Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel
Wappen
Armoiries de La Falloise.svg
Karte
Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel im Jahr 1789
Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel im Jahr 1789
Alternativnamen Herzogtum Braunschweig
Entstanden aus bis 1269 das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg
Heutige Region/en DE-NI, DE-SN
Hauptstädte/Residenzen Wolfenbüttel, Braunschweig
Dynastien Welfen
Sprache/n Niederdeutsch, Deutsch
Aufgegangen in seit 1815 das Herzogtum Braunschweig

Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel war ein Teilfürstentum des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg, dessen Geschichte sich durch zahlreiche Teilungen und erneute Zusammenführungen auszeichnete. Verschiedene Teildynastien der Welfen regierten Braunschweig-Wolfenbüttel bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation im Jahre 1806. Durch den Wiener Kongress entstand im Jahre 1814 der Nachfolgestaat Herzogtum Braunschweig.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Nachdem Otto das Kind, Enkel Heinrichs des Löwen, den früheren Allodialbesitz seiner Familie (im Bereich des heutigen östlichen Niedersachsens und nördlichen Sachsen-Anhalts gelegen) von Kaiser Friedrich II. am 21. August 1235 als Reichslehen unter der Bezeichnung Herzogtum Braunschweig-Lüneburg erhalten hatte, wurde das Land in den Jahren 1267/1269 von seinen Söhnen aufgeteilt.

Albrecht I. (auch Albrecht der Lange genannt) (1236–1279) erhielt die Gebiete um Braunschweig-Wolfenbüttel, Einbeck-Grubenhagen und Göttingen-Oberwald. Er begründete damit das Alte Haus Braunschweig und legte die Grundlage für das später so genannte Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Sein Bruder Johann (1242–1277) erbte die Lande um Lüneburg. Er begründete das Alte Haus Lüneburg. Die Stadt Braunschweig blieb gemeinsames Herrschaftsgebiet.

Im Bereich Braunschweig(-Wolfenbüttel) kam es in den folgenden Jahrzehnten zu weiteren Teilungen. So spalteten sich zeitweilig die Linien Grubenhagen und Göttingen ab.

Wappen des Herzogtums in der Schedel'schen Weltchronik von 1493

Inzwischen waren die Herzöge die ständigen Auseinandersetzungen mit den Bürgern der Stadt Braunschweig leid und verlegten im Jahre 1432 ihre Residenz in die Wasserburg Wolfenbüttel, die in einer sumpfigen Niederung des Flusses Oker ungefähr zwölf Kilometer südlich von Braunschweig lag. Das hier entstandene Schloss der Braunschweig-lüneburgischen Herzöge wurde - im Verbund mit dem der herzoglichen Kanzlei, dem Konsistorium, den Gerichten und dem Archiv - zur Schaltzentrale eines riesigen Gebietes, von der aus der Wolfenbüttel-Braunschweigische Teil des Gesamtherzogtums regiert wurde. Für lange Zeit unterstanden ihr auch die Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen, das Fürstbistum Halberstadt, große Gebiete des Fürstbistum Hildesheim und die Grafschaften Hohnstein und Regenstein, die Herrschaften Klettenberg und Lohra sowie Teile von Hoya an der Unterweser. Der Bedeutung des Hofes entsprach die Zahl benötigter Handwerker. Für diese, für Bürger und herzogliche Einrichtungen entstanden hunderte von Fachwerkgebäuden, anfangs ungeordnet, später auf herzoglichen Befehl ausgerichtet und brandtechnisch abgesichert. Im Jahre 1432 spalteten sich die vom (inzwischen) Mittleren Haus Braunschweig hinzugewonnenen Ländereien zwischen Deister, Weser und Leine als Fürstentum Calenberg unter Wilhelm dem Siegreichen ab, während Heinrich der Friedfertige Orte zwischen Oker und Aller erhielt. Auf dem Höhepunkt der Stadtentwicklung folgte der Heinrichstadt die Auguststadt im Westen und die Juliusstadt im Osten. Es folgten weitere Zusammenführungen und erneute Teilungen.

Nach der nunmehr zwölften Teilung im Jahre 1495, bei der das Fürstentum Braunschweig-Calenberg-Göttingen wiederum in seine Bestandteile zerlegt wurde, erhielt Erich der Ältere Orte zwischen Weser und Leine, Fürstentum Calenberg, Herzog Heinrich der Ältere erhielt das Land Braunschweig, für das nun die neue Residenz Wolfenbüttel namengebend wurde, plus einen Gebietsstreifen westlich des Harzes mit Seesen, Stauffenburg, Gandersheim, Greene, Lüthorst, Hohenbüchen, Homburg, Stadtoldendorf, Amelungsborn, Everstein und Fürstenberg.[1] Die Bezeichnung Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel setzte sich durch.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Wappen des Fürstentums in der Frühen Neuzeit

Es folgten die Regierungszeiten der Herzöge Heinrich der Jüngere, Julius und Heinrich Julius, unter deren Herrschaft die Residenz Wolfenbüttel ausgebaut und das Fürstentum deutschlandweit Bedeutung erlangen sollte.

Ab 1500 wurde Braunschweig-Wolfenbüttel Teil des Niedersächsischen Reichskreises.

1519 bis 1523 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Fürstentum Hildesheim, das bereits in der Schlacht von Dinklar Kontrahent gewesen war, und dem Fürstentum Lüneburg in der Hildesheimer Stiftsfehde, in deren Folge große Landgewinne zu verzeichnen waren. 1643 kam es zum Hildesheimer Rezess, in dem die Rückgabe dieser Zugewinne vereinbart wurde.

Ducatus Brunsvicensis, 1645

1571 wurden die Burg und der Ort Calvörde durch Herzog Julius Teil des Fürstentums. Nach dem Tod Erichs II. 1584 wurde Calenberg-Göttingen wieder von der Wolfenbütteler Linie der Welfen regiert.

Im Dreißigjährigen Krieg war Wolfenbüttel die stärkste Festung Norddeutschlands, überstand aber die Kriegszeit nur schwer beschädigt. Die Wolfenbütteler Linie starb während des Krieges 1634 mit Friedrich Ulrich aus.

Im Jahre 1635 trat Herzog August der Jüngere aus der Nebenlinie Lüneburg-Dannenberg die Herrschaft im Fürstentum an und begründete das Neue Haus Braunschweig. Unter seiner Regierung erreichte Wolfenbüttel die höchste kulturelle Blüte. Eine seiner größten Leistungen war der Aufbau der Herzog August Bibliothek, die zu der Zeit die größte Europas war. Im Jahre 1671 wurde ein alter Wunschtraum der Welfen-Herzöge wahr: Die gemeinsame Streitmacht der Teildynastien konnte die Stadt Braunschweig zurückerobern und in ihren Herrschaftsbereich eingliedern.

Nach dem erneuten Aussterben der Teildynastie musste 1735 noch mal eine Nebenlinie einspringen, diesmal die 1666 begründete Linie Braunschweig-Bevern.

In den Jahren 1753/1754 wurde die Residenz der Herzöge von Wolfenbüttel wieder nach Braunschweig, in das neu erbaute Braunschweiger Schloss, zurückverlegt.

Die seit dem 15. Jahrhundert bestehende städtische Unabhängigkeit Braunschweigs ging damit verloren. Der Herzog vollzog somit, was Trend war, und dabei störte auch nicht, dass der von Hermann Korb 1718 begonnene Schlossneubau am „Grauen Hof“ noch nicht fertig war. Die Auswirkungen auf Wolfenbüttel waren katastrophal, wie an den später entstandenen Fachwerkbauten abzulesen ist. 4.000 Bürger folgten der herzoglichen Familie und Wolfenbüttels Bevölkerung sank von ehemals 12.000 auf 7.000. Lediglich das Archiv, das Kirchenamt und die Bibliothek blieben als Brücke zurück. Aus Braunschweig vernahm man Spott: Wolfenbüttel sei zum „Witwensitz“ verkommen.

Die weiten Gartenflächen vor den drei Stadttoren (Herzogtor, Harztor, Augusttor) wurden den ehemaligen Gärtnern auf Erbpacht überlassen. Als Folge daraus entstanden Konservenfabriken, die Wolfenbüttel bis in das 20. Jahrhundert prägten. Vor dem Herzogtor wuchs die Zahl der Gärten, die sich schließlich bis zum Lechlumer Holz erstreckten. An dessen Südrand grüßte das 1733 anstelle eines Gartenhauses errichtete Lustschlösschen Antoinettenruh, ein Werk des für Wolfenbüttel so bedeutsamen Baumeisters Hermann Korb. Wolfenbüttel wurde zur Stadt der Schulen, 1753 wurde das Lehrerseminar gegründet, das im Waisenhaus begann und später in das Gebäude der heutigen Harztorwall-Schule umzog.

Nördliche Ämter des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel, um 1795
Südliche Ämter des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel, um 1795

Politisch wurde Braunschweig-Wolfenbüttel zu einem der engsten Verbündeten Preußens. Während kurz zuvor noch der habsburgische Kaiser durch Heiratspolitik der wichtigste Bezugspunkt war, wurde das Wolfenbütteler Welfen-Haus durch die Hochzeit des preußischen Kronprinzen Friedrich mit Elisabeth Christine eng an die Hohenzollern gebunden.[2] Die Hochzeit wurde von Friedrich Wilhelm I. von Preußen und Ferdinand Albrecht angeordnet. Diese Hochszeit bildete die Grundlage für die spätere „Waffenbrüderschaft“ zwischen dem Kleinstaat und Preußen. Vor allem im Siebenjährigen Krieg dienten zahlreiche braunschweig-wolfenbüttelsche Offiziere in hohen Positionen in der preußischen Armee. Die Regimenter des Fürstentums deckten mit der Alliierten Armee im Westen Preußen und vor allem das verbündete Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Herausragender Vertreter der militärischen Verbundenheit Braunschweigs und Preußens war der Herzog von Braunschweig und Lüneburg, Erbprinz Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel.

In Carls I. Epoche fallen große Leistungen auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet: das Theater wurde gefördert und die Bildung vorangetrieben. 1753 wurde das herzogliche Kunst- und Naturalienkabinett - Vorläufer des Naturhistorischen Museums, gegründet. Die reichhaltigen Sammlungen waren von den braunschweigischen Herzögen zusammengetragen worden war. Gefördert wurde dieses Vorhaben von Abt Jerusalem, den Gründer des Collegium Carolinum. Nicht mehr Wolfenbüttel, sondern Braunschweig erlebte nun eine kulturelle Blüte.

1780 starb Herzog Carl I. Sein Nachfolger wurde sein ältester Sohn Karl Wilhelm Ferdinand. Im August 1784 hielt sich Johann Wolfgang von Goethe in einer politischen Mission in Braunschweig auf, als er als Weimarscher Minister seinen Herzog Carl August begleitete. In einer Situation, in der sich die politische Lage zwischen Österreich und Preußen wieder einmal zugespitzt hatte, planten die deutschen Klein- und Mittelstaaten als ausgleichende Kraft einen Fürstenstaat. Herzog Karl I. sollte für diesen Fürstenbund gewonnen werden, was am 30. August dann auch gelang.

Napoleonische Ära und Übergang zum Herzogtum Braunschweig[Bearbeiten]

Durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 erhielt das Fürstentum die säkularisierten Stifte Gandersheim und Helmstedt. 1806 wurde Herzog Karl Wilhelm Ferdinand als preußischer General in der Schlacht bei Auerstedt tödlich verwundet. Nach kurzem Intermezzo war Braunschweig von 1807 bis 1813 durch die Franzosen besetzt und Teil des Königreiches Westphalen.

Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde das Land unter dem Namen Herzogtum Braunschweig wiedererrichtet.

Nebenlinie in Bevern[Bearbeiten]

Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern entstand aus einer Erbstreitigkeit zwischen Ferdinand Albrecht I. und dessen Brüder. Ferdinand Albrecht bekam 1667 das Schloss Bevern bei Holzminden zugesprochen. Er – und in der Folge sein Sohn Ferdinand Albrecht II. – waren Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern. 1735 übernahm Ferdinand Albrecht II. das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, sodass das Fürstentum wieder im Gesamtfürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel aufging.

Agrarverfassung[Bearbeiten]

Nach Bornstedt[3] wurde die Leibeigenschaft mit dem „Receß vom 17. Mai 1433“ durch Heinrich den Friedsamen aufgehoben. Bornstedts Meinung nach ist Braunschweig-Wolfenbüttel damit das erste Fürstentum im Heiligen Römischen Reich, in dem die Leibeigenschaft abgeschafft wurde.

Das Receß beinhaltete, dass alle Willkür bei den Abgaben der Meier vor allem im Todesfall der Bauern entfiel. Der Eigentümer des Meiergutes blieb zwar der Grundherr. Aber nun konnte auch der Meier kündigen. Das Verbot der Willkür führte allerdings meist dazu, dass die Meierfamilie beim Ablauf der Kontrakte oder beim Tod des Bauerns nicht abzog, das Abmeiern also unterblieb. 1563 wurde durch Heinrich den Jüngeren verordnet, dass alle sechs Jahre Meier und Grundherr um die Weiterführung des Bauerngutes zu handeln hatte, später wurde die auf neun Jahre verlängert. Herzog Heinrich Julius machte mit seinem Landtagsabschied von 1597 die Bauernhöfe erblich.

Mit der Braunschweigischen Ablösungsordnung des Herzogtums Braunschweig (dem „Rechtsnachfolger“) vom 20. Dezember 1834 wurde die Abhängigkeit der Bauern abgeschafft. Die Bauern konnten sich freikaufen, das Geld dafür konnten sie sich von der Herzoglichen Leihanstalt leihen. Ende des 19. Jahrhunderts folgte die Separation

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Havemann: Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg. 3 Bände. Nachdruck. Hirschheydt, Hannover 1974/75, ISBN 3-7777-0843-7 (Originalausgabe: Verlag der Dietrich'schen Buchhandlung, Göttingen 1853–1857, online bei Google Books)
  • Thomas Klingebiel: Ein Stand für sich? Lokale Amtsträger in der Frühen Neuzeit. Untersuchungen zur Staatsbildung und Gesellschaftsentwicklung im Hochstift Hildesheim und im älteren Fürstentum Wolfenbüttel. Hannover 2002, ISBN 3-7752-6007-2.
  •  Werner Knopp: Im Schatten des großen Bruders: Braunschweig und Preußen in friderizianischer Zeit. In: Gerd Biegel (Hrsg.): Braunschweiger Museumsvorträge. Nr. 1, Braunschweig 1986.
  • Hans Patze (Begr.): Geschichte Niedersachsen. 7 Bände. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1977- (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 36) (Übersicht des Verlags)
  • Gudrun Pischke: Die Landesteilungen der Welfen im Mittelalter. Lax, Hildesheim 1987, ISBN 3-7848-3654-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst-Rüdiger Jarck, Gerhard Schildt (Hrsg.): Braunschweigische Landesgeschichte. Jahrtausendrückblick einer Region, Braunschweig 2000, S. 237
  2. Vgl.  Werner Knopp: Im Schatten des großen Bruders: Braunschweig und Preußen in friderizianischer Zeit. In: Gerd Biegel (Hrsg.): Braunschweiger Museumsvorträge. Nr. 1, Braunschweig 1986..
  3. Wilhelm Bornstedt: Aus der Geschichte von Rautheim an der Wabe, 1977, S. 28 ff.