FAMAS

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
FAMAS
FAMAS dsc06877.jpg
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung: FAMAS
Einsatzland: Frankreich
Entwickler/Hersteller: Manufacture nationale d’armes de St-Etienne
Herstellerland: Frankreich
Produktionszeit: seit 1975
Modellvarianten: FAMAS F1, FAMAS F2, FAMAS G2
Waffenkategorie: Sturmgewehr
Ausstattung
Gesamtlänge: 757 mm
Gewicht: (ungeladen) 3,70 kg
Lauflänge: 488 mm
Technische Daten
Kaliber: 5,56 × 45 mm NATO
Mögliche Magazinfüllungen: 25 oder 30 Patronen
Kadenz: 900-1100 Schuss/min
Anzahl Züge: 3
Drall: Rechts
Visier: Offene Visierung
Verschluss: Verzögerter Masseverschluss
Ladeprinzip: Rückstoßlader
Listen zum Thema

FAMAS (« Fusil d’Assaut de la Manufacture nationale d’armes de St-Etienne » (deutsch: „Sturmgewehr der staatlichen Waffen-Fabrik St. Etienne“)) ist die Ordonanzwaffe verschiedener französischer Streitkräfte und der Deutsch-Französischen Brigade. Das Gewehr ist eine Bullpup-Konstruktion und verfügt über ein ausklappbares Zweibein.

Durch den charakteristischen Bügel erinnert die Silhouette des Gewehrs entfernt an eine Signaltrompete, weshalb französische Soldaten dem Gewehr den Spitznamen Clairon gaben.

Entwicklung[Bearbeiten]

Mitte der 1960er-Jahre wollte der französische Führungsstab die alte Maschinenpistole MAT 49 und das Selbstladegewehr MAS-49/56 durch ein modernes und universelles Sturmgewehr ersetzen. Bis zum Sommer 1970 einigte man sich darauf, M193 Patronen (Kaliber 5,56 × 45 mm NATO) zu verwenden. 1971 stellte die Manufacture nationale d’armes de St-Etienne (MAS) zehn Prototypen des Sturmgewehrs FAMAS vor. Nach zweijährigen Tests wurde es zwar für einsetzbar befunden, einige Details mussten aber noch verbessert werden. Die Truppen benötigten jedoch dringend ein Sturmgewehr und so wurde entschieden, während der Übergangszeit das SIG 540 einzusetzen. 1977 wurde mit der Serienproduktion des Gewehrs begonnen und 20.000 Stück an die Streitkräfte geliefert. 1978/79 wurden weitere 27.000 bzw. 48.000 Stück geliefert. Insgesamt erhielten die französischen Streitkräfte 400.000 Gewehre. Die Waffe wird auch in den verschiedenen ehemaligen Kolonien Frankreichs, in Libyen und den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt.

Baubeschreibung eines FAMAS F1[Bearbeiten]

FAMAS F1 und G2 im Vergleich

Das Sturmgewehr FAMAS 1 wurde für eine mittlere Einsatzdistanz von 300 m entwickelt und kann Gewehrgranaten verschießen.

Der auffällige Tragegriff enthält Kimme und Korn. Durch die Bullpup-Konstruktion war es möglich, trotz des relativ langen Laufs mit einer Länge von 49 cm ein sehr kompaktes Gewehr mit einer Gesamtlänge von ca. 76 cm zu bauen.

Das Gewehr ist, wie das französische AA-52-Maschinengewehr, ein Rückstoßlader mit verzögertem Masseverschluss. Der Verschluss besteht aus zwei Teilen, die durch einen Hebel verbunden sind. Dieser greift mit seinem unteren Ende ins Gehäuse ein. Beim Schuss verzögert er den Rücklauf des Verschlusskopfes und beschleunigt gleichzeitig das dahinter angebrachte Steuerstück. Im Unterschied zum Modell Colt M16A1 (USA) hat die Waffe keinen Verschlussfang. Im Patronenlager befinden sich 16 Rillen von je 44 mm Länge, die das Ausziehen der Patronenhülsen verbessern und damit die Funktionssicherheit erhöhen. Am Kolben befindet sich eine abnehmbare Klappe aus Plastik, die als Wangenauflage dient und den Patronenauswurf wahlweise von links oder von rechts abdeckt. Der Patronenauszug kann, je nachdem, ob der Schütze Links- bzw. Rechtshänder ist, im Verschluss umgesteckt werden. Damit wird vermieden, dass der auf Wangenhöhe angebrachte Patronenauswurf die heißen Hülsen bei Standardeinstellung dem Schützen ins Gesicht schleudert. Der Sicherungshebel befindet sich unmittelbar vor dem Abzug, dieser ist zugleich Wahlhebel für Einzel- bzw. Dauerfeuer. Legt der Schütze seinen Abzugsfinger an den Abzugsbügel, muss er eine Einstellung durch Entsichern nach links für Einzel- und nach rechts für Dauerfeuer oder Salven vornehmen. Außerdem hat der Schütze die Möglichkeit, an der Abzugseinrichtung (Wählschalter der gewünschten vollautomatischen Feuerart), die an der Unterseite der Schulterstütze angebracht ist, ebenfalls Einzel- bzw. Dauerfeuer sowie 3-Schuss-Serien einzustellen. Auffällig ist auch der hinter dem Mündungsfeuerdämpfer angebrachte verstellbare Ring, der mittels auf dem Lauf angebrachter Markierungen dazu dient, die gewünschten Entfernungen für Gewehrgranaten einzustellen. Beim Verschießen von Gewehrgranaten muss das Standard-25-Schuss-Kurvenmagazin gegen ein Spezialmagazin für zwei Gewehrgranaten-Kartuschen ausgetauscht werden. Granaten verschießt man im direkten oder indirekten Richten, wofür am Tragegriff ein Aufsetzvisier bzw. das am Tragegriff fest installierte Granatvisier benutzt wird. Die Gewehrgranaten-Kartuschen haben eine Treibladung, die der 500 g schweren Granate eine Mündungsgeschwindigkeit von 65 m/s verleihen. Eine ungewöhnliche Konstruktion ist auch die Standardvisiereinrichtung, die sich auf dem Tragegriff befindet und zwischen Kimme und Korn nur 330 mm misst. Dennoch ist die Treffgenauigkeit außergewöhnlich hoch. Für 100 m und 200 m Entfernung werden einstellbare Lochkimmen, für 300 m eine feste Kimme genutzt. Kimme und Korn sind höhen- und seitenverstellbar. Damit man bei Dunkelheit treffsicher schießen kann, hat das Korn einen Leuchtpunkt und die Visierklappe einen Aufsatz.

Ersatz[Bearbeiten]

Ab 2009 gab es bereits erste Gerüchte, dass die FAMAS ersetzt wird. Ract Madoux Chef d’Etat Major de l’Armée de Terre hat im Jahr 2011 bestätigt, dass man ab 2013 einen Ersatz sucht. Der Grund ist, dass die FAMAS normale Messinghülsen aus Sicherheitsgründen nicht verwenden kann und man daher Stahlhülsen verwenden muss, welche aber von anderen NATO-Staaten nicht verwendet werden.[1] Am 14. Mai 2014 wurde dann offiziell auf bomap.fr eine Ausschreibung von neuen Waffen veröffentlicht.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: FAMAS – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steve Johnson: French Army to replace the Famas Rifle. In: The Firearm Blog. Steve Johnson, 23. November 2011, abgerufen am 8. August 2014 (englisch).
  2. Avis n°14-70321 publié au BOAMP. In: boamp.fr. 14. Mai 2014, abgerufen am 8. August 2014 (französisch).