Fürstenzug
51.0526813.7391757Koordinaten: 51° 3′ 10″ N, 13° 44′ 21″ O
Der Fürstenzug in Dresden ist ein überlebensgroßes Bild eines Reiterzuges, aufgetragen auf rund 23.000 Meißener Porzellanfliesen. Das 102 Meter lange, als größtes Porzellanbild der Welt geltende Kunstwerk stellt die Ahnengalerie der zwischen 1127 und 1904 in Sachsen herrschenden 35 Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige aus dem Geschlecht des Fürstenhauses Wettin dar.
Der Fürstenzug befindet sich in der Augustusstraße, zwischen Georgentor auf der einen Seite und dem Johanneum auf der anderen Seite. Hier wurde er von 1904 bis 1907 auf der Außenseite des Stallhofs vom Dresdner Residenzschloss angebracht.
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[Bearbeiten] Geschichte
Schon 1589 versah man die äußere Nordwand des gerade entstandenen Stallhofs mit einer Kalkfarbenmalerei.[1] Diese war jedoch im 19. Jahrhundert verwittert; 1865 legte der Historienmaler Wilhelm Walther einen Entwurf zur Neugestaltung vor: Ein Festzug sächsischer Regenten, passend zur bevorstehenden 800-Jahr-Feier des Fürstenhauses der Wettiner im Jahr 1889.[2] Die Herstellung des Wandbildes in Sgraffitotechnik, einer Putzkratztechnik, dauerte von 1872 bis 1876. Walther versuchte, Gesichtszüge und historische Einzelheiten so genau wie möglich wiederzugeben, wozu vorab durchgeführte jahrelange Studien in der Gemäldegalerie und im Schloss sowie die Anfertigung von Kartons im Maßstab 1:1 halfen. Der anfänglich gefeierte schwarz-weiße Bilderfries war jedoch nicht sehr witterungsbeständig; um die Jahrhundertwende zeigte er bedeutende Schäden. In den Jahren 1904 bis 1907 ersetzte man ihn daher durch fugenlos angepasste Keramikfliesen der Meißener Porzellanmanufaktur, wobei ein neues Verfahren erstmalig zum Einsatz kam: Die angefertigten Kacheln wurden bei 1380 °C scharf gebrannt, mit einer Farbschicht überzogen, und nochmals gebrannt. Danach übertrugen Porzellanmaler das Bild auf die Kacheln, wobei die bei der Putzkratztechnik benutzten Originalkartons zum Einsatz kamen. Um die Kacheln haltbar zu machen, wurden sie nochmals im Scharffeuer gebrannt. Die etwa 23.000 Fliesen befestigte man von April bis Juli 1907 auf einen vorbereiteten Untergrundputz.[1]
Während der Arbeiten verstarb König Georg, der den Fürstenzug abschließende Herrscher, womit sein Nachfolger, der letzte sächsische König Friedrich August III., in den Zug aufgenommen werden sollte. Auf Anweisung des damaligen Finanzministers wurde darauf verzichtet; das schon historisch gewordene Bild sollte unverändert bestehen bleiben.[1]
Die Luftangriffe auf Dresden am Ende des Zweiten Weltkriegs im Februar 1945 überstand der Fürstenzug weitgehend unbeschadet; das Porzellan hielt die Gluthitze des Feuers aus. Von 1978 bis 1980 wurde das Bild gereinigt und restauriert. Dabei waren 212 vom Krieg weitgehend zerstörte Fliesen zu ersetzen. Gleichzeitig ergänzte man 442 Fliesen, die weniger beschädigt waren.[1]
[Bearbeiten] Panorama
[Bearbeiten] Fakten
Die exakten Abmessungen des gesamten Wandbildes betragen - einer zeitgenössischen Bauzeichnung zufolge - 101,9 m Länge und 10,51 m Höhe.[3] Da sich im oberen Teil des Frieses 18 Fenster befinden, beträgt die mit Fliesen belegte Fläche lediglich 968 Quadratmeter.[3] Die Abmessungen der einzelnen Fliesen sind 20,5 cm x 20,5 cm. Bei einer fugenfreien Verlegung sind damit ungefähr 23.000 Fliesen an der Wand angebracht, wobei wegen der eingeschlossenen Fenster auch Teilstücke zum Einsatz kamen.[3]
Die oft genannte Zahl von ungefähr 25.000 Fliesen des Wandbildes entspricht der Anzahl der Kacheln, die insgesamt hergestellt wurden. Zahlreiche Kacheln benötigte man für die notwendigen Voruntersuchungen.[3]
[Bearbeiten] Abgebildete Personen
Insgesamt werden 94 Personen abgebildet. Es sind 35 Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige Sachsens sowie 59 Wissenschaftler, Künstler, Handwerker, Soldaten, Kinder und Bauern und weiterhin zahlreiche Pferde und zwei Windhunde dargestellt. Neben Vertretern der Kreuzschule, der Leipziger Universität und der Technischen Bildungsanstalt in Dresden sind der Maler Ludwig Richter, die Bildhauer Ernst Julius Hähnel und Johannes Schilling und schließlich Wilhelm Walther selbst mit Gehilfen hinter dem Tross der Regierungshäupter zu sehen. Seinen Lehrer Julius Hübner hat er zum Dank für die Weiterreichung des Auftrages an ihn und die Unterstützung als 12. Person von rechts abgebildet, den Entwurf des Fürstenzuges deshalb in Händen haltend. Bis auf Heinrich I. von Eilenburg (um 1089) und den letzten König Friedrich August III. sind sämtliche Regenten des Hauses Wettin in der Reihenfolge ihrer Regierungszeit angeordnet. Unter jedem ist der Name und die Regierungszeit der Person ablesbar.
In den meisten Beschreibungen werden nur 93 Personen erwähnt. Dies liegt daran, dass die 94. Person erst im Rahmen des „lebendigen“ Fürstenzuges anlässlich der 800-Jahr-Feier Dresdens gefunden wurde. Sie blieb hinter den Wissenschaftlern, Künstlern und Studenten unentdeckt, weil man von ihr nur die Kopfbedeckung und eine Fahne sieht.
- Abgebildete Regenten
- Konrad der Große (1127–1156)
- Otto der Reiche (1156–1190)
- Albrecht der Stolze (1190–1195)
- Dietrich der Bedrängte (1195–1221)
- Heinrich der Erlauchte (1221–1288)
- Albrecht der Entartete (1288–1307)
- Friedrich der Gebissene (1307–1324)
- Friedrich der Ernsthafte (1324–1349)
- Friedrich der Strenge (1349–1381)
- Friedrich der Streitbare (1381–1428)
- Ernst (1464–1486)
- Friedrich der Sanftmütige (1428–1464)
- Albrecht der Beherzte (1486–1500)
- Friedrich der Weise (1486–1525)
- Johann der Beständige (1525–1532)
- Johann Friedrich der Großmütige (1532–1547)
- Georg der Bärtige (1500–1539)
- Heinrich der Fromme (1539–1541)
- Moritz (1547–1553)
- August (1553–1586)
- Christian I. (1586–1591)
- Christian II. (1591–1611)
- Johann Georg I. (1611–1656)
- Johann Georg II. (1656–1680)
- Johann Georg III. (1680–1691)
- Johann Georg IV. (1691–1694)
- August II. (August der Starke, 1694–1733)
- August III. (1733–1763)
- Friedrich Christian (1763)
- Friedrich August der Gerechte (1763–1827)
- Anton der Gütige (1827–1836)
- Friedrich August II. (1836–1854)
- Johann (1854–1873)
- Albert (1873–1902)
- Georg (1902–1904)
- Abgebildete Personen der Schlussgruppe
- Schüler des Kreuzgymnasiums (der Sohn Wilhelm Walthers)
- Korpsstudent der Universität Leipzig (ein Herr von Erdmannsdorff, Wappen auf Schärpe)
- Student der Technischen Hochschule Dresden
- Architekt Nikolai
- Maler K. Peschel
- Maler Julius Hübner (beide betrachten ihren eigenen Fürstenzug-Entwurf)
- Bildhauer Johannes Schilling
- Bildhauer Ernst Julius Hähnel
- Maler Ludwig Richter
- Kindergruppe, ein Ludwig-Richter-Motiv, das Mädchen in der Mitte ist die einzige weibliche Figur des Fürstenzuges
- Germanist Ernst Förstemann (Direktor der Königlichen Bibliothek)
- Geheimrat Wiesner, Dezernent für die schönen Künste im Königlichen Ministerium (beförderte das Projekt)
- Kunsthistoriker und Archäologe Freiherr von Weißenbach, Wappen der Familie, der Ochsenkopf, auf dem Hemdkragen
- ein Mitarbeiter Walthers, Maurer Kern
- ein sächsischer Bergmann
- ein sächsischer Bauer
- ein Mitarbeiter Walthers, Maurer Pietsch
- der Erschaffer des Fürstenzuges, Wilhelm Walther
[Bearbeiten] Sonstiges
Ein neun Quadratmeter großes Probebild mit Markgraf Friedrich dem Ernsthaften, das König Georg am 12. Mai 1903 von der Anwendbarkeit des neuen Verfahrens überzeugte, ist noch heute an der Hoffassade der Meißener Porzellanmanufaktur zu sehen.
Im Rahmen der 800-Jahr-Feier der Stadt Dresden im Jahr 2006 wurde der Fürstenzug vom Rochlitzer Verein „Der Fürstenzug zu Dresden“ e. V. als „lebendiges Bild“ erstmals in Szene gesetzt. Seit Mai 2007 sind die Kostüme in einer Ausstellung auf Schloss Rochlitz zu sehen.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Liste der Kurfürsten, Herzöge und Könige von Sachsen
- Residenzschloss Dresden – Residenz der sächsischen Kurfürsten und Könige
[Bearbeiten] Literatur
- Reinhard Delau: Der Fürstenzug in Dresden. Edition Sächsische Zeitung, Dresden 2005, ISBN 3-938325-12-7
- Donath Matthias, Peter Knierriem und Frank Schmidt: Der Fürstenzug – Ein Wandbild wird lebendig. Edition Sächsische Zeitung, Dresden 2007
- Karlheinz Blaschke: Der Fürstenzug zu Dresden. Urania, Freiburg 1991, ISBN 3-332-00377-1
- Clemens Freiherr von Hausen: Der Fürstenzug auf dem Sgraffito-Fries am Königlichen Schlosse zu Dresden. Dresden 1903
[Bearbeiten] Weblinks
- Hochauflösende Aufnahme des Fürstenzuges bei Gigapan.org
- Der Fürstenzug bei www.dresden-und-sachsen.de
- Der lebendige Fürstenzug – Anlässlich des Festumzuges zum Dresdner Stadtjubiläum im August 2006 entstiegen die wettinischen Herrscher und ihr Gefolge erstmals dem Wandbild am Dresdner Stallhof
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c d M. Donath: Ein erstaunliches Wandbild – Wie der Fürstenzug entstand. In: Der Fürstenzug – Ein Wandbild wird lebendig edition Sächsische Zeitung, 1. Auflage, Meißen 2007, S. 8-17
- ↑ Reinhard Delau: Der Fürstenzug in Dresden. Edition Sächsische Zeitung, Dresden 2005, ISBN 3-938325-12-7, S. 8-14
- ↑ a b c d Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH, Historische Sammlungen, Archivakte AA III K 70