Fünfter Sachstandsbericht des IPCC

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Der Fünfte Sachstandsbericht (englisch Fifth Assessment Report, AR5) des IPCC ist der jüngste Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaveränderung (Intergovernmental Panel on Climate Change) der Vereinten Nationen. Die Berichte fassen regelmäßig den wissenschaftlichen Kenntnisstand über die globale Erwärmung zusammen. Die im Abstand von fünf bis sechs Jahren herausgegebenen IPCC-Berichte gelten weithin als Konsensposition innerhalb der klimatologischen Fachwelt, was den Einfluss des Menschen auf das Erdklima betrifft. Vorgängerberichte erschienen 1990 (FAR), 1995 (SAR), 2001 (TAR) und 2007 (AR4).

Die Zusammenfassung (Summary for Policymakers) der Ergebnisse der Arbeitsgruppe I (The Physical Science Basis, „Physikalisch-wissenschaftliche Grundlagen“) zum fünften Weltklimabericht wurde am 27. September 2013 veröffentlicht; ein finaler Entwurf (final draft) des vollständigen Berichts am 30. September 2013, die redaktionell bearbeitete Endfassung am 30. Januar 2014.[1]

Die Vorstellung der Zusammenfassung des Berichts der Arbeitsgruppe II (Impacts, Adaptation and Vulnerability) am 31. März 2014 in Yokohama war von einem eindringlichen Appell des Vorsitzenden des Weltklimarats IPCC, Rajendra Pachauri, für mehr Klimaschutz und einem breiten Medienecho begleitet; die deutsche Bundesregierung bekräftigte das Klimaziel, bis zum Jahr 2020 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.[2][3]

Der Bericht der Arbeitsgruppe III (Mitigation of Climate Change) wurde am 13. April 2014 auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Parallel zur Pressekonferenz wurde die Summary For Policymakers veröffentlicht, die Technical Summary sowie die einzelnen detaillierten Kapitel folgten am 15. April.

Ein Syntheseband erschien am 2. November 2014.[4]

IPCC[Bearbeiten]

Der englisch Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC; Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen), im Deutschen oft als Weltklimarat bezeichnet, wurde im November 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als zwischenstaatliche Institution ins Leben gerufen, um für politische Entscheidungsträger den Stand der wissenschaftlichen Forschung zusammenzufassen.[5] Hauptaufgabe des der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) beigeordneten Ausschusses ist es, Risiken der globalen Erwärmung zu beurteilen sowie Vermeidungs- und Anpassungsstrategien zusammenzutragen.

Überblick[Bearbeiten]

Der Bericht der Arbeitsgruppe I umfasst 2216 Seiten und besteht aus einer umfassenden Zusammenfassung (Technical Summary, 127 Seiten), einer Einleitung, dreizehn inhaltlichen Kapiteln sowie drei Anhängen. Die Summary for Policymakers ist 36 Seiten lang und umfasst eine Einleitung sowie die Abschnitte „Beobachtete Veränderungen im Klimasystem“, „Treiber des Klimawandels“, „Verständnis des Klimasystems und seiner aktuellen Änderungen“, „Zukünftige globale und regionale Klimaänderungen“. Der aktuelle UN-Klimabericht beruht auf dem Vierten Sachstandsbericht, in den neue Ergebnisse eingearbeitet wurden.[6] Im Literaturverzeichnis sind 9.200 Peer-Review-Studien zitiert.[7]

Um wissenschaftliche Unsicherheit zu dokumentieren, wurden die Aussagen (in allen Berichtsteilen) entweder von dem Autorenteam qualitativ bewertet („sehr geringes“ bis „sehr großes“ Vertrauen) oder – wenn möglich – quantitative Wahrscheinlichkeiten angegeben. Diese reichen von „nahezu sicher“ (99–100 % Wahrscheinlichkeit) über „sehr wahrscheinlich“ (90–100 % Wahrscheinlichkeit), „wahrscheinlich“ (66–100 % Wahrscheinlichkeit) bis zu „extrem unwahrscheinlich“ (0–1 % Wahrscheinlichkeit). Wo zutreffend, wurden Aussagen auch als Fakten (ohne Angaben von Wahrscheinlichkeiten) dargestellt.[8]

Haupterkenntnisse der Arbeitsgruppe I „Physikalisch-wissenschaftliche Grundlagen“[Bearbeiten]

Beobachtete Veränderungen im Klimasystem[Bearbeiten]

  • Eine Erwärmung des Klimasystems ist eindeutig: Die Atmosphäre und der Ozean sind wärmer geworden, Schnee und Eis sind zurückgegangen, der Meeresspiegel und die Konzentration an Kohlendioxid in der Atmosphäre sind angestiegen. Veränderungen wie seit den 1950er Jahren sind seit Jahrzehnten bis Jahrtausenden noch nicht aufgetreten.
    • Die Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche ist von 1880 bis 2012 um 0,85 °C angestiegen.
    • Es ist wahrscheinlich, dass auf der Nordhalbkugel der Zeitraum von 1983 bis 2013 die wärmste 30-Jahre-Periode der letzten 1400 Jahre war.
    • Extreme Wetterereignisse wie Hitzeperioden sind sehr wahrscheinlich häufiger und länger andauernd geworden.
    • Mit großem Vertrauen kann davon ausgegangen werden, dass die Ozeane zwischen 1971 und 2010 90 % der zusätzlichen Energie durch die globale Erwärmung aufgenommen haben. Am stärksten erwärmten sich die Schichten nahe der Wasseroberfläche. In den oberen 75 Metern stieg die Temperatur von 1971 bis 2010 um durchschnittlich 0,11 °C pro Jahrzehnt an. Nahezu sicher erwärmten sich die oberen 700 Meter von 1971 bis 2010.
    • Mit großem Vertrauen wird angenommen, dass der grönländische Eisschild und der antarktische Eisschild in den beiden letzten Jahrzehnten Masse verloren haben. Der Massenverlust betrug von 2002 bis 2011 beim grönländischen Eisschild 215 Milliarden Tonnen/Jahr, beim antarktischen Eisschild 147 Milliarden Tonnen/Jahr. Die Gletscher der Erde verloren sehr wahrscheinlich von 1993 bis 2009 275 Milliarden Tonnen Eis/Jahr.
    • Die Ausdehnung des arktischen Meereises im Sommer ging sehr wahrscheinlich um 9,4 bis 13,6 Prozent pro Jahrzehnt zurück, das entspricht 730.000 bis 1.070.000 km².
    • Die nordpolare Schneedecke ging seit Mitte des 20. Jahrhunderts zurück (großes Vertrauen).
    • Der Meeresspiegelanstieg im Zeitraum von 1901 bis 2010 betrug 19 ± 2 cm. Es ist wahrscheinlich, dass der Anstieg sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts beschleunigt hat; von 1993 bis 2010 betrug der Anstieg sehr wahrscheinlich 3,2 mm/Jahr.
    • Die aktuelle Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist die höchste seit 800.000 Jahren. Durch menschliche Aktivitäten wurden seit 1750 555 Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt; im Vergleich zur vor-industriellen Konzentration hat der Gehalt an Kohlendioxid um 40 % zugenommen. Die Geschwindigkeit des Anstiegs der Konzentration der Treibhausgase im 20. Jahrhundert war mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die höchste der vergangenen 22.000 Jahre. 155 Milliarden Tonnen des freigesetzten Kohlenstoffs wurden vom Ozean aufgenommen; der pH-Wert der obersten Schicht hat um 0,1 abgenommen (entsprechend einer Zunahme der Wasserstoff-Ionen von 26 Prozent, großes Vertrauen).

Treiber des Klimawandels[Bearbeiten]

  • Der Strahlungsantrieb des Klimasystems hat im Vergleich zum Jahr 1750 um 2,29 Watt/m² zugenommen; den größten Anteil davon hat atmosphärisches CO₂.
    • Der Anteil von Veränderungen in der Sonneneinstrahlung beträgt nur 0,05 Watt/m² und hatte damit, wie auch Vulkanausbrüche, nur einen kleinen Anteil an den Klimaveränderungen im letzten Jahrhundert.
    • Es ist extrem wahrscheinlich (> 95 %), dass der menschliche Einfluss der Hauptgrund für die seit 1950 beobachtete globale Erwärmung ist.

Zukünftige globale und regionale Klimaänderungen[Bearbeiten]

Das NASA-Video zeigt Temperatur- und Niederschlagssimulationen für das 21. Jahrhundert. Es basiert auf den vier CO₂-Konzentrationspfaden des 5. Sachstandsberichts mit dem Anstieg der CO₂-Gehalte in der Luft auf 421 ppm (RCP 2.6), 538 ppm (RCP 4.5), 670 ppm (RCP 6.0) und 936 ppm (RCP 8.5) bis ins Jahr 2100. Die Farbunterschiede zeigen die Veränderung der Durchschnittstemperatur der einzelnen Jahre im Vergleich zu den global beobachteten Temperaturveränderungen der Jahre 1971–2000. (in HD, englisch)
Diagramm der repräsentativen Konzentrationspfade inkl. CO₂-Äquivalente bis zum Jahr 2100
  • Die weitere Freisetzung von Treibhausgasen wird zu einer weiteren Klimaerwärmung und den damit einhergehenden Änderungen am Klimasystem führen.
  • Die Abschätzung zukünftiger Klimaänderungen beruht auf der Anwendung von Klimamodellen auf vier Konzentrationspfade[9] (engl. representative concentration pathways (RCPs), „repräsentative Konzentrationspfade“). Diese stellen die Ergebnisse neuer Emissions-Szenarien dar, darunter erstmals eines Szenarios, das ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen berücksichtigt (RCP 2.6). Die Pfade werden nach der Veränderung des Strahlungsantriebs benannt, der bis zum Jahr 2100 etwa mit ihnen einhergehen würde: RCP 2.6 – Veränderung des Strahlungsantriebs 2,6 W/m², RCP 4.5 – 4,5 W/m², RCP 6.0 – 6 W/m² und RCP 8.5 – 8,5 W/m².
    • Unabhängig vom Konzentrationspfad wird die Temperatur der Erdatmosphäre im Zeitraum 2016 bis 2035 wahrscheinlich um 0,3–0,7 °C höher liegen als 1985–2005.
    • Der weitere Anstieg der Temperatur hängt vom Konzentrationspfad ab: Er liegt für den Zeitraum 2081 bis 2100 wahrscheinlich zwischen 0,3–1,7 °C (RCP 2.6) bis 2,6–4,8 °C (RCP 8.5).
    • Es ist fast sicher, dass Wetterextreme zunehmen werden.
    • Extreme Niederschläge in den mittleren Breiten und feuchten tropischen Regionen werden sehr wahrscheinlich häufiger und intensiver werden.
    • Der Ozean wird sich weiter erwärmen, die Wärme wird von den oberen Wasserschichten in die Tiefe gelangen und Meeresströmungen beeinflussen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die atlantische Meeresströmung (Golfstrom) sich abschwächen wird. Ein Zusammenbrechen oder eine Verlagerung im 21. Jahrhundert ist sehr unwahrscheinlich, kann aber später bei weiterer Erwärmung nicht ausgeschlossen werden.
    • Der arktische Ozean ist beim Konzentrationspfad RCP 8.5 (weiterer Anstieg der Emission von Treibhausgasen) wahrscheinlich im Sommer schon vor Mitte dieses Jahrhunderts eisfrei.
    • Das Volumen der Gletscher nimmt bis Ende dieses Jahrhundert zwischen 15–55 % (RCP 2.6) und 35–85 % (RCP 8.5) ab (mittleres Vertrauen).
    • Der Meeresspiegel wird bis zum Zeitraum 2081–2100 je nach Konzentrationspfad wahrscheinlich zwischen 26–55 cm (RCP 2.6) und 45 bis 82 cm (RCP 8.5) ansteigen. Im letzten Fall wird der Anstieg bis zum Jahr 2100 98 cm betragen (mittleres Vertrauen).
    • Der Zusammenbruch von Eisschilden könnte zu einem zusätzlichen Anstieg um einige 10 cm führen.
    • Es ist nahezu sicher, dass der Anstieg des Meeresspiegels auch nach 2100 schon alleine aufgrund der Wärmeausdehnung des Wassers noch für einige Hundert Jahre weitergeht. Bei einem weiteren Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre kann der Anstieg bis zum Jahr 2300 auch mehr als drei Meter betragen (mittleres Vertrauen).

Verständnis des Klimasystems und seiner aktuellen Änderungen[Bearbeiten]

  • Zu unserem Verständnis des Klimasystems tragen Beobachtungen, Untersuchungen von Rückkoppelungen und Simulationen mit Klimamodellen bei.
    • Die Klimamodelle wurden weiterentwickelt und sind in der Lage, langfristige Klimaänderungen gut zu simulieren.
    • Bei kürzeren Zeiträumen (von 10 bis 15 Jahren) und auf regionaler Ebene, die stärker von zufälligen Ereignissen beeinflusst werden, sind die Klimamodelle weniger zuverlässig.
    • Eine Verdoppelung des Kohlendioxid-Gehalts in der Atmosphäre würde zu einer Erwärmung der Erde um 1,5–4,5 °C führen (großes Vertrauen).

Weitere Informationen[Bearbeiten]

Klimamodelle[Bearbeiten]

Die neuen Klimasimulationen, auf denen die Aussagen über zukünftige Klimaänderungen im AR5 wesentlich basieren, wurden zum Teil im Coupled Model Intercomparison Project Phase 5 (CMIP5) durchgeführt, einer internationalen Zusammenarbeit der Klima Model Community.[10]

Sekundäre Zusammenfassungen[Bearbeiten]

Die Kernbotschaften auf Deutsch wurden gemeinsam vom Bundesumweltministerium, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle und dem Umweltbundesamt zusammengefasst und veröffentlicht.[11]

Haupterkenntnisse der Arbeitsgruppe II „Folgen, Anpassung, Verwundbarkeit“[Bearbeiten]

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  • Folgen des Klimawandels sind heute schon global zu beobachten.
  • zukünftige Folgen und Risiken: geänderte Niederschlagsverteilung, Ozeanversauerung uvm.

Haupterkenntnisse der Arbeitsgruppe III „Klimaschutz“[Bearbeiten]

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  • Ohne zusätzliche Anstrengungen wird die globale Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um 3,7 bis 4,8 °C steigen, verglichen mit dem vorindustriellen Stand.
  • Klimaschutzszenarien, die die globale Durchschnittstemperatur um nicht mehr als 2 °C erhöhen, bedeuten wahrscheinlich, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nicht über 450 ppm steigen darf. Diese Szenarien enthalten substantielle Reduktionen der globalen Treibhausgasemissionen.
  • Die auf der UN-Klimakonferenz in Cancún getroffenen Verpflichtungen zur Treibhausgasvermeidung bis zum Jahr 2020 sind nicht konsistent mit Langzeitszenarien, die wenigstens genauso wahrscheinlich wie nicht eine maximale Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 2 °C erreichen.
  • Die weltweite Energieversorgung muss schnell und grundlegend umgebaut werden. Zentral dabei ist keine Kohle mehr zur Energieerzeugung zu verfeuern (siehe auch: Kohleausstieg).[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Autorenlisten[Bearbeiten]

Berichte[Bearbeiten]

Sekundäre Zusammenfassungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. IPCC publishes full report Climate Change 2013: The Physical Science Basis, Pressemitteilung vom 30. Januar 2014, abgerufen am 4. Februar 2014.
  2. Bericht des Weltklimarats – Vorstellung der Zusammenfassung des II. Teils in Yokohama In: tagesschau.de, 31. März 2014, abgerufen am 31. März 2014.
  3. Weltklimarat-ruft-Menschen-eindringlich-zum-Handeln-auf. In: Die Welt, 31. März 2014, abgerufen am 31. März 2014.
  4. Synthesebericht: Climate Change 2014 – Synthese Report mit Langfassung und Summary for Policymakers, abgerufen am 2. November 2014
  5. klimafakten.de: Behauptung: „Klimaforscher übertreiben, lügen und betrügen“
  6. Summary for Policymakers – Introduction
  7. Graham Readfearn: IPCC climate change report by numbers. In: The Guardian. 27. September 2013, abgerufen am 27. September 2013.
  8.  IPCC AR5 WG1: Summary for policymakers. 2013.
  9. Arbeitsgruppe I, Technical Summary (2013), S. 44.
  10. CMIP5 Coupled Model Intercomparison Project. In: WCRP World Climate Research Programme. Abgerufen am 15. Oktober 2013.
  11. BMU, BMBF, Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, Umweltbundesamt: Fünfter Sachstandsbericht des IPCC Teilbericht 1 (Physikalisch-wissenschaftliche Grundlagen)
  12. IPCC, Arbeitsgruppe 3, Summary for Policymakers