FEI-Weltcup Dressurreiten

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Die niederländische Dressurreiterin Marlies van Baalen mit Kigali beim Weltcupfinale 2007 in Las Vegas

Der FEI-Weltcup Dressurreiten (Reem Acra FEI World Cup™ Dressage) ist eine seit dem Jahr 1985 von der Internationalen reiterlichen Vereinigung (FEI) ausgetragene Turnierserie. Ideengeber für die Ausrichtung eines Weltcups der Dressurreiter ist der ehemalige Reiter und Ehemann der Olympiateilnehmerin Tineke Bartels, Joep Bartels. Dieser stand dem Weltcup bis 2004 als Weltcupdirektor vor.[1] Der Höhepunkt des Weltcups ist das jedes Jahr im März oder April ausgetragene Weltcupfinale.

Geschichte des Weltcups[Bearbeiten]

Die Geschichte des Dressurweltcups ist stark mit der Geschichte der Grand Prix Kür verbunden. Als Erfinder der Kür im Dressursport gilt Joep Bartels. Nachdem er 1984 Reiner Klimke und Ahlerich bei einer nach eigener Aussage „beeindruckende Serie fliegender Wechsel, genau zum Takt der Olympischen Hymne“ sah, kam ihm die Idee zur Durchführung einer Dressurprüfung, bei der die Reiter zu einer frei gewählten Musik eine eigene Choreografie reiten. Nachdem die Reiter und die nationalen Verbände zunächst skeptisch reagierten, wurde ein Jahr später erstmals der Dressur-Weltcup durchgeführt.

Im Gegensatz zum heutigen Reglement wurde in den ersten Jahren des Weltcups der Sieger anhand der Addition der Ergebnisse von Grand Prix und Grand Prix Kür ermittelt. Seit dem Jahr 2002 werden die Weltcupprüfungen ausschließlich in der Kür ermittelt, der Grand Prix dient nur noch als Einlaufprüfung und Qualifikationsprüfung bei hoher Teilnehmerzahl.[2] Zur Anfangszeit der Grand Prix Kür war diese auch weniger umfangreich als heute, so wurden nur zwölf technische Noten vergeben (Version 2009: 16 Noten).

Mit zunehmender Akzeptanz bei den Reitern und durch die höhere Attraktivität für Zuschauer und Fernsehen verbreitete sich die Kür auch bei den internationalen Championaten, so wurde diese ab 1996 Teil der Olympischen Spiele.[3]

Nachdem unter anderem Joep Bartels im Hinblick auf die steigenden Preisgelder im Springreitsport und die hohen Kosten der Dressurreiterei eine Steigerung der Preisgelder in der Dressur, insbesondere im Weltcup, forderte,[4] wurde während der Weltreiterspiele 2010 ein Sponsoring bekannt gegeben. Die Modedesignerin Reem Acra übernimmt ab der Saison 2010/2011 das Sponsoring der Westeuropaliga und des Finales des Weltcups für die Dauer von drei Jahren.[5]

Qualifikation zum Weltcupfinale[Bearbeiten]

Um am Weltcupfinale teilnehmen zu dürfen, müssen sich die Reiter hierfür qualifizieren. Hierfür sind zwei Wege vorgesehen:

Der erste, typische Qualifikationsweg erfolgt über so genannte Ligen, die sich wie folgend über die Welt verteilen:

Liga[6] geografische Lage Anzahl der Teilnehmer, die sich für das Weltcupfinale qualifizieren (laut Reglement 2010/2011) Teilnehmer bis zu folgendem Rang in der jeweiligen Ligawertung können nachrücken
Westeuropaliga europäische Staaten westlich der Linie Finnland – Ostsee – Deutschland – Österreich – Italien – Adriatisches Meer (inklusive der genannten Staaten) 9 bis 14. Rang
Zentraleuropaliga europäische Staaten östlich der bei der Westeuropaliga genannten Linie 2 bis 3. Rang
Nordamerikanische Liga Vereinigte Staaten von Amerika, Kanada, Mexiko 2 bis 3. Rang
Pazifische Liga Australien, Neuseeland 1 bis 2. Rang

Teilnehmer (bis zu dem in der voran stehenden Tabelle benannten Rang) können in das Weltcupfinale nachrücken, wenn ein anderer qualifizierter Teilnehmer auf seine Teilnahme am Weltcupfinale verzichtet.

