Fürst

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Fürsten als Adelstitel; zu weiteren gleichnamigen Begriffen siehe Fürst (Begriffsklärung).
Heraldische Fürstenkrone

Fürst (althochdeutsch furisto, „der Erste“, vgl. englisch first, „erst, als erstes“) ist in der hierarchischen Ordnung des Adelssystems im alten Reich der höchste Titel, unter dem auch Herzöge, Land-, Mark- und Pfalzgrafen inbegriffen waren. Sein Herrschaftsgebiet wird als Fürstentum bezeichnet.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Im weiteren Sinne und als Sammelbegriff bezeichnet das Wort „Fürst“ einen hohen aristokratischen Würdenträger und schließt Monarchen, also auch Könige und Kaiser, jedoch auch die einst im Heiligen Römischen Reich reichsunmittelbar regierenden, „gefürsteten“ Grafen ein. Im engeren Sinne und nach heutigem Sprachgebrauch handelt es sich um einen Adelstitel, der rangmäßig über dem Grafen und dem (nichtköniglichen) Prinzen steht, aber unter dem Herzog. Die Fürsten wurden mit (Eure) Durchlaucht angeredet. Sie gehören zum Hochadel.

Englische, französische, italienische, spanische oder ungarische Pendants existieren nicht (mit Ausnahme der englischen Peers werden in diesen Ländern auch die jeweiligen Chefs - und nicht nur die Nachgeborenen - der fürstlichen Häuser als Prinzen bezeichnet), wohl aber ein tschechisches (kníže), russisches (князь), polnisches (Książę) und bulgarisches (княз). Die skandinavischen Sprachen kennen ebenfalls direkte Übersetzungen des Begriffs (Dänisch und Norwegisch: fyrste, Schwedisch: furste, Finnisch: ruhtinas), ferner die niederdeutsch/niederländische Sprache: Vorst.

In den fränkischen Königreichen und später im Heiligen Römischen Reich waren Fürsten die Landesherren nach dem König bzw. Kaiser, das heißt königliche Amtsträger mit teils erblicher Hoheit über einen weltlichen und ggf. auch kirchlichen Herrschaftsbereich.

Zum Fürstenstand (Reichsfürst) zählten im Spätmittelalter Herzöge, Land-, Mark- und Pfalzgrafen. Als geistliche Fürsten wurden Erzbischöfe, Bischöfe (Fürstbischöfe) sowie manche Äbte und Pröpste (Reichsprälaten) bezeichnet. Im Begriff Kirchenfürst, der – unabhängig von fürstlichem Titel und Stand – hohe kirchliche Würdenträger, insbesondere Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe, bezeichnet,[1] lebt noch heute die Vorstellung des adeligen Lebensstils und Habitus geistlicher Fürsten. Im Hochmittelalter wählten die Fürsten den König, seit der Mitte des 13. Jahrhunderts war dieses Recht den sieben Kurfürsten vorbehalten.

Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 wurden einige deutsche Fürsten souveräne Herrscher ihres Landes; im Gothaischen Hofkalender wurden sie neben den Königen und Großherzögen in der Ersten Abteilung aufgeführt. Die meisten anderen, deren Territorium durch Mediatisierung unter die Herrschaft eines anderen Staates kam, behielten oder erhielten den Fürstentitel als Ehrenprädikat, wie etwa die Sayn-Wittgenstein; diese mediatisierten Geschlechter bildeten die Zweite Abteilung der fürstlichen Häuser. Ein deutscher Sonderfall waren die ehemals im Heiligen Römischen Reich reichsunmittelbar regierenden Grafen, die gelegentlich auch als gefürstete Grafen bezeichnet werden und ebenfalls der Zweiten Abteilung angehörten; sie standen im Rang unter den Fürsten, gehörten aber wie diese zum Hochadel und waren ihnen nach der Deutschen Bundesakte ebenbürtig, anders als die gewöhnlichen, blossen Titular-Grafen; man redete sie mit Erlaucht an. Hinzu kamen einige im 19. Jahrhundert gefürstete Familien, die niemals souverän gewesen waren, wie etwa Blücher (als „Fürst von Wahlstatt“), Bismarck oder Bülow[2], die man - neben ausländischen Fürsten - in einer Dritten Abteilung zusammenfasste. Somit waren die weitaus meisten Fürsten des Zweiten Deutschen Kaiserreiches keine regierenden Monarchen mehr, ebenso wenig die Fürsten des österreichischen Adels im Kaisertum Österreich. Souveräne deutsche Fürsten führten deshalb bis 1918 den Titel „Regierender Fürst“.

Die Kinder eines Fürsten sind zumeist Prinz oder Prinzessin mit der früheren Anrede Durchlaucht (die heute im nicht-offiziellen, gesellschaftlichen Schriftverkehr nur noch als Höflichkeitsbezeichnung bei der Adressierung benutzt wird); diese Titel übertragen sich auch auf die daraus entstehenden jüngeren Linien. Allerdings führen die Nachgeborenen einiger nichtsouveräner fürstlicher Häuser den Titel Graf bzw. Gräfin mit der Anrede Erlaucht. In beiden Fällen führt das jeweilige Oberhaupt des Hauses den Fürstentitel mit der Anrede Durchlaucht.

