Fünfzylindermotor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Fünfzylinder)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Fünfzylinder ist eine Bauart von Hubkolben-Motoren, im Besonderen von Verbrennungsmotoren.

Beschreibung[Bearbeiten]

Fünfzylindermotor

Bauarten[Bearbeiten]

Bei Motorflugzeugen werden Sternmotoren mit fünf Zylindern eingesetzt. Bei dieser Motorenbauart ist die Zylinderzahl immer ungerade. Auch der 1931 von Ferdinand Porsche für Zündapp entwickelte „Volkswagen“ (Porsche Typ 12) hatte einen 5-Zylinder-Sternmotor. Eine weitere Konstruktion war der Lkw Lancia 3Ro von 1938 mit einem Reihen-Fünfzylinder-Dieselmotor.

Fünfzylinder-Reihenmotoren finden sich vor allem im Pkw-Bau. 1974 stellte die Daimler-Benz AG im Mercedes 240 D 3.0 den ersten Pkw-Dieselmotor (OM 617) mit fünf Zylindern vor, der ab 1972 im Ingenieurbüro von Porsche-Enkel Ferdinand Piëch in Stuttgart entwickelt wurde. Im Jahre 1976 präsentierte die Audi NSU Auto Union AG den Audi 100 5E mit Fünfzylinder-Ottomotor, 1978 gefolgt vom Audi 100 5D mit Dieselmaschine.

Honda entwickelte 2001 einen V5-Motor für den Einsatz im Motorrad-Rennsport. Die mit dem V5 bestückte RC211V wurde von 2001 bis 2006 eingesetzt.

Anwendung als Reihenmotor[Bearbeiten]

Der Anfang der 1970er Jahre entwickelte Dieselmotor Mercedes-Benz OM617 („Ölmotor" Typ 617) wurde von Daimler-Benz bis zur Jahrtausendwende produziert, wobei er klassenübergreifend zum Einsatz kam und insgesamt in zig-millionenfacher Auflage verkauft wurde. Durch ungünstige Schwingungen ab 4400/min infolge der 2. Ordnung der freien Massenmomente, kam es zunächst jedoch nicht zu einem Einsatz als Ottomotor. Das änderte sich mit dem 1976 vorgestellten Audi 100 5E. Audi NSU hatte es geschafft, die Schwingungsproblematik in den Griff zu bekommen; die Motoren waren nach den Maßstäben der damaligen Zeit erfreulich langlebig und verfügten über einen günstigen Leistungs- und Drehmomentverlauf. Ab 1980 ging der Urquattro in Serie, welcher ausschließlich mit Fünfzylinder-Motoren ausgestattet war. Der Quattro-Allrad-Antrieb bescherte Audi zwei Rallye-Weltmeistertitel und machte zudem auch den Fünfzylinder-Ottomotor populär, wodurch dieses Motorenkonzept auch für andere Hersteller wieder interessanter wurde: Gegen Mitte/Ende der 1990er Jahre kam im VW Golf IV GTI, VW Bora und VW Passat 3B/3BG sowie im Seat Toledo II ein Fünfzylinder-Benzinmotor in VR-Anordnung zum Einsatz, während Fiat einen Fünfzylinder-Benzinmotor in Reihenanordnung in den Bravo HGT und das Fiat Coupé 2.0 20V bzw. 2.0 20V Turbo einbaute, die damit zu den schnellsten Serienmodellen der Firmengeschichte wurden.

Auch heute noch setzen verschiedene Hersteller (u. a. Volvo, Fiat und Ford) das Fünfzylinder-Prinzip ein, da es gegenüber dem Reihensechser Bauraumvorteile bietet und sich so auch zum Quer-Einbau eignet. Volvo verwendet Benzin- und Dieselfünfzylinder (im 850, C30, S/V40, V50, S60, S/V/C70, S80, XC60, XC90). Volkswagen verwendete im T4 Fünfzylinder-Benziner und Diesel mit 2,4 l bzw. 2,5 l Hubraum, teilweise mit und ohne Abgasturbolader; ebenfalls im T5, dort jedoch nur mit 2,5 l Hubraum. Fiat hatte einen Dieselfünfzylinder mit 2,4 l Hubraum, der in verschiedenen Modellen von Fiat (Croma), Alfa Romeo (159) und Lancia (Thesis, Lybra) eingesetzt wurde. Ford baute in den Focus ST, Focus RS und S-Max einen Volvo-Turbofünfzylinder ein. Audi setzt Fünfzylindermotoren im TT RS und im RS3 ein. Mercedes hat zwischen 2003 und 2005 seine Fünfzylinder-Motorpalette ausgemustert.

Laufruhe[Bearbeiten]

Fünfzylinder-Reihenmotoren stehen in Sachen Laufkultur und Entfaltungscharakteristik zwischen Vier- und Sechszylinder-Reihenmotoren. Die Laufruhe ist von Natur aus besser als bei einem Vierzylinder, aber schlechter als bei einem Sechszylinder. Die freien Massenmomente erster Ordnung können mit einer zur Kurbelwelle gegenläufig rotierenden Ausgleichswelle reduziert werden; auf einen Ausgleich der Momente zweiter Ordnung wird aufgrund des technischen Aufwands verzichtet. Das Motorengeräusch von Fünfzylinder-Reihenmotoren hat einen charakteristischen Klang, welcher besonders bei der Zündfolge 1-2-4-5-3 als sonor und kernig empfunden wird.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Trommelmans: Das Auto und seine Technik. 1. Auflage, Motorbuchverlag, Stuttgart, 1992, ISBN 3-613-01288-X
  • Peter Gerigk, Detlev Bruhn, Dietmar Danner: Kraftfahrzeugtechnik. 3. Auflage, Westermann Schulbuchverlag GmbH, Braunschweig, 2000, ISBN 3-14-221500-X
  • Max Bohner, Richard Fischer, Rolf Gscheidle: Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik. 27.Auflage, Verlag Europa-Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2001, ISBN 3-8085-2067-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fünfzylindermotor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen