FIVB World Tour

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Finale Prag Open 22. Mai 2011:
Dalhausser gegen Alison

Die FIVB World Tour ist eine interkontinentale Turnierserie für Beachvolleyballer. Aus einzelnen Turnieren entwickelte sich zu Beginn der 1990er Jahre die Weltserie, die heute aus Grand Slams, Open und den zweijährlich stattfindenden Weltmeisterschaften besteht.

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Beachvolleyballturnier unter der Schirmherrschaft der FIVB fand 1987 am Strand von Ipanema in Rio de Janeiro statt. Es ging um insgesamt 22.000 US-Dollar Preisgeld. Die Gewinner der Veranstaltung waren die Amerikaner Sinjin Smith und Randy Stoklos. 1988 konnten Karch Kiraly und Pat Powers, die im Vorjahr ihren Landsleuten im Finale unterlegen waren, das Turnier in der Stadt am Zuckerhut für sich entscheiden. 1989 gab es im Februar das letzte Einzelturnier wiederum in Brasiliens zweitgrößter Stadt; Smith und Stoklos gewannen zum zweiten Mal den Titel. Im Juli des gleichen Jahres entstand die FIVB Beach Volleyball World Series. Das erste von drei Turnieren fand in Jesi statt. Sieger waren erneut Smith und Stoklos, die sich auch den Gesamtsieg der ersten Tour 1989/90 sichern konnten. 1990/91 gab es bereits vier Turniere; zu Italien, Japan und Brasilien kam Frankreich als Gastgeberland hinzu. 1991/92 präsentierten sich neue Austragungsorte in Spanien und Australien, die Tour war auf sieben Turniere angewachsen. Im August 1992 gab es zum ersten Mal einen Frauenwettbewerb der FIVB. In Almería waren Karolyn Kirby und Nancy Reno erfolgreich.

Bis Anfang 1996 ging eine Toursaison immer über zwei Jahre und endete im Februar oder März. Seitdem werden die FIVB-Toursieger am Ende des Kalenderjahres gekürt, so dass es 1996 zwei Mal diesen Titel gab (den ersten für die Saison 1995/96, die im Februar endete, den zweiten Titel für die Gesamtsieger der Turniere ab März bis Dezember des Jahres). 1997 gab es bereits 20 Veranstaltungen. Dazu gehörte auch die erste offizielle Beachvolleyball-Weltmeisterschaft in Los Angeles, bei der die brasilianischen Olympiasiegerinnen Pires/Silva und ihre Landsleute Pará/Guilherme die Titel gewannen. 2003 wurde die World Series zur Swatch FIVB World Tour, weil der FIVB den Schweizer Uhrenhersteller als Titelsponsor gewann. Der Vertrag wurde 2008 verlängert; die Laufzeit endete 2012.

2009 wurden Julius Brink und Jonas Reckermann die ersten deutschen Beachvolleyballweltmeister in Stavanger, die Tour bestand in diesem Jahr aus sechzehn Frauen- und vierzehn Männerwettbewerben einschließlich der Weltmeisterschaften[1].

FIVB Tour Champions[Bearbeiten]

Männer Frauen
1989/90 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Randy Stoklos / Sinjin Smith -
1990/91 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Randy Stoklos / Sinjin Smith -
1991/92 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Randy Stoklos / Sinjin Smith -
1992/93 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Randy Stoklos / Sinjin Smith Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Karolyn Kirby / Nancy Reno
1993/94 BrasilienBrasilien Roberto Lopes / Franco Neto Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Karolyn Kirby / Liz Masakayan
1994/95 NorwegenNorwegen Jan Kvalheim / Bjørn Maaseide BrasilienBrasilien Adriana Samuel Ramos / Mônica Rodrigues
1995/96 BrasilienBrasilien Roberto Lopes / Franco Neto BrasilienBrasilien Sandra Pires / Jackie Silva
1996 BrasilienBrasilien Zé Marco / Emanuel Rego BrasilienBrasilien Sandra Pires / Jackie Silva
1997 BrasilienBrasilien Zé Marco / Emanuel Rego BrasilienBrasilien Adriana Behar / Shelda Bede
1998 BrasilienBrasilien Guilherme Marques / Pará BrasilienBrasilien Adriana Behar / Shelda Bede
1999 BrasilienBrasilien José Loiola / Emanuel Rego BrasilienBrasilien Adriana Behar / Shelda Bede
2000 BrasilienBrasilien Zé Marco / Ricardo Santos BrasilienBrasilien Adriana Behar / Shelda Bede
2001 BrasilienBrasilien Tande Ramos / Emanuel Rego BrasilienBrasilien Adriana Behar / Shelda Bede
2002 ArgentinienArgentinien Martín Conde / Mariano Baracetti Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Kerri Walsh / Misty May-Treanor
2003 BrasilienBrasilien Ricardo Santos / Emanuel Rego BrasilienBrasilien Sandra Pires / Ana Paula Connelly
2004 BrasilienBrasilien Ricardo Santos / Emanuel Rego BrasilienBrasilien Adriana Behar / Shelda Bede
2005 BrasilienBrasilien Ricardo Santos / Emanuel Rego BrasilienBrasilien Juliana Felisberta Silva / Larissa França
2006 BrasilienBrasilien Ricardo Santos / Emanuel Rego BrasilienBrasilien Juliana Felisberta Silva / Larissa França
2007 BrasilienBrasilien Ricardo Santos / Emanuel Rego BrasilienBrasilien Juliana Felisberta Silva / Larissa França
2008 BrasilienBrasilien Harley Marques / Pedro Salgado BrasilienBrasilien Ana Paula Connelly / Shelda Bede
2009 DeutschlandDeutschland Julius Brink / Jonas Reckermann BrasilienBrasilien Juliana Felisberta Silva / Larissa França
2010 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Phil Dalhausser / Todd Rogers BrasilienBrasilien Juliana Felisberta Silva / Larissa França
2011 BrasilienBrasilien Emanuel Rego / Alison Cerutti BrasilienBrasilien Juliana Felisberta Silva / Larissa França
2012 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jacob Gibb / Sean Rosenthal BrasilienBrasilien Juliana Felisberta Silva / Larissa França
2013 LettlandLettland Jānis Šmēdiņš / Aleksandrs Samoilovs BrasilienBrasilien Talita Antunes da Rocha / Taiana Lima

Turniere[Bearbeiten]

Grand Slam[Bearbeiten]

Die 32 für das Hauptfeld qualifizierten Paare absolvieren zunächst eine Vorrunde in acht Gruppen zu je vier Teams. Die Ersten dieser Poolrunde qualifizieren sich direkt fürs Achtelfinale, wo sie auf die Sieger der Paarungen zwischen den Zweiten und Dritten treffen. Diese wie auch die folgenden Begegnungen werden im K.-o.-System ausgetragen. Nach dem Halbfinale werden sowohl der Titel als auch der dritte Platz ausgespielt. Bei den Grand Slams beträgt das Preisgeld 220.000 US Dollar. Die Gewinner erhalten davon 33.000 Dollar und außerdem 800 Weltranglistenpunkte.

Open[Bearbeiten]

Gespielt wurde bis einschließlich 2012 im Double knock-out bis zum Halbfinale. Seit 2013 ist der Ablauf identisch mit dem Grand Slam. Bei den Open gibt es insgesamt 75.000 US Dollar Preisgeld zu gewinnen. Das Siegerteam erhält 11.000 Dollar und 500 Weltranglistenpunkte.

Weltmeisterschaft[Bearbeiten]

Das Hauptfeld besteht aus 48 Teams, die die Vorrunde in zwölf Pools zu je vier Teams bestreiten. Die Gruppensieger, -zweiten und acht besten -dritten qualifizieren sich für die Runde der besten 32 Mannschaften, die im K.-o.-System ausgetragen wird. Ab dem Achtelfinale ist der Ablauf der gleiche wie bei Grand Slam und Open. Bei einer Weltmeisterschaft werden insgesamt 500.000 US Dollar ausgeschüttet, von denen das Siegerteam 60.000 Dollar erhält und dazu 1000 Punkte für die Weltrangliste.[2].

Reglement[Bearbeiten]

Main Draw[Bearbeiten]

Am Hauptwettbewerb eines Grand Slam oder eines Open-Turniers nehmen 32 Paare teil. 22 Paare qualifizieren sich über für Nationalverbände vergebene Punkte durch die FIVB. Unter den 22 Teams befinden sich mindestens zwei Duos aus dem Gastgeberland, die an die Positionen Eins und mindestens Acht gesetzt werden (an eine niedrigere Stelle, wenn die Nationenpunktzahl höher ist). Zusätzlich vergeben die FIVB und der Veranstalter je eine Wildcard an förderungswürdige Teams. Die restlichen acht Teams werden durch eine Qualifikation ermittelt. Unter den 24 Paaren, die direkt für das Hauptfeld startberechtigt sind, dürfen sich nur drei Teams pro Nation ausschließlich der Wild Cards befinden.

Pool System[Bearbeiten]

Im Pool spielt jedes Duo gegen jedes andere Team, sodass es insgesamt sechs Spiele gibt. Jeder Sieger eines Spiels erhält zwei Punkte, der Verlierer einen Punkt, auch wenn er aus Verletzungsgründen aufgibt oder nicht antreten kann. Ein Paar, das aus anderen Gründen nicht antritt, erhält keinen Punkt. Im Falle einer verletzungsbedingten Absage eines Teams schaut die Punkteverteilung folgendermaßen aus: Der Sieger erhält zwei Punkte, 2:0 Sätze 0:0 Ballpunkte für jeden Satz. Die absagende Mannschaft erhält einen Punkt, 0:2 Sätze und 0:21 Ballpunkte für jeden Satz. Im Falle einer Aufgabe gilt die gleiche Regelung mit dem Unterschied, dass die bisher erzielten Ballpunkte und Sätze zählen. Ein Beispiel: Team A führt 21:17, 4:3, als Team B verletzungsbedingt aufgeben muss. Team A erhält 2 Punkte, 2:0 Sätze und 21:17, 4:3 Ballpunkte. Team B erhält einen Punkt, 0:2 Sätze und 17:21, 3:21 Ballpunkte.

Für das Weiterkommen gibt es besondere Regularien. Die Gruppenersten, -zweiten und -dritten qualifizieren sich für das weitere Turnier (Ausnahme WM, dort kommen nur die acht besten Dritten weiter), die Gruppenvierten scheiden aus. Haben zwei Teams die gleiche Anzahl an Punkten, entscheidet der direkte Vergleich über die bessere Platzierung. Sind drei Teams punktgleich, entscheidet der Ballpunktequotient der Begegnungen dieser drei Teams untereinander über die Reihenfolge. Dadurch kann es zu in der Abschlusstabelle des Pools nicht nachvollziehbaren Ergebnissen kommen. Als Beispiel dient der Pool F der Fuzhou Open der Männer im April 2013. Die Letten haben sowohl ein besseres Satz- als auch ein besseres Ballpunktverhältnis als die Chinesen, liegen trotzdem in der Tabelle hinter dem asiatischen Team, weil sie im Vergleich der Begegnungen der drei punktgleichen besten Teams untereinander den schlechtesten Quotienten bei den Ballpunkten haben.

Qualifikation[Bearbeiten]

Bei der Weltmeisterschaft gibt es keine Qualifikation. In den beiden anderen Wettbewerben ermitteln bis zu 32 Teams in zwei Runden die restlichen acht Teilnehmer am Hauptwettbewerb.

Country Quota[Bearbeiten]

Die Country Quota wurde bis einschließlich 2012 durchgeführt. Dort spielten mehrere Teams einer Nation die Anzahl der Teilnehmer aus, die an der Qualifikation teilnehmen dürfen. Zum Beispiel waren beim Grand Slam in Gstaad 2010 zwei deutsche Frauenteams für das Hauptfeld gesetzt, vier weitere hatten für die Teilnahme gemeldet. Da nur zwei Teams für die Hauptqualifikation zugelassen werden konnten, mussten die vier weiteren Teams in der Country Quota im einfachen K.O. System zwei Sieger ausspielen, um nicht mehr als insgesamt vier deutsche Teilnehmer am Hauptwettbewerb möglich zu machen. Hätte der gleiche Grand Slam in Berlin stattgefunden, hätten alle vier weiteren Teams an der Qualifikation teilnehmen dürfen, da für das Gastgeberland bis zu sechs Paare am Hauptwettbewerb teilnehmen konnten. Seit der Saison 2013 wird keine Country Quota mehr gespielt[3].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: FIVB World Tour – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.fivb.org/TheGame/BeachVolleyball_Origins.htm?sm=13#2009
  2. http://www.fivb.org/EN/BeachVolleyball/Competitions/WorldTour/2013/Handbook_2013/FIVB-BVB-Handbook2013-CH10-pdf06_web.pdf
  3. http://www.fivb.org/EN/BeachVolleyball/Competitions/WorldTour/2013/Handbook_2013/FIVB-BVB-Handbook2013-CH09-pdf14_web.pdf