Heutiger Gebrauch[Bearbeiten]

Heute werden in Europa die Kleinstaaten Monaco (Fürst von Monaco) und Liechtenstein (Fürst von Liechtenstein) von Fürsten (franz.: Prince Souverain) regiert. Andorra ist als Co-Fürstentum zweier Staatsoberhäupter ein einmaliger Sonderfall. Der arabische Titel Emir für die Herrscher souveräner Emirate ist zwar kein Synonym, aber den regierenden Fürsten vergleichbar. In England (s. Prince of Wales = Fürst von Wales) und Spanien (s. Príncipe de Asturias = Fürst von Asturien) wird der jeweilige Thronfolger in der Regel vom Monarchen zum Titular-Fürsten eines Landesteils ernannt, ohne dass dies irgendeine Regierungsgewalt mit sich brächte. Auch in den meisten übrigen europäischen Monarchien wird ein entsprechender Titel von den Chefs nicht regierender Fürstenhäuser noch als Adelstitel geführt.

Mit der Abschaffung der Standesvorrechte des Adels im Deutschen Reich durch die Weimarer Reichsverfassung 1919 wurde der ehemalige Titel Prinz oder Prinzessin unveränderlicher Bestandteil des Familiennamens. Der Titel „Fürst“ bzw. „Fürstin“, soweit er durch Primogenitur weitergegeben wurde, entfiel damit. Der Titel wird jedoch heute noch aus Gründen der Tradition vielfach inoffiziell von den Chefs der früheren Fürstenhäuser weiterhin geführt und gelegentlich auch auf Antrag nach dem Gesetz zur Änderung von Familiennamen und Vornamen infolge langjähriger Führung und allgemeiner Anerkennung (Nr. 50 NamÄndVwV) in den Pass übernommen, was jedoch wegen der dann erfolgenden - traditionswidrigen - Übertragung auf sämtliche anschließend geborenen Nachkommen von den ehemaligen Fürstenhäusern meist selbst nicht gewünscht wird. Gegenwärtig betrifft dies 54 deutsche Familien, davon vier nach 1806 (meist bis 1918) regierende Bundesfürsten, und zwar Hohenzollern-Sigmaringen, Waldeck und Pyrmont, Reuß und Schaumburg-Lippe. Für den österreichischen Adel, dem durch das Adelsaufhebungsgesetz von 1919 jede Titelführung untersagt wurde, gilt bezüglich inoffizieller Führung Ähnliches, mit der Ausnahme, dass der "Chef des Hauses" sich in der Regel nicht selbst als Fürst bezeichnet, jedoch von anderen so bezeichnen lässt. In der Schweiz werden Adelstitel nicht als Bestandteil des Familiennamens anerkannt, Adelsbezeichnungen werden in amtlichen Papieren deshalb auch nicht eingetragen, hingegen wird die Partikel „von“ durchaus von den Schweizer Behörden in Personenstandsakten geführt; in Bezug auf die Fürsten hat dies aber keine praktische Bedeutung mehr, da die Schweizer Hochadelsgeschlechter reichsfürstlichen Ranges (wie die Kyburger, Lenzburger, Rapperswiler oder Habsburg-Laufenburger) sämtlich schon im Spätmittelalter ausgestorben sind. Auch im russischen Adel gab es Fürstentitel, die jedoch meist von sämtlichen Familienmitgliedern, nicht nur von den Familienchefs, geführt wurden (und teilweise inoffiziell noch geführt werden).

Ein in regelmäßigen Abständen publiziertes Genealogisches Handbuch des Adels setzt in seiner Bandreihe Fürstliche Häuser die genealogische Arbeit des Gothaischen Hofkalenders fort (wie dieser in drei Abteilungen gegliedert) und gibt Auskunft über die dem historischen Adel angehörenden Mitglieder sowie die nach Hausgesetzen legitimen Chefs der europäischen Fürstenhäuser (im weiteren Sinne des Begriffs Fürst, einschließlich regierender oder vormals regierender Häuser, mediatisierter Häuser und bloß titulierter Häuser), die adelsrechtlich berechtigt sind, den Fürstentitel zu führen. Der Deutsche Adelsrechtsausschuß wird in Zweifelsfällen von der Redaktion konsultiert und wacht über die Einhaltung des historischen Adelsrechts.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fürst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel Kirchenfürst im Portal duden.de, abgerufen am 23. Oktober 2013
  2. Eine Auflistung aller Fürstungen von nicht-standesherrlichen Adeligen im Königreich Preußen seit 1803 findet sich bei René Schiller, Vom Rittergut zum Großgrundbesitz. Ökonomische und soziale Transformationsprozesse der ländlichen Eliten in Brandenburg im 19. Jahrhundert, Berlin 2003, S. 537.