Fürstenschule

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur gleichnamigen Schule in Kempten siehe Fürstenschule (Kempten).
Grimma St Augustin
Sankt Afra Gymnasium 2005
Pforta Torhaus

Die ersten Fürstenschulen waren die „Landesschulen für Knaben“, die ab 1543 von Herzog Moritz von Sachsen nach der Umwandlung von Klöstern gegründet wurden.[1] Wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung dieser Schulen nahmen vor allem der herzogliche Rat Georg von Komerstadt und Johannes Rivius, der 1544 zum Inspektor der sächsischen Fürstenschulen ernannt wurde und auf deren Schulordnung maßgeblichen Einfluss nahm.

Rektor Walther von Schulpforta

Die ersten Fürstenschulen waren:

Vom bedeutenden Pädagogen Friedrich Paulsen stammt die viel diskutierte These, die drei sächsischen Fürstenschulen seien seit 1543 die leistungsfähigsten hochschulvorbereitenden Einrichtungen im protestantisch-deutschsprachigen Raum gewesen.[2]

Nach dem Vorbild dieser drei Schule entstanden viele weitere, von denen manche auch den Namen Fürstenschule übernahmen: Die Fürstenschule Schwerin, gegründet 1553 von Herzog Johann Albrecht I., die Fürstenschule Heilsbronn, 1582 gegründet von Markgraf Georg Friedrich an der Stelle eines 1578 geschlossenen Klosters, das Joachimsthalsche Gymnasium, gegründet 1607 in Joachimsthal in Brandenburg unter Kurfürst Joachim Friedrich, die Fürstenschule Neustadt (Hochfürstlich Brandenburgisch-Culmbachische Teutsche und Lateinische Stadtschule).

Zur Geschichte[Bearbeiten]

Die Fürstenschulen entstanden aus säkularisiertem Klosterbesitz zur Vorbereitung auf die neu gegründeten Universitäten. Für die Lehrer war zunächst der Zölibat vorgeschrieben, weil die Mönchszellen für die Schüler gebraucht wurden und für alle Lehrer gemeinsam nur das Abthaus zur Verfügung stand, so dass bis auf den Rektor alle Lehrer sich ein Zimmer teilen mussten (zumindest in Schulpforta), aber auch weil man vermeiden wollte, dass die Schüler in ihrem Internatsleben mit Frauen zusammen lebten.

Als sich aber herausstellte, dass die Lehrer deshalb meist nur zwei bis drei Jahre blieben, wurde zunächst wenigstens dem Rektor die Ehe gestattet. Später wurde das auch auf die Lehrer ausgedehnt.

Reformation und die Landesschulen[Bearbeiten]

Volker Beyrich verweist im Zusammenhang mit der Luther-Dekade und dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ 2017 darauf, dass die drei Fürstenschulen in Schulpforta, Meißen und Grimma beabsichtigte „stabilisierende Rückwirkungen“ auf die Reformation hatten, wie der Text der Stiftungsurkunde belegt: Die Schulen sollten gegründet werden, „damit es mit der Zeit an Kirchendienern … nicht Mangel gewinne“, das heißt, es sollten rechtzeitig genügend hervorragend ausgebildete Landesschulabgänger für das Theologiestudium zur Verfügung stehen, Absolventen, die später als Pfarrer in evangelisch-lutherischen Gemeinden tätig werden oder höhere kirchliche Ämter ausüben konnten. So studierten nach Beyrichs Recherche von den 25 Knaben, die im Gründungsjahr 1550 in die Schule in Grimma aufgenommen wurden und für die der spätere Beruf bekannt ist, fünfzehn Theologie. Untersuchungen zu 550 Schülern, die von 1701 bis 1750 die Landesschule Grimma besuchten, ergaben, dass mehr als 40 Prozent von ihnen später kirchliche Berufe ausübten – also die relative Mehrheit.

Die Reformation machte die Landesschulen erst möglich – sowohl inhaltlich als auch materiell. Umgekehrt trugen die Landesschulen nach Beyrichs Ansicht „nicht unwesentlich zur Stabilisierung der Reformation und der evangelisch-lutherischen Kirche bei: Sie haben damit auch Anteil an der Stärkung des sächsischen Pfarrhauses, das über die Jahrhunderte nicht nur für den christlichen Glauben und die evangelisch-lutherische Kirche eine große Rolle spielte, sondern für die gesamte kulturelle Entwicklung Sachsens.“[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jonas Flöter: Eliten-Bildung in Sachsen und Preußen. Die Fürsten- und Landesschulen Grimma, Meißen, Joachimsthal und Pforta (1868-1933). Beiträge zur Historischen Bildungsforschung 38. Köln 2009. ISBN 978-3-412-20319-1
  • Jonas Flöter: Eliten-Bildung in Sachsen. Ausbildungssystem und Sozialstruktur der sächsischen Fürstenschulen Grimma und Meißen von der Gründerzeit bis zum Ende der Weimarer Republik. Hochschulschrift Universität Leipzig (331 Bl.), Habilitations-Schrift, 2007
  • Jonas Flöter und Günther Wartenberg: Die sächsischen Fürsten- und Landesschulen. Interaktion von lutherisch-humanistischem Erziehungsideal und Eliten-Bildung. Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde 9, Leipzig 2004, ISBN 3-937209-46-8
  • Jonas Flöter und Marita Pesenecker: Erziehung zur Elite. Die Fürsten- und Landesschulen zu Grimma, Meißen und Schulpforte um 1900. Publikation zur Ausstellung im Kreismuseum Grimma. Leipzig 2003, ISBN 3-937209-33-6
  • Gerhard Arnhardt und Gerd-Bodo Reinert: Die Fürsten- und Landesschulen Meißen, Schulpforte und Grimma. Lebensweise und Unterricht über Jahrhunderte. Weinheim 2002 (Schriftenreihe des Weltbundes für Erneuerung der Erziehung 5), ISBN 3-407-32015-9
  • Friedrich Wermuth, Karl Irmscher u.a.: Von der kurfürstlichen Landesschule zum Gymnasium St. Augustin zu Grimma 1550 - 2000. Beucha 2000, 240 Seiten, ISBN 3930076993
  • Georg Fraustadt u.a.: Die Fürsten- und Landesschule St. Augustin zu Grimma in Vergangenheit und Gegenwart. 132 Seiten, mit 31 Tafeln. Grimma 1930.
  • Heinrich Theodor Flathe: St. Afra, Geschichte der königlich sächsischen Fürstenschule zu Meißen. Leipzig 1879.
  • Karl Julius Rößler: Geschichte der Fürsten- und Landesschule Grimma. Leipzig 1891.
  • Eduard Wunder: Die Eigenart der Fürstenschulen. Zeugnisse über die Bedeutung der Fürstenschulen für die Ausbildung und Erziehung der Jugend. Druckfassung des Vortrags von 1850. Herausgegeben vom Verein ehemaliger Fürstenschüler, Dresden 1889 (Exemplar vorhanden im Archiv der Fürstenschüler-Stiftung).
  • W. Corssen: Alterthuemer und Kunstdenkmale des Cisterzienserklosters St. Marien und der Landesschule zur Pforte. Halle 1868.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.landesschule-pforta.de/archiv/histdoks/histdok02.php
  2. Zitat aus der Buchvorstellung auf der Verlags-Internetseite, abgerufen am 16. Mai 2014
  3. Volker Beyrich: Reformation und Landesschulen. „... damit es mit der Zeit an Kirchendienern und anderen gelahrten Leuten nicht Mangel gewinne ...“ S. 29 in: Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Muldental, 6. Oktober 2014

Siehe auch[Bearbeiten]