Fünfkirchen (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen der von Fünfkirchen

Fünfkirchen ist der Name eines alten niederösterreichischen Adelsgeschlechts.

Ursprung der Familie[Bearbeiten]

Das Geschlecht ist bis ins 13. Jahrhundert nachweisbar, seine Vorfahren flüchteten 1241 vor dem Einfall der Mongolen aus Fünfkirchen/Pécs nach Wien. 1275 scheint ein Leopold Fünfkircher als bürgerlicher Münzmeister und Richter in Wien auf, 1310 findet sich ein Udalricum Fünfkirchen in Falkenstein.

Erstmals urkundlich erscheint die Familie am 12. Mai 1364 mit Bernhard und seinem Sohn Erasmus (1334–1400) von Fünfkirchen, Lehensträger zu Mistelbach und Steinabrunn,[1] mit denen auch die sichere Stammreihe beginnt. Philipp (1355–1432) erweitert den Besitz und steigt in den Ritterstand auf, sein Nachkommen dehnen den Grundbesitz weiter aus.

Um 1500 zählen die Fünfkirchen zu den mächtigsten Grundherren im Weinviertel. Neben dem Stammsitz Steinebrunn gehören der Familie Güter in Neuruppersdorf, Ottenthal, Stützenhofen, Fallbach und Poysbrunn. Kaiser Friedrich III. belehnt sie mit Burg und Mühle Laa an der Thaya und setzt sie als Pfleger der landesfürstlichen Burg Falkenstein ein.

Die Fünfkirchen und die Reformation[Bearbeiten]

Schloss Fünfkirchen im 17. Jahrhundert, Kupferstich von Georg Matthäus Vischer

Die Fünfkirchen traten früh zum Protestantismus über. Hans III. von Fünfkirchen unterstütze die Täufer.[2] Mit der einsetzenden Gegenreformation geriet er in Opposition zum Landesfürsten. Nach dem Tod Hans III. 1571 verloren die Fünfkirchen die Pflegschaft auf Burg Falkenstein und das Verwaltungszentrum der Region fiel an die Trautson.

Johann Bernhard von Fünfkirchen kämpft im Türkenkrieg an der Seite Rudolf II., der Kaiser verleiht ihm für seine Verdienste den Titel Freiherr. Johann Bernhard beginnt ab 1602 mit dem Bau von Schloss Fünfkirchen. Johann Bernhard ist eifriger Protestant und unterstützt 1618 den Aufstand der böhmischen Stände gegen die katholischen Habsburger, der Überlieferung nach beteiligt er sich eigenhändig am Prager Fenstersturz. Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 werden seine Güter eingezogen und er zu lebenslanger Festungshaft verurteilt.

Durch Vermittlung ihres Onkels Rudolf von Tiefenbach (oder Teuffenbach) erhalten Johann Bernhards Söhne, inzwischen wieder zum Katholizismus konvertiert, einige Familiengüter und das Stammschloss Steinebrunn zurück.

Die Grafen Fünfkirchen[Bearbeiten]

Nach 1650 etablieren sich die Fünfkirchner am kaiserlichen Hof in Wien. 1698 erhebt Kaiser Leopold I. Johann Bernhard II. von Fünfkirchen in den erblichen Grafenstand.

Bis zum Ende der Monarchie dienen die Grafen Fünfkirchen den Habsburgern als höhere Beamte. Als eines von 64 gräflichen Geschlechter hatte es einen Sitz im Herrenhaus, das Oberhaus des österreichischen Reichsrates.

Als eine der letzten und direkten Nachfahren aus der Linie Otto Dionysius Franz Ferdinand Graf von Fünfkirchen (1859–1946) resp. seinem Sohn Franz de Paula Otto Graf von Fünfkirchen (1892–1965), leben noch Wolfgang Franz Michael Fünfkirchen (*1967) sowie seine Schwester Sonja Andrea Fünfkirchen (*1965) in Wien.

Die männliche Hauptlinie der Fünfkirchner starb mit Hans Graf von Fünfkirchen (1889–1970) aus. Dessen Schwester Caroline von Fünfkirchen (1890–1980), die letzte Regentin des Savoyschen Damenstifts in der Johannesgasse in Wien, gab den Namen durch Adoption an Michael Graf Piatti-Fünfkirchen (*1955) weiter.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ritter und Freiherrn von Fünfkirchen[Bearbeiten]

