Fürstentum Pleß

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Wappen des Fürsten von Pleß, Grafen von Hochberg, Freiherren zu Fürstenstein

Das Fürstentum Pleß, polnisch Pszczyna, lag im beskidischen Vorland in der Niederung der Plesse (Pszczynka), eines Nebenflusses der Weichsel.

Herzogtum Pleß[Bearbeiten]

Bis 1177 gehörte das Plesser Land zu Kleinpolen und anschließend zum schlesischen Herzogtum Ratibor, das damals von den Schlesischen Piasten regiert wurde. Die ehemalige Piastenburg in Pleß wurde 1263 von Truppen des böhmischen Přemyslidenkönigs Ottokar II. zerstört. Herzog Bolko I. aus der Schweidnitzer Linie der Schlesischen Piasten ließ während seiner Herrschaft (1288–1292) erneut eine Burg in Pleß errichten.

1327 huldigte Herzog Lestko von Ratibor dem böhmischen König Wenzel II., wodurch Pless zusammen mit dem Herzogtum Ratibor als ein Lehen der Krone Böhmen unterstellt wurde. Die böhmische Lehenshoheit wurde 1335 mit dem Vertrag von Trentschin vom polnischen König bestätigt. Nach dem Tod des Herzogs Lestko 1336 fiel Pless zusammen mit dem Herzogtum Ratibor als erledigtes Lehen an Böhmen. 1337 übertrug der böhmische König Johann von Luxemburg das Herzogtum Ratibor als ein Lehen an Nikolaus II. von Troppau, der mit Lestkos Schwester Anna verheiratet war und der přemyslidischen Linie der Herzöge von Troppau entstammte. Dessen ältester Sohn Johann I. erhielt 1365 als Alleinerbe das Herzogtum Ratibor und begründete die přemyslidische Stammlinie Troppau-Ratibor. Er verpfändete 1375 das Plesser Land an den Oppelner Herzog Wladislaus II.. 1412 verlieh Johann II. von Troppau-Ratibor das gesamte Gebiet von Pleß, Altberun, Myslowitz sowie Nikolai und Sohrau seiner Gattin Helena, Prinzessin von Litauen auf deren Lebenszeit als Wittum. Dadurch entstand das Herzogtum Pleß, an dessen Spitze von 1424 bis zu ihrem Tode 1449 Herzogin Helena stand.

Nach dem Tode Nikolaus V. von Ratibor-Jägerndorf, Sohn Helenas, im Jahre 1452 wurde das Plesser Land vom Herzogtum Ratibor separiert als böhmische Standesherrschaft ausgetan für Nikolaus' minderjährige Söhne aus seiner Ehe mit Barbara Rockenberg († 1464), die bis 1462 Regentin für ihre Söhne war. Danach diente Pleß als Sekundogenitur zur standesgemäßen Versorgung böhmischer Prinzen, und zwar gemeinsam den Brüdern Heinrich dem Älteren, Heinrich dem Jüngeren und Viktorin, Söhne des böhmischen Königs Georg von Podiebrad und Herzöge von Münsterberg. 1472 teilten die Brüder ihre Besitzungen, wobei Heinrich der Jüngere Pleß erhielt, das er später seinem Bruder Viktorin überließ.

1480 verkaufte Viktorin Pleß seinem Schwiegersohn Kasimir II. von Teschen, der 1509 Teile des Plesser Landes an den ungarischen Magnaten und Bergwerksbesitzer Thurzó weiterverkaufte. Die Thurzó veräußerten 1548 die Standesherrschaft Pleß dem Fürstbischof von Breslau Balthasar von Promnitz, was ihm der böhmische und römisch-deutsche König Ferdinand I. durch Erbbelehnung bestätigte. Diese Maßnahme sollte auch die Ausbreitung der Reformation in diesem Gebiet verhindern. Die meist polnische Landbevölkerung bekannte sich zur katholischen Religion.

Fürstentum Pleß (1765–1847), Fürsten von Anhalt-Köthen-Pleß[Bearbeiten]

Fürstenstein: Allianzwappen Anhalt-Köthen-Pleß und Hochberg-Fürstenstein

Die Standesherrschaft Pleß verblieb bis 1765 im Besitz der Erben des Fürstbischofs, wobei sie bis 1742 der Krone Böhmen unterstand, die seit 1526 die Habsburger innehatten. Zusammen mit fast ganz Schlesien fiel sie nach dem Ersten Schlesischen Krieg an Preußen. 1765 erhielt Prinz Friedrich Erdmann von Anhalt-Köthen von seinem Onkel, Graf Johannes Erdmann von Promnitz, die Standesherrschaft Pleß mit drei Städten und 49 Dörfern, und nahm den Titel eines Fürsten von Anhalt-Köthen-Pleß an.

Nach dem Tod seiner kinderlosen Söhne Ferdinand Friedrich, Ludwig und Heinrich erbten die Nachkommen der ältesten Tochter Anna Amalia (1770–1830) die Standesherrschaft. Sie war mit Graf Hans Heinrich VI. von Hochberg-Fürstenstein (1768–1833) verheiratet.

Die anhaltische Fürstenherrschaft brachte im 19. Jahrhundert die freie Standesherrschaft mehr und mehr in die deutsche Reichshoheit Preußens. Die im Siebenjährigen Krieg verwüsteten Güter wurden wieder bewirtschaftet. In Pleß gab es Glas- und Zinkhütten sowie Tuchmanufakturen.

Grafen von Hochberg, Fürsten von Pleß[Bearbeiten]

Hans Heinrich XI. Fürst von Pleß

1847 hinterließ Herzog Heinrich von Anhalt-Köthen die Standesherrschaft Pleß seinem Neffen, Graf Hans Heinrich VI. von Hochberg. Dieser verwaltete Pleß bereits seit dem Tod des Fürsten Ludwig von Anhalt-Köthen-Pleß (1783–1841) im Auftrage Heinrichs. Nachfolger wurde sein ältester Sohn Graf Hans Heinrich X. von Hochberg. Dieser wurde erster Präsident des preußischen Herrenhauses und übernahm die Verwaltung der Familiengüter. Sein Sohn Hans Heinrich XI. war der Oberstjägermeister Kaiser Wilhelms I. und Mitglied des Preußischen Herrenhauses. In den Jahren 1867 bis 1884 war er als Abgeordneter der Reichs- und Freikonservativen Partei auch Abgeordneter im Reichstag. 1890 wurde der Fürst Mitglied des Preußischen Staatsrats. Hochberg betätigte sich auch politisch, war Landtagsmarschall von Schlesien, Mitglied der preußischen Ersten Kammer und seit dessen Gründung (1854), des Preußischen Herrenhauses. 1905 wurde er vom deutschen Kaiser für seine Person zum Herzog von Pleß erhoben.

Er war der erste Montanmagnat der deutschen Schwerindustrie. Die Steinkohlenbergwerke bei Waldenburg (Niederschlesien) brachten ihm hohe Gewinne. Zu seinen Besitzungen bei Freiburg in Schlesien gehörte die große burgartige Anlage Schloss Fürstenstein mit umgebenden Gärten und Terrassen. Sie zählte schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu den touristischen Attraktionen der Region und wurde entsprechend häufig in der Vedoutengrafik und auf Bädegläsern und Ansichtenporzellanen dargestellt. Der Herzog verstarb 1907 auf Schloss Albrechtsberg in Dresden.

Hans Heinrich XI. von Pleß

Sein Sohn und Nachfolger Hans Heinrich XV. wurde nach dem Tod des Herzogs als der reichste Fürst des Deutschen Reichs bezeichnet. Er errichtete einen neobarocken Neubau am Schloss Fürstenstein, wie es in seinem heutigen Erscheinungsbild ebenfalls eine Sehenswürdigkeit der Region ist. Hans Heinrich XV., 1861 in Pless geboren, war nach seinem Universitätsstudium im diplomatischen Dienst des Deutschen Reiches in London tätig. 1891 heiratete er die siebzehnjährige Britin Mary Theresa Olivia Cornwallis-West, genannt Daisy, eine der attraktivsten Frauen der Londoner Salons. Ihre Ehejahre verbrachte die Familie mit ihren drei Kindern im Schloss Fürstenstein. Sie reiste oft und veranstaltete in Fürstenstein aufwendige Festlichkeiten. Vergeblich versuchte Daisy vor Kriegsbeginn zwischen dem deutschen Kaiser und dem britischen König persönlich friedensstiftend zu vermitteln und betätigte sich engagiert in der deutschen Sozialfürsorge als Helferin.

Während des Ersten Weltkriegs war sie als Krankenschwester im Deutschen Roten Kreuz auf Bahnhöfen zur Truppenbetreuung tätig. Ihre Ehe war während der Kriegsjahre zerbrochen. 1922 wurde die Ehe geschieden. Sie selbst musste Schloss Fürstenstein verlassen und wohnte mit ihren zwei jüngeren Kindern in München, Berlin und anderen Städten, zuletzt allein in der Villa Pohl im schlesischen Waldenburg, nahe der einstigen Residenz. 1926 heiratete ihr Gatte erneut, ließ sich nach mehrjähriger Ehe jedoch abermals scheiden. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Ersten Weltkrieg konnte er seine Besitzungen in Nieder- und Oberschlesien konsolidieren. Dies gelang nach erfolgreicher staatlicher Sanierung und durch Einbringung des gesamten Vermögens, mit Ausnahme der Schlösser, in zwei Kapitalgesellschaften, der Fürstlich Pless`schen Bergwerks AG in Kattowitz und der Fürstlichen Brauerei AG in Tichau. Die Gesellschaften wirtschafteten bis 1945 gewinnbringend.

Obwohl das Fürstentum Pleß bei der Teilung Oberschlesiens nach 1919 infolge des Friedensvertrages von Versailles an Polen fiel, blieben die Güter und das Schloss bis 1945 im Besitz der Familie Hochberg-Fürstenstein.

1922 besetzte polnisches Militär die Stadt Pless. Hans Heinrich XV. nahm in diesem Jahr die polnische Staatsangehörigkeit an, wohnte aber zunächst in seiner niederschlesischen Residenz Schloss Fürstenstein, später in Pless. Nach seinem Tod wurde das Schloss durch seinen zweitältesten Sohn Alexander von Hochberg, der polnischer Staatsbürger war, übernommen. Dessen älterer Bruder Hans Heinrich XVII. war bereits nach Großbritannien emigriert, wo er in der britischen Armee diente. Der jüngste Sohn Bolko, Vater des 6.Fürsten Bolko von Pless * April 1936,war schon im Juni 1936 gestorben und wurde im Plesser Park beerdigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • W. John Koch: Schloss Fürstenstein - Erinnerungen an einen schlesischen Adelssitz - Eine Bilddokumentation. Würzburg 1989
  • Princess Daisy of Pless, Princess Daisy of Pless by Herself, London, John Murray, 1929.
  • Daisy von Pless, Tanz auf dem Vulkan Erinnerungen an Deutschlands und Englands Schicksalswende. Aus dem Englischen übertragen von Marie Latzel, Dresden 1929 (2 Bde).
  • Daisy Hochberg von Pless: Taniec na wulkanie Übersetzung ins Polnische von Mariola Palcewicz. Kraków 2008.
  • Ezechiel Zivier: Entwicklung des Steinkohlenbergbaues im Fürstentum Pleß. Kattowitz 1913.
  • Rontz: Die Steinkohlen der Gruben des Fürsten von Pless in Polnisch-Oberschlesien. Katowice 1929. Digitalisat in der Schles. Digitalen Bibliothek
  • Klemens Skibicki: Industrie im oberschlesischen Fürstentum Pless im 18. und 19. Jahrhundert, Stuttgart 2002

Weblinks[Bearbeiten]