Generell dürfen pro Nation nur drei Teilnehmer am Finale teilnehmen. Weitere Teilnehmer aus diesen Nationen dürfen auch keine Wildcard erhalten.

Soweit ein Reiter seinen Wohnsitz in einem anderen Staat als seinem Heimatland hat, kann er in der Liga dieses Landes teilnehmen und wird zunächst auch für diese Liga gewertet. Soweit er sich anhand des Reglements dieser Liga für das Weltcupfinale qualifiziert, zählt er als zusätzlicher Teilnehmer nicht für die (begrenzte) Startplatzanzahl dieser Liga.

Daneben vergibt die FEI per Wildcard zwei Startplätze an Reiter, die sich nicht für das Weltcupfinale qualifiziert haben. Ungenutzte Startplätze können von der FEI ebenso per Wildcard vergeben werden.

Um mit einem Pferd am Weltcupfinale teilzunehmen, muss ein Teilnehmer aus den Ligen mit diesem Pferd an mindestens zwei Qualifikationsprüfungen teilgenommen und die Prüfung mit mindestens 68,000 % abgeschlossen haben.

Der Titelverteidiger ist für das nächste Weltcupfinale qualifiziert, muss jedoch ebenso an mindestens zwei Weltcupprüfungen teilnehmen, um sein Pferd zu qualifizieren. Soweit er an Qualifikationsprüfungen teilnimmt, wird er in der Punktevergabe nicht berücksichtigt.

Neben den Teilnehmern dieser Ligen können sich Teilnehmer aus anderen Bereichen der Welt qualifizieren. So ist im Weltcupreglement ein Finalstartplatz für Teilnehmer aus dem Bereich Asien / Südamerika vorgesehen. Dieser Teilnehmer muss bei zwei Dressurturnieren, die mindestens als CDI 3* oder als CDI-W eingestuft sind, 68,000 % in der Grand Prix Kür erreichen.

Die Weltcupturniere werden in der Westeuropaliga in der Halle ausgetragen, in den anderen Ligen sind auch Freiluftturniere zugelassen.

Punktevergabe[Bearbeiten]

Die Punktevergabe ist nur für die europäischen Ligen festgelegt. Die nordamerikanische und die pazifische Liga haben ein eigenes Reglement.

Europäische Ligen[Bearbeiten]

Die jeweiligen Gesamtwertungen der einzelnen europäischen Ligen ergeben sich aus Wertungspunkten, die in jeder Qualifikationsprüfung vergeben werden. Die Punkte werden nach folgendem System vergeben:

  • 1. Platz: 20 Wertungspunkte
  • 2. Platz: 17 Wertungspunkte
  • 3. Platz: 15 Wertungspunkte
  • 4. Platz: 13 Wertungspunkte
  • 5. Platz: 12 Wertungspunkte
  • 6. Platz: 11 Wertungspunkte
  • 7. Platz: 10 Wertungspunkte
  • 8. Platz: 9 Wertungspunkte
  • 9. Platz: 8 Wertungspunkte
  • 10. Platz: 7 Wertungspunkte
  • 11. Platz: 6 Wertungspunkte
  • 12. Platz: 5 Wertungspunkte
  • 13. Platz: 4 Wertungspunkte
  • 14. Platz: 3 Wertungspunkte
  • 15. Platz: 2 Wertungspunkte

Sollte der 15. Rang mehrfach vergeben sein, erhalten alle Reiter auf diesem Platz 2 Wertungspunkte. Die Wertung ist nicht pferdebezogen, jedoch sind die vorgenannten Regelungen zu beachten.

In der Zentraleuropaliga wird zudem ein Ligafinale ausgetragen, für das sich die besten zehn Reiter der Endwertung der Zentraleuropaliga qualifizieren (es gilt eine Begrenzung auf drei Reiter pro Nation). Die beiden besten Teilnehmer in diesem Finale qualifizieren sich für das Weltcupfinale.

Nordamerikanische Liga[Bearbeiten]

Teilnehmer der Nordamerikanische Liga müssen an mindestens zwei Weltcupprüfungen teilgenommen haben, um in der Endwertung der Liga platziert zu werden. Hierbei wird aus den zwei besten Ergebnissen eines Reiters bei Weltcupprüfungen der Durchschnitt gebildet. Die zwei Reiter mit den höchsten Durchschnittswerten qualifizieren sich für das Weltcupfinale.[7]

Pazifische Liga[Bearbeiten]

Die Pazifische Liga verfügt im Gegensatz zu den übrigen Ligen über keine Rangliste. Jeweils im Dezember, Januar oder Februar wird in Australien oder Neuseeland ein Ligafinale für die Pazifische Liga stattfinden. Für dieses Finale qualifizieren sich Teilnehmer, die bei mindestens einem Dressurturnier, das mindestens als CDI 3* oder als CDI-W eingestuft ist, 62,000 % in der Grand Prix Kür erreicht haben. Der Sieger dieses Finales qualifiziert sich für das Weltcupfinale.[8]

Das Weltcupfinale[Bearbeiten]

Das Weltcupfinale findet jeweils im März oder April, am Ende einer Weltcupsaison, statt.

Das Weltcupfinale ist identisch wie die Qualifikationsprüfungen aufgebaut. Als erste Prüfung findet ein Grand Prix statt, der als Einlaufprüfung dient, jedoch für alle Teilnehmer am Finale verpflichtend ist. Der Sieger des Weltcupfinals wird ausschließlich anhand des Ergebnisses der Grand Prix Kür, der zweiten Prüfung des Finals, ermittelt.

Bisherige Sieger und Platzierte[Bearbeiten]

[9][10]

Weltcupsaison Austragungsort des Weltcupfinales Weltcupsieger Zweitplatzierter Drittplatzierter
1985/1986 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch DanemarkDänemark Anne Grethe Jensen mit Marzog
1986/1987 DeutschlandDeutschland Essen SchweizSchweiz Christine Stückelberger mit Gaugin de Lully
1987/1988 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch SchweizSchweiz Christine Stückelberger mit Gaugin de Lully
1988/1989 SchwedenSchweden Göteborg FrankreichFrankreich Margit Otto-Crepin mit Corlandus
1989/1990 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch DeutschlandDeutschland Sven Rothenberger mit Andiamo
1990/1991 FrankreichFrankreich Paris FinnlandFinnland Kyra Kyrklund mit Matador
1991/1992 SchwedenSchweden Göteborg DeutschlandDeutschland Isabell Werth mit Fabienne
1992/1993 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch DeutschlandDeutschland Monica Theodorescu mit Ganimedes
1993/1994 SchwedenSchweden Göteborg DeutschlandDeutschland Monica Theodorescu mit Ganimedes
1994/1995 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Los Angeles NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Bonfire
1995/1996 SchwedenSchweden Göteborg NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Bonfire
1996/1997 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Bonfire
1997/1998 SchwedenSchweden Göteborg SchwedenSchweden Louise Nathhorst mit Walk on Top
1998/1999 DeutschlandDeutschland Dortmund NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Bonfire
1999/2000 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Bonfire
2000/2001 DanemarkDänemark Aarhus [11] DeutschlandDeutschland Ulla Salzgeber mit Rusty DeutschlandDeutschland Isabell Werth mit Anthony FRH DeutschlandDeutschland  Rudolf Zeilinger mit Livijno
2001/2002 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch DeutschlandDeutschland Ulla Salzgeber mit Rusty – 81,570 % DanemarkDänemark Lars Petersen mit Cavan – 79,670 % SpanienSpanien Beatriz Ferrer-Salat mit Beauvalais – 79,120 %
2002/2003 SchwedenSchweden Göteborg Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Debbie McDonald mit Brentina – 78,890 %[12] DeutschlandDeutschland Heike Kemmer mit Albano – 76,940 % Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Guenter Seidel mit Nikolaus – 75,720 %
2003/2004 DeutschlandDeutschland Düsseldorf NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Salinero – 83,450  % NiederlandeNiederlande Edward Gal mit Lingh – 80,625 % DeutschlandDeutschland Hubertus Schmidt mit Wansuela Suerte – 78,875 %
2004/2005 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Las Vegas NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Salinero – 86,725 % NiederlandeNiederlande Edward Gal mit Lingh – 85,225 % Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Debbie McDonald mit Brentina – 83,450 %
2005/2006 NiederlandeNiederlande Amsterdam NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Salinero – 87,750 % DeutschlandDeutschland Isabell Werth mit Warum Nicht FRH – 81.150 % SchwedenSchweden Jan Brink mit Briar – 79.320 %
2006/2007 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Las Vegas DeutschlandDeutschland Isabell Werth mit Warum Nicht FRH – 84,250 % NiederlandeNiederlande Imke Schellekens-Bartels mit Sunrise – 77,950  % Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Steffen Peters mit Floriano – 77,800 %
2007/2008 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Salinero – 85,200 % DeutschlandDeutschland Isabell Werth mit Warum Nicht FRH – 82,600 % FinnlandFinnland Kyra Kyrklund mit Max – 78,150 %
2008/2009 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Las Vegas Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Steffen Peters mit Ravel – 84,950 % DeutschlandDeutschland Isabell Werth mit Satchmo – 84,500 % NiederlandeNiederlande Anky van Grunsven mit Painted Black – 82,150 %
2009/2010 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch NiederlandeNiederlande Edward Gal mit Totilas – 89,800 % NiederlandeNiederlande Adelinde Cornelissen mit Parzival – 82,850 % NiederlandeNiederlande Imke Schellekens-Bartels mit Sunrise – 82,150 %
2010/2011 DeutschlandDeutschland Leipzig
(Weltcupfinale 2011)
NiederlandeNiederlande Adelinde Cornelissen mit Parzival – 84,804 % DanemarkDänemark Nathalie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg mit Digby – 80,036 % DeutschlandDeutschland Ulla Salzgeber mit Herzruf´s Erbe – 78,821 %
2011/2012 NiederlandeNiederlande ’s-Hertogenbosch
(Weltcupfinale 2012)
NiederlandeNiederlande Adelinde Cornelissen mit Parzival – 86,250 % DeutschlandDeutschland Helen Langehanenberg mit Damon Hill NRW - 85,143 % ItalienItalien Valentina Truppa mit Eremo del Castegno - 81,232 %
2012/2013 SchwedenSchweden Göteborg
(Weltcupfinale 2013)
DeutschlandDeutschland Helen Langehanenberg mit Damon Hill NRW - 88,286 % NiederlandeNiederlande Adelinde Cornelissen mit Parzival – 86,500 % NiederlandeNiederlande Edward Gal mit Undercover – 84,446 %
2013/2014 FrankreichFrankreich Lyon
(Weltcupfinale 2014)
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Charlotte Dujardin mit Valegro – 92,179 % DeutschlandDeutschland Helen Langehanenberg mit Damon Hill NRW - 87,339 % NiederlandeNiederlande Edward Gal mit Undercover – 83,696 %
2014/2015 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Las Vegas
(Weltcupfinale 2015)
2015/2016 SchwedenSchweden Göteborg
2016/2017 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Omaha