  • Martin von Fünfkirchen (*1402, †1458), erweiterte den Besitz in Steinebrunn um die Vesten in Stützenhofen und Neuruppersdorf. Bis heute hat sich sein Epitaph in der Pfarrkirche Stützenhofen erhalten.
  • Veit von Fünfkirchen (†1513), Sohn des Martins, wird 1480 mit der Burg Laa, 1507 mit Burg Falkenstein belehnt.
  • Hans III von Fünfkirchen (*1502, †1571), Sohn des Veit, verheiratet mit Gräfin Borbála von Thurzo von Bethlenfalva (*Augsburg 1534, †1597) aus der reichen Familie Thurzo und Verwandten von Ulrich Fugger[3]. Hans III. Fünfkirchen war eifriger Unterstützer der Reformation und begünstigte die Täuferbewegung. 1539 wird der in seinem Herrschaftsgebiet liegende Brüderhof in Steinebrunn von Truppen König Ferdinands I. überfallen.[4] 1542 nimmt er unter dem Befehl von Kurfürst Joachim II. von Brandeburg an der Belagerung von Pest teil. Wie sein Vater wird Hans mit Falkenstein belehnt und lebt überwiegend auf Burg Falkenstein und im benachbarten Poysbrunn. Er liegt in der Pfarrkirche von Poysbrunn begraben.
  • Johann Bernhard von Fünfkirchen (*Wien 1560, †Zbirof 1626/35), Sohn des Hans, verheiratet mit Barbara von Teuffenbach-Maierhofen. 1601 wird er zum Proviantmeister im Feldzug gegen die Türken ernannt, zum Dank dafür 1602 von Kaiser Rudolf II. in den Freiherrenstand erhoben. Im Bruderzwist stellt er sich auf die Seite Rudolfs II. und zieht sich nach dessen Niederlage nach Böhmen zurück. Er beteiligt sich aktiv am Prager Fenstersturz. Nach der Schlacht am Weißen Berg wird er zum Tode verurteilt und seine Güter werden eingezogen. Später zur Festungshaft begnadigt stirbt er 1626 auf Burg Zbirof.
  • Johann Sigismund (*1605, †21.4.1650), Sohn des Johann Bernhard, verheiratet mit Anna Polyxena Elisabeth Freiin von Schäffenberg (*Wien 31.8.1617, †Wien 15.2.1658). Von 1627 bis 1629 dient er in der Leibgarde des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien. 1629 erwirbt er die Herrschaft Matzen. Johann Sigismund trat zum Katholizismus über und konnte durch Unterstützung seines Onkels Rudolf von Teuffenbach 1647 den Großteil der 1620 eingezogenen Familiengüter zurückerhalten und verwandelt diese in ein Majorat.
  • Graf Johann Bernhard II. von Fünfkirchen (*1644, †Wien 12.3.1700), Sohn des Johann Sigismund wurde 1698 von Kaiser Leopold I. in den erblichen Grafenstand erhoben. Seine Tochter Maria Theresia (†1729), verheiratet mit Franz Ferdinand Kinsky erbt die Herrschaft Matzen, diese fällt an die gemeinsamen Nachkommen. Grafentitel und Majorat gehen an seinen Neffen Johann Leopold von Fünfkirchen.
  • Johann Ernst (*1634, †1694), Sohn des Johann Sigismund, verheiratet mit Gräfin Maria Theresia Slavata (*1656 †28.4.1699) - der Enkel eines Teilnehmers am Prager Fenstersturz war mit der Enkelin des damals aus dem Fenster geworfenen Grafen Wilhelm Slavata verheiratet. Seine Frau bringt die Herrschaft Chlumetz in die Ehe ein.

Die Grafen Fünfkirchen[Bearbeiten]

  • Graf Johann Leopold Ernst von Fünfkirchen (*1665, †1730), Sohn des Johann Ernst, verheiratet mit Gräfin Maria Esther Anna Paar (*1668, †29.6.1725). Er beerbte seinen in den Grafenstand erhobenen Onkel Johann Bernhard und Herrschaft und Schloss Steinebrunn, von seiner Mutter Maria Theresia Slavata erhielt er die Herrschaft Chlumetz.
  • Graf Johann Franz (*17.8.1709, †7.8.1782), Sohn des Johann Leopold, verheiratet mit Gräfin Katharina Antonie Desfours (*Prag 30.4.1710, †Wien 25.2.1751). Johann Franz beschäftigte den Komponisten Adalbert Gyrowetz an seinem Hof.
  • Graf Johann Ferdinand (*28.6.1741, †Brno 7.2.1789), Sohn des Johann Franz, verheiratet mit Gräfin Genoveva della Rovere de Monte l'Abbate (*28.8.1741 †Wien 9.12.1810)
  • Graf Johann Franz de Paula (*26.5.1777, †31.5.1815), Sohn des Johann Ferdinand, verheiratet mit Freiin Sophie op dem Hamme genannt Schoeppingk (*Mitau 4.8.1780 †Wien 15.8.1844) aus einem kurländischen Adelsgeschlecht, die Komponisten Ignaz von Seyfried und Johann Peter Pixis aus dem Umkreis von Ludwig van Beethoven widmeten ihr Musikstücke[5]. 1809 beherbergt er Napoleon auf seinem Stammschloss in Steinebrunn.[6]
  • Otto Franz, Graf von und zu Fünfkirchen (*Steinebrunn 19.3.1800, †Wien 6.4.1872), Sohn des Franz de Paula, verheiratet mit Aloysia von Wurmbrand-Stuppach (*Wien 18.1.1802, †Wien 5.4.1870), Landespräsident von Salzburg.
    • Graf Franz Klemens (*Brno 26.5.1827, †Graz 17.5.1902), Sohn des Otto Franz, verheiratet mit Gräfin Ferdinande Joseph Brigido (*Wien 12.4.1840, †Wien 27.5.1886), Mitglied des Herrenhauses.
      • Graf Otto Dionysius (*Sopron 5.9.1859, †Wien 30.10.1946), Sohn des Franz Klemens, verheiratet mit Paula von Rechberg und Rothenlöwen (*Althart 13.12.1865, †Steinebrunn 15.5.1942)
        • Dr. Hans Bernhard Fünfkirchen (*Linz 18.5.1889, †Steinebrunn 24.12.1970) verheiratet mit Elisabeth Weiner (*1890)
        • Karolina Fünfkirchen (Wien, *28.4.1891, †Wien 8.7.1980). Karoline Fünfkirchen war die letzte Regentin des Savoyschen Damenstift in Wien. Sie adoptierte Michael Graf Piatti-Fünfkirchen (*1955) um den Familiennamen zu erhalten.
          • Franz de Paula Fünfkirchen (*Linz 10.8.1892 †Steinebrunn, 16.2.1965), verheiratet mit Gräfin Erika Sofie von Henckel-Donnersmarck (*15.3.1900, †Parsch bei Salzburg 9.3.1974), in zweiter Ehe mit der Amerikanerin Elisabeth Robinson (*1903 †1965)
            • Eleonore Fünfkirchen (*Pardubice, 15.2.1922, †Wien 17.5.1982), aus einer Verbindung entstammte ihr Sohn Wolfgang Fünfkirchen.
    • Graf Heinrich von Fünfkirchen (*25.1.1830, †2.1.1885), Sohn des Otto Franz, verheiratet mit Aloysia von und zu Liechtenstein (*13.8.1838 †17.4.1920)

Die Chlumetzer Linie[Bearbeiten]

  • Johann Franz de Paula von Fünfkirchen zu Chlumetz (16.11.1745, +26.5.1807), Sohn des Grafen Johann Franz von Fünfkirchen (*17.8.1709, †7.8.1782) erbt von seinem Vater die Herrschaft Chlumetz, das Majorat geht an seinen Bruder Johann Ferdinand und dessen Nachfolger.
  • Friedrich Dominik von Fünfkirchen zu Chlumetz (*29.5.1805, +Friedstein 13.8.1867), verkauft die mährischen Güter und erwirbt die Herrschaft und Schloss Friedstein in der Stainach.[7]
    • Ernst von Fünfkirchen zu Chlumetz (Friedstein 10.9.1837, +Baden 26.5.1872) kämpft mit Kaiser Maximilian in Mexiko.[8]

Besitzungen[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das gespaltene Stammwappen ist rechts von Silber und Blau geteilt, links Gold ohne Bild. Auf dem Helm mit rechts blau-silbernen und links blau-goldenen Decken zwei Büffelhörner, das rechte gold, das linke von Silber und Blau geteilt.

Trivia[Bearbeiten]

Fünfkirchen Gasse in der Prager Kleinseite

1611 erwarb Johann Bernhard von Fünfkirchen die Hoffmannschen Häuser in der Prager Kleinseite und vereinigte diese zu einem Palais. Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde sein Vermögen eingezogen, das Prager Haus ging an die Familie des durch den Prager Fenstersturz bekannt gewordenen Grafen Wilhelm Slavata. Dessen Enkelin Katharina heiratete Johann Ernst von Fünfkirchen, den Enkel des am Fenstersturz beteiligten Johann Bernhard, das Prager Palais kam an die Familie zurück. Später wurde das Palais an die Familie Kolowrat verkauft die dieses mit den Nachbargebäuden abrissen und durch das heute als Thunsches Palais bekannte Gebäude ersetzten. Die schmale Gasse, heute Sněmovní ulice genannt, hieß aber weiterhin Fünfkirchen Gasse. Am Gebäude Sněmovní ulice 172 hat sich der alte Name bis heute erhalten.[9]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liechtensteinsches Archiv in Wien
  2. Das Klein-Geschichtsbuch der Hutterischen Brüder, Johannes Waldner, 1947, Seite 40
  3. https://histfam.familysearch.org//getperson.php?personID=I92594&tree=EuropeRoyalNobleHous
  4. http://www.drasenhofen.at/system/web/zusatzseite.aspx?menuonr=218872061&detailonr=218879935
  5. http://data.onb.ac.at/rec/AC09211829
  6. Franz Xavier Joseph Schweickhardt (Ritter von Sickingen), Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens: durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten &c. &c. topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearb. Viertel unterm Manhartsberg, Band 2, Seite 61
  7. http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schl%C3%B6sser/Steiermark/Friedstein
  8. http://www.austro-hungarian-army.co.uk/mexican/fuenfkirchen.htm
  9. Heinrich Graf Fünfkirchen: Die Fünfkirchen in Wien, Enns, Steinebrunn und Falkenstein im Mistelbacher Bezirk, Seite 61 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: House of Fünfkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien