F♯A♯∞

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F#A#∞
Studioalbum von Godspeed You! Black Emperor
Veröffentlichung 14. August 1997
Label Constellation Records CST003, Kranky KRANK027
Format CD, LP
Genre Postrock
Anzahl der Titel 2 (LP), 3 (CD)
Laufzeit 63:30 (CD), 38:40 (LP)

Besetzung

Produktion Don Wilkie, Ian Illavsky
Studio Hotel2Tango (Montreal, Kanada)
Chronologie
All Lights Fucked on the Hairy Amp Drooling
(1994)
F#A#∞ Slow Riot for New Zerø Kanada (1999)

F♯A♯∞ (ausgesprochen: F-sharp, A-sharp, Infinity) ist das Debütalbum des kanadischen Postrock-Kollektivs Godspeed You! Black Emperor. Es wurde zweimal veröffentlicht, zuerst 1997 von Constellation Records, dann am 8. Juni 1998 von Kranky Records als verlängerte Version, welche 63 Minuten lang ist. Stilistisch fallen vor allem die größtenteils rein instrumentalen, überlangen Lieder auf, welche in Segmente unterteilt sind.

Das Album wurde im Hotel2Tango in Montreal aufgenommen. Die erste Auflage des Albums war stark limitiert. Sie wurde größtenteils auf Konzerten vertrieben.

Anfangs war das Interesse am Album gering, was an der kleinen Auflage und der Unbekanntheit der Band lag. Nach der Wiederauflage und mehreren Interviews und Artikeln in bekannten Musikzeitschriften (unter Anderem der New Musical Express) wurde die Band und somit auch das Album letztendlich bekannter. Die Rezeption des Albums war weitgehend positiv. Kritiker lobten den subtilen, orchestralen Charakter der Band.[1][2]

Hintergrund[Bearbeiten]

GY!BE-Bassist Mauro Pezzente live in London, November 2000.

1995 zog Mauro Pezzente, Mitbegründer von GY!BE, mit seiner damaligen Freundin in das Mile End von Montreal.[3] Pezzente nutzte seine Wohnung auch als Ort für Konzerte und nannte es die Gallery Quiva. Um 1996 herum zog Efrim Menuck in die zwischenzeitlich leer stehende Wohnung und gründete das Hotel2Tango als Proberaum, Aufnahmestudio und Konzertsaal für die musikalische Szene der Stadt. Dort fanden dann 1997 die Aufnahmen für die LP-Version von F♯A♯∞ statt.[4] Zu dieser Zeit hatte die Band fünfzehn Mitglieder, die für die Aufnahmen auf zehn sowie einige Gastmusiker reduziert wurden.

Die Materialsammlung für die Platte reichte zurück bis in das Jahr 1993. Dieses Material wurde dann zu zwei langen Stücken, jeweils etwa 20 Minuten lang. Eigentlich hatte die Band vor, das Album als Doppel-7" zu veröffentlichen. Die Idee wurde jedoch verworfen, nachdem Don Wilkie und Ian Ilavsky, Gründer des damals neuen Indie-Labels Constellation Records und Koproduzenten des Albums, anboten, dass Album als dritte Veröffentlichung des Labels zu produzieren. Das Album wurde dann im August 1997 veröffentlicht, limitiert auf 500 handverpackte und nummerierte Vinyl-Scheiben.[4]

Nach der Veröffentlichung tourte die Band durch die Vereinigten Staaten. Um sich ein wenig bekannter zu machen, schickten sie eine Kopie des Albums nach Chicago, wo das Indie-Label Kranky sitzt. Kranky, überaus beeindruckt vom Album, boten an, das Album auf CD erneut zu veröffentlichen.[5] Die Band ging also schnell zurück ins Studio, um das Album neu aufzunehmen. Es wurde im Juni 1998 veröffentlicht. Es gibt Unterschiede zur LP-Version. Die CD-Version hat mehr Material, was sich zu drei Tracks und knapp 65 Minuten Musik widerspiegelt.

Stil[Bearbeiten]

Danny Boyle (2008)

Die Musik auf "F#A#∞" ist bekannt für ihre starken Lautstärkeänderungen, dunkle Musikatmosphäre, Verzicht auf Gesang und Text und Einteilung der langen Stücke in verschiedene Sätze. Alle Tracks beinhalten Field Recordings und Samples, einmal von David Keenan im Musikmagazin The Wire als eschatologische Tape Loops bezeichnet.[6] Das Hauptthema des Albums wird oft als apokalyptisch bzw. post-apokalyptisch bezeichnet.[7]

Der britische Regisseur Danny Boyle fühlte sich vom Album stark inspiriert während der Produktion des Horrorfilmes 28 Days Later. Während eines Interviews mit dem Guardian erklärte er:[8]

“I always try to have a soundtrack in my mind [when creating a film]. Like when we did Trainspotting, it was Underworld. For me, the soundtrack to 28 Days Later was Godspeed. The whole film was cut to Godspeed in my head.”

„Ich versuche immer einen Soundtrack in meinem Kopf zu haben [bei Erstellung eines Filmes]. Als wir zum Beispiel Trainspotting drehten, war es Underworld. Für mich war der Soundtrack für 28 Days Later Godspeed. Der ganze Film war in meinem Kopf Godspeed.“

Der erste Track, The Dead Flag Blues, beginnt mit einem von Lee Marvin gesprochenen Monolog. Dieser Monolog stammt von einem unvollendeten Film vom Gitarristen Efrim Menuck[4] namens Jail (dt.: Gefängnis). Unterlegt von einem dunklen Drone und einer Streichermelodie beschreibt der Sprecher eine zerstörte Stadt, in welcher die Regierung korrupt ist und die Bewohner mit Drogen vollgestopft sind. Dieser Monolog wird dann von Klängen startender Dampflokomotiven abgelöst und längeren, hohen Tönen. Dies entwickelt sich dann in eine Country-artige Melodie und wird dann von einem Outro abgelöst, welches Glockenspiel, Violine und Slide Guitar beinhaltet.

Der zweite Song, East Hastings, ist nach einer Straße in Vancouver benannt. Es beginnt mit einer Predigt einer Straßenpredigerin auf einer vielbefahrenen Straße.[9] Dann setzt ein Dudelsack ein, die Melodie aus dem Dead Flag Blues wiederholend. Der Dudelsack wird dann langsam leiser und der Satz Sad Mafioso beginnt. Von diesem Satz erschien eine geschnittene Version am Anfang des Filmes 28 Days Later.[8] Auch hört man von 8:20 bis 8:50 ein paar Bandmitglieder die Melodie leise mitsingen. Der Track endet mit elektronischen Klängen und einem lauten Bass.

Der letzte Track, Providence, ist der längste Track der Platte - er ist knapp 30 Minuten lang. James Oldham, NME, beschrieb es "teilweise The Good, the Bad and the Ugly und teilweise spirituelles Drone-Spektakel."[10] Der Anfang des Liedes bildet ein Field Recording, welcher ein Lied von Hank Williams, Jr. zitiert und aussagt, dass er an keinen nahenden Weltuntergang glaube. Dieser Sprecher wird bald von einem Cello-Stück, begleitet von Glockenspiel, Violine und Waldhorn, abgelöst. Perkussion setzt ebenfalls ein. Danach folgt eine Aufnahme von einer singenden Frau, allerdings mit allerhand Effekten manipuliert. Eine geradezu militärische Melodie folgt. Dann folgt der gesungene Satz "Where are you going? Where are you going?", gesamplet aus dem Song "By My Side" aus dem Musical Godspell (1970). Eine Klangcollage rundet den Track ab. Nach circa drei Minuten Stille folgt eine kurze Widmung an den amerikanischen Blues-Musiker John Lee Hooker.

Symbolik[Bearbeiten]

Der Titel des Albums wird „F-Sharp, A-Sharp, Infinity“ ausgesprochen. Dies bezieht sich auf die Akkorde, womit die beiden Seiten der LP beginnen, sowie auf den endlosen Loop am Ende von Seite B. Die CD-Version enthält diesen Loop nicht.

Die LP-Version mitsamt allen Extras

Die 500 Original-Schallplatten sind für ihre ungewöhnliche Verpackung und ihren Inhalt bekannt. Die LP wurde von der Band, ihrem Label Constellation und Künstlern aus Montreal gestaltet.[11] Eins der drei Fotos - einen Wasserspeicher, Zug oder ein Verkehrsschild zeigend - wurde auf das Cover geklebt. Die Hüllen der LP erwähnten die Songtitel nicht. Allerdings waren sie (und weitere Informationen über das Album) ins nicht abgespielte Vinyl der LP gekratzt(!).

In der LP-Verpackung befand sich nicht nur die LP, sondern mehrere Extras. Ein alter Flugzettel, die Linernotes auf einem separaten Zettel, ein Bild (gemalt von Efrim Menuck) und ein kanadischer Penny, plattgefahren von einem Zug.[11] Ein weichgezeichnetes Bild, dem Blues-Musiker Reverend Gary Davis gewidmet, befand sich ebenfalls in der LP. Barb Stewart vom Stylus Magazine und Mike Galloway vom NOW Magazine nannten Verpackung und Inhalt „wunderschön“.[12] Nach mehreren Neuauflagen wurde der Sammelprozess für die einzelnen Dreingaben rationalisiert. Es wurde nun nicht mehr alles per Hand gemacht. Allerdings wird die Platte immer noch bis heute mit der gleichen Verpackung verkauft.[4]

Die CD-Version des Albums ist vom Artwork her sehr viel simpler gehalten. Gitarrist David Byrant nannte die Verpackung einmal eine „Jewel Case CD-Missgeburt“[13] und zog die selbst gemachte LP vor.[6] Das Foto eines Straßenschildes wurde als Coverbild gewählt und wurde vom Originalfoto signifikant vergrößert und verdunkelt. Im Jewel Case sind die Linernotes und Bilder, sowie die „Faulty Schematics of a Ruined Machine“, das Bild, welches Efrim Menuck malte.

Kritiken[Bearbeiten]

Die Veröffentlichung wurde überwiegend positiv bewertet.

LP[Bearbeiten]

Für die LP-Version gab es kaum Kritiken. Stylus Magazine meinte, die Platte sei "erfinderisch und innovativ" und sie würde ein "neues Gebiet abstecken in einer Welt voller abgedroschener Experimente"[14][12] Gordon Krieger vom kanadischen Musikmagazin Exclaim! beschrieb es als "langsamen Soundtrack voller Reue und Verlangen, gleichermaßen missmutig und erwartungsfreudig"[12][15] Das Montrealer Hour schrieb, die langen Tracks "könnten ganz schön prätentios sein, aber die Klänge [die die Band] macht, sind viel zu cool, um kühl und überheblich zu sein."[12][16]

Das Chart-Magazin bewertete die LP als Platz #46 auf ihrer Liste der 50 besten kanadischen Alben aller Zeiten.[17]

CD[Bearbeiten]

Für die Auflage auf CD gab es mehr Rezensionen, die allgemein positiv waren. Marc Gilman von Allmusic sagte, dass "die Musik auf dem Album einzigartig und voller Power" sei und dass man "es ganz schön schwer hätte, irgendwelche Imitatoren dieser revolutionären Musikform" zu finden.[18] Magnet meinte, dass die drei Tracks als "atemberaubende Psychedelia im Kopfhörer- oder Surround Sound-Kontext serviert werden können[19][12] und wählte es auf Platz #38 der besten Alben aus den Jahren 1993-2003.[20] Der NME nannte es einen authentischen Klassiker und bemerkte die Vielfalt der im Album präsenten Klänge.[12] Pitchfork-Gründer und Kritiker Ryan Schreiber bemerkte, dass Godspeed eine der wenigen experimentellen Bands sei, welche "Schönheit und Emotion nicht aus ihren Stücken heraushalten" würden.[21][22] Später ordnete Pitchfork das Album auf Platz #45 ihrer Liste der 100 besten Alben der 90er ein.[23]

Trackliste[Bearbeiten]

LP-Version[Bearbeiten]

  1. Nervous, Sad, Poor... - 20.43
    1. The Dead Flag Blues (Intro) - 6.09
    2. Slow Moving Trains - 3.23
    3. The Cowboy - 4.16
    4. Drugs in Tokyo - 3.29
    5. The Dead Flag Blues (Outro) - 1.52
    6. ohne Titel - 1.34
  2. Bleak, Uncertain, Beautiful... - 17.40
    1. ...Nothing's Alrite in Our Life..." / "The Dead Flag Blues (Reprise) -2.00
    2. The Sad Mafioso - 5.33
    3. Kicking Horse on Brokenhill - 5.36
    4. String Loop Manufactured During Downpour... - 4.29

CD-Version[Bearbeiten]

  1. The Dead Flag Blues - 16.27
    1. The Dead Flag Blues (Intro) - 6.09
    2. Slow Moving Trains - 3.23
    3. The Cowboy - 4.16
    4. The Dead Flag Blues (Outro) - 1.52
  2. East Hastings - 17.58
    1. ...Nothing's Alrite in Our Life..." / "The Dead Flag Blues (Reprise) - 1.35
    2. The Sad Mafioso - 10.44
    3. Drugs In Tokyo - 3.43
    4. Black Helicopter - 1.56
  3. Providence - 29.02
    1. Divorce & Fever... - 2.44
    2. Dead Metheny... - 8.44
    3. Kicking Horse on Brokenhill - 5.53
    4. String Loop Manufactured During Downpour... - 4.36
    5. Nicht gelistete Stille - 3.32
    6. J.L.H. Outro - 4.08

Notizen[Bearbeiten]

Vinyl[Bearbeiten]

  • Die Namen der Sätze sind de facto nirgendwo auf der Vinyl-Veröffentlichung zu finden, sie sind von der CD-Version entnommen.
  • Der letzte Satz auf Seite A ist nicht auf der CD-Edition zu finden.
  • Die Länge der einzelnen Sätze ist nur geschätzt, da sie ineinander übergehen.
  • Die Vinyl-Edition läuft eigentlich ad infinitum.

CD[Bearbeiten]

  • "Slow Moving Trains" und "The Cowboy..." sind als gleicher Satz gelistet, sind aber eigentlich verschiedene Stücke.
  • "Drugs in Tokyo" und "Black Helicopter" sind als gleicher Satz gelistet, sind aber eigentlich verschiedene Stücke.
  • Die Längen der Sätze wurden der offiziellen Diskografie entnommen.

Gastmusiker[Bearbeiten]

Die Namen dieser Gastmusiker stammen aus den Linernotes des Albums. Die Nachnamen und jeweiligen Instrumente der Musiker sind unbekannt.

  • Amanda
  • Christophe
  • Colin
  • Dan O.
  • Jesse
  • Peter
  • Slyvain
  • Shnaiberg

John Arthur Tinberg ist für den Satz Slow Moving Trains... verantwortlich.

Quellenverzeichnis[Bearbeiten]

  1. Kritik von Pitchfork: Pitchfork Media (9.3/10)Schreiber, Ryan: F♯A♯∞ review. In: Reviews. Pitchfork Media. 1998. Archiviert vom Original am 30. April 2007. Abgerufen am 23. Februar 2009.
  2. Kritik von SputnikMusic: (5/5) F♯A♯∞ review Kritik accessdate=2009-02-15
  3. Carpenter, Lorraine and Rahman, Ali: Experimental jet-set trash and new stars. In: Montreal Mirror. 2000. Archiviert vom Original am 12. November 2002. Abgerufen am 14. Februar 2009.
  4. a b c d Constellation Records: F♯A♯∞ release information. In: Releases. Constellation Records. Abgerufen am 14. Februar 2009.
  5. Kranky: Godspeed You Black Emperor!. Kranky. Abgerufen am 22. August 2009.
  6. a b Keenan, David: Godspeed You Black Emperor! interview with The Wire. In: brainwashed.com. 1998. Abgerufen am 24. Februar 2009.
  7. Interview with The Scotsman. In: brainwashed.com. 2000. Abgerufen am 1. März 2009.
  8. a b Empire, Kitty: Get used to the limelight. In: guardian.co.uk. Guardian News and Media Limited. 2002. Abgerufen am 15. Februar 2009.
  9. Laut Menuck stamme die Predigt von einer afroamerikanischen Frau, welche auf dieser Straße tagein, tagaus in den 80ern und 90ern predigte.
  10. Im Original: "part The Good, the Bad and the Ugly and part spiritualized drone freakout."Reviews of F♯A♯∞. In: brainwashed.com. Abgerufen am 23. Februar 2009.
  11. a b Constellation Records: F♯A♯∞ packaging. In: Wayback Machine. Constellation Records. Archiviert vom Original am 18. August 2001. Abgerufen am 16. Februar 2009.
  12. a b c d e f Reviews of F♯A♯∞ LP. In: brainwashed.com. Abgerufen am 23. Februar 2009. (Im Original: beautiful).
  13. Original: jewel cased CD montrosity
  14. Im Original: innovative and inventive, "stakes out unique territory in a world overrun with hackneyed experimentation."
  15. Im Original: slow soundtrack of regret and desire, equal parts morose and expectant.
  16. Original: ...could be really pretentious but the sounds [the band] make are way too cool to be merely coldly superior.
  17. Chart Staff: Top 50 Canadian Albums of All Time. Chart. 2000. Archiviert vom Original am 3. Februar 2002. Abgerufen am 7. August 2009.
  18. Gilman, Marc: F♯A♯∞ review. In: Reviews. All Media Guide, LLC. Abgerufen am 15. Februar 2009.
  19. Im Original: served up as staggering psychedelia for a headphone or surround-sound context
  20. Acclaimed Music: Magnet's Top 60 Albums, 1993–2003. In: acclaimedmusic.net. Magnet. Abgerufen am 23. Februar 2009.
  21. Im Original: "one of the few that [haven't] left out beauty and emotion in their pieces."
  22. Schreiber, Ryan: F♯A♯∞ review. In: Reviews. Pitchfork Media. 1998. Archiviert vom Original am 30. April 2007. Abgerufen am 23. Februar 2009.
  23. Pitchfork Staff: Top 100 Albums of the 1990s. Pitchfork Media. Archiviert vom Original am 4. Mai 2007. Abgerufen am 23. Februar 2009.

Weblinks[Bearbeiten]