Fürstenzell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Fürstenzell
Fürstenzell
Deutschlandkarte, Position des Marktes Fürstenzell hervorgehoben
48.522513.318055555556358Koordinaten: 48° 31′ N, 13° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Passau
Höhe: 358 m ü. NHN
Fläche: 79,31 km²
Einwohner: 7826 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 99 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94081
Vorwahlen: 08502, 08506 (Engertsham teilw., Bad Höhenstadt)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: PA
Gemeindeschlüssel: 09 2 75 122
Marktgliederung: 124 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marienplatz 7
94081 Fürstenzell
Webpräsenz: www.fuerstenzell.de
Bürgermeister: Manfred Hammer (SPD)
Lage des Marktes Fürstenzell im Landkreis Passau
Landkreis Deggendorf Landkreis Rottal-Inn Landkreis Freyung-Grafenau Passau Witzmannsberg Windorf Wegscheid Vilshofen an der Donau Untergriesbach Tittling Tiefenbach (bei Passau) Thyrnau Tettenweis Sonnen Salzweg Ruhstorf an der Rott Ruderting Rotthalmünster Pocking Ortenburg Obernzell Neukirchen vorm Wald Neuhaus am Inn Neuburg am Inn Malching Kößlarn Kirchham (Landkreis Passau) Hutthurm Hofkirchen (Donau) Hauzenberg Haarbach Bad Griesbach im Rottal Fürstenzell Fürstenstein Eging am See Büchlberg Breitenberg (Niederbayern) Beutelsbach Bad Füssing Aldersbach Aidenbach Aicha vorm Wald ÖsterreichKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Klosterkirche Fürstenzell

Fürstenzell ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Passau.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Fürstenzell liegt im typisch niederbayerischen Hügelland inmitten des Klosterwinkels und des Neuburger Waldes südlich der Donau und westlich des Inn nahe der Bundesautobahn 3 (Ausfahrt Passau-Mitte und Passau-Süd). Nach Passau sind es rund 12 km, nach Schärding (Oberösterreich) 15 km, nach Pocking 18 km, nach Bad Griesbach 14 km und nach Vilshofen an der Donau 20 km.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Fürstenzell hat 124 amtlich benannte Ortsteile[2]:

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Klosterhofmark[Bearbeiten]

1120 bis 1130 ist in den Traditionen von Kloster Vornbach erstmals eine Siedlung namens Cella bezeugt. Es handelte sich um einen Einödhof, bei dem eine Kapelle stand, die dem Hl. Laurentius geweiht war. Der Hof gehörte später zur Pfarrei Irsham, die im Jahre 1075 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird. Im 13. Jahrhundert waren Hof und Kirche unbewirtschaftet und verlassen.

Domherr Hartwig von Passau kaufte den Hof samt Grundstücken und stiftete 1274 den Zisterziensern ein Kloster. Im gleichen Jahr verlieh Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern dem Zellhof Erlass aller dinglichen und persönlichen Leistungen, Zollfreiheit und niedere Gerichtsbarkeit. Wegen dieser Gnadenerweise wurde Zell in Fuerstencelle umbenannt. Die Besiedelung des neu gestifteten Klosters erfolgte von Kloster Aldersbach aus.

Danach war die Geschichte des Ortes und der klösterlichen Hofmark eng mit Kloster Fürstenzell verbunden. Bis ins 15. Jahrhundert gab es im eigentlichen Fürstenzell außer dem Kloster keine Häuser. Die danach für die Bewohner von Fürstenzell zuständige Pfarrkirche stand in Unterirsham.

Fürstenzell nach der Säkularisation[Bearbeiten]

Mit der Säkularisation in Bayern wurde Kloster Fürstenzell aufgelöst. Die Familie Wieninger erwarb die Kloster- und Ökonomiegebäude, gab den Bewohnern der Umgebung Arbeit und ließ eine Besiedlung des Ortes zu. 1807 wurde die Klosterkirche Pfarrkirche. Die bisherige Pfarrkirche in Unterirsham wurde abgebrochen.

Bis 1838 gehörte die Gemeinde Fürstenzell zum Landgericht Griesbach und wurde dann dem neu errichteten Landgericht Passau II zugeteilt. 1840 waren in Fürstenzell neben dem Klostergut drei Bauern, 29 Häusler und elf Handwerker vorhanden.

Die Familie Wieninger verkaufte den Gebäudekomplex des ehemaligen Klosters im November 1928 an die bischöfliche Brauerei Hacklberg, die ihn jedoch schon 1930 an die Deutsche Provinz der Maristenpatres veräußerte. Die Maristen eröffneten 1948 das Maristengymnasium.

Fürstenzell seit dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Das Rathaus von Fürstenzell

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte, nicht zuletzt wegen des Zustroms von Flüchtlingen, in Fürstenzell eine rege Bautätigkeit ein. Fürstenzell erhielt 1950 ein Rathaus, 1953 eine evangelische Kirche, 1955 eine achtklassige Volksschule, 1962 ein Freischwimmbad und 1967 eine mechanisch-biologische Kläranlage.

Das örtliche Krankenhaus wurde 1932 erheblich erweitert, 1997 musste es aber geschlossen werden. In den Räumen befinden sich nun eine ambulante Unfallchirurgie sowie eine Augenklinik. Das Dialysezentrum bezog 2008 ein neues Gebäude in der Nähe. Das ehemalige Schwesternwohnheim beherbergt seit einem Umbau das staatliche Gesundheitsamt. Das Kinderheim, ein Frauenkloster mit angegliedertem Kindergarten, errichtete 1969/70 eine Heimvolksschule für Mädchen. 1971/72 entstand ein Neubau des Maristengymnasiums für etwa 1000 Schüler.

Zur 900-Jahr-Feier der Pfarrei und 700-Jahr-Feier des Klosters erhielt Fürstenzell am 26. Juni 1975 die Bezeichnung Markt verliehen.[3] Das neue Rathaus des Unterzentrums Fürstenzell entstand in den Jahren 1982/83.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Rahmen der Gebietsreform wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Altenmarkt und Bad Höhenstadt sowie Teile der Gemeinde Engertsham eingegliedert.[4] Im Jahre 1978 folgten der größte Teil der Gemeinde Voglarn und Teile der Gemeinde Sandbach.

Politik[Bearbeiten]

Marktgemeinderat[Bearbeiten]

Der Marktgemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wie folgt zusammen:[5]

  • CSU: 7 Sitze (35,12 % der Stimmen) – Frank Reisinger (4282 Stimmen, 2. Bürgermeister), Markus Mildenberger (2444 Stimmen), Ursula Berchtold (2313 Stimmen), Günter Raubal (1731 Stimmen), Heinrich Fuller (1502 Stimmen), Andreas Gruber (1474 Stimmen), Laura Wastlhuber (1390 Stimmen)
  • SPD: 5 Sitze (23,19 % der Stimmen) – Franz Voggenreiter (1619 Stimmen), Margot Kiefner (1353 Stimmen), Michael Gruber (1183 Stimmen, 3. Bürgermeister), Anton Maroth (940 Stimmen), Thomas Kohlbacher (851 Stimmen)
  • BU/CWG: 4 Sitze (19,49 % der Stimmen) – Ludwig Danner (1761 Stimmen), Josef Zerer (1690 Stimmen), Hans Jörg Wagmann (1338 Stimmen), Konrad Sedlmayr (1103 Stimmen)
  • ödp: 2 Sitze (12,44 % der Stimmen) – Ingrid Ohly (1839 Stimmen), Josef Hauser (1523 Stimmen)
  • ÜW: 2 Sitze (9,77 % der Stimmen) – Alois Mannichl (1182 Stimmen), Henriette Baierl (675 Stimmen)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist Manfred Hammer (SPD), der am 16. März 2014 mit 53,04 % der Stimmen gewählt wurde. Zu seinen Stellvertretern wurden vom Marktgemeinderat am 8. Mai 2014 Frank Reisinger (CSU) und Michael Gruber (SPD) gewählt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Fürstenzell

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Flugplatz Fürstenzell befindet sich rund 2 km außerhalb des Ortes, bei Oberreisching. Die asphaltierte Landebahn misst 485 × 12 m und ist für kleinere Flugzeuge ausgelegt.

Der vor kurzem grundlegend sanierte Bahnhof Fürstenzell ist ungefähr einen Kilometer vom Ortskern entfernt im Ortsteil Aspertsham gelegen. Er liegt an der Bahnstrecke Passau–Neumarkt-Sankt Veit. Die Züge verkehren im Ein-Stunden-Takt nach Passau Hbf. Weitere Haltepunkte im Gemeindebereich sind Bad Höhenstadt und Engertsham.

Die Busanbindung erfolgt durch die VLP (Verkehrsgemeinschaft Passauer Land), eine Tochter der RBO. Wochentags fahren zwischen 6 und 19 Uhr täglich rund 20 Busse nach Passau sowie in die Gegenrichtung nach Bad Griesbach. Samstags sowie sonn- und feiertags gibt es je drei Verbindungen. Der Nachtexpress verlässt Passau um 0:25 Uhr (Freitag und Samstag).

Über die Ausfahrten Passau-Mitte und Passau-Süd ist der Ort an die Bundesautobahn A3 angebunden. Durch den Ort führen die Staatsstraßen St2118 Passau-Bad Griesbach, St2618 Passau-Fürstenzell, St2118, Ortenburg-Neuhaus/Inn

Bildung[Bearbeiten]

  • Kindergärten in Fürstenzell („Arche Noah“ und „St. Maria“), Engertsham, Jägerwirth und Bad Höhenstadt („Wilhelm Diess“)
  • Grundschulen in Engertsham, Fürstenzell und Jägerwirth
  • Hauptschule Fürstenzell
  • Heimvolksschule St. Maria
  • Maristengymnasium Fürstenzell
  • Musikschule Fürstenzell
  • Volkshochschule Fürstenzell

Freizeit[Bearbeiten]

  • Sportanlage an der Schulstraße: Stadion mit Stehtribüne, Rasenspielfeld, Hartplatz; Minispielfeld (Kunstrasen); Asphaltstockbahnen; (FC Fürstenzell)
  • Anlage des TC BlauWeiß Fürstenzell: 8 Sandplätze
  • Freibad am Weinhügel: 25 m Schwimmbecken, Nichtschwimmer-Bereich mit 2 Wasserrutschen, Kinderplanschbecken
  • Golfplatz: 18 Loch (Par 73) und 6 Loch Kurzplatz, Drivingrange und Übungsgelände, Clubhaus mit öffentlichem Restaurant (erster FengShui Golfplatz Deutschlands)
  • Haus des Sports „Alte Molkerei“: 1. Karate Dojo Fürstenzell (Halle); Fürstenzeller Schützen (Kleinkaliberschießstand); MSC Fürstenzell
  • Sportplätze in Jägerwirth, Bad Höhenstadt und Engertsham
  • Tennisanlagen in Jägerwirth und Engertsham
  • Reitplätze

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Träger der Bürgermedaille[Bearbeiten]

Träger des Kulturellen Ehrenbriefs[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Klaus Augenthaler (* 1957), Fußballspieler und -trainer
  • Senta Dinglreiter (1893–1969), Schriftstellerin, Weltreisende 'Deutsches Mädel auf Fahrt um die Welt' 1932; 'So sah ich unsere Südsee' 1939; 'Brunnöd 1+2' 1957; 'Der Millionenreiter von Engertsham' 1968
  • Wilhelm Diess (1884–1957), Heimatdichter und Erzähler
  • Otto Erbersdobler (1895–1981), Kaufmann und Politiker (NSDAP)
  • Helmut Winklhofer (* 1961), Fußballspieler

Mit der Gemeinde verbunden[Bearbeiten]

  • Ottfried Fischer (* 1953), Schauspieler und Kabarettist, besuchte in Fürstenzell das Maristengymnasium
  • Alois Mannichl (* 1956), Polizeidirektor der Stadt Passau, lebt in Fürstenzell und wurde dort Opfer eines Messer-Anschlags
  • Christoph Ebbert (*1971), Design-Professor in Manchester, besuchte das Maristengymnasium, wurde als Schüler jüngster Patentinhaber Deutschlands

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111117/183316&attr=OBJ&val=740
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 620.
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 548.
  5. http://www.wahl.info/kandidaten/ort/markt-fuerstenzell_83.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fürstenzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien