Für die Liebe noch zu mager?

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Filmdaten
Originaltitel Für die Liebe noch zu mager?
Produktionsland DDR
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1974
Länge 83 Minuten
Altersfreigabe FSK 0
Stab
Regie Bernhard Stephan
Drehbuch Bernhard Stephan
Jochen Nestler
Manfred Freitag
Produktion Heinz Herrmann
Musik Levente Szörényi
Klaus Renft
Kamera Hans-Jürgen Kruse
Schnitt Brigitte Krex
Besetzung

Für die Liebe noch zu mager? ist ein Jugend- und Musikfilm der DEFA aus dem Jahre 1973. Er war das DEFA-Filmdebüt des Regisseurs Bernhard Stephan, der bereits Krimiserien für das Fernsehen der DDR gemacht hatte, und der Jungdarstellerin Simone von Zglinicki, deren Karriere nach diesem Film am Deutschen Theater in Berlin begann.

Inhalt[Bearbeiten]

Die 18-jährige Susanne arbeitet als Facharbeiterin in einem Textilbetrieb. Sie ist immer hilfsbereit, hat eine offenes Ohr für alle und ist gesellschaftlich engagiert. Zu Hause führt sie für ihren Vater und ihren Bruder den Haushalt. Dass sie selbst auch Bedürfnisse hat, steht dabei hintenan und wird auch von ihrer Umwelt nicht wahrgenommen.

Susanne liebt Lutz, mit dem sie aufgewachsen und befreundet ist, doch sieht der in ihr nur das kleine Mädchen von früher. Erst als sie erfährt, dass ihre egoistische Freundin Daisy ein Kind von Lutz erwartet, weiß Susanne, dass sie ihr Leben ändern muss und nicht immer nur für andere da sein darf. Sie wird selbstbewusster und schafft es trotz einiger Rückschläge, Lutz zu erobern. Zusammen verleben beide eine glückliche Zeit. Ihre Wandlung hilft ihr schließlich auch, Lutz gehenzulassen, als er, von Fernweh getrieben, in die Welt hinauszieht.

Produktion[Bearbeiten]

Für die Rolle der Susanne war eigentlich Katharina Thalbach vorgesehen, die jedoch zu dieser Zeit mit Anna Thalbach schwanger war und daher absagen musste.[1] Stattdessen wurde Simone von Zglinicki für die Hauptrolle engagiert, die zu dem Zeitpunkt noch Studentin an der Theaterhochschule Leipzig war.

Die Stadtaufnahmen wurden in Heiligenstadt und die Fabrikszenen in der Spinne in Leinefelde gemacht.

Der Film war durch die zahlreich enthaltenen Titel verschiedener Bands auch als Musikfilm konzipiert und wurde entsprechend vermarktet. Die Parallelität von aussagekräftiger Rockmusik zur Filmhandlung stellte seinerzeit – neben dem zeitgleich 1973 gedrehten Film Die Legende von Paul und Paula – in der DDR ein Novum dar.

Die Texte zur Musik wurden größtenteils von Gerulf Pannach geschrieben. Im Film sind unter anderem Titel vom Illés-Ensemble mit Zsuzsa Koncz und die Klaus Renft Combo zu hören, die mit den Titeln Was machen die Leute, wenn sie keine Fahne tragen und Als ich wie ein Vogel war zu hören ist.

Der Film erlebte seine Uraufführung am 25. April 1974 im Berliner Filmtheater Kosmos und lief zwei Jahre später erstmals im Fernsehen der DDR. Seine Erstaufführung in der BRD erfolgte am 13. November 1975 auf den Internationalen Filmtagen in Hof.

Sacht persiflierter Alltag im Film[Bearbeiten]

Die Handlung hat starke Bezüge zum realsozialistischen Alltag in der DDR. So zeigt gleich die erste Szene eine typische Maidemonstration mit fahnentragenden FDJlern und auf einer Tribüne winkenden Genossen. Daneben tauchen langhaarige Halbstarke auf frisierten Mopeds bei der Mai-Demonstration auf[2] – ein Wunschdenken damaliger DDR-Jugendlicher.

Zweimal ist die Hauptdarstellerin bei Erste-Hilfe-Übungen in der Uniform des Deutschen Roten Kreuzes zu sehen. Hier handelt es sich wohl um den für alle weiblichen Lehrlinge und EOS-Schülerinnen der elften Klasse obligatorischen „DRK-Lehrgang“. Im Betrieb wird Susanne als „Eine unserer Besten“ ausgezeichnet, ihr Bild erscheint auf der Wandzeitung. Im Kontext zur gut verständlichen deutschsprachigen Rockmusik wirkten diese Szenen für junge kritische Köpfe durchaus karikierend.

Im Film wird angedeutet, dass die Jugendlichen sich durch diese Aktivitäten bevormundet fühlen: etwa durch Lutz’ Fernweh nach westlichen Ländern und durch Susannes Reaktion auf eine Interviewfrage, wie denn die „Bestarbeiterin“ ihre Freizeit verbringt: Sie sagt, dass sie auch gern mal gar nichts tue. Eine Szene offenbart, dass auch die Ost-Jugendlichen Che Guevara verehren.

In seinem Zusammenspiel aus Rockmusik und kritischen Handlungsansätzen traf der Film den Nerv der Jugend jener Zeit.[3]

Kritik[Bearbeiten]

Das Lexikon des Internationalen Films schrieb: „Trotz einiger kritischer Ansätze gelangt die biedere Inszenierung selten über die von der Hauptdarstellerin charmant ausgefüllte Privatsphäre hinaus.“[4]

Der film-dienst sah in Für die Liebe noch zu mager? ein „unterhaltsames Regiedebüt des nach 1990 als TV-Komödien-Spezialisten viel beschäftigten Bernhard Stephan“.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Habel, S. 192
  2. Für die Liebe noch zu mager? von Alfred Brehm, auf www.zelluloid.de, vom 24. Januar 2009
  3. Für die Liebe noch zu mager? Auf propramm.ard.de, vom 27. August 2012
  4. Klaus Brüne (Hrsg.): Lexikon des Internationalen Films. Band 2. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 1164
  5. Für die Liebe noch zu mager? im Lexikon des Internationalen Films