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Geheimnis der niederländischen Dressur-Erfolge, Dieter Ludwig, 18. Juli 2010
  2. FEI in the Spotlight 52/2007: Making the best of time, the FEI World Cup™ Dressage 2007/2008, Equestrian Federation of Singapore
  3. FEI World Cup Dressage Celebrates 25th Anniversary, Pressemitteilung der FEI, 24. März 2010
  4. Mehr Geld in die Weltcup-Turniere... Fünf Deutsche beim Weltcup-Finale der Springreiter in Genf, Dieter Ludwig, 28. März 2010
  5. Reem Acra wird Sponsor für Dressur-Weltcup, PferdeSport International, 13. Oktober 2010
  6. Dressur-Weltcupreglement der FEI für die Saison 2010/2011
  7. Reglement Nordamerikanische Liga Dressur 2010/2011
  8. Reglement Pazifische Liga Dressur (PDF; 31 kB)
  9. Liste der Sieger der Weltcupfinale von 1985/1986 bis 2008/2009
  10. Ergebnislisten der Weltcupfinals 2002 bis 2010
  11. Ulla Salzgeber gewinnt Dressur-Weltcupfinale, Berliner Zeitung, 9. April 2001
  12. Debbie McDonald Named Champion of 2003 Dressage World Cup Final

Alle nicht mit einzelnen Quellenangaben belegten Textstellen, die das Weltcupreglement betreffen, haben das FEI-Weltcupreglement 2010/2011 als Textquelle.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: FEI World Cup Dressage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien