurden die Ämter des Reichskanzlers und des Staatsoberhaupts auf Adolf Hitler verschmolzen. Die Reichswehrsoldaten leisteten von nun an ihren militärischen Eid auf den „Führer und Reichskanzler“ Hitler.

Eid[Bearbeiten]

Reichswehr[Bearbeiten]

„Ich schwöre der Reichsverfassung und gelobe, daß ich als tapferer Soldat das Deutsche Reich und seine gesetzmäßigen Einrichtungen jederzeit schützen, dem Reichspräsidenten und meinen Vorgesetzten Gehorsam leisten will.“

Eidesformel vom 14. September 1919[1]

„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich Volk und Vaterland allzeit treu und redlich dienen und als tapferer und gehorsamer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“

Eidesformel vom 2. Dezember 1933[1]

Wehrmacht[Bearbeiten]

„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“

Eidesformel vom 2. August 1934[1]

Walter von Reichenau, der maßgeblich am Aufbau der Wehrmacht beteiligt war, diktierte seinem Mitarbeiter Hermann Foertsch diese Eidesformel zur Niederschrift. Nach Sprechen der Eidesformel hatten die Soldaten auf Hitler ein Hurra auszubringen.[2]

SS[Bearbeiten]

„Ich schwöre Dir, Adolf Hitler, als Führer und Kanzler des Deutschen Reiches, Treue und Tapferkeit.
Ich gelobe Dir und den von Dir bestimmten Vorgesetzten Gehorsam bis in den Tod! So wahr mir Gott helfe!“
„Wie lautet Dein Eid?“ – „Ich schwöre Dir, Adolf Hitler, als Führer und Kanzler des Deutschen Reiches Treue und Tapferkeit. Wir geloben Dir und den von Dir bestimmten Vorgesetzten Gehorsam bis in den Tod. So wahr mir Gott helfe!“
„Also glaubst Du an einen Gott?“ – „Ja, ich glaube an einen Herrgott.“
„Was hältst Du von einem Menschen, der nicht an einen Gott glaubt?“
Die Antwort lautet: „Ich halte ihn für überheblich, größenwahnsinnig und
dumm; er ist nicht für uns geeignet.“[3]

Beamte[Bearbeiten]

Das Deutsche Beamtengesetz vom 26. Januar 1937 legte fest:

„Ein im deutschen Volk wurzelndes, von nationalsozialistischer Weltanschauung durchdrungenes Berufsbeamtentum, das dem Führer des Deutschen Reichs und Volkes, Adolf Hitler, in Treue verbunden ist, bildet einen Grundpfeiler des nationalsozialistischen Staates. Daher hat die Reichsregierung das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§ 1. bis § 3.
[…].

2. Treueid

§ 4. (1) Die besondere Verbundenheit mit Führer und Reich bekräftigt der Beamte mit folgendem Eide, den er bei Antritt seines ersten Dienstes zu leisten hat:

„Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe“.

(2) Gestattet ein Gesetz den Mitgliedern einer Religionsgesellschaft an Stelle des Eides andere Beteuerungsformeln zu gebrauchen, so kann der Beamte, der Mitglied einer solchen Religionsgesellschaft ist, diese Beteuerungsformel sprechen.

(3) Erklärt der Beamte, daß er Bedenken habe, den Eid in religiöser Form zu leisten, so kann er ihn ohne die Schlußworte leisten.“[4]

Weitere Personengruppen[Bearbeiten]

Von Hochschulprofessoren wurde der Eid verlangt; ebenso von Krankenschwestern (siehe Krankenpflege im Nationalsozialismus) und von manchen Studentengruppen (z. B. verweigerte 1935 der Theologiestudent Heinz Welke den Eid).

In Teilen der evangelischen Kirche war der Eid umstritten (vgl. Paul Schempp). Die Bekennende Kirche lehnte ihn ab. Die evangelische Strömung Deutsche Christen und der Lutherrat befürworteten ihn; die Landesbischöfe der intakten Landeskirchen verlangten ihn dann von ihren Pastoren.

Sonstiges[Bearbeiten]

1935 wurde die Wehrpflicht im Deutschen Reich wiedereingeführt: Seither drohten Kriegsdienstverweigerern schwere Zuchthausstrafen – in der Regel Einweisung in ein KZ – und bei Festhalten ihrer Verweigerung die Todesstrafe.

Während des Zweiten Weltkriegs verfügte § 5 der Kriegssonderstrafrechtsverordnung (KSSVO):[5]

Jeder wird mit dem Tod bestraft, der es wagen sollte, den Fahneneid auf Adolf Hitler oder den Kriegsdienst zu verweigern.

Verweigernde Soldaten wurden in der Regel standrechtlich erschossen.

Dennoch gab es bis 1945 etwa 8000 Verweigerer, etwa 6000 davon kriegs- und eidverweigernde Zeugen Jehovas. Von ihnen starben etwa 1200 (635 davon an Haftbedingungen) oder wurden ohne Gerichtsurteil in Haft ermordet; 203[6] – nach anderen Angaben 250[7] – davon aufgrund eines Gerichtsurteils wegen ihrer Kriegsdienstverweigerung (siehe Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus).

Von einigen Attentätern des 20. Juli 1944 ist bekannt, dass sie sich – trotz ihrer Konspiration gegen Hitler – in starkem Maße durch diesen Eid gebunden fühlten. Andere hingegen maßen ihm kein Gewicht bei, weil sie sich zum Eid gepresst fühlten.

Viele Regimegegner wurden, nachdem ihr Widerstand kriminalisiert worden war, in ein sogenanntes Bewährungsbataillon gepresst – zum Beispiel stellte man sie vor die Wahl „KZ oder Front“. Ab Juli 1941 begann die Wehrmacht damit, erste Soldaten zur Strafdivision 500 einzuberufen. Im Oktober 1942 wurde die Strafdivision 999 aufgestellt. Beide mussten oft in vorderster Front kämpfen. Daneben gab es folgendes Procedere: ein Systemkritiker – zum Beispiel ein Priester oder Pastor, der mit kritischen Predigten aufgefallen war – wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Seine Vorgesetzten bekamen die Order, ihn an vorderster Front einzusetzen.

Bekannte Verweigerer des Führereides[Bearbeiten]

  • Karl Barth (Schweizer Theologe); Folge: Verlust der Professur
  • Kurt von Fritz (Hochschullehrer); Folge: zwangsweise Versetzung in den Ruhestand
  • Martin Gauger (Rechtsassessor bei Staatsanwalt Wuppertal); Folge: ausgeschieden aus der Staatsanwaltschaft
  • Franz Heckenast (Österreichischer Offizier), nach dem „Anschluss“; Folge: Zwangspensionierung
  • Paul Jacobs (Pastor und Professor in Münster)
  • Hermann Klugkist Hesse (Theologe und Kirchenhistoriker)
  • Erica Küppers (Theologin aus Hessen); Folge: zwangsweise in den Ruhestand versetzt
  • Josef Mayr-Nusser (Bozen), nach Einberufung zur Waffen-SS; Folge: Todesurteil, auf dem Weg in das KZ Dachau gestorben
  • Franz Reinisch (Pallottiner Pater aus Österreich), nach Einberufung zur Wehrmacht; Folge: Hinrichtung
  • Theodor Roller (CVJM-Mitglied aus Tübingen); Folge: psychiatrische Einweisung
  • Joseph Ruf („Bruder Maurus“ der Christkönigsgesellschaft), in der Wehrmacht; Folge: Hinrichtung
  • Ulrich Sporleder (ev. Theologe), bei seinem 2. Theologischen Examen 1940; Folge: Keine Anklage
  • Karl Steinbauer (ev.-luth. Theologe)
  • Rudolf Towarek (Generalmajor in Österreich), nach dem „Anschluss“; Folge: Zwangspensionierung
  • Hellmut Traub (Theologe)
  • Ernst Volkmann (Gitarrenbauer aus Bregenz), nach Einberufung zur Wehrmacht; Folge: Hinrichtung
  • Ludwig Walz (Bekleidungskaufmann und Bürgermeister), nach Einberufung zur Wehrmacht; Folge: drei Tage Gefängnis
  • Heinz Welke (Theologe aus Frankfurt), verweigerte als Student
  • Ingeborg Willrich (Lehrerin); Folge: u. a. ohne Anspruch auf Ruhegehalt in den Ruhestand versetzt

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Wehrgeschichtliches Ausbildungszentrum der Marineschule Mürwik
  2.  Tief eingetaucht. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1969 (online).
  3. Heinrich Himmler: Die Schutzstaffel (SS) als antibolschewistische Kampforganisation, 1937, S. 15..
  4. Beamtengesetz von 1937 (voller Wortlaut)
  5. § 5 KSSVO Zersetzung der Wehrkraft
  6. Eberhard Röhm: Sterben für den Frieden. Calwer, Stuttgart 1985, S. 213.
  7. G. Grünewald: Kriegsdienstverweigerung. In: Hermes Handlexikon (Hrsg.): Helmut Donat, Karl Holl: Die Friedensbewegung. Econ, Düsseldorf 1983, ISBN 3-612-10024-6, S. 236